Direkt zum Inhalt

Pfadnavigation

  1. Startseite
  2. Deutsch Abitur
  3. 4 Literaturgeschichte
  4. 4.2 Vorbilder für die deutsche Literatur
  5. 4.2.1 Das Gilgamesch-Epos
  6. Der Mythosbegriff

Der Mythosbegriff

Literatur gibt es seit Menschengedenken. Sie entspringt dem unendlich scheinenden Reservoir der Mythen aller Völker mit geordneten, aber irrationalen Weltvorstellungen und menschlichen und übermenschlichen Wesen.
Der Mythos ist eine religiös-weltanschauliche Erzählung über den Ursprung des Kosmos, der Götter und Menschen.
Bis in die heutige Zeit bilden Mythen die Grundlage für das Erzählen von Geschichten.

Thema nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich

  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Jetzt kostenlos mit Kim üben
Your browser does not support the video tag.

Den Mythos schuf sich der Mensch, um die unerklärbaren Vorgänge um sich herum erklärbar zu machen. Damit schuf er sich eine bildliche Ebene für die Beantwortung der existentiellen Fragen: „Wo komme ich her – wo gehe ich hin?“.

Die Unterscheidung von Mythen erfolgt in:

  • kosmogonischer Mythos (Ursprung der Welt),
  • eschatologischer Mythos (Ende der Welt),
  • theogonischer Mythos (Entstehung der Götter),
  • anthropogonischer Mythos (Entstehung der Menschen) und
  • aitologischer Mythos (Entstehung von Naturphänomenen).

Der Mythos kann die Gegensätze in der menschlichen Gemeinschaft verdeutlichen. Er ist in der Lage, die Schicksalhaftigkeit, das Übermächtige und das Angsterregende menschlichen Seins seiner unheimlichen Kraft zu berauben.

Merkmale des Helden der Mythen (wie auch jeder Figur) sind:

  • ist Teil des harmonischen Weltgefüges,
  • hat einen festen Ort und naturhafte Bindungen,
  • stellt einen Typus dar.

Der Erzähler schildert den Mythos mit Feierlichkeit und Ehrfurcht.

Die Weitergabe von Mythen

Die Weitergabe von Mythen an die jüngeren Generationen bedeutet immer auch ihre Anpassung an die sich entwickelnde Gesellschaft. Mit der technischen Möglichkeit ihrer Niederschrift kommt es zur Materialisierung der Mythen. Mit ihrer Verschriftlichung werden die Mythen erstmals authentisch. Sie sind bewusst unter Nutzung der überlieferten Vorlage veränderbar, und damit lösen sie sich von ihren Ursprüngen. Sie werden Literatur. In der Literatur werden sie konkretisiert, bleiben jedoch zugleich verallgemeinernd-bedeutsam und symbolhaft. Mythen werden deshalb in der Literatur immer wieder aufgegriffen und abgewandelt.

Der Mythos in der Literatur

Beliebte Mythen der griechischen Antike in der Literatur sind:

  • Prometheus,
  • Orpheus,
  • Dädalus und Ikarus,
  • Theseus und Minotaurus,
  • Odysseus und die Sirenen,
  • Narziss,
  • Ödipus.

Biblische Mythen waren und sind vor allem Gegenstand der bildenden Kunst, finden jedoch auch immer wieder Eingang in die Literatur. Beispiele dafür sind:

  • Judith und Holofernes,
  • Schaffung Evas aus einer Rippe des Adam,
  • Kain und Abel,
  • Vertreibung aus dem Paradies,
  • Sodom und Gomorrha / Lots Weib,
  • Moses und der brennende Dornbusch,
  • Arche Noah,
  • Erweckung des Lazarus durch Jesus.

Germanische Mythen sind u.a. in der Edda (siehe PDF) und im Nibelungenlied (siehe PDF) niedergeschrieben.

