Johannes Gutenberg

Aus dem Leben JOHANNES GUTENBERGs sind nur spärliche Zeugnisse und Spuren überliefert. Auch keine einzige bildliche Darstellung von ihm existiert. Das hier gezeigte Porträt ist zwar das bekannteste Bildnis, aber es handelt sich um eine rein fiktive Darstellung.
Das Geburtsdatum von JOHANNES GUTENBERG wird allgemein mit 1397 angegeben. Mit Sicherheit ist davon auszugehen, dass er um das Jahr 1400 zur Welt kam, und zwar in Mainz, das damals eine der bedeutendsten deutschen Städte war. Zwischen Rhein und Main gelegen, führten wichtige Verkehrsadern durch die Stadt und sorgten für eine Blüte in Handel und Handwerk. Mainz gehörte zu den Städten des Rheinbundes und war Sitz des Erzbischofes, dem eine gewichtige Stimme bei den deutschen Fürstentagen und Königswahlen zufiel. HENNE, HENLE oder HENCHEN GENSFLEISCH, so taucht GUTENBERGs Name in frühen Urkunden auf, war jüngster Sohn des Patriziers FRIELE GENSFLEISCH zur Laden und seiner zweiten Ehefrau ELSE WIRICH. Es wird angenommen, dass sein Vater im Tuchgewerbe tätig war. Erst 1430 erscheint in einer Urkunde der Name HENCHIN GUDENBERG mit Bezug auf eine ehemalige Wohnstätte der Familie.

Kindheit und Jugend

Über die Kindheit und Jugend GUTENBERGs ist nichts bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass er die für Patriziersöhne übliche Ausbildung, womöglich auf einer städtischen Klosterschule, erhielt. Es ist vermutet worden, dass er in Erfurt studiert hat, so wie es etliche Mainzer Patriziersöhne und auch Verwandte von ihm taten. Als Beleg könnte einzig die Erwähnung eines JOHANNES DE ALTAVILLA(aus Eltville) in den Erfurter Universitätsmatrikeln 1419/20 dienen. Sowohl 1411 als auch 1413 musste FRIELE GENSFLEISCH aufgrund von Fehden zwischen Patriziern und Zünften sowie späteren Hungerunruhen die Stadt verlassen. Vermutlich wandte sich die Familie nach Eltville am Rhein, wo sie eine Besitzung hatte.1419 starb FRIELE GENSFLEISCH. Für diesen Zeitpunkt ist GUTENBERGs Name in einem Dokument belegt, in dem es um Erbstreitigkeiten mit seinen Geschwistern ging. Nach dem Tod der Mutter taucht der Name aus demselben Anlass in einem Dokument von 1434 auf.

Straßburger Aufenthalt

Um 1430 hat GUTENBERG Mainz verlassen. Mit Sicherheit hat er von diesem Zeitpunkt an für mehr als zehn Jahre in Straßburg gelebt. Sein Straßburger Aufenthalt ist vor allem durch Erwähnungen in Gerichtsakten belegt. So ließ er 1434 den Mainzer Stadtschreiber in Schuldhaft setzen, um auf diese Weise noch ausstehende Rentenzahlungen aus Mainz zu erpressen. 1436/37 stand er vor Gericht wegen eines nicht eingehaltenen Eheversprechens mit der Bürgerstochter ENNELIN VON DER ISER TÜRE.
GUTENBERG scheint ein geschickter Unternehmer gewesen zu sein, der handwerkliches Talent einzusetzen vermochte, um in günstigen Situationen damit Geld zu verdienen. So unterwies er beispielsweise einen Straßburger Bürger im Bearbeiten und Schleifen von Edelsteinen. Außerdem beteiligte er sich an einem Unternehmen, das Pilger mit kleinen, eigens angefertigten Spiegeln für die Aachener Wallfahrt versorgte. Es wird vermutet, dass GUTENBERG bereits in der Straßburger Zeit, um 1438, mit dem Druck mit beweglichen Lettern experimentierte, nachzuweisen ist es allerdings nicht. Bis 1444 hat sich GUTENBERG in Straßburg aufgehalten, ab 1448 war er wieder in seiner Heimatstadt Mainz. Vermutlich begann er dort schon bald mit geliehenem Geld eine Druckwerkstatt einzurichten. Der früheste GUTENBERG zugeschriebene Druck datiert von 1450. Es handelt sich um das Gedicht „Weltgericht“ in deutscher Sprache, das nur noch in Fragmenten überliefert ist.

JOHANN FUST wird GUTENBERGs Geldgeber und Partner

Seit 1450 bereitete GUTENBERG sein „Werk der Bücher“ vor, wie der Bibeldruck in den Dokumenten genannt wird. Als Geldgeber und Partner für das große Projekt gewann er den Mainzer Advokaten und Kaufmann JOHANN FUST. Zweimal finanzierte FUST GUTENBERGs Vorhaben mit je 800 Gulden. Die Druckwerkstatt wurde im Humbrecht-Hof eingerichtet, Helfer standen bei GUTENBERG in Lohn und Brot.

