Republik Georgien

Georgien liegt in Südwestasien. Das Land grenzt im Westen ans Schwarze Meer, im Norden an die Russische Föderation, im Osten und Südosten an Aserbaidschan, im Süden an Armenien. Im Südwesten grenzt Georgien an die Türkei und hat einen Küstenanteil am Schwarzen Meer (Bild 1). Zu Georgien gehören im Nordwesten die Autonome Republik Achasien, im Südwesten die Autonome Republik Adscharien sowie im Norden das Autonome Gebiet Südossetien. Das Land ist etwa so groß wie Irland. Die Hauptstadt ist Tiflis. Der Name des Landes leitet sich wahrscheinlich aus dem griechischen Wort „georgos“, Ackerbauer, ab.

Wichtige Daten zum Land

Fläche:69 700 km²
Einwohner:5,1 Mio.
Bevölkerungsdichte:73 Einw./km²
Bevölkerungswachstum:-0,9 %/Jahr
Lebenserwartung:73 Jahre
Landeshauptstadt:Tiflis
Staatsform:Republik
Sprachen:Georgisch, Russisch, Sprachen der Minderheiten
Religionen:mehrheitlich georgisch-orthodoxe, armenisch- apostolische Kirche, Muslime, Minderheit von Juden
Klima:feucht-subtropisches bis kühlgemäßigtes Klima
Bodennutzung:Ackerland 10 %, Wald 32 %, Weideland 16 %
Wirtschaftssektoren (Anteil der Beschäftigten):Landwirtschaft 20 %, Industrie 25 %, Dienstleistungen 54 %
Exportgüter:Metallschrott, Wein, Nüsse, Dünger, Eisenmetalle, Magnesiumerze, Rohöl
Bruttoinlandsprodukt:3 988 Mio. US-$ (2003)
Bruttosozialprodukt:770 US-$/Einw. (2003)

 

Die Lage Georgiens

Die Lage Georgiens

Naturraum

Oberflächengestalt

Georgien ist das landschaftlich abwechslungsreichste der transkaukasischen Länder und war daher stets ein beliebtes Touristenziel. Auf seiner Landesfläche sind Hochgebirge ebenso zu finden wie weite Ebenen, Flusstäler und Küstenbereiche. Die Hälfte Georgiens ist Gebirgsland und höher als 1000 m. Der vergletscherte Hauptgebirgskamm des Großen Kaukasus und seine Südabdachung durchziehen Georgien an der Grenze zu Russland. Der höchste Berg ist der Schara mit 5068 m.
Der westliche Rücken des Kleinen Kaukasus nimmt den Süden des Landes ein. Seine Gipfel reichen bis zu 3000 m in die Höhe. Zwischen den Gebirgen liegt die transkaukasische Senkungszone, die im Westen bis zum Suramigebirge reicht, das den Großen und den Kleinen Kaukasus verbindet. Die Kolchis ist eine weite Niederung. Sie liegt zwischen dem Großen und dem Kleinen Kaukasus westlich des Suramigebirges und öffnet sich im Westen zum Schwarzen Meer.

Gewässer

In der Senkungszone fließt der Kura, der längste Fluss Georgiens. Er entspringt in der Türkei, durchfließt Georgien auf einer Länge von 350 km und mündet nach 1364 km in Aserbaidschan in das Kaspische Meer.
 

Klima

Zwischen dem Westen und dem Osten des Landes bestehen deutliche Klimaunterschiede.
Die küstennahen Regionen am Schwarzen Meer haben feuchtes, subtropisches Klima. Die mittlere Januartemperatur beträgt etwa 4 °C, im Juli steigen die Werte auf etwa 30 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 300 und 800 mm.
Nach Osten hin wird das Klima zunehmend kontinentaler und somit trockener. In Tiflis fallen rund 500 mm Niederschlag pro Jahr (Bild 2). Das Januarmittel liegt um den Gefrierpunkt, die Julitemperatur erreicht etwa 24 °C. Im Winter kann die Temperatur auf unter –20 °C fallen, im Sommer auf über 40 °C steigen. An den Westhängen des Großen und des Kleinen Kaukasus fallen die meisten Niederschläge. Sie erreichen Werte von bis zu 3000 mm pro Jahr.

Vegetation

Rund 25 % der Fläche Georgiens ist von Wäldern bedeckt. Oberhalb von 1900 m dominieren Nadelhölzer und Birken. Die Baumgrenze liegt im Großen Kaukasus bei etwa 2800 m. Jenseits der Baumgrenze wachsen alpine Matten. In weiten Teilen der Becken- und Senkungszone des Landes sowie dem Gebirgsland im Süden ist Steppe die natürliche Vegetationsform. Sie ist heute weitgehend in Kulturland umgewandelt.

