Die Antarktis, das Südpolargebiet

Die Polargebiete der Erde

Die Polargebiete umfassen die um die Pole der Erde liegenden Inseln, Festlandsgebiete und Meeresregionen. Sie reichen bis zu den Polarkreisen, die auf 66½°südlicher bzw. nördlicher Breite liegen (Bilder 1 und 2).

Zwischen den Polen und den Wendekreisen treffen die Sonnenstrahlen ganzjährig mit sehr flachem Winkel auf die Erdoberfläche. Deshalb gibt es in den Polargebieten nie in unserem Sinne Sommer. Die „Jahreszeiten“ werden vielmehr danach unterschieden, ob es überhaupt Licht gibt: Am Polartag steht die Sonne als Mitternachtssonne ganztägig flach über dem Horizont. In der Polarnacht verschwindet die Sonne rund um die Uhr unter dem Horizont und taucht die Welt auch in der Mittagszeit nur in ein fahles Dämmerlicht.

Südpolargebiet

Südpolargebiet

Nordpolargebiet

Nordpolargebiet

Die Länge von Polartag und -nacht nimmt von den Polarkreisen (1 Tag Dauer) zu den Polen hin zu. Dort dauern sie jeweils ein halbes Jahr. Der niedrige Sonnenstand bedingt zum anderen, dass die Erwärmung der Erdoberfläche in Polnähe stets geringer ist als in niedrigeren Breiten. Die schwächere Erwärmung im Sommer und die starke Abkühlung der Polargebiete im Winter sind für die tiefen Temperaturen im Polarklima verantwortlich (Bild 3).

Die Antarktis, das Südpolargebiet

Die Antarktis umfasst die Land- und Meeresgebiete um den Südpol. Mit einer Fläche von mehr als 21 Mio. km² besitzt das Südpolargebiet etwa die gleiche Größe wie das Nordpolargebiet und die doppelte Größe von Europa. Bei der Flächenberechnung der Polargebiete ist es üblich, als nördliche bzw. südliche Grenze nicht die Polarkreise, sondern den Verlauf der 10 °C-Februar/Juli-Isotherme anzunehmen. Der Verlauf der Isotherme weicht von dem der Polarkreise ab.

Während aber um den Nordpol das eisbedeckte Nordpolarmeer liegt, befindet sich der Südpol im Zentrum der großen Landmasse Antarktika. Der 7. Kontinent ist mit knapp 14 Mio. km² fast doppelt so groß wie Australien. Vor rund 200 Mio. Jahren war er mit Südamerika, Afrika, Vorderindien und Australien Teil des Urkontinents Pangäa. Pangäa war, wie Fossilienfunde beweisen, von dichten Farnwäldern überzogen und von hirschgroßen Sauriern bewohnt.

Klimadiagramm von Mc Murdo

Klimadiagramm von Mc Murdo

Die Vereisung des Kontinents setzte also erst nach seiner Trennung vom Urkontinent ein. Heute ist Antarktika von einem im Mittel etwa 2000 m, stellenweise aber auch über 4000 m mächtigen Inlandeis-Panzer bedeckt. Unter dieser gewaltigen Eislast hat sich die Gesteinsoberfläche gesenkt und liegt zum Teil mehrere hundert Meter unter dem Meeresspiegel. Nur die höchsten Gipfel des Kontinents sind eisfrei und ragen über das Inlandeis hinaus (Bild 4).

Das Inlandeis „fließt“ mit einer Geschwindigkeit von wenigen Metern bis zu 2 km pro Jahr auf die Küsten zu. Die an den Küsten Antarktikas aufragenden hohen Gebirge zwingen das Eis, als Gletscher zwischen ihnen abzufließen. Die Gletscher schieben sich als Zungengletscher z. T. viele Kilometer ins Meer hinein, oder sie vereinigen sich zu riesigen bis zu 700 m mächtigen Eistafeln, dem Schelfeis.
Wenn das Schelfeis bzw. die Gletscher unter der Wirkung von Eisnachschub, Auftrieb im Wasser und Gezeiten abbrechen, „kalben“ sie riesige tafelförmige Eisberge. So treiben nicht selten Eisberge von der Größe Thüringens in die Weiten der angrenzenden Ozeane.

Im Inlandeis Antarktikas sind etwa 80 % der Süßwasservorräte der Erde gebunden. Würden die Eismassen abschmelzen, wäre das mit einem Ansteigen des Meeresspiegels um ca. 70 m verbunden.

An den wenigen eisfreien Stellen kann der geologische Untergrund Antarktikas untersucht werden. Enge Beziehungen zwischen dem Bau der Erdkruste Antarktikas und dem der benachbarten Kontinente weisen auf die ehemalige Verbindung hin.

So zieht sich ein Faltengebirge, das in seinem Bau den südamerikanischen Anden gleicht, von der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel quer durch Westantarktika. Sein über das Inlandeis hinausragender höchster Gipfel, der Mt. Vinson (5140 m), ist zugleich der höchste Berg des Kontinents.

Den pazifischen Rand Ostantarktikas begleitet das über 4000 km lange Transantarktische Gebirge, das sich unter dem Eis bis zur Westküste erstreckt. An seinen Rändern läuft eine große Verwerfung entlang, die von tätigen Vulkanen markiert wird (u. a. dem Mount Erebus 3794 m). Im geologischen Bau erinnert dieses Gebirge an die Faltengebirgszüge Afrikas und Australiens.

