Eutrophierung von Flüssen und Seen

Eutrophierung stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „gut ernährt“ (eu = gut; trophein = nähren, ernähren). Unter Eutrophierung lässt sich die natürliche oder durch den Menschen verursachte Anreicherung von Pflanzennährstoffen in stehenden oder langsam fließenden Binnengewässern oder in stark abgeschnürten Meeresteilen verstehen. Die Eutrophierung ruft in den betroffenen Gewässern eine Steigerung der pflanzlichen Produktion hervor und hat dadurch bedingte negative Folgewirkungen (Bild 1).

Ursachen der Eutrophierung sind in der Regel Phosphor- und Stickstoffverbindungen, wobei der Anteil der Phosphate gewöhnlich den Grad der Eutrophierung bestimmt.

Die Eutrophierung wird vor allem zur Krankheit von Binnenseen und langsamen Fließgewässern, die zu den besonders empfindlichen Ökosystemen gehören: Gelangt in die Seen, z. B. durch die andauernde Einleitung von Abwasser oder den Eintrag von Gülle und chemischen Düngemitteln von überdüngten Ackerflächen, durch menschlichen Einfluss ein Übermaß an Pflanzennährstoffen, setzt die Eutrophierung ein bzw. kann in hohem Maße beschleunigt werden.

Ihre Folgen sind vielfältig. Es kommt u. a. in den Seen zu einer starken Algenentwicklung oder zur Verkrautung durch wild wuchernde Wasserpflanzen. Infolge des starken Pflanzenwachstums nimmt in den Seen deshalb der Sauerstoffgehalt mit zunehmender Tiefe rapide ab. In den tieferen Regionen bilden sich lebensfeindliche Schwefelwasserstoffverbindungen und Faulschlämme. Das Wasser kann einen üblen Geruch annehmen und ungenießbar werden. Der See „kippt“ schließlich. Viele Pflanzen und in der Folge der Nahrungskette auch tierische Seebewohner sterben ab.

Die Eutrophierung, besonders der vom Menschen verursachte beschleunigte Prozess, kann gebremst und sogar völlig unterbunden werden. Voraussetzung ist, dass der Nährstoffeintrag stark reduziert oder völlig gestoppt wird. So erlangten durch entsprechende Maßnahmen beispielsweise mehrere stark eutrophierte Seen im Alpenvorland Deutschlands wieder ihre alte Wasserqualität. Dieser Prozess beanspruchte allerdings etliche Jahre und verursachte nicht geringe Kosten.

Auf ähnliche Weise erholten sich auch zahlreiche Seen in der Mecklenburgischen Seenplatte nach dem gesellschaftlichen Umbruch von 1989. Durch den Zusammenbruch der Industrie und die Einschränkung der landwirtschaftlichen Produktion reduzierte sich die Abwassereinleitung und die Nährstoffzufuhr durch Düngung bei vielen Seen erheblich. Der Bau von Abwasserreinigungsanlagen verminderte die Nährstoffeinträge noch zusätzlich.

Auch im Meer kann, wie beispielsweise in der Ostsee, eine übersteigerte Eutrophierung eintreten. Die Ostsee verfügt als Binnenmeer (intrakontinentales Mittelmeer) über nur schmale Verbindungen zum Weltmeer, weshalb kaum Wasseraustausch stattfinden kann. Die zuströmenden Flüsse sind z. T. sehr nährstoffbelastet, tragen folglich in die Ostsee übermäßig Pflanzennährstoffe ein. Deshalb ist die Ostsee auch ein stark eutrophiertes Binnenmeer.

Erhöhter Nährstoffeintrag in artenreiche Binnenseen führt zur Verschmutzung und schafft Artenarmut.

Erhöhter Nährstoffeintrag in artenreiche Binnenseen führt zur Verschmutzung und schafft Artenarmut.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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