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Anwendungen von Siliconen

Silicone sind chemische Verbindungen, die uns täglich begegnen. Wir finden sie in allen Bereichen der industriellen Produktion aber auch im Alltag sind sie allgegenwärtig. Beispiele finden sich im Bereich der Bauindustrie bzw. des Bautenschutzes. Nicht nur die Dehnungsfugen im Haushaltsbereich basieren auf Siliconen. In der dritten Welt ermöglichen silicongetränkte und damit wasserabweisende Faserzementplatten den Einsatz eines preiswerten Baustoffs, der sonst bei den vorherrschenden feuchten Klimabedingungen undenkbar wäre. In der chemischen Industrie, der Elektro- und Elektronikindustrie, dem Verkehrs- und Medizinwesen finden sich viele Anwendungen. Sogar im Haarshampoo oder beim Abziehbild finden wir sie wieder.

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Anwendungsspektrum von Siliconen

Im Jahr 2006 wurden weltweit mehr als 2 Millionen Tonnen Siliconprodukte verbraucht. Das entsprach einem Warenwert über 10 Milliarden €. Dabei wächst der Markt immer noch um ca. 5-8 % pro Jahr.
Die große wirtschaftliche Bedeutung von Silicon beruht auf der vielseitigen Anwendbarkeit der Siliconprodukte in allen Bereichen der Industrie aber auch im alltäglichen Leben (Bild 1).

Das liegt vor allem an den besonderen Eigenschaften dieser Stoffklasse:

  • Gleichbleibendes physikalisches Verhalten in einem weiten Temperaturbereich
  • Alterungs- und Witterungsbeständigkeit
  • Gute elektrische Eigenschaften
  • Wasserabweisende Wirkung
  • Umweltfreundlich bei Herstellung und Anwendung

Von der gesamten Siliconproduktion sind rund

45%Siliconöle
25%Silicondichtstoffe (RTV-1)
25%sonstige Silicon-Elastomere und ca.
5%Siliconharze

Man kennt weit über 10 000 Silicontypen. Etwa die Hälfte davon sind großvolumige Standardprodukte. Die andere Hälfte sind hochtechnologische Spezialprodukte.

Einsatzbereiche von Siliconen:

Anwendung

Anteil in %
Chemische Industrie26
Kautschuk- und Kunststoffindustrie10
Bauindustrie21
Automobilsektor12
Elektro- und Elektronikindustrie9
Papierindustrie7
Sonstige15

Silicone in der chemischen Industrie

In der chemischen Industrie werden Siliconprodukte wie Öle, Emulsionen, Antischaummittel und Harze

  • bei der Synthese anderer chemischer Produkte
  • als Additive und Hilfsstoffe

eingesetzt.
Mittels Siliconzusatz lassen sich beispielsweise die Eigenschaften von Lacken, Waschmitteln oder Kunststoffen gewaltig verbessern.

Silicone in Kautschuk- und Kunststoffindustrie

Silicone und Silane werden auch hier als Additive für die gezielte Einstellung von Polymereigenschaften von Kunststoffen (PE; PP; PVC; PS; PC; PET; PUR und deren Copolymere) eingesetzt.
Daneben spielen Silconkautschuke eine große Rolle.

  • Silicone sind in sehr vielen Artikeln des täglichen Bedarfs enthalten.

    Boris Mahler, Berlin

Silicone in der Bauindustrie
Hier erweist sich die Hydrophobie der Silicone als besondere Stärke, schließlich ist Wasser eine der Hauptverursacher schwerer Gebäudeschäden durch

  • mechanische Korrosion: Frostschäden oder Salzschäden,
  • chemische Korrosion: Bindemittelumwandlung (z.B. Kalk durch schwefelsauren Regen zum Gips),
  • biologische Korrosion (Bewuchs und Befall von Baustoffen)

Zum Einsatz kommen Silicon-Fassadenbeschichtungssysteme. Das sind Siliconöle wie z. B: iso-Octyltriethoxysilan oder niedermolekulare, höheralkylierte Siloxane oder Siloxanharze wie Methylpolysiloxan aber auch Acrylharze. Das Bauwerk wird wie durch eine zweite Haut geschützt und das Wasser perlt ab.

