Kreatives Schreiben

Die verschiedenen Schreibtätigkeiten
Informelles Schreiben findet statt, wenn wir eine E-Mail, einen Brief, einen Tagebucheintrag schreiben oder auch jemandem eine Nachricht hinterlassen. Es beinhaltet alles private Schreiben, das im Alltagsleben vorkommt. Im Gegensatz dazu wird das formelle Schreiben immer dann eingesetzt, wenn es um offizielle Dinge geht, z. B. wenn wir einen Antrag ausfüllen oder einen Bewerbungsbrief oder Lebenslauf schreiben.

Das schulische Schreiben beinhaltet das Verfassen von Texten wie Zusammenfassungen, Berichte zu bestimmten Themen, Beschreibungen von Bildern und Personen, etc. Eine besondere Form des Schreibens, die uns immer öfter im Fremdsprachenunterricht begegnet, ist das kreative Schreiben. Bei kreativen Texten handelt es sich nicht nur um Geschichten, sondern auch um Sprechblasen, Comics und Gedichte.
Traditionell bestand die Textarbeit im Fremdsprachenunterricht häufig aus gelenkten Schreibaufgaben. Auf der Grundlage von literarischen oder Sachtexten wurden vom Lehrer entwickelte Fragen beantwortet, um zu einer Textinterpretation zu kommen. Mit Hilfe dieser Fragen wurde die Sinnkonstruktion im Text gelenkt. Es wird so von vornherein eine Richtung für die Interpretation vorgegeben.

Das kreative Schreiben lässt dem Verfasser mehr Freiraum, da eine Textgrundlage nach-, um- oder neu gestaltet werden kann.
Kreative Texte verfassen kann man aber auch ohne Textgrundlage. Hier einige Themenfelder:

1) Wohnungssuche

Desperately seeking apartment.
Physician, male, 28. 2 rooms, kitchen,
bathroom, furnished. For rent.
Urgently needed from now on. Give
me a ring! 514-7845.

Schreibe eine kurze Geschichte darüber, wer die Person hinter der Anzeige ist, und warum sie so dringend eine neue Wohnung sucht!

2) Schule
Stelle dir vor, es gäbe keinen Unterricht mehr. Was würdest du dann den ganzen Tag tun? Wie würdest du dir das Wissen aneignen, das du brauchst?

3) Wetter
Angenommen die Temperaturen in Deutschland würden auf durchschnittlich -10° Grad fallen. Was würdest du tun? Wie würdest du leben? Wie würdest du dich ernähren?

4) Landschaft
Stelle dir vor, deine Heimatstadt wäre plötzlich eine Palmeninsel. Würde dir das gefallen? Wie würde dein Leben verlaufen?

5) Merkwürdiges
Du guckst nachts aus dem Fenster und siehst, dass ein außerirdisches Raumschiff landet. Was würdest du tun? Wie würdest du deine Entdeckung den anderen klarmachen? Würde dir jemand glauben?

6) Märchen
Märchen wurden vielfach mündlich überliefert und haben meist eine einfache Struktur. Daher kann man sich die Handlung leicht merken und weitererzählen. Im Grunde liegt den meisten Märchen ein recht einfaches Schema zugrunde. Anhand dieses Schemas kann man leicht neue Märchen verfassen. Hier das Schema zum Märchen Schneewittchen.

Awird als Kind von B und C geboren.
Bstirbt.
Cbleibt allein und kommt zusammen mit D.
Dist böse und mag A nicht.
Dversucht, A aus dem Weg zu räumen.
Epasst auf A auf.
Dunternimmt weitere Versuche.
Alernt F kennen, der/die schließlich ihn/sie rettet.
Aund F kommen zusammen.


