Kontinent und Staat Australien

Australien ist mit einer Fläche von 7,7 Mio. km² der kleinste der Kontinente der Erde und umfasst den größten Teil der Landmasse Ozeaniens. Zum Bundesstaat Australien gehören die südlich vorgelagerte Insel Tasmanien sowie eine Vielzahl weiterer Inseln.

Australien erstreckt sich beiderseits des südlichen Wendekreises etwa zwischen 10° n. B. und 40° s. B. Seine größte Ost-West-Erstreckung beträgt etwa 4500 km, die größte Nord-Süd-Entfernung 3600 km.

Die Küsten des Kontinents sind relativ schwach gegliedert: Dem Nordteil der Ostküste ist im flachen Meer das Große Barriere-Riff vorgelagert. Es ist mit einer Länge von 2000 km und seinen zahllosen Inseln das größte lebende Korallenriff der Erde. Auf den anderen drei Seiten ist der Kontinent von Tiefsee umgeben. Im Norden trennen ihn Arafurasee und Timorsee von Neuguinea sowie der Inselwelt Indonesiens. Die West- und Südküsten werden vom Indischen Ozean umspült. Im Südosten trennt die Tasmansee Australien vom Nachbarstaat Neuseeland. Der Pazifische Ozean mit der Korallensee im Nordosten begrenzt Australien schließlich im Osten (Bild 1).

Die Lage Australiens

Oberflächengestalt

Der geologische Untergrund weiter Teile Australiens entstand bereits in der Erdaltzeit. Diese alte Landmasse des australischen Schildes war Teilstück des ehemaligen Urkontinents Gondwana. Seit dem Zerfall Gondwanas im Jura driftete die australische Scholle in südöstliche Richtung und ist seitdem ein eigenständiger Kontinent. Der Bau dieses Kontinents ist relativ einfach, denn er besteht nur aus drei Großräumen, dem Westaustralischen Schild, der Mittelaustralischen Senke sowie dem Ostaustralischen Hochland (Bild 2).

Oberflächenformen Australiens

Der Westaustralische Schild erstreckt sich westlich von etwa 135° ö. L. und umfasst damit mehr als die Hälfte des Kontinents. Er besteht überwiegend aus Tafelländern, die in Höhen zwischen 300 und 500 m liegen. Diese Tafelländer tragen mit wenigen Ausnahmen halbwüsten- oder wüstenhaften Charakter. In ihrem zentralen Teil folgen von Norden nach Süden die Große Sandwüste, die Gibsonwüste und die Große Viktoriawüste.

Den Raum zwischen der Großen Viktoriawüste und dem Indischen Ozean nimmt schließlich die Nullaborebene ein, ein halbwüstenartiges baumloses Flachland. Die Tafelländer des Australischen Schildes sind mit Gebirgen durchsetzt, beispielsweise der MacDonnel-Kette im Zentrum Australiens, die allesamt nur Mittelgebirgshöhen um 500 m erreichen (Bilder 3 und 4). Die Mittelaustralische Senke besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die flachhüglige Ebenen darstellen. Sie liegen meist unter 150 m und werden von vielen, in der Regel trockenen Flussbetten durchzogen. Im Norden, um den Carpentariagolf, liegt das erste gleichnamige Becken.

Der Mount Olga (1069 m) in der Musgrave-Kette – einer von mehr als 30 Inselbergen in Zentralaustralien
Ayers Rock – der rote Sandsteinberg in der Mitte Australiens ist ein Heiligtum der Aborigines

Die Mitte des Kontinents nimmt das Große Artesische Becken ein. Es ist das trockenste Becken mit der Simpsonwüste (Bild 5), in der die Sanddünen Höhen von bis zu 60 m erreichen, im nördlichen und dem Eyre-See im südlichen Teil.

Ganz im Süden der Mittelaustralischen Senke liegt das von Gebirgen nahezu eingeschlossene Murraybecken, das von den größten australischen Strömen durchflossen wird.