Derartige Schutzanstriche können im Neubau vorbeugend aufgetragen werden, helfen aber in jedem Fall beim Schutz vor weiterer Verwitterung im Denkmalschutz.

In der dritten Welt ermöglichen silikongetränkte und damit wasserabweisende Faserzementplatten den Einsatz eines preiswerten Baustoffs, der sonst bei den vorherrschenden feuchten Klimabedingungen undenkbar wäre.

Fugen sind ein weiteres Feld für die Silikonanwendung. An jedem Hochbau müssen zwischen den großen Bauteilen Fugen angelegt werden, um die Dehn- und Schwingbewegungen der Bauteile abzufedern. Mit elastischen Silikon-Dichtstoffen wird zugleich sichergestellt, dass kein Wasser eindringen kann. Bekannt sind die Kartuschen mit RTV-1-Siliconkautschuken für Haushalt und Sanitärbereich (Bild 1). Das Kürzel RTV-1 bedeutet bei Raumtemperatur vernetzender 1-Komponentenkautschuk.

((Formel + Lösung aus KV 75 einfügen))

Der Geruch von Essigsäure als Abgangsgruppe ist bei Verwendung eines Heimwerker-Siliconklebers deutlich wahrnehmbar.

Silicone in der Papierindustrie

Selbstklebende Abziehetiketten und -bilder begegnen uns überall. Ihr Funktionsprinzip beruht auf der guten Trennwirkung von Siliconen gegenüber den klebrigen Schichten. Eine Silicon beschichtetes Trägermaterial gewährleistet Schutz gegen Verschmutzung der Klebeschicht. Auf dem Etikettuntergrund selbst ist eine Klebeschicht aufgetragen (ca. 20µm) und darauf wiederum eine Siliconschicht (ca. 1µm). Diese sehr dünn und gleichmäßig aufgetragenen Siliconöle besitzen eine geringe Oberflächenspannung. Daher haftet der Aufkleber zuverlässig auf seinem Untergrund, dem Trägermaterial. Da aber insgesamt nur schwache Wechselwirkungen entstehen, kann er jederzeit mühelos abgelöst werden.

Nach dem gleichen Prinzip sind Klebefolien aufgebaut.
Auch die im Haushalt beliebten Backfolien sind siliconbeschichtet.

Silicone und Textilien

Hier kommt der wasserabweisenden Ausrüstung große Bedeutung zu. Siliconelastomere allein oder in Kombination mit Acrylaten oder Polyurethanen zeichnen sich dabei neben der hohen Wasserdichtigkeit durch eine beachtliche Dampfdurchlässigkeit, also Atmungsaktivität aus. Außerdem fühlen sich die beschichteten Textilien sehr weich an, da die Reibungskräfte zwischen den Fasern verringert werden. Besonders geeignet sind dafür Polydimethylsiloxane, die in der Seitenkette aminhaltige Gruppen tragen. Die polaren Aminogruppen dienen der Verankerung des Silicons auf der polaren Fasern z. B. auf Baumwolle.

Ein anderes Beispiel ist die Imprägnierung von Zelt oder Markisenstoffen mit vernetzbaren, filmbildenden Siliconen.

  • Klebeetiketten finden wir überall.

    Boris Mahler, Berlin

  • Schematische Darstellung des Abziehens eines Etiketts vom Kleber.

Silicone in der Elektro- und Elektronikindustrie

Siliconkautschuke mit hoher Lichtbogenbeständigkeit werden für die Ummantelung der Leiterdrähte von Mittel- und Hochspannungskabeln eingesetzt. Sie weisen zudem hohe Elastizität, geringes spezifisches Gewicht, thermische Stabilität, hohe Flammpunkte und Beständigkeit gegen Ozon sowie ionisierende Strahlen auf.

Extrudierte Silikonkautschukisolatoren finden Verwendung für Heizdrähte, Motoranschlüsse, für Lichtleitungen und in TV-Hochspannungsleitungen. Konkret finden wir sie im Bügeleisen, im Elektrogrill oder im Tauchsieder, in der Waschmaschine oder in Halogenleuchten aber auch in vielen medizinischen Geräten oder beim Zündkabel im Kfz.