  • BWS-DEU2-0100-01.pdf (482.84 KB)
  • BWS-DEU2-0100-02.pdf (2.81 MB)

Der Übersetzer der älteren und jüngeren Edda, KARL SIMROCK, erläutert im Nachwort zu seinem Werk:

„Als um das Ende des zehnten Jahrhunderts auch in Island das Christentum eingeführt wurde, blieb es durch seine Armut und Entlegenheit vor der Ueberhandnahme des ausländischen Geistes bewahrt. Nach dem fernen kalten Eilande lockte fremde Geistliche kein Anreiz. Seine Priester waren Eingeborene, zwar auch im Auslande in der neuen Glaubenslehre und der Kunst des Schreibens unterrichtet, doch der Liebe zu ihrem einsamen Vaterlande, seiner Sprache, seinen Sitten und Eigentümlichkeiten nicht entwöhnt. Während daher in Deutschland der Glaubenseifer der christlichen Priester und Mönche alle einheimische, mit dem Heidentum verwachsene Bildung auszutilgen beflißen war, wurden Islands Geistliche die Pfleger der volkstümlichen Sprache, Sitte und Ueberlieferung, ja durch die im Ausland erlernte Schreibekunst erst die Gründer der altnordischen Literatur. Die Runenschrift war von sehr eingeschränktem Gebrauch gewesen; nun aber empfingen sie das lateinische Alphabet, in das nur einzelne Runenzeichen zur Bezeichnung eigentümlich nordischer Laute Aufnahme fanden. Bald wurden auch auf Island selbst Schulen gegründet, die älteste zu Skalholt von Isleif dem ersten Bischof Islands.

Eine andere stiftete der berühmte Sämund Sigfusson, wegen seiner Gelehrsamkeit frôdi genannt (geb. 1056 † 1133) auf seinem Erbgute zu Oddi, wo auch Snorri Sturlason (geb. 1178 † 1241) der Verfaßer der Heimskringla, des großen nordischen Geschichtswerks, seine erste Bildung empfing. Dem Sämund wird die Sammlung der Eddalieder zugeschrieben, den Snorri hält man für den Verfaßer der jüngern Edda, letzteres wohl mit Unrecht, ersteres wenigstens ohne Beweis; doch mag damit die frühe Entstehung dieser Sammlung richtig bezeichnet sein. Was hätte der Isländer, sobald ihm die Schreibkunst überliefert war, aufzuzeichnen sich mehr beeilen sollen als diese herlichen Lieder, das Kostbarste, womit ihn die Heimat ausgesteuert hatte? Nächst diesen brachte er nichts aus Norwegen herüber, das durch die Schrift zu feßeln ihm so angelegen sein muste als seine Göttersagen, und damit wird er schwerlich bis zu Snorris Zeit gewartet haben. Doch wir wenden uns einer nähern Betrachtung beider Werke zu“ (SIMROCK, siehe PDF).

  • BWS-DEU2-0100-03.pdf (430.32 KB)

Mythen erschafft sich der Mensch immer wieder neu. Modernere Mythen idealisieren den Helden bzw. die Heldin (Che Guevara, Dr. Richard Sorge) oder sie trivialisieren den Helden bzw. die Heldin („Sissi“).

Die Literatur entlehnt dem Mythos das Gleichnishafte bzw. die Grundkonflikte einer Gesellschaft.

Bereits in der griechischen Antike kreisten die literarischen Themen um die überlieferten Mythen:

  • Schon HOMER erzählte Mythen in kunstvollen Hexametern. Seine „Ilias“ berichtet nicht den gesamten mythischen Stoff der Eroberung Trojas durch die Griechen, sondern spielt im letzten Jahr des Trojanischen Krieges und umfasst einen Handlungszeitraum von 49 Tagen.
  • SOPHOKLES bearbeitete den „Ödipus“-Mythos.

Bis ins Mittelalter und in die Renaissance hinein spielte der Mythos (als Komplementärbegriff zum griech.-lat. „logos“ - sinnvolles Wort, logisches Urteil/logischer Begriff, menschliche/göttliche/Weltvernunft) in der Theologie und Erkenntnistheorie eine entscheidende Rolle.