Die Gebirgsketten des Ostaustralischen Hochlands, die Great Dividing Range, erstrecken sich über 3000 km parallel zur Pazifikküste Australiens. Steilabfälle sowohl zur Küste als auch zum Landesinneren sowie tief eingeschnittene Flüsse kennzeichnen diese Landschaften. Die Mehrzahl der Gebirgsketten sind Mittelgebirge. Nur im Süden, im Raum von Canberra, tragen sie Hochgebirgscharakter. Hier, in den Snow Mountains, liegt auch der Mount Kosciusko (2230 m), der höchste Berg Australiens.

Gewässer

Der einzige große Fluss Australiens, der ständig Wasser führt, ist der Murray im Südosten Australiens. Er entspringt in den Snowy Mountains. Westlich von Adelaide mündet er nach 2589 km in den Indischen Ozean.

Der längste Fluss ist allerdings mit 2720 km der Darling-River, der jedoch in trockenen Jahren nur sehr wenig, zuweilen gar kein Wasser führt.

In den Great Dividing Range entspringen noch eine Vielzahl von Flüssen, die nach wenigen Hundert Kilometern in den Pazifik münden. Die im Großen Artesischen Becken entspringenden zahlreichen kleineren Flüsse enden meist im Eyre-See, der 14 m ü. d. M. liegt und damit die tiefste Stelle Australiens darstellt.

Dieser größte See Australiens liegt in der trockensten und heißesten Region des Kontinents. Die in den See mündenden Flüsse sind deshalb monatelang ausgetrocknet und füllen ihn nur selten. Durch die hohe Verdunstung ist der Eyre-See ein Salzsee, dessen Fläche zwischen 15000 und 8500 km² schwankt. Im Zentrum Australiens gibt es noch zahlreiche weitere Salzseen.

Chambers Pillar in der Simpsonwüste, südlich von Alice Springs

Klima

Australien ist der trockenste Kontinent der Erde. Der südliche Wendekreis teilt Australien in einen nördlichen Teil mit tropischem Klima und in einen mittleren und südlichen Teil mit subtropischem und, ganz im Süden, gemäßigtem Klima (Bild 6). Der tropische Norden hat das ganze Jahr über hohe Temperaturen und erhält mit durchschnittlich 1500 mm pro Jahr erhebliche Niederschlagsmengen. Die Niederschläge fallen fast ausschließlich in der sommerlichen Regenzeit von November bis April.

Nach Süden hin ins Landesinnere nehmen sie allerdings rapide ab. Schon 1000 km südlich von Darwin fallen nur 350 mm pro Jahr. In den Subtropen liegen die mittleren küstennahen Gebiete des Kontinents an der Pazifikküste im Osten (z. B. Brisbane) und an der Küste des Indischen Ozeans im Westen (z. B. Perth).

Mit rund 1100 mm Niederschlag pro Jahr gibt es in diesen Gebieten keine ausgesprochene Trockenzeit. In den über 2000 m hohen Gebirgsregionen der Great Dividing Range fallen pro Jahr sogar bis zu 3500 mm Niederschlag, im Süden im Winter als Schnee.

Die jährlichen Temperaturunterschiede bewegen sich zwischen durchschnittlich 25 °C im Januar (Sommer) und 15 °C im Juli (Winter), sind also relativ gering. Der Süden Australiens um Sydney und Melbourne hat gemäßigtes Klima, das mit dem europäischen Mittelmeerklima vergleichbar ist. Milde, feuchte Winter wechseln hier mit warmen, trockenen Sommern. Eine klimatische Sonderstellung nehmen die Gebiete Zentralaustraliens ein, die sogenannten Outback. Kennzeichnend sind hier hohe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und extreme Trockenheit. Temperatur„sprünge“ von frostigen Minusgraden in der Nacht auf heiße 40 °C am nächsten Tag sind in den Outback nicht ungewöhnlich.

Klimadiagramme von Darwin (tropisch), Perth (subtropisch) und Sydney (gemäßigt)

Vegetation

Die Vegetation Australiens unterscheidet sich grundlegend von der anderer Kontinente. Rund 2200 Pflanzenarten haben sich nur in Australien entwickelt, das heißt, sie sind endemisch. Im immerfeuchten tropischen Norden und Nordosten wachsen noch tropische Regenwälder.

