Republik Island

Der Staat Island (isländ.: „Eisland“) ist eine Insel im Europäischen Nordmeer. Er umfasst außer der Hauptinsel einige kleine vorgelagerte Inseln wie die Westmännerinseln, Surtsey und Grímsey (Bild 1).
Von der Insel Grímsey abgesehen, liegt Island noch südlich des Polarkreises auf dem Mittelatlantischen Rücken, 330 km von Grönland und 800 km von Skandinavien entfernt.

Island - Übersicht

Island - Übersicht

Naturraum

Die Inseln Islands sind vulkanischen Ursprungs und im Wesentlichen aus Basaltdecken aufgebaut.
Sie liegen auf einem sogenannten „Hot Spot“, also einem ortsfesten Aufschmelzungsbereich der Erdkruste im Bereich des Mittelatlantischen Rückens. Die Erdkruste ist deshalb im Bereich der Inseln bis heute aktiv.
Neben zahlreichen nachvulkanischen Erscheinungen – z. B. Solfataren, heißen Quellen und Geysiren – kommt es in Island immer wieder zu Vulkanausbrüchen, die häufig mit Erdbeben einhergehen. Besonders aktive Vulkane sind der Surtsey vor der Südküste, der eine neue Insel entstehen ließ, die Askja sowie der 1747 m hohe Vulkan Hekla.
Zu einem der spektakulärsten Ausbrüche kam es im Oktober 1996, als der Vulkan Bárdarbunga unter dem Gletscher Vatnajökull ausbrach. Asche und Wasserdampffontänen stiegen bis in eine Höhe von zehn Kilometern auf. Das geschmolzene Gletscherwasser löste eine gigantische Flutwelle aus, die eine Straße sowie Telefon- und Strommasten in einem glücklicherweise menschenleeren Gebiet zerstörte.

Geysire

Auch für Touristen immer wieder beeindruckende vulkanische Erscheinungen auf Island sind die Geysire.
Geysire sind heiße Quellen, die in oft regelmäßigen Zeitabständen Wasser oder Dampf wie in einem Springbrunnen aufsteigen lassen. Das Wasser stammt meist aus dem Grundwasser, das in der Tiefe durch vulkanische Wärme erhitzt wird, aber wegen des Drucks der darüber stehenden Wassersäule bei 100 ºC nicht sieden kann. Steigen jedoch Dampfblasen auf, tritt eine Druckentlastung ein. Durch die damit verbundene Senkung des Siedepunkts verdampft dann das gespeicherte Wasser plötzlich und schleudert die über ihm stehende Wassersäule explosionsartig heraus. Nach dem Ausbruch fließt wieder kühleres Wasser nach, und der Vorgang kann sich wiederholen. Einer der bekanntesten und zuverlässigsten Geysire Islands ist der Strokkur.

Oberflächengestalt

Im Süden Islands prägen durch Schmelzwasser erzeugte breite Aufschüttungsebenen die küstennahe Landschaft. Sie steigen landeinwärts in mehreren Stufen zu einer unbewohnten, 300 bis 800 m hoch liegenden hügeligen Hochfläche an . Über die Stufen stürzen die meist kurzen Flüsse Islands in eindrucksvollen Wasserfällen herab. Über die Hochfläche ragen Gebirgsstöcke und Einzelberge bis über 2000 m auf. Auf den höchsten befinden sich zahlreiche Eiskappen und Gletscher, die mit rund 12300 km² mehr als ein Zehntel der Gesamtfläche des Landes einnehmen. Sie sind die Reste des eiszeitlichen Inlandeises, das Island einst vollständig bedeckt hat. Der Vatnajökull ist mit einer Fläche von 8410 km² der größte Gletscher Europas.
An den Küsten im Westen, Norden und Osten der Insel greifen Fjorde weit ins Land ein.

Klima/Vegetation

Das maritime Klima wird durch Ausläufer des Golfstroms bestimmt. Die Winter werden dadurch im Süden mit einem Januarmittel von 0 °C gemildert. Die Sommer sind mit einem Julimittel von 11 °C mäßig warm (Bild 5). Typische Wettererscheinungen auf Island sind Stürme, dichter Nebel und andauernder Regen. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt mit etwa 2000 mm sehr hoch.
In Island gibt es keine geschlossene Pflanzendecke, und das Land ist nahezu waldlos. Besonders das Hochland im Inneren ist nur stellenweise mit Tundra und Mooren besetzt.

