Anden – die Kordilleren Südamerikas

Lage, Ausdehnung, Einteilung der Anden

Die Anden (span. Cordilleras de los Andes) sind der südamerikanische Teil des mächtigen Kettengebirges (span. Cordilleras = „Ketten“), das sich im Westen des Doppelkontinents Amerika von Nord nach Süd, von Alaska bis Feuerland, über annähernd 16000 km erstreckt und auf Antarktika als Antarktanden eine Fortsetzung findet. Die Anden sind somit das längste Faltengebirge der Erde.
Im Wesentlichen bestehen die Anden aus zwei gleichlaufenden Hauptzügen, der Ostkordillere und der Westkordillere. Zwischen beiden sind steppen- und wüstenartige Hochländer eingeschlossen. Die Kordilleren liegen meist nahe beieinander und erreichen zusammen nur eine Breite von ca. 150 bis 300 km; lediglich in Bolivien beträgt die Breite ca. 800 km.
Sie können aber auch auseinanderlaufen, wie in Kolumbien, wo eine Zentralkordillere eingeschoben ist.
Die Höhen der Anden steigen von Nord nach Süd bis zum Aconcagua (6959 m), dem höchsten Berg von Nord- und Südmerika, der an der Grenze von Argentinien und Chile liegt, kontinuierlich an (Bild 1). Dann fallen sie schnell ab, bis sie sich in den Fjorden und Inseln von Feuerland verlieren. Beispiele für das Auf und Ab der Höhen sind der Pico Cristobal Colon (5775 m) in Kolumbien, der Chimborazo (6310 m) in Ecuador, der Huascarán (6768 m, Bild 1) in Peru, der Illimani (6882 m) in Bolivien und der Murallón (3600 m) in Chile.

Die einzelnen Teile der Anden tragen unterschiedliche Namen. Sie sind wie die Länder bezeichnet, in denen sie sich befinden, z. B. Ecuadorianische Anden, Peruanische Anden und Bolivianische Anden.
Nach Westen fallen die Anden schnell zu einer schmalen, nur etwa 100 km breiten Küstenebene ab, meist Costa genannt. Sie wird von wüstenartigen Gebieten mit Flussoasen und Wüsten (z. B. Atacama-Wüste) bestimmt.
Nach Osten verlieren die Anden langsamer an Höhe und gehen zu riesigen Tief- und Bergländern über, die über ca. 1000 km bis maximal 6000 km bis hin zur Küste des Atlantik verlaufen. Es sind die Tiefländer des Orinoco, des Amazonas (mit 4,5 Mio. km² das größte tropische Tiefland) und des Paraguay/Paraná sowie die Bergländer von Guayana und das Brasilianische Bergland.
Die Anden sind auch Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik. In den Anden entspringen mächtige Ströme wie Orinoco, Amazonas sowie Nebenflüsse des Paraná. Der Amazonas bildet mit einer Länge von 6518 km und einem Einzugsgebiet von 7 Mio. km² das größte Fluss-System der Erde.

Der Huascaran (6768 m), höchster Berg Perus, in der Weißen Kordillere (Cordillera Blanca)© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Huascaran (6768 m), höchster Berg Perus, in der Weißen Kordillere (Cordillera Blanca)© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Entstehung der Anden

In wesentlichen Zügen entsprechen die Oberflächenformen der Anden ihrem geologischen Aufbau. In Südamerika stehen sich zwei verschiedenartige geologische Einheiten gegenüber: das junge Andensystem (vorwiegend tertiär) und die sehr alte Brasilianische Masse mit der Patagonischen Masse (vorkambrisch). Die Grenze zwischen beiden Einheiten ist etwa der östliche Andenfuß. Die Anden verdanken ihre Entstehung und Geschlossenheit somit der jüngsten Gebirgsbildungsära und sind gleichaltrig mit den Alpen oder dem Himalaya.
Unausgeglichene Gegensätze im Relief, im Gestein und in der Tektonik lassen erkennen, dass ältere geologische Glieder in das Kettengebirgssystem einbezogen worden sind. Solche alten Schollen finden sich oft zwischen den beiden Kordilleren, in der sogenannten Sierra. Sie wurden bei der Entstehung der Gebirgsketten eingeschlossen.
Die Anden sind teils aus kristallinem Material, teils aus mesozoischem Schichtgestein aufgebaut, das gefaltet, verworfen und verschoben, gehoben oder abgesenkt worden ist (Bild 2). Tiefe Gräben und Einbruchsbecken gliedern den Gebirgskörper, Brüche durchsetzen ihn und erschweren die tektonische Übersicht. An den Bruchlinien sitzen mächtige Vulkane auf, die noch zahlreich immer wieder tätig werden. Sie sind ein charakteristisches Element der Anden. Die Gräben und Becken im Inneren und der Küstensaum (Costa) am Pazifischen Randbruch werden häufig von Erdbeben heimgesucht. Der Randbruch am Pazifik ist ein 7000 m tiefer Tiefseegraben, der die schroff abfallende Westkordillere über Tausende km begleitet. Alle diese Tatsachen unterstreichen den jugendlichen Charakter der Anden.
Die Oberflächenformen der Anden wurden insbesondere im Eiszeitalter (Pleistozän bzw. Diluvium) geprägt und sind noch heute besonders anschaulich in den alpinen Regionen zu finden. Danach begann die ständig fortgeführte Zerstörung des Gebirges durch Verwitterung, Erosion und Denudation (flächenhafte, auf Einebnung gerichtete Abtragung), die einen anderen Formenschatz hinterlässt.

