Rossetti

Biografie

DANTE GABRIEL ROSSETTI wurde am 12. Mai 1828 in London als Sohn eines italienischen Freiheitskämpfers geboren, der Italien verlassen hatte. In seinem Elternhaus spielten Politik und Kunst eine wichtige Rolle. Sein Vater und seine Schwester verfassten ebenfalls Gedichte. ROSSETTI genoss eine formale Bildung an der King's College School in London. Er studierte Kunst bei FORD MADOX BROWN und WILLIAM HOLMAN HUNT und wurde Mitbegründer der Pre-Raphaelite-Brotherhood (1848).

Obwohl ROSSETTI schon früh begonnen hatte, Gedichte zu schreiben, war er lange Zeit nur als Maler bekannt. Seine Frau ELIZABETH SIDDAL, die er 1860 geheiratet hatte, starb 1862 an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Einige seiner Manuskripte hatte ROSSETTI seiner Frau 1862 als Grabbeigabe mitgegeben. Nach dem Tod seiner Frau verschlechterte sich sein Gesundheitszustand: Er fürchtete zu erblinden, wurde depressiv und abhängig von Schlafmitteln. Erst 1869 veröffentlichte er einige Sonette, 1870 erschien der Band Poems. Dieser Gedichtband enthielt neben neuen Gedichten auch solche, die er aus dem Grab wieder hatte ausgraben lassen. Das Buch, das auch den ersten Teil des Sonettzyklus The House of Life enthielt, machte Furore und provozierte eine literarische Kontroverse, in der die Gedichte ROSSETTIS als unanständig und obszön beschimpft wurden.

In den Jahren 1871 bis 1874 ist das Leben und Schaffen ROSSETTIS durch die Beziehung zu JANE MORRIS, der Frau des Künstlers WILLIAM MORRIS, geprägt, die auf vielen seiner Bilder als Modell verewigt ist – zum Beispiel Proserpine (1873–77; Tate Gallery, London). In seiner letzten Lebensphase litt ROSSETTI unter Halluzinationen. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, malte und dichtete aber weiter. Am 9. April 1882 starb er im Landhaus eines Freundes in Birchington-on-Sea (Kent).

Künstlerisches Schaffen

ROSSETTI war Mitbegründer der Pre-Raphaelite-Brotherhood. Bei den Präraffaeliten handelte es sich um eine 1848 gegründete englische Künstlervereinigung, die sich gegen die gängigen viktorianischen Kunstschulen richtete. Ihr als revolutionär empfundener Kunststil orientierte sich an der Malerei der italienischen Renaissance. Wie der Name sagt, wählten die Präraffaeliten RAFFAEL zu ihrem Vorbild, ließen sich aber auch von den Gedichten der Romantiker, vor allem von JOHN KEATS, inspirieren.

ROSSETTI neigte jedoch bald einem phantasievollen Ästhetizismus zu, der das ästhetische Erleben der Welt (Weltflucht, schöner Schein) ins Zentrum rückte. Seine Motive bezog er meist aus literarischen Vorlagen: der Bibel, der Artus-Sage, den Werken DANTES, SHAKESPEARES und ALFRED LORD TENNYSONS. Mit seinen poetischen Aquarellen, die in ihrer Flächigkeit und Farbgebung an mittelalterliche Glasmalereien und Miniaturen angelehnt sind und sich durch Detailgenauigkeit auszeichnen, beeinflusste er WILLIAM MORRIS und das Arts and Crafts Movement. Ab 1858 schuf ROSSETTI großformatige Frauenbildnisse, darunter Beata Beatrix (1863; Tate Gallery, London), ein Gemälde, das ROSSETTI in Trauer um seine Frau malte.

ROSSETTI und seine künstlerischen Wegbegleiter verehrten auch die Werke des italienischen Dichters DANTE (1265–1321) und seiner Zeitgenossen. So fertigte ROSSETTI Zeichnungen zu Motiven aus DANTES Divina Commedia an und übersetzte Schriften aus dem Dantekreis. Der Einfluss DANTES reicht bis in ROSSETTIS mystisch-symbolische Lyrik hinein, die sich durch ihr ausgeprägtes Formbewusstsein, die Ausdrucksfülle und einen dekorativen, detailverliebten Realismus auszeichnet.

Im Stil des Symbolismus, zu dessen Wegbereitern ROSSETTI gehörte, verfasste er den Sonettzyklus The House of Life, der als Klage über den Tod seiner Frau ebenso beispielhaft für ROSSETTIS Lyrik ist, wie die Textsammlung Ballads and Sonnets aus dem Jahr 1881. In seiner Dichtung versucht er, die Spannung zwischen sinnlichem Schönheitskult und Vergänglichkeit aufzuheben. ROSSETTIS bedeutendste Prosaschrift ist das Künstlerbekenntnis Hand and Soul (1850). Auch war er maßgeblich an der Konzeption der Präraffaeliten-Zeitschrift The Germ (1850) beteiligt. Seine Neigung zum Ästhetizismus beeinflusste u. a. WALTER HORATIO PATER und OSCAR WILDE.

Weitere Werke (Auswahl)

Bildende Kunst
Ecce Ancilla Domini (1849–50; Tate Gallery, London)
The Girlhood of Mary Virgin (1848–49; Tate Gallery, London)
Monna Vanna (1866; Tate Gallery, London)
Mariana (1868–70; Aberdeen, Art Gallery and Museum)
Astarte Syriaca (1875–77; Manchester, City Art Gallery)

Gedichte und Balladen
The Blessed Damozel (1850)
My Sister's Sleep (1850)
Willowwood (1868)
Sister Helen (1870)
Troy Town (1870)
Eden Bower (1870)
The King's Tragedy (1881)
The White Ship (1881)

Übersetzungen aus dem Italienischen
The Early Italian Poets together with Dante's Vita Nuova (1861, später bekannt als Dante and his Circle, 1874)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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