Erst in der Zeit der Aufklärung wurde der Mythos lediglich ein Mittel der Auseinandersetzung in Ästhetik und Poetik.

Während der Weimarer Klassik schrieben JOHANN WOLFGANG VON GOETHE und FRIEDRICH VON SCHILLER mythische griechisch-römische Stoffe um und verarbeiteten sie in folgenden Werken:

  • Iphigenie auf Tauris
  • Faust II
  • Die Götter Griechenlands
  • Die Kraniche des Ibykus u. a.
  • BWS-DEU2-0100-04.pdf (271.14 KB)

Auch HEINRICH VON KLEIST beschäftigte sich mit griechischen Mythen:

  • Amphitryon
  • Penthesilia (siehe PDF).

Die Dichter der Romantik beriefen sich vor allem auf altdeutsche bzw. germanische Mythen („Loreley“ von HEINRICH HEINE). Hier bezog man sich nicht nur auf Figuren, sondern auch auf Landschaften und Flüsse. So wurde der Rhein-Mythos bei ERNST MORITZ ARNDT in „Der Rhein, Deutschlands Strom und Deutschlands Grenze“ wieder reaktiviert. Auch die Märchen in den Sammlungen der Brüder GRIMM widerspiegeln altdeutsche bzw. germanische Mythen. RICHARD WAGNER griff germanische Mythen in seinem Opernzyklus „Ring der Nibelungen“ auf.

Moderne Bearbeitungen mythischer Stoffe legten u. a.

  • HUGO VON HOFMANNSTHAL mit „Ödipus und die Sphinx“,
  • HUBERT FICHTE mit „Ödipus auf Håknäss“,
  • STEFAN HEYM mit „Ahasver“ und „König-David-Bericht“,
  • FRANZ FÜHMANN mit „König Ödipus“,
  • BOTHO STRAUSS mit „Ithaca“,
  • CHRISTA WOLF mit „Kassandra“ und „Medea“ und
  • CHRISTOPH RANSMAYR mit „Die letzte Welt“

vor.

  • BWS-DEU2-0100-05.pdf (95.39 KB)
Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH): "Der Mythosbegriff." In: Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH). URL: http://www.lernhelfer.de/index.php/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/der-mythosbegriff (Abgerufen: 26. March 2026, 12:39 UTC)

Suche nach passenden Schlagwörtern

  • HOMER
  • Die Götter Griechenlands
  • Moderne Mythen
  • Theseus und Minotaurus
  • CHRISTOPH RANSMAYR
  • anthropologischer Mythos
  • HUBERT FICHTE
  • Penthesilia
  • Literatur
  • Ithaca
  • BOTHO STRAUSS
  • Sissi
  • Loreley
  • HEINRICH VON KLEIST
  • CHRISTA WOLF
  • HUGO VON HOFMANNSTHAL
  • Ödipus auf Håknäss
  • eschatologischer Mythos
  • Edda
  • Mittelalter
  • Ahasver
  • Heinrich Heine
  • Mythen der griechischen Antike
  • Che Guevara
  • König-David-Bericht
  • König Ödipus
  • Volltext
  • Gebrüder GRIMM
  • Romantik
  • Sodom und Gomorrha / Lots Weib
  • Kain und Abel
  • Biblische Mythen
  • Weimarer Klassik
  • Moses und der brennende Dornbusch
  • Medea
  • Kassandra
  • Amphitryon
  • Deutschlands Strom und Deutschlands Grenze
  • Prometheus
  • J. R. Ewing
  • Nibelungenlied
  • Arche Noah
  • Verschriftlichung
  • kosmogonischer Mythos
  • FRANZ FÜHMANN
  • STEFAN HEYM
  • Quelltext
Jetzt durchstarten

Thema nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich
  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Verwandte Artikel

Wilhelm von Humboldt zur Sprache

WILHELM VON HUMBOLDT war der Meinung, dass die Sprache die „äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker“ sei.

„Ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sich beide nie identisch genug denken“.

Ihre „Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst“.