Zwischen 1453 und 1454 erfolgte der Druck der berühmten 42-zeiligen Bibel, in 140 Exemplaren, davon ca. 40 auf Pergament. Bereits für 1454 und 1455 ist der Verkauf von Bibeln belegt.

Gleichzeitig fertigte GUTENBERG Auftragsarbeiten für die Kirche an, es handelte sich um Tausende Ablassbriefe, mit denen der Papst seinen Kreuzzug nach Zypern finanzieren wollte. Aus diesem Produktionsumfang hat die Forschung geschlossen, dass GUTENBERG neben dem Humbrecht-Hof, wo der Bibeldruck vonstatten ging, noch eine zweite Werkstatt, gewissermaßen für das tägliche Geschäft, betrieb. Bewies GUTENBERG dadurch beträchtliches unternehmerisches Geschick und Organisationstalent, so zeigten die massenhaften Druckerzeugnisse für den päpstlichen Ablasshandel den Zeitgenossen recht frühzeitig, wie effizient GUTENBERGs Drucktechnik arbeitete.

Auseinandersetzungen zwischen GUTENBERG und FUST

Gegen Ende des „Werkes der Bücher“ kam es zu Auseinandersetzungen zwischen GUTENBERG und FUST, seinem Geldgeber. Sie mussten vor Gericht verhandelt werden. Einzelheiten darüber sind nicht bekannt. Es gibt allerdings ein notarielles Dokument von 1455, das sogenannte Helmaspergische Notariatsinstrument, das belegt, dass FUST, der GUTENBERG die Veruntreuung seines Geldes und dessen Verwendung für andere Zwecke vorwarf, sein Geld mit Zinsen zurückforderte. Das Gericht entschied zugunsten von FUST und nach der Vereinbarung fielen die Druckwerkstatt und ein Großteil der gedruckten Bibeln an FUST. Dieser führte die Druckerei mit GUTENBERGs ehemaligem Schüler und Gesellen PETER SCHÖFFER noch etliche Jahre weiter.
Auch GUTENBERG nahm das Druckgewerbe wieder auf, erledigte nunmehr kleinere und unbedeutendere Auftragswerke, die nicht mehr die ästhetische Vollendung des prächtigen Bibelwerks erreichten. Allerdings beteiligte er sich noch einmal 1462 an einem Bibeldruck, und zwar an der 36-zeiligen Bibel, in Zusammenarbeit mit dem Bamberger Formschneider PFISTER.

GUTENBERG hat nie die Erzeugnisse seiner Werkstatt gekennzeichnet, was nach wie vor zu Unsicherheiten in der Forschung führt. So ist bis heute umstritten, ob das 1460 in Mainz gedruckte „Catholicon“ (ein Wörterbuch von JOHANNES BALBUS aus dem Jahr 1286 zur Erläuterung der Bibel) aus seiner Werkstatt stammt. 1462 wurde Mainz von den Truppen des neu ernannten Erzbischofs ADOLF VON NASSAU eingenommen und viele Bürger aus der Stadt vertrieben, die sich für den früheren Erzbischof ausgesprochen hatten. Zu den Vertriebenen gehörten auch GUTENBERG und seine Mitarbeiter. Er zog nach Eltville zu Verwandten und auf dem Bechtermünzer Hof richteten die Brüder BECHTERMÜNZER unter Anleitung GUTENBERGs und unter Verwendung seiner Typen und Druckgeräte eine Druckwerkstatt ein.

Lebensende

Gegen Ende seines Lebens wurde GUTENBERG von ADOLF VON NASSAU für seine Verdienste geehrt, erhielt den Titel eines Hofmannes und eine materielle Sicherstellung. Dies ist die letzte Urkunde aus GUTENBERGs Leben. Eine spätere Quelle teilt mit, dass er am 3. Februar 1468 gestorben sei. Die Franziskanerkirche, in der er bestattet wurde, existiert nicht mehr. Die Mainzer Universität trägt heute seinen Namen und ein Museum zur Druckkunst würdigt sein Werk.

Gutenbergbibel

Die lateinische Gutenbergbibel ist heute nur noch in 49 Exemplaren erhalten, zwölf davon auf Pergament. In Deutschland befindet sich je ein Exemplar in der Göttinger Universitätsbibliothek und in der Staatsbibliothek zu Berlin, zwei Exemplare aus Leipzig gelten als verschollen. Andere Exemplare werden in Paris, London und Washington aufbewahrt. Der Zustand der 350 Jahre alten Bücher spricht für die hohe Qualität des verwendeten Materials. Die Bibel besteht aus zwei Bänden und hat einen Umfang von 1282 Seiten. Nachdem die Erfindung des Papiers aus dem arabischen Raum nach Europa gelangt war, gab es 1390 die erste deutsche Papiermühle in Nürnberg, eine wichtige Voraussetzung für das Drucken. Bis dahin wurden in Klöstern und Kanzleien wertvolle Texte von Schreibern auf Pergament abgeschrieben. Um das Schriftbild möglichst ebenmäßig zu gestalten, verwendete man Schablonen, sogenannte Patronen.


