Landschaftsbeschreibung

Beschreibungen

Die Beschreibung dient dazu, einen konkreten bzw. abstrakten Gegenstand, Zustand, Zusammenhang, Sachverhalt, eine Person oder einen wiederholten bzw. wiederholbaren Vorgang mit sprachlichen Mitteln so darzustellen, dass der Adressat eine genaue Vorstellung davon gewinnt.
Beim Beschreiben wird das Erfassen des Typischen und Allgemeingültigen angestrebt, das Besondere und Zufällige weggelassen.
Beschreibungen sind in genauer, eindeutiger und übersichtlicher sprachlicher Form abzufassen. Die Verwendung von Fremdwörtern ist dem Adressatenkreis anzupassen.
Es gibt unterschiedliche Beschreibungsarten, eine davon ist die Landschaftsbeschreibung.

Landschaftsbeschreibung

Die Landschaftsbeschreibung bietet dem Adressaten die Möglichkeit, sich die beschriebene Landschaft in ihrer Gesamtheit vorzustellen. Der Beschreibende beobachtet und erfasst die objektiven Gegebenheiten (Landschaftsform, Pflanzen, Tiere, Gebäude, vorherrschende Farben) und beschreibt die Wirkung der Landschaft auf ihn.
Die Landschaftsbeschreibung ist eine Form der Gegenstandsbeschreibung.

Beispiele für eine literarische Landschaftsbeschreibung

„Von Hügel zu Hügel schweifen meine Blicke über die unendliche Fläche hin und eine Stimme dringt vernehmlich an mein Ohr: Nirgends hier erwartet Dich das Glück. Was hülfe es mir, den Lauf der Sonne zu begleiten – ich begehre nichts, was sie bescheint. Wie eine sturmverschlagene irrende Seele, schleiche ich durch die Welt.

Der Wagen der Nacht durchrollt die Aetherwogen. Die Zweige rispeln. Es ist, als höre man die Schatten der Todten dahinschweben. Ein Mondstrahl berührt sanft meine Stirn, als wolle er Licht streuen in meine dunkele Seele und ihr das Geheimniß der Sphären enthüllen, als wolle er die Morgenröthe eines Jenseitstages prophezeien.

Der Wälder niederhängende Wipfel bedecken mich mit Frieden und Schweigen. Die Bäche, unter Laubbrücken verborgen, schlängeln sich durch die Thäler und spiegeln sie ab. Sie mischen ihre murmelnde Fluth und verlieren sich dann spurlos. So ist die Quelle meiner Jugend zerronnen, ohne Rückkehr. Doch jene Fluth ist klar und meine Seele so trüb. Wie ein Kind vom Ammenliede gewiegt, schlummere ich ein zum Gemurmel des Wasserfalls.

Die Berge stehen sich gegenüber wie feindliche Brüder, die dort in ihrem Haß versteinert. Schon tausend Jahre stehen sie so mit gefurchtem runzligem Antlitz, schneeweiß bleichte ihr Haar. Doch Abends, wenn die Sonne sie überglüht, dann brechen die Wunden auf, dann überrieselt Blut ihre Stirn."
(aus: Karl Bleibtreu: Größenwahn. Pathologischer Roman. Band 2, Leipzig: Wilhelm Friedrich, 1888.)

Der bedeckte Himmel ließ nur durch eine dicke Nebelschicht Wärme auf den Erdboden dringen. Die Temperatur war daher erträglich, aber der Weg auf einem schon sehr unebenen Terrain schwierig. Die Bodenschwellungen in der Ebene traten immer deutlicher auf, und hier und da zeigten sich kleine, mit jungen, grünen Gummibäumen bewachsene Hügel. Weiterhin bildeten diese deutlich hervortretenden Anhöhen die ersten Stufen der großen Alpen.
(aus: Jules Verne: Die Kinder des Kapitän Grant. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band XI–XIII, Wien, Pest, Leipzig: A. Hartleben, 1876)

„Und doch war die Landschaft nicht ohne Anmuth, die Umrisse der waldigen Hügel schwangen sich in kräftigen Linien, hier und da ragte Gestein zu Tage, ein Steinbruch zwischen Ackerflächen, ein Felshaupt zwischen den Bäumen des Waldes. Von den Bergen am Horizont zog ein kleiner Bach in gewundenem Lauf dem fernen Flusse zu, umsäumt von Wiesenstreifen, hinter denen sich die Ackerbeete bis zu den belaubten Höhen hinaufzogen. Fröhlich lag die einsame Landschaft im Morgenlicht, seitab von der großen Völkerstraße.

In der Niederung vor den Reisenden erhob sich rings von Hügeln umgeben der Ort Rossau, ein Landstädtchen mit zwei plumpen Kirchtürmen und dunklen Ziegeldächern, welche über die Stadtmauer ragten wie Rücken einer Rinderherde, die sich gegen ein Rudel Wölfe zusammengedrängt hat.
(aus: Gustav Freytag: Gesammelte Werke. Band 6, Leipzig: Hirzel / Berlin: Verlagsanstalt für Literatur und Kunst Hermann Klemm, [o.J.].)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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