Wichtige Daten zum Land

Fläche:103 000 km²
Einwohner:292 000
Bevölkerungsdichte:3 Einw./km²
Bevölkerungswachstum:1,7 %/Jahr
Lebenserwartung:
(Männer/Frauen)

76/82 Jahre
Staatsform:parlamentarisch-demokratische Republik
Hauptstadt:Reykjavík
Sprache:Isländisch
Religion:Evangelisch-Lutherische (92 %)
Klima:kühlgemäßigtes Seeklima, Durchschnittstemperaturen in Reykjavík im Jan. –0,3 °C, im Juli 11,4 °C
Bodennutzung:Ackerland 1,3 %, Weiden 18 %,
Wald 0,1 %
Wirtschaftssektoren:
(Anteil der Beschäftigten)
Landwirtschaft 7,3 %, Industrie 23 %, Dienstleistungen 69,7 %
Exportgüter:Fisch- und Fischereiprodukte, Aluminium
Bruttoinlandsprodukt:10 513 Mio. US-$ (2003)
Bruttosozialprodukt:30 910 US-$/Einw. (2003)


Bevölkerung

Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus Isländern skandinavischer Abstammung. Über 92 % gehören der evangelisch-lutherischen isländischen Nationalkirche an, die auch Staatskirche ist. Island ist das am dünnsten besiedelte Land Europas. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in und um die Hauptstadt Reykjavík. Etwa vier Fünftel des Landes sind heute unbewohnt.

Klimadiagramm von Reykjavík

Klimadiagramm von Reykjavík

Wirtschaft

Die wichtigste wirtschaftliche Grundlage sind der Fischfang, vor allem auf Kabeljau, Dorsch, Rotbarsch und Schellfisch, und die Fischverarbeitung. Island hat eine der modernsten Fischfangflotten der Welt. Die Fänge werden in mehr als 100 Fischfabriken zu Gefrier-, Salz- oder Stockfisch, zu Fischkonserven sowie zu Fischmehl oder Fischöl verarbeitet. Fischereiprodukte erbringen fast vier Fünftel des Exportwerts.
Von Vorteil sind auch die durch den Golfstrom ganzjährig eiswen Häfen.
Zur Sicherung der Erträge des Fischfangs wurde die Fischereigrenze durch die Regierung des Landes mehrfach, zuletzt 1975, auf 200 Seemeilen ausgedehnt. Das führte in der Vergangenheit oftmals zu Konflikten mit anderen Fischfang betreibenden Nationen wie Großbritannien.

Die Landwirtschaft kann nur etwa 22 % der Gesamtfläche nutzen, überwiegend als Weideland. Island ist trotzdem Selbstversorger bei Fleisch, Milch, Geflügel und Eiern. In riesigen, mit dem Wasser heißer Quellen beheizten Treibhäusern werden vor allem Gemüse, Weintrauben, Südfrüchte und Blumen gezogen.

Große Bedeutung hat die Nutzung von Wasserkraft und geothermischer Energie für die Energieerzeugung des Landes.
Fernwärme aus heißen Quellen versorgt knapp 90 % aller isländischen Haushalte und ermöglicht das Betreiben von 80 öffentlichen Schwimmbädern. Das aufbereitete heiße Wasser lagert u. a. in großen Tanks bei Reykjavík.

Auch die Industrie Islands nutzt vorwiegend Erdwärme als Energiequelle.
Vertreten sind die Aluminium erzeugende Industrie und die Metallverarbeitung sowie die Nahrungsmittel-, Leder-, Textil-, Möbel- und Wollindustrie.
Als Devisenquelle hat auch der Fremdenverkehr große Bedeutung.
Haupthandelspartner sind Großbritannien, die USA, Deutschland, die skandinavischen Länder, Russland und andere GUS-Staaten.
Island besitzt keine Eisenbahn. Neben der ausgedehnten Küstenschifffahrt und dem Straßenverkehr spielt der inländische Luftverkehr eine große Rolle. Internationale Flughäfen haben Keflavík und Reykjavík, das auch den wichtigsten Seehafen besitzt.

Aus der Geschichte

Das Althing genannte Parlament besteht seit 1991 aus einer Kammer mit 63, auf vier Jahre gewählten Abgeordneten. Seine Wurzeln reichen aber viel weiter in die Vergangenheit:
Die von norwegischen Wikingern abstammende Bevölkerung berief 930 zum ersten Mal das Althing als Instrument der Rechtssprechung und Gesetzgebung.

1380: Island, das vorher zu Norwegen gehört hatte, kam zusammen mit diesem zu Dänemark.

Im 18. Jh. erlebte Island durch Krankheiten und Naturkatastrophen einen Niedergang.

1918: Das Land wurde selbstständig und 1944 kurz vor Beendigung des Zweiten Weltkrieges unabhängiger Staat.

Island gehört seit 1970 zur EFTA. Die Bevölkerung lehnt einen EU-Beitritt ab, insbesondere wegen befürchteter Einschränkung der Fischereirechte.

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