Bewegliche Lettern

Zunächst druckte man mit Holztafeln, d. h. Illustrationen und Text wurden spiegelverkehrt in Holz geschnitten. Die Neuerung GUTENBERGs bestand darin, einen Text in kleinste Einheiten, einzelne Buchstaben, aufzulösen. GUTENBERG entwickelte mit SCHÖFFER und FUST ein Gießverfahren, bei dem Kupfermatrizen mit einer speziellen Bleilegierung gefüllt wurden, um die einzelnen Lettern herzustellen. Er orientierte sich an den klösterlichen Handschriften und schuf mindestens 100 000 leicht voneinander abweichende Typen, um die Unregelmäßigkeiten der Handschriften zu imitieren. Die einzelnen Buchstaben wurden im Setzschiff zu Zeilen und diese zu Spalten zusammengefügt.
Die Bibel ist in zwei Spalten gedruckt. Auf diesen Satzspiegel wurde mit einem Lederballen eine spezielle Druckerschwärze aus Ruß, Firnis und Eiweiß aufgetragen. Sodann wurde ein feuchtes Stück Papier mit Nadeln im Pressdeckel befestigt und mit der Spindelpresse auf den Satzspiegel gedrückt. Durch den gleichmäßigen Druck entstand ein einheitliches Druckbild. Stellen für farbige Initialen und Hervorhebungen der heiligen Wörter wurden beim Druck ausgespart. Hier begann die Arbeit der Rubrikatoren, die mit roter und blauer Tinte die Initialen einfügten und die heiligen Wörter durch Striche hervorhoben. Die Illuminatoren schmückten die Seiten dann mit farbigen Rankenmustern. Das war nicht mehr Arbeit der Druckerei, sondern geschah in sogenannten Malschulen meist je nach Geschmack des künftigen Besitzers. So ist jede der GUTENBERG-Bibeln zu einem Unikat geworden. Ein Verfahren zum Dreifarbdruck entwickelten wenige Jahre später FUST und SCHÖFFER in ihrer Werkstatt.
GUTENBERG hat sich nie selbst als Erfinder der Buchdruckerkunst bezeichnet. Jedoch wird er von zeitgenössischen Autoren mit großer Einhelligkeit als solcher genannt. Erst einige Jahre nach seinem Tod gab es Bemühungen, ihm die Urheberschaft streitig zu machen. So versuchte z. B. der Enkel des ehemaligen Gesellen SCHÖFFFER die Erfindung für seinen Großvater in Anspruch zu nehmen. 1736 gelang es jedoch SENCKENBERG anhand der bereits erwähnten Urkunden des Notars HELMSBERG, GUTENBERG die Erfindung eindeutig zuzuschreiben.

Verbreitung des Buchdrucks

Die Kunst des Buchdrucks verbreitete sich sehr schnell in ganz Europa, bis nach Moskau und weiter nach Japan, nicht zuletzt weil GUTENBERGs Mitarbeiter sich im Laufe der Zeit selbständig machten und ihr Wissen weitergaben. GUTENBERG muss sich in gewisser Hinsicht der Tragweite seiner Erfindung bewusst gewesen sein, sonst hätte er in der Anfangszeit nicht solche Geheimhaltung betrieben. Immerhin dauerte der Druck der 140 Bibeln nur drei Jahre, so lange wie ein Schreiber für das Abschreiben eines Exemplars gebraucht hätte. Die enorme Rentablität des Verfahrens zeigte sich also unmittelbar und wurde von den Zeitgenossen durchaus erkannt. Dass er mit seiner Erfindung gewissermaßen der Neuzeit den Weg bereitet und mit der massenhaften, preiswerten Verbreitung von Büchern eine Wissensrevolution in Gang gesetzt hat, in deren Folge ganz neue Kommunikationsformen entstanden, konnte er allerdings so wenig wie seine Zeitgenossen erahnen.

Bedeutung von GUTENBERGs Erfindung

Der Buchdruck diente der Demokratisierung von Bildung und Wissensaneignung und hat vor allem zur Verbreitung der Ideen des Humanismus und der Reformation beigetragen. Allein die Lutherbibel wurde in einer halben Million Exemplaren gedruckt, Luthers Schriften machten ein Drittel der gesamten deutschen Druckproduktion aus und wirkten daran mit, die deutsche Schriftsprache in einer einheitlichen Version zu entwickeln und durchzusetzen. GUTENBERGs Drucktechnik, der sogenannte Bleisatz, wurde Jahrhunderte lang im Prinzip unverändert beibehalten, bis fotomechanische und später digitale Druckverfahren die Handarbeit des Setzers weitgehend überflüssig machten. In der künstlerischen Handpresse jedoch, bei der Herstellung hochwertiger Kunstdrucke, arbeitet man auch heute noch mit Lederballen und Spindelpresse.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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