Die Westkordillere am Äquator; abgeschnittene gefaltete und horizontal lagernde Schichten von Sedimentgesteinen sind erkennbar; in der Höhe ein Äquatordenkmal© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die Westkordillere am Äquator; abgeschnittene gefaltete und horizontal lagernde Schichten von Sedimentgesteinen sind erkennbar; in der Höhe ein Äquatordenkmal© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Sierra – Hochland zwischen den Kordilleren

Das Innere der Anden, das Hochland zwischen den Kordilleren, zum Unterschied zu den Tiefländern im Osten und dem Küstenland im Westen, wird Sierra genannt. Sie ist in ihren Teilen sehr verschieden. Breite, zum Teil abflusslose Hochebenen wechseln einander mit relativ schmalen Längstälern ab. Wo die Flüsse die Kordilleren durchbrochen haben, was in Ecuador und Peru häufig der Fall ist, wurde auch der zusammengehörende, geschlossene Gebirgswall der Kordilleren zerstört (Bild 3). Durch die große Nord-Süd-Ausdehnung der Anden verstärken sich die Unterschiede weiter. Gemeinsam ist aber den Hochebenen und Längstälern, die überwiegend zwischen 2000 und 4000 m Meereshöhe liegen, dass sie dicht besiedelt und von großer landwirtschaftlicher Bedeutung sind.
In den niedrigen Regionen (bis ca. 2500 m) werden sogar Bananen, Feigen, Avocado, Zimtapfel, Zuckerrohr, Wein, Baumtomaten, Paprika sowie Gemüse und Blumen in Gewächshäusern (z. B. Rosen für den Export nach Europa) kultiviert (Bild 4). In höheren Lagen kommen Kaffee und Kakao dazu und in einigen Gebieten Kokasträucher für den weitverbreiteten Kokatee, eine Naturmedizin. In Hochlagen werden Kartoffeln, Getreide (vorwiegend die Hauptnahrungsmittel Mais, Weizen und Gerste) und Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen) angebaut. In den höchsten Gebieten ist nur extensive Weidewirtschaft möglich (Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpaka, Vicuñas).

Durchbruchstal des Rio Pastaza (entwässert zum Amazonas) in der Ostkordillere, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Durchbruchstal des Rio Pastaza (entwässert zum Amazonas) in der Ostkordillere, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Intensive Landwirtschaft mit Gewächshäusern für Rosen im Längstal vor der Ostkordillere am Äquator© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Intensive Landwirtschaft mit Gewächshäusern für Rosen im Längstal vor der Ostkordillere am Äquator© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die bedeutendste Hochebene im Gebirgsinneren ist das Altiplano in Bolivien und Südperu und Nordchile (Bild 5). Es ist ca. 1000 km lang, ca. 300 km breit und liegt auf einer mittleren Höhe von weit über 3000 m. Nur wenige Berge und Höhenzüge unterbrechen die Ebenheit der riesigen Hochfläche. Im Altiplano befindet sich auf 3812 m Meereshöhe der Titicacasee mit einer Länge von 180 km und einer Fläche von 8600 km², der höchstgelegenste und größte schiffbare See der Welt. Auch La Paz, die höchste Großstadt der Welt, liegt auf dem Altiplano in 3600 bis 3750 m Höhe.
Das Altiplano hat eine große Bevölkerungsdichte. Die Indigenas (Einheimische) betreiben eine weitgehend noch extensive Landwirtschaft. Es werden Mais (bis 3850 m Höhe), Kartoffeln, Oca (Erdfrucht), Quinoa (hirseartiges Hochlandgetreide der Inka) sowie Gerste angebaut. Die Kartoffeln werden nach traditionellen Inka-Methoden als Vorratsreserve für mehrere Jahre haltbar gemacht.
Die Hochgebirge der Kordilleren begrenzen das Altiplano im Westen und Osten. An ihnen befindet sich die Waldgrenze in etwa 4700 m und die Schneegrenze in ca. 6000 m Meereshöhe.