Er bemühte für seine Theorie zwei zentrale Begriffe, die zugleich das Denkgerüst HUMBOLDTs kennzeichnen:
Ergon (= Werk): Das Zeichensystem des Menschen, mittels dessen er sich verständigt (Sprache an sich)
Energeia (= die wirkende Kraft): die geistig produktive Tätigkeit des Menschen (Geist an sich)

Gründungssage Roms

Die Gründungssage Roms beginnt mit dem Ende des Trojanischen Krieges. Aus dem besiegten Troja floh der Königssohn Aeneas nach Italien und wurde Herrscher von Latium. Sein Nachkomme Amulius entthronte seinen älteren Bruder und damit rechtmäßigen König Numitor. Obwohl er Numitors Tochter zwang, kinderlos zu bleiben, verband diese sich mit dem Kriegsgott Mars und gebar die Zwillinge Romulus und Remus. Amulius ließ die Säuglinge aussetzen, sie wurden aber von einer Wölfin gesäugt und von einem Hirten großgezogen. Als die Brüder später von dem Unrecht des Amulius erfuhren, stürzten sie ihn und setzten Numitor als Herrscher ein. Zur Belohnung durften sie eine Stadt gründen; durch Vogelflug wurde entschieden, dass Romulus ihr König werden sollte. So wurde Rom 753 v.Chr. gegründet.

Herodot

* um 485 v. Chr. in Halikarnassos
†um 425 v. Chr. (in Thurioi begraben)

HERODOT war ein griechischer Geschichtsschreiber. Von CICERO wurde er als „Vater der Geschichtsschreibung“ bezeichnet. HERODOT beschrieb die Geschichte Griechenlands und des Vorderen Orients, beginnend mit dem Trojanischen Krieg und endend mit dem Zug des Perserkönigs XERXES gegen Griechenland 479 v. Chr. Viele historische Ereignisse und Persönlichkeiten sind der Nachwelt allein aus diesen ältesten, völlig erhaltenen Prosaschriften der griechischen Literatur überliefert. HERODOT prägte außerdem die Begriffe Monarchie, Oligarchie und Demokratie und hatte damit entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Staatstheorie.

Edward Estlin Cummings

* 14. Oktober 1894 in Cambridge (Massachusetts)
† 03. September 1962 in North Conway (New Hampshire)

Schon mit seinem Erstlingswerk „The Enormous Room“ (1922) erreichte EDWARD ESTLIN CUMMINGS öffentliche Aufmerksamkeit und internationale Anerkennung. In diesem Roman schildert CUMMINGS schonungslos die während seiner Kriegsgefangenschaft gemachten Erfahrungen. Bekannt wurde er aber vor allem durch seine exzentrische Dichtkunst. Formale Kennzeichen seiner Gedichte sind das auffällige typographische Arrangement, die ungewöhnliche Verwendung von Interpunktionen und eine eigenwillige Orthografie, wohingegen die gewählten Themen traditionell anmuten.

CUMMINGS künstlerisches Werk beschränkt sich jedoch nicht auf die Lyrik. Er war zudem Maler und verfasste auch einen kritischen Reisebericht über die Sowjetunion.

Hans Sachs

* 05.11.1494 in Nürnberg
† 19.01.1576 in Nürnberg

Der deutsche Schuhmachermeister, Lyriker und Dramatiker HANS SACHS ist eine der bekanntesten literarischen Figuren des 16. Jahrhunderts. SACHS verstand es, die Ideen der Reformation in einfacher, dem Volk verständlicher Sprache zu literarisieren. Er verfasste Spruchgedichte, Prosadialoge, Komödien, Tragödien, Schwänke, Fabeln und gilt als Meister der Fastnachtsspiele. Darüber hinaus war er Mitglied der Meistersingerzunft und als solcher der wohl bekannteste und auch bedeutendste Meistersinger. Er schrieb über 4000 Meisterlieder.

Ein Angebot von

Footer

  • Impressum
  • Sicherheit & Datenschutz
  • AGB
© Duden Learnattack GmbH, 2026