In der Elektronikindustrie ist eine zentrale Aufgabe das Aufbringen feinster Schaltstrukturen auf einem Siliciumchip. Schon bei der Produktion spielen hier Polysilane eine Rolle. Erst durch den Einsatz von Silicongelen oder Siliconkautschuk zum Verguss der empfindlichen Schaltungen, zum Schutz vor Feuchtigkeit und anderen schädigenden chemischen Substanzen, war es möglich die empfindlichen Chips auch in preiswerten Kunststoffgehäusen einzubauen.

Silicone als Schaumkontrollsysteme

Tenside neigen stark zur Schaumbildung an der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft. Durch den Einsatz von Siliconölen oder Siliconemulsionen kann dies verhindert werden. Ursache ist die Tatsache, dass die Silicone eine noch geringere Oberflächenspannung als die Tenside haben und diese so von der Wasseroberfläche verdrängen. Man findet solche Schaumkontrollsysteme z. B. bei Waschmitteln, in Shampoos, Duschgels oder Seifen.

Die Palette der Anwendungen lässt sich noch fast unbegrenzt erweitern.

Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH): "Anwendungen von Siliconen." In: Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH). URL: http://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/chemie-abitur/artikel/anwendungen-von-siliconen (Abgerufen: 30. November 2025, 14:12 UTC)

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Phenoplaste und Aminoplaste

Aminoplaste gehören ebenso wie die Phenoplaste zu den ältesten bekannten Kunststoffen. Durch Umsetzung von Methanal mit Phenol erhält man den Phenoplast Bakelit, den ersten synthetisch hergestellten Kunststoff überhaupt. Bakelit ist ein Duroplast, er ist hart, temperatur- und chemikalienbeständig.
Setzt man statt Phenol Harnstoff ein, entstehen die kratzfesten, farblosen, aber hitze- und feuchtigkeitsempfindlichen Harnstoffharze (UF), die überwiegend als Bindemittel für Holz, d. h. als Leim für Sperrholz und Spanplatten, aber auch zur Herstellung von Lackharzen, Schaumstoffen oder Schaltern und Steckdosen verwendet werden.
Aus Methanal und Melamin lassen sich die kochfesten und kaum rissanfälligen, sehr beständigen Melaminharze (MF) gewinnen. Praktische Anwendung finden diese besonders zur Herstellung von Laminaten, Haushaltsgeräten, im Möbelbau oder für bruchfestes Geschirr.

Giulio Natta

* 26.02.1903 in Imperia (Italien)
† 02.05.1979 in Bergamo (Italien)

Giulio Natta war ein italienischer Chemiker. Er synthetisierte viele organische Verbindungen, z. B. Methanol und Methanal oder Synthesekautschuk. Gemeinsam mit K. W. Ziegler erforschte er die Wirkung bestimmter (stereospezifischer) Katalysatoren, die nach den Wissenschaftlern als „Ziegler-Natta-Katalysatoren“ benannt wurden. 1963 erhielt er gemeinsam mit Ziegler dafür den Nobelpreis für Chemie.

Polyaddition

Bei der Polyaddition reagieren Monomere, die zwei oder mehr funktionelle Gruppen aufweisen, miteinander zu Makromolekülen, wobei es bei der Bindungsknüpfung zur Umlagerung eines Wasserstoffatoms kommt. Im Gegensatz zur Polykondensation entstehen hierbei keine Reaktionsnebenprodukte.
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Medizinische Kunststoffe

Kunststoffe für medizinische Instrumente oder die Einwegspritzen sind aus dem Alltag der Mediziner schon lange nicht mehr wegzudenken. Darüber hinaus sind Kunststoffe heute lebenswichtig und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die moderne Chirurgie nutzt eine Vielzahl von synthetischen Materialien. Man denke nur an die künstliche Herzklappe, das künstliche Hüftgelenk, den Knochendübel, der eine erneute Operation erspart, oder die Hornhautprothese. Auch beim Zahnarzt sind Kunststoffe allgegenwärtig.

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