Altiplano in Nordchile

Altiplano in Nordchile

Als Beispiel für die Längstäler wird das Tal des Rio Santa in Nordperu angeführt. Der Rio Santa entspringt in 4020 m Höhe unterhalb des Conocachapasses und fließt ca. 200 km nach Norden (Bild 6). Dann wendet er sich nach Westen, bricht durch die Westkordillere, die hier Schwarze Kordillere genannt wird, um in der Costa eine Oase zu bewässern. Die Schwarze Kordillere (Cordillera Negra; bis fast 5200 m) hat Mittelgebirgsformen und erhielt diesen Namen, weil sie keinen Schnee trägt. Dort wird in 4200 m Höhe im Tagebau nach Gold geschürft. In solchen Höhen ist in Peru der Abbau von Edelmetall-Erzen sehr verbreitet.
Parallel gegenüber im Osten verläuft die Weiße Kordillere (Cordillera Blanca; Bild 7). Sie ist schneebedeckt und stark vergletschert. Der klassische Formenschatz der Eiszeit ist überall erkennbar. Aus der Kette der Eisriesen ragt der dreispitzige Huascarán (6768 m, Bild 1), der höchste Berg Perus, heraus. Die Pässe in der Weißen Kordillere liegen zwischen 4600 m und 4890 m hoch (Portachuelo de Llanganuco 4767 m, Punta Unión 4750 m).

Das intensiv landwirtschaftlich genutzte Tal des Rio Santa und die Schwarze Kordillere (Cordillera Negra), Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Das intensiv landwirtschaftlich genutzte Tal des Rio Santa und die Schwarze Kordillere (Cordillera Negra), Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Das Quellgebiet des Rio Santa und die Weiße Kordillere (Cordillera Blanca), Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Das Quellgebiet des Rio Santa und die Weiße Kordillere (Cordillera Blanca), Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Ausgelöst durch das Erdbeben vom 31. Mai 1970 um 15.23 Uhr (Epizentrum 50 km vor der Pazifik-Küste in einer Tiefe von 24 km), das nur 45 Sekunden dauerte, aber eine Stärke von 7,7 Grad auf der Richterskala erreichte, brach ein Teil des Nordgipfels des Huascarán (6665 m) auf 1200 m Länge ab. Fels und Eis stürzten auf einen Gletscher und schickten schließlich eine Schlammlawine von 25 Mio. m³ Masse in einer Breite von 1,5 km zu Tal, die die Stadt Yungay vollständig verschüttete (Bild 8). Die Lawine brauchte für ihre 16 km lange Bahn nur vier Minuten und erreichte so eine Stundengeschwindigkeit von 250 km. Nur wenige Einwohner konnten sich retten; 20000 Tote waren zu beklagen. Im Hauptort des Santa-Tales, Huaraz (3090 m; 80000 Einwohner), sind durch eine von diesem Erdbeben ausgelöste Lawine sogar 30000 Menschen umgekommen. Huaraz war schon 1941 von einer Geröll- und Schlammlawine verwüstet und 1958 von einer mächtigen Eislawine heimgesucht worden, so dass es mehrmals wieder aufgebaut werden musste.

Das Santa-Tal ist gleichbleibend nur ca. 20 km breit und fällt bis zum Durchbruch in der Westkordillere auf 1200 m ab. Es ist dicht besiedelt. Die Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, die stellenweise sogar die Höhen der Schwarzen Kordillere erreicht. Es werden Kartoffeln, Mais, Weizen, Gerste, Quinoa u. a. angebaut. Rinder sind kaum in Haltung, aber zahlreiche Schafe und Pferde.

Allee der Vulkane“ wird heute oft das große Längstal in Ecuador genannt (ca. 300 km lang und bis zu 20 km breit; mehrmals von Pässen unterbrochen), das zwischen der West- und der Ostkordillere von Tulcán im Norden bis etwa nach Riobamba im Süden verläuft. Die Bezeichnung geht auf ALEXANDER VON HUMBOLDT zurück, der während seiner fünfjährigen großen amerikanischen Forschungsreise hier 1802 gearbeitet hat. HUMBOLDT haben die mächtigen Vulkane, die in diesem Teil der Anden auf beiden Kordilleren aufgesetzt sind, derart fasziniert, dass er versuchte, mehrere Vulkane zu besteigen, ohne dass er eine bergsteigerische Ausrüstung besaß, noch dass eine solche schon bekannt war.

