Theophrastus Paracelsus

Die Zeit, in der er lebte

Im 15. Jahrhundert hatte der Feudalismus in Deutschland seinen Höhepunkt erreicht. Geld als Zahlungsmittel erlangte immer größere Bedeutung und damit verschlechterte sich auch die Situation der Bauern. Als sich das 15. Jahrhundert seinem Ende neigte, entwickelten sich vielerorts die Produktivkräfte und führten zu Veränderungen in allen Klassen und Schichten.

Von Bedeutung war das Geburtsjahr des PARACELSUS: 1493. In dieses Jahr fiel der Bauernaufstand unter dem Zeichen des Bundschuhs. Unter der Führung von J. FRITZ kam es 1502 und 1513 zu weiteren Bundschuhbewegungen. Die letztere organisierte er in Lehen bei Freiburg im Breisgau. Hier führte er seinen Kampf gegen die Pfaffen und den Adel und ging dabei Bündnisse mit Bauern, Handwerkern und der Stadtarmut ein. Neben diesen Bauernunruhen kam es auch zu Unruhen in den Städten.

Mit der Entwicklung des Bürgertums wuchs in dieser neuen Schicht auch der Wunsch nach einer neuen Weltanschauung. Anknüpfend an die Auffassungen der Griechen und Römer sowie der antiken Kultur bildete sich der Humanismus heraus, dessen Ursprung in Italien liegt.

Kunst und Wissenschaft wurden von der neuen Weltanschauung beeinflusst. Die stürmische Entwicklung der Produktionskräfte begünstigte, verlangte aber auch eine Weiterentwicklung der Wissenschaften. Und so brachte diese Zeit einige berühmte Wissenschaftler hervor. So veröffentlichte J. MÜLLER Bücher über Dreiecke und die Veränderung des Kalenders. 1474 legte er eine astronomische Tabelle über Sonne, Mond und Planeten vor, die besonders für die Seefahrt von großer Bedeutung war. Daneben entwarf in der Zeit von 1459 bis 1507 der Geograf M. BEHAIN den ersten Erdglobus. Mit der Entwicklung des Handels und der Geld-Ware-Beziehung gewann auch die Rechenkunst an Wichtigkeit und wurde immer stärker verbreitet. Besonders hilfreich waren hierbei die Rechenbücher des ADAM RIES (1492-1559). Noch heute heißt es, nach „ADAM RIES“, um die Richtigkeit einer Rechnung zu untermauern.

Der Fortschritt machte auch vor der Heilkunst nicht Halt, mit der sich die Ärzte immer intensiver auseinandersetzten. Besonders nach den großen Seuchen des 14. Jahrhunderts suchten sie nach Ursachen und Heilungsmöglichkeiten von Krankheiten. THEOPHRASTUS BOMBASTUS VON HOHENHEIM, genannt PARACELSUS, war der berühmteste Arzt seiner Zeit. Er studierte nicht nur alte Medizinbücher, sondern beschritt auch neue Wege. Sein besonderes Augenmerk galt dabei nicht nur der Heilung von Krankheiten, sondern der Suche nach der Ursache einer Krankheit.

Das Leben des Paracelsus

Noch heute tragen viele Krankenhäuser und Kliniken seinen Namen: THEOPHRASTUS PARACELSUS. Geboren wurde er am 17. Dezember 1493 bei Einsiedel nahe der Stadt Zürich. Sein Vater war ein schwäbischer, adliger Arzt und Metallurg.

Die ersten Kenntnisse der Chemie und Medizin vermittelte ihm sein Vater, der ab 1502 als Arzt und Lehrer an der Bergschule in Villach (Kärnten) tätig war.

Mit 16 Jahren begann PARACELSUS sein Studium an der Universität in Wien. Dort erwarb er vermutlich auch das Bakkalaureat (lat.; ist unterster akademischer Titel in England und Nordamerika). Ab 1512 studierte er an der Universität Ferrara, wo er um 1516 den Doktortitel der Leib- und Wundarznei erwarb.

Wundarzt und auf Reisen

Im Anschluss daran unternahm PARACELSUS verschiedene Reisen durch Europa. Dabei nahm er als Wundarzt auch an mehreren Kriegen teil. Auf seinen Reisen kam er 1524 nach Villach und 1524/25 auch nach Salzburg, wo er sich zunächst niederließ. Im Folgenden führte ihn sein Weg nach Bayern in den Schwarzwald. 1526 verweilte er in Straßburg und ein Jahr später nahm er seinen Wohnsitz in Basel. Hier wurde PARACELSUS zum Stadtarzt berufen. Gleichzeitig wirkte er als Professor für Physik, Medizin und Chirurgie an der Universität.

