Roald Amundsen

ROALD AMUNDSEN kam 1872 in Borge (Norwegen) zur Welt. Er studierte an der Universität Christiania, der heutigen Universität Oslo. Insgesamt neun Jahre lang befasste er sich intensiv mit dem Studium der Naturwissenschaften. 1897 beteiligte er sich erstmals an einer Expedition in die Polargebiete der Erde.

Die Nordwestpassage in der Arktis

Die vor allem von den Engländern gesuchte Passage durch das Nordpolarmeer entlang der Küste des nördlichen Amerika durch die vorgelagerten Inseln des Arktischen Archipel sollte vor allem den Weg nach Indien wesentlich verkürzen.
Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts war es bereits gelungen, bis in die Gewässer westlich von Grönland vorzudringen. Dann waren die Eismassen jedoch für das weitere Vordringen ein unüberwindliches Hindernis.
Erst im 19. Jahrhundert wurden wieder Entdeckungsfahrten ins Nordpolarmeer aufgenommen. Dabei gelang es, die Vorstellungen über die kanadisch-arktische Inselwelt zu erweitern. Als Erster überwand zwar 1851 bis 1853 MACCLURE die 5780 km lange Nordwestpassage. Er benutzte aber für den Abschnitt zwischen der Beringstraße und den grönländischen Gewässern den Hundeschlitten, war also nicht durchgängig auf dem Wasserweg erfolgreich.

Von 1903 bis 1906 führte AMUNDSEN mit der kleinen Schonerjacht Gjöa seine erste große Expedition durch. Mit seiner Motorjacht durchquerte er als Erster gänzlich die Nordwestpassage per Schiff vom Atlantischen zum Pazifischen Ozean. Dabei musste er zwei entbehrungsreiche Winter im Eis verbringen. Erst 1944 gelang einem kanadischen Polizeischoner die Passage in nur einem Sommer.

Expedition zum Südpol

Vier Jahre später, von 1910 bis 1912, startete AMUNDSEN seine nächste Expedition mit einem größeren Schiff, der Fram, in die Antarktis. Er lebte mit seiner Mannschaft über ein Jahr in der Antarktis, forschte und führte wissenschaftliche Untersuchungen durch.
Mit größter Sorgfalt plante er danach seine Expedition zum Südpol. Er machte sich mit den unwirtlichen Bedingungen im Südpolargebiet bestens vertraut und achtete darauf, in seinem Team nur körperlich stark belastbare Männer zu haben. Am 14. Dezember 1911 erreichte sein Team als erstes den Südpol und gewann den Wettlauf mit einer britischen Expedition unter seinem Konkurrenten ROBERT SCOTT, die erst im Januar 1912 den Südpol erreichte und später verschollen ist.

Expeditionen zum Nordpol

Wegen des Ersten Weltkrieges konnte AMUNDSEN seine Pläne für eine Expedition in die nördlichen Polargebiete erst 1918 in die Tat umsetzen. Er startete seine Expedition von Norwegen aus. Er hatte ursprünglich geplant, sein Schiff vom Polareis einschließen und sich dann von der natürlichen Strömung in östlicher Richtung über den Nordpol hinweg treiben zu lassen. Die Strömungen erwiesen sich jedoch als zu unbeständig für eine Überquerung des Pols. So war AMUNDSEN gezwungen, einer weiter südlich liegenden Route zu folgen. Sein Weg führte ihn an der Nordküste Europas und Asiens entlang und endete 1920 in Nome in Alaska, ohne dass er den Nordpol erreicht hatte.
Ein weiterer Versuch, zum Pol zu gelangen, scheiterte 1922 ebenfalls.

Da es ihm in Europa nicht gelang, genügend Geld für weitere Expeditionen zu bekommen, ging er 1924 in die Vereinigten Staaten.
Dort nahm AMUNDSEN 1926 am ersten Luftschiff-Flug über den Nordpol von Spitzbergen nach Teller in Alaska teil. Dieser Flug dauerte 70 Stunden. Mit ihm an Bord waren der amerikanische Forscher LINCOLN ELLSWORTH und der italienische Forscher und Ingenieur UMBERTO NOBILE. NOBILE war es auch, der das lenkbare Luftschiff Norge mit Unterstützung der italienischen Regierung entworfen und gebaut hatte.
Später zerstritten sich NOBILE und AMUNDSEN darüber, welchem von beiden Ländern das Verdienst der ersten Luftüberquerung des Nordpols zustand.
Als AMUNDSEN aber 1928 vom Unglück NOBILES mit dem Luftschiff Italia bei einem Polarflug erfuhr, zögerte er, der sich bereits im Ruhestand befand, keine Sekunde, sich an der Bergung zu beteiligen. NOBILE konnte gerettet werden. AMUNDSEN gilt hingegen seit dem 28. Juni 1928 als verschollen. Sein letztes Lebenszeichen erhielt man wenige Stunden nachdem er und fünf andere Personen von Tromsø (Norwegen) aus zu einem Rettungsflug gestartet waren. Die Trümmer seines Flugzeugs wurden am 31. August des gleichen Jahres in der Nähe von Tromsø aufgefunden.

Wissenschaftliche Arbeit

AMUNDSEN war Lektor, hielt Vorlesungen, schrieb zahlreiche Zeitschriftenartikel. Als Buch erschienen von ihm „Die Nordwestpassagen“ (1907), „Die Eroberung des Südpols“ (in 2 Bänden 1912), „Mein Leben als Entdecker“ (1927).

Nordwestpassage AMUNDSENS (1903–1906)

Nordwestpassage AMUNDSENS (1903–1906)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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