Natürlich eignen sich auch ganz allgemeine Themen als Grundlage für das freie Schreiben, wie in der Tabelle dargestellt:

KonkretesAbstraktes
Begegnungen
Gefühle und Beziehungen
Parties
Filme
Fremde Länder
Reisen
Briefe
Wetter
Traum und Realität
Freude und Trauer
Der Ernst des Lebens
Selbstbestimmung
Überraschungen
Not und Elend
Rituale
Konsum


Freies Schreiben bedeutet:

  • keine lenkenden Aufgaben
  • kein vorgegebenes Thema
  • keine vorgegebenen Redemittel und Vokabeln
  • keine vorgegebene Arbeitsform (Gruppe, allein, Partner, etc.)

Phasen des freien Schreibens

Das freie Schreiben kann man in vier Phasen unterteilen:

  • Inspirationsphase: Zuerst überlegt man sich, worüber man schreiben möchte. Am besten nimmt man sich ein leeres Blatt und sammelt Ideen oder Schreibanregungen. Wenn man öfter frei schreiben möchte, lohnt es sich auch, sich ein Heft mit Schreibideen anzulegen. Diese könnten dann thematisch unterteilt sein.
     
  • Entwicklungsphase: Hier macht man sich zunächst Gedanken darüber, welche Aspekte eines Thema infrage kommen. Beginnen könnte man mit dem Entwerfen von mind maps. Anschließend sucht man sich die Punkte heraus, die man im Text bearbeiten will. Man sollte sich auch schon erste Gedanken darüber machen, wie man seinen Text strukturieren möchte.
     
  • Arbeitsphase: Nachdem man sich überlegt hat, wie man beim Schreiben vorgehen will, verfasst man nun den Text.
     
  • Überarbeitungsphase: Nach gründlicher Lektüre des Textes nimmt man Korrekturen vor. Diese können sprachlicher Art sein, wenn man Fehler gemacht hat oder etwas anders ausdrücken will. Man kann aber auch Fakten oder Gedanken hinzufügen oder streichen. Je öfter man einen Text liest, umso offensichtlicher werden kleine Feinheiten, die man verändern kann, damit der Text noch stimmiger wird.

Orte als Schreibanlässe

Wenn man sich in seiner Umgebung umsieht, findet man viele Dinge, die als Schreibanlässe dienen können:

  • Auf dem Bahnhof: Personen oder Personengruppen, Ankunft und Abfahrt des Zuges
     
  • Im Park: Hund und Herrchen, Pärchen, Jogger, Zeitung lesende Menschen auf Parkbänken
     
  • Schule: der Schulhof während der großen Pause, zusammenstehende Gruppen, Lehrer bei der Aufsicht, Schulfeste, Zeugnisausgabe, Prüfungsverläufe
     
  • Silvester: Feuerwerk, Anstoßen um null Uhr
     
  • Supermarkt: anstehende Kunden, streitende Verkäuferinnen, Obstregale

Konkrete Schreibideen

  • als ich gestern aufgewacht bin, war ich plötzlich ein Mädchen/Junge
     
  • eine Nacht im Geisterschloss
     
  • allein auf einer einsamen Insel
     
  • Hilfe, ich werde Superstar!
     
  • ein Tag ohne Strom

Auch wenn man beim freien Schreiben selbst bestimmen kann, was und wie man schreibt, sollte man den Text natürlich trotzdem strukturieren, damit er verständlich und gut lesbar wird. Hier ein Schema, nach dem man vorgehen kann, wenn man z. B. Geschichten verfassen will:

  • Thema: Hier wird gesagt, worum es geht.
     
  • Ereignis: Hier wird erzählt, was passiert.
     
  • Reaktion: Hier wird geschildert, wie die involvierten Personen reagieren.
     
  • Problem: Nun wird es richtig spannend. Hier wird berichtet, was das Problem am Geschehenen ist.
     
  • Lösung: Hier wird das Problem gelöst.
     
  • Happy end: Zum Schluss klärt sich alles auf, und alle sind zufrieden.
Material zum Thema

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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