Nach Süden hin ins Landesinnere schließen sich mit wachsender Trockenheit Baum-, Busch- und Grassavannen an. Die gehen dann in den australischen Busch, den Scrub, über, der große Teile des unwirtlichen Landesinneren beherrscht. Er besteht überwiegend aus immergrünen Hartholz- und Strauchgewächsen.
In den zentralen Teilen des Kontinents geht der Scrub schließlich in Wüsten und Halbwüsten mit Büschelgräsern (Spinifex) über.

Charakteristische endemische Pflanzen Australiens sind vor allem die vielfältigen Eukalyptusarten. Allen ist die Eigenschaft gemeinsam, in der Trocken- oder Kälteperiode nicht ihre Blätter, sondern ihre Rinde abzuwerfen. Auch Flaschenbäume und Grasbäume (Bild 7), Kasuarinen und vor allem vielfältige Akazienarten sind charakteristisch für Australien.

Grasbäume in Südaustralien

Staatliche Gliederung Australiens

Australien ist eine bundesstaatliche parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth. Staatsoberhaupt ist die englische Königin. Der Bundesstaat Australien umfasst 6 Bundesstaaten sowie zwei Territorien in jeweils eigener Verwaltung.

Bevölkerungsverteilung und -entwicklung

Mit einer Bevölkerungsdichte von etwa 2,5 Einw./km² ist Australien eines der Länder mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte. Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig über den Kontinent verteilt. So leben 85 % aller Einwohner in Städten, besonders in denen des Ostens und Südostens, die zum größten Ballungsraum des Landes gehören (Bild 8).
Insgesamt leben neun Zehntel der Australier auf nur 3 % der Fläche.

Fast die gesamten westlichen und zentralen Teile des Kontinents sind nur sehr gering oder gar nicht besiedelt. Zwischen 1990 und 1996 betrug das Bevölkerungswachstum rund 1,2 % pro Jahr. Das natürliche Wachstum war aber wesentlich geringer, da eine nicht geringe Anzahl von Einwanderern, vor allem aus Großbritannien und Neuseeland, die Wachstumsrate deutlich positiv beeinflussten. Die Australier sind zu 95 % europäischer Herkunft bzw. sind deren Nachkommen. Drei Viertel aller Australier haben britische oder irische Vorfahren. Seit Beendigung der „White Australia Policy“ im Jahre 1973 ist Australien wieder stärker Einwanderungsland. Unter den Einwanderern ist in den letzten Jahrzehnten der Anteil derer aus asiatischen Ländern gestiegen, insbesondere aus China, Vietnam und Indonesien.

Bevölkerungsdichte Australiens und Lage der Bundestaaten

Die Ureinwohner – Aborigines

Die Ureinwohner Australiens sind die Aborigines. Mit der Besitznahme und Besiedlung des Kontinents durch Großbritannien begann für die Aborigines eine über 200 Jahre währende Leidensgeschichte. Die britischen Siedler erklärten Australien als „terra nullius“, als „Land, das niemandem gehört“, ungeachtet der Tatsache, dass die australischen Ureinwohner (Bild 9) hier schon wenigstens 50000 Jahre lebten. Auf der Suche nach landwirtschaftlich nutzbaren Gebieten zerstörten die Europäer rücksichtslos die traditionelle Lebensweise der Ureinwohner. Viele Stämme wurden mit der Waffe oder eingeschleppten Seuchen entweder ausgerottet, oder sie wurden zwangsweise in Reservaten angesiedelt und zur Arbeit auf Farmen verpflichtet. Kinder wurden bereits im Kleinkindalter von ihren Müttern getrennt, um sie in weißen Familien oder Erziehungsheimen „weiß“ zu erziehen. Auch heute noch sind viele Stämme vom Aussterben bedroht: Erst in den 1960er Jahren erkämpften die australischen Ureinwohner ihre Anerkennung als australische Staatsbürger und das Wahlrecht.

