Johannes von Tepl

JOHANNES VON TEPL wurde um 1350 in Tepl oder Šitibor geboren und ist um 1415 wahrscheinlich in Prag gestorben. In Saaz arbeitete er als Notar, bekleidete aber auch andere Ämter, so wird er beispielsweise als Rektor der örtlichen Lateinschule erwähnt und als Stadtschreiber. Neben diesen angesehenen und einflussreichen Ämtern betrieb er Handel; wahrscheinlich nötigte ihn sein geringes Einkommen zu dieser Art von Nebenverdienst.
Sicher ist, dass er neben der tschechischen Sprache Deutsch beherrschte und als Gelehrter natürlich auch Latein. Somit ist es bemerkenswert und lässt Rückschlüsse auf das geistige Klima zu jener Zeit zu, dass er seine Dichtung in Frühneuhochdeutsch abfasste.

In Prag war 1348 die erste deutsche Universität gegründet worden. Am Königshof war man den Wissenschaften zugewandt und pflegte engen Kontakt zu italienischen Renaissancehumanisten, die das Ideengut humanistischer Bildung und das Interesse an den Dichtungen der antiken Schriftsteller auch nördlich der Alpen verbreiteten. Unter den zahlreichen Übersetzungen aus dem Griechischen, Lateinischen und Italienischen ragt der Disput JOHANN VON TEPLS als eigenständiges deutschsprachiges Werk heraus.

„Der Ackermann aus Böhmen“

„Der Ackermann aus Böhmen“ (siehe PDF "Johannes von Tepl - Der Ackerman aus Böhmen") bedient sich eines literarischen Schemas, das im Mittelalter gang und gäbe war: die Klage eines Hinterbliebenen, der einen nahen Menschen an den Tod verloren hat.
Aus der Dichtung erfahren wir den einzig verbürgten Fakt aus dem Leben des Autors: Am 1. August 1400 war seine Frau Margaretha am Kindbettfieber gestorben. Dieser bittere Verlust veranlasste ihn zu dem fiktiven Streitgespräch mit dem „grimmigen Tilger aller Leute“: dem Tod.

Inhalt: Der Schriftsteller tritt in der Gestalt des Ackermanns auf und führt mit dem Tod ein Streitgespräch über den Sinn von Leben und Tod. Der Ackermann fordert in leidenschaftlichen Worten vom Tod Rechenschaft und beharrt auf dem Anspruch des Menschen auf Glück und Freude im Diesseits. Der Tod allerdings verweist ihn auf die Vergänglichkeit alles Irdischen und ruft Gott als höhere Instanz an. Gott schlichtet den Streit, indem er den Ackermann dazu ermahnt, die Macht des Todes anzuerkennen.

„Jeder mensche dem Tode das leben, den leib der erden, die sele Uns pflichtig ist zu geben!“

Nun ist der Ackermann bereit zu akzeptieren, dass alles Lebende unwiderruflich dem Tod geweiht ist, dass Gott einen Anspruch auf die Seele hat und dass sein Aufbegehren gegen dieses Prinzip sinnlos ist. Mit dieser Einsicht beendet er seine Klagen und sinkt in ein inbrünstiges Gebet für die Seele der Verstorbenen.

Überlieferung: Das Werk „Der Ackermann aus Böhmen“ ist in Handschriften und Drucken überliefert, die mehr als 40 Jahre nach TEPLs Niederschrift des Disputs datieren. Es gibt Spekulationen darüber, dass JOHANNES VON TEPL gewissermaßen nur das Urbild des Textes geliefert habe, der uns dann aus der Hand eines späteren unbekannten Autors überliefert wurde.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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