Im Februar 1528 war er in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, weswegen er Basel verließ. Das war der Beginn seiner zweiten großen Wanderschaft. Im Folgenden besuchte er eine Vielzahl von Städten: Colmar, Nürnberg, Regensburg, St. Gallen, Zürich, Innsbruck, Ulm, Augsburg, München, Preßburg (Bratislava), Wien, Villach. Letzte Station seiner Wanderschaft war Klagenfurt.

Anwendung der Alchemie für pharmazeutische Zwecke

Sein besonderes Interesse galt von Anfang an der praktischen Anwendung der Alchemie für pharmazeutische Zwecke und so begründete er die Iatrochemie. In den Augen PARACELSUS' war die Chemie eine wichtige Hilfswissenschaft der Medizin. Gleichzeitig bezog er Position gegen das Goldmachen. Darin bestand seit vielen Jahrhunderten die Hauptaufgabe vieler Alchimisten. Mit seinen Ansichten schuf PARACELSUS die Voraussetzungen dafür, dass Chemie in die Ausbildung von Ärzten und Apothekern aufgenommen wurde.

PARACELSUS' Heilmethoden wiesen erhebliche Unterschiede zur bisherigen Praxis auf. So führte er die Benutzung von Metallen, besonders von Antimons in in die Medizin ein. Gleiches gilt für Quecksilber, Blei, Eisen, Kupfer, Gold und Silber, Zink aber auch Arsen und Schwefel. Diese Stoffe nutzte er trotz ihrer Giftigkeit in geringen Mengen als Arzneimittel. Zu den von ihm verwendeten Medikamenten zählen Eisentinkturen, Schwefelblume, Minerale und verschiedene Essenzen.

Disharmonie als Ursache von Krankheiten

Ab 1526 vertrat er die Meinung, dass Quecksilber, Schwefel und Salz die drei Grundbestandteile aller Vorgänge in der Natur sind und schloss darin den menschlichen Körper mit ein. Damit trat er ein weiteres Mal in Widerspruch zu bisherigen Anschauungen. PARACELSUS ging davon aus, dass der menschliche Körper immer dann gesund ist, wenn die drei Grundelemente in einem spezifisch richtigen Mischungsverhältnis vorhanden sind, also harmonisch zusammenwirken. Ist diese Harmonie gestört, so bildet die nun vorhandene Disharmonie die Ursache für Krankheiten. Daneben brachte er die drei abstrakten Grundelemente mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung. So ordnete er Schwefel die Eigenschaft zu, brennbar zu sein. Quecksilber beschrieb er als einen giftigen Stoff, der sublimierbar (Fähigkeit, in einen gasförmigen Zustand überzugehen) ist, und Salz als nicht brennbar.

Damit beschäftigte er sich in seiner Lehre als Erster mit dem Zusammenhang, der zwischen einem Stoff und seinem chemischen Verhalten besteht. Die von ihm gemachten Erfahrungen standen aber im Widerspruch zu den doktrinären medizinischen und alchemistischen Theorien, die er in deutscher Sprache verbreitete.

Seine Erfahrungen begründeten sich auf verschiedene Experimente, bei denen er die verschiedenen Stoffe erhitzte. Als Wärmequelle nutzte er Brenn- und Spiegelgläser. In seinen Experimenten kamen Silbernitrat, Kaliumsulfat, Goldchlorid, Chloride und Nitrate von Eisen, Kupfer, Blei und Zink zum Einsatz. Daneben verwendetet er Arsensäure, kolloidales Gold und Silber, durch Destillation gewonnene Essigsäure sowie Scheide- und Königswasser.

In seinen Experimenten erkannte er, in welcher Reihenfolge sich die Metalle aus den Lösungen ihrer Salze bei Gold, Silber, Eisen und Kupfer verdrängen. Zudem war er der erste Wissenschaftler, der den Begriff Zink verwendete.

Im Alter von 48 starb PARACELSUS am 24. September 1541 in Salzburg.

Bedeutende Leistungen

  • Begründer der Iatrochemie
  • Er machte Chemie zum Bestandteil der Ausbildung von Apothekern und Ärzten.
  • Er verwendete giftige Stoffe in geringen Mengen als Medikamente.
  • Er legte erstmalig dar, dass es immer einen Zusammenhang zwischen einem Stoff und seiner chemischen Reaktion gibt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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