Die knapp 466000 australischen Ureinwohner sind heute mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 1,5 % die Minderheit und „Unterklasse“ im Wohlstandsstaat Australien. Trotz formeller rechtlicher Gleichstellung haben sie bis heute kaum Mitspracherecht, und vor Gericht unterliegen sie weiterhin einer gesonderten Rechtsprechung. Darüber hinaus bestimmen häufig Arbeitslosigkeit, niedriges Bildungsniveau, niedrige Lebenserwartung und Alkoholismus ihren Alltag.

Aborigines im Corroboree-Festschmuck

Dennoch, nachdem viele Aborigines aus Furcht vor Diskriminierung ihre Herkunft verleugnet haben, beginnen sich immer mehr australische Ureinwohner bewusst zu ihrer Herkunft zu bekennen und ihre Traditionen und ihre Sprache zu beleben.

Landwirtschaft

Mit der Gründung einer Strafkolonie im Jahre 1788 begann die Besiedlung Australiens. Ziel und Idee der Europäer war, nach englischem Vorbild ein von Landwirtschaft geprägtes Staatswesen zu schaffen, das zu großen Teilen unabhängig vom Mutterland war. Die klimatische Ungunst des Landes setzte der Landwirtschaft jedoch sehr bald deutliche Grenzen. Dennoch war und ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Sie ist heute hoch mechanisiert und nutzt rund 65 % der Landesfläche.

Hauptzweig ist die Schaf- und Rinderzucht, da fehlendes Wasser und vor allem auch die Unregelmäßigkeit der Niederschläge dem Ackerbau enge Grenzen setzen.
Für den intensiven Bewässerungsfeldbau können nur 4 % der Fläche genutzt werden. Anbauprodukte sind Weizen, Zuckerrohr, Baumwolle, Gerste und Roggen. Die Exporteinnahmen werden zwar noch zu einem Viertel durch landwirtschaftliche Produkte wie Weizen, Schafwolle (etwa ein Viertel der Weltproduktion), Rindfleisch, Zucker und Milchprodukte gedeckt. Insgesamt verliert die Landwirtschaft jedoch an wirtschaftlicher Bedeutung.

Bergbau und Industrie

Australien ist außerordentlich reich an Bodenschätzen. Der Bergbausektor gewinnt deshalb zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.
Australien ist einer der führenden Produzenten und Exporteure von Kohle, Erdöl, Erdgas, Uran, Nickel, Eisenerz, Bauxit, Gold, Kupfer, Nickel und Zinn. Der Bergbau ist mit seinen Erzeugnissen zu einem Drittel am Export beteiligt. Rund die Hälfte der australischen Rohstoffexporte gelangen auf den japanischen Markt.

Australien besitzt eine vielseitige Industrie, die nahezu alle traditionellen Industriezweige einschließt: u. a. die Eisen- und Stahlproduktion, den Fahrzeug- und Maschinenbau, die Nahrungsmittelindustrie sowie die chemische und Elektroindustrie. Mit deren Erzeugnissen realisiert das Land einen Großteil seiner Exporterlöse. Handelspartner sind vor allem Japan, die EU-Länder, die USA und Neuseeland (Bild 10).

Aus der Geschichte

1770: JAMES COOK nimmt die Ostküste Australiens für Großbritannien in Besitz.

1788: Gründung der ersten britischen Strafkolonie im Gebiet des heutigen Sydney.

bis 1890: Gründung weiterer britischer Kolonien.

1901: Zusammenschluss aller Kolonien zu einem Bundesstaat, dem British Empire Commonwealth of Australia.

1914–1918: Unterstützung Englands im Ersten Weltkrieg.

1939–1945: Australien kämpft auf Seiten der Alliierten vor allem gegen Japan.

1967: Bürgerrechte für die Aborigines

1986: „Australian Act“ – Die britische Königin verliert die letzten rechtlichen Bindungen des australischen Bundes an Großbritannien.

1993: „Native Title“ – Aborigines erhalten beschränktes Anrecht auf ihr Land.

1999: Die Volksabstimmung über die Abschaffung der Monarchie zugunsten einer Republik scheitert.

Australien – Wirtschaft

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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