Bevölkerungszusammensetzung

Die Georgier bezeichnen sich selbst als Kartweli. Sie haben einen Anteil von 70 % an der Bevölkerung. Sie gehören zum größten Teil der griechisch-orthodoxen Kirche an, die seit 1990 eine herausgehobene Stellung im Staat hat. Minderheiten sind die Armenier mit 8 % der Bevölkerung sowie Aserbaidschaner und Russen mit jeweils etwa 6 % sowie Osseten mit rund 3 %. Die Konflikte mit einigen nach Autonomie strebenden ethnischen oder religiösen Minderheiten haben seit der Unabhängigkeit 1991 wiederholt zu innenpolitischen Spannungen geführt.
 

Klimadiagramm von Tiflis

Klimadiagramm von Tiflis

Bevölkerungsverteilung

Der Süden und Osten der Kolchis und der Küstenstreifen am Schwarzen Meer sind am dichtesten besiedelt. Fast 59 % der Bevölkerung lebt in Städten. Allein im Ballungsraum Tiflis lebt mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Lebensstandard

Seit dem Ende der Sowjetunion ist der Lebensstandard der Georgier gesunken. Georgien war zuvor eine der wohlhabendsten Republiken der UdSSR. Das Pro-Kopf-Einkommen ist dem eines Entwicklungslandes vergleichbar. Das Bildungssystem ist dagegen mit 20 Hochschulen gut entwickelt.

Wirtschaft

Der 1990 ausgebrochene Bürgerkrieg hat das Land wirtschaftlich ruiniert. Dringend notwendige Reformen wurden verzögert. Vom Niedergang war vor allem die Industrie betroffen. Als Folge wurde die Landwirtschaft zum wichtigsten Wirtschaftssektor. Georgiens Landfläche ist zu 42 % landwirtschaftlich nutzbar. Die wichtigsten Anbaugebiete mit fruchtbaren Böden sind die Kolchis und die transkaukasische Senkungszone. Es werden Wein, Zitrusfrüchte, Obst, Tee, Gemüse, Tabak, Mais, Weizen, Baumwolle und Sonnenblumen angebaut. Seinen Bedarf an Grundnahrungsmitteln kann Georgien nicht decken, Getreide und Kartoffeln müssen importiert werden.
Der Anbau von Tee ist für Georgien volkswirtschaftlich bedeutend. Das Land deckte vor 1991 über 90 % des sowjetischen Bedarfs. Auch nach der Unabhängigkeit ist Tee eines der wichtigsten Exportgüter Georgiens. Maulbeerbäume dienen der Zucht von Seidenraupen. Georgische Weine und Weinbrände sind von hervorragender Qualität.
In den ebenen Landesteilen wird Rinderzucht, Schafhaltung in den gebirgigen Landesteilen betrieben.

Die wichtigsten Industriezweige Georgiens sind heute Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie Textilindustrie.
Die wichtigsten Bodenschätze sind Steinkohle, Mangan- und Kupfererze sowie in geringen Mengen Erdöl und Erdgas. Die Manganvorkommen gehören zu den größten der Welt.
Die wichtigsten Handelspartner sind Russland, die Türkei, Aserbaidschan und Armenien. Georgien hat mehrere große Häfen und in Tiflis einen internationalen Flughafen.
Auf dem Tourismus als Devisenbringer ruhen die Hoffnungen Georgiens für die Zukunft. Kur- und Wintersportorte und die Schwarzmeerküste sind attraktive Reiseziele. Nach den Bürgerkriegen muss dieser Sektor jedoch erneut durch Werbung belebt werden.


Aus der Geschichte

6. Jh.: Griechische Kolonisten gründen an der Küste des Schwarzen Meeres Siedlungen, Kolchis und Iberien.

395 n. Chr.: Georgien wird Teil des Oströmischen Reiches. Das Christentum wird Staatsreligion.

654 n. Chr.: Georgien wird Teil des Kalifenreiches.

im 10. Jh.: Goldenes Zeitalter Georgiens. Georgische Königreiche

1221–1243: Kämpfe gegen die Mongolen. Georgien unterliegt der Goldenen Horde.

bis 1810: Bildung von Kleinreichen, Teilungen und Annexionen

1810: Georgien wird Teil des Russischen Zarenreiches.

1921: Die Rote Armee besetzt Georgien und vereint es mit Aserbaidschan und Armenien zur Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik.

1936: Georgien wird eigenständige Sowjetrepublik.

9. April 1991: Georgien erklärt seine Unabhängigkeit von der UdSSR. Bürgerkriege. Die inneren Auseinandersetzungen flammen immer wieder auf.

1993: Georgien tritt der GUS bei.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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