In der Antarktis herrscht ein extremes Polarklima. Kurzen, kühlen Sommern folgen eisige, lange Winter. Im September 1983 wurden mit minus 89,2 °C die tiefsten Temperaturen auf der Erde gemessen.
Dazu kommt eine extreme Trockenheit. Die geringen Niederschlagsmengen sind mit denen in der Sahara vergleichbar. Blitzartiger Wetterwechsel, knackende Kälte und tobende Orkane mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h machen jeden längeren Aufenthalt im Freien zum Risiko und zur Qual.

Profil durch Antarktika entlang 90° ö. L. und w. L.

Profil durch Antarktika entlang 90° ö. L. und w. L.

Die Antarktis ist deshalb die lebensfeindlichste Großregion der Erde. Auf den wenigen eisfreien Stellen an der Küste und in den Gebirgen gedeihen nur Flechten, Moose und Algen. Im Gegensatz zur antarktischen Kältewüste auf dem Land ist das Leben auf und in den antarktischen Meeren sehr viel reichhaltiger. Hier leben Algen, Tange, viele Fischarten und riesige Massen als Krill bezeichneter Kleinkrebse, die die Hauptnahrungsquelle der großen Bartenwale (z. B. Blau- und Buckelwal) sind, aber auch Robben und Pinguine, die Charaktervögel der Antarktis.

Nutzung und Gefährdung der Antarktis

So unwirtlich die Antarktis auch sein mag, von großer Bedeutung ist sie für die Existenz der menschlichen Gesellschaft: Erstens gilt die Antarktis mit ihren extremen Witterungsverhältnissen als eine der „Wetterküchen“ der Erde und als Steuerzentrum für die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Ozean. Das ist auch ein Grund, weshalb eine wachsende Anzahl von Staaten in der Antarktis immer neue Forschungsstationen errichtete. Heute überzieht ein ganzes Netz von Dauerstationen die Antarktis, die zu einem Kontinent der Wissenschaften geworden ist (Bild 5). Von einer dieser Stationen wurde 1981 auch das sogenannte Ozonloch entdeckt, an dessen Ursachen und Wirkungen seitdem in der ganzen Welt intensiv geforscht wird.

Erforschung der Antarktis und Gebietsansprüche

Erforschung der Antarktis und Gebietsansprüche

Zweitens gibt es in der Antarktis umfangreiche Vorkommen bedeutender Bodenschätze (Bild 6). Die geologische Ähnlichkeit mit anderen Kontinenten lässt sogar noch weitere Funde vermuten. Aus rechtlichen und vor allem aus ökologischen Gründen können die Rohstoffressourcen der Antarktis bis heute noch nicht abgebaut werden. Der Bergbau im großen Rahmen würde die hochsensible Natur in ihrer Existenz gefährden. Dennoch versuchen einige Staaten, über Gebietsansprüche ihre Interessensphären für „bessere Zeiten“ abzustecken (Bild 9).

Daten zur Entdeckung und Erforschung der Antarktis

1772–1775: J. COOK umsegelt die Antarktis und überquert dabei den südlichen Polarkreis.

1819–1821: Erste russische Antarktisexpedition unter v. BELLINGHAUSEN, der die Alexander-I.-Insel und die Peter-I.-Insel entdeckt.

1898: Der Norweger BORCHGREVINK betritt als Erster antarktisches Festland.

1911/12: Der Norweger ROALD AMUNDSEN (14.12.1911) und der Amerikaner ROBERT SCOTT (18.1.1912) erreichen nach dramatischem Wettlauf als erste Menschen den Südpol. SCOTT und die Mitglieder seiner Expedition kommen auf dem Rückweg um.

1929: Der Amerikaner RICHARD BYRD überfliegt als Erster den Südpol.

1956–1958: Anlässlich des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 errichten 12 Staaten ständige Forschungsstationen in der Antarktis.

1961: Der Internationale Antarktisvertrag tritt in Kraft.

1967–1968: Der Engländer E. FUCHS und der Neuseeländer E. HILLARY durchqueren die Antarktis (3272 km) in 99 Tagen.

1981: Deutschland errichtet die Überwinterungsstation „Georg von Neumayer“, die 1992 durch eine neue Station ersetzt wird.

1991: Die Internationale Antarktiskonferenz untersagt die
Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in der Antarktis auf weitere 50 Jahre. Die USA blockieren die Beschlüsse.

Von besonderer Bedeutung für den Schutz und die Erhaltung der unersetzlichen Natur der Antarktis war der Internationale Antarktisvertrag. Dieser Vertrag regelt wichtige Rechtsverhältnisse für das Südpolargebiet. Danach ist die Antarktis ein internationaler Gemeinschaftsraum zur ausschließlich friedlichen Nutzung. In diesem Zusammenhang schreibt der Vertrag weiter den Schutz der Umwelt und das „Einfrieren“ von Gebietsansprüchen fest, die sieben Staaten aus historischen oder Lagegründen erheben. Sehr wichtig ist auch, dass der Vertrag „jede Tätigkeit im Zusammenhang mit mineralischen Ressourcen mit Ausnahme wissenschaftlicher Forschung“ untersagt. Die vertraglichen Festlegungen sind aber nach wie vor umstritten. Das hängt neben historischen Gründen auch mit der ständig wachsenden Anzahl neu entdeckter Rohstoffvorkommen zusammen.

Bodenschätze in der Antarktis

Bodenschätze in der Antarktis

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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