Die als Gedenkstätte gestaltete Lawinenbahn bei Yungay, Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die als Gedenkstätte gestaltete Lawinenbahn bei Yungay, Peru© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Auf der Westkordillere befinden sich die Vulkane Imbabura (4550 m, Bild 9), Cotacachi (4939 m), Pichincha (4784 m), Atacazo (4463 m), Corazón (4788 m), Iliniza (5248 m) und der höchste Berg Ecuadors, der Chimborazo mit 6310 m. Der Ostkordillere sitzen die Vulkane Cayambe (5790 m), Antizana (5758 m), Sincholagua (4893 m), Cotopaxi (5897 m, höchster tätiger Vulkan der Welt), Quilindaña (5023 m), Tungurahua (5023 m) und Altar (5320 m) auf. Dazwischen befinden sich auch weitgehend abgetragene Vulkane mit großen Einsturztrichtern (Caldera; Bild 10).

Der Pichincha ist zuletzt im Oktober 1999 wochenlang tätig gewesen. Er schüttete innerhalb von 24 Stunden 5500 t Asche auf die Stadt zu seinen Füßen, die ecuadoranische Hauptstadt Quito. Glücklicherweise gab es nur vier Verletzte und zwar beim Abtragen der Aschelast von einem Dach.

Der Vulkan Imbabura (4550 m) in der Ostkordillere von Süden, Ecuado© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Vulkan Imbabura (4550 m) in der Ostkordillere von Süden, Ecuado© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Cuicocha-See (Lago Cuicocha; 3202 m), die ertrunkene Caldera eines alten Vulkans mit zwei jüngeren Ausbruchskegeln (Inseln)© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Cuicocha-See (Lago Cuicocha; 3202 m), die ertrunkene Caldera eines alten Vulkans mit zwei jüngeren Ausbruchskegeln (Inseln)© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Cotopaxi wird für den höchsten aktiven Vulkan der Erde gehalten. Er ist erstmals am 28. November 1872 von dem deutschen Geologen WILHELM REIß bestiegen worden. WHYMPER verbrachte 1880 eine Nacht auf dem Gipfel. Im Jahre 1877 kam es zu den bisher größten Vulkanausbrüchen. Vier mächtige Eruptionen, deren Lava innerhalb einer Stunde das 35 km entfernte Tal erreichte. In 4800 m Höhe existiert eine Hütte (Refugio Jose T. Rivas), die Ausgangspunkt von Besteigungen ist (Bild 11).

Der Vulkan Cotopaxi auf der Ostkordillere; im unteren Mittelfeld die Rivas-Hütte, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Vulkan Cotopaxi auf der Ostkordillere; im unteren Mittelfeld die Rivas-Hütte, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Tungurahua, dessen Name in Quechua „kleine Hölle“ bedeutet, hatte eine monatelange Ausbruchsperiode Mitte des Jahres 2000. Die Eruptionen brachten Gletscherteile am Gipfel zum Schmelzen. Dadurch wurde eine Schlammlawine ausgelöst, die einen Ortsteil von Baños in 100 m Breite 4 m hoch verschüttete; auch die Durchgangsstraße von den Anden zum Amazonasgebiet wurde von der Lawine unterbrochen (Bild 12). Gespenstisch waren nachts der feurige Schlackeauswurf und die Gasexplosionen zu beobachten. Bereits Ende 2001 kam es zu neuen Vulkanausbrüchen am Tungurahua.

HUMBOLDT am Chimborazo

A. V. HUMBOLDT hat Studien mit Teilbesteigungen an den Vulkanen Pichincha, Antizana, Cotopaxi und Altar durchgeführt.

Am 23. Juni 1802 versuchte er den Vulkan Chimborazo zu besteigen. Dieser Berg mit seinen fünf Gipfeln, wurde seinerzeit als höchster Berg der Welt angesehen, weil er durch die Ausbeulung der Erdkugel am Äquator dem Erdmittelpunkt am fernsten ist. HUMBOLDT, damals 32jährig, kam bis auf 5920 m. Dann verhinderte eine 20 m breite und 175 m tiefe Spalte jedes Weiterkommen.

In seinem Tagebuch war später zu lesen:

„Wir trugen kurze Stiefel, einfache Kleidung, keine Handschuhe, sie sind hier kaum bekannt. Wir litten rasend unter Atemnot, und noch schlimmer quälte uns der Brechreiz. Außerdem bluteten wir aus dem Zahnfleisch, aus den Lippen, das Weiß unserer Augäpfel war blutunterlaufen. Wir fühlten Kopfschwäche, einen dauernden, in unserer Situation sehr gefährlichen Schwindel“.

Wenn auch später die erreichte Höhe wegen des in solchen Höhen ungenauen Siedethermometers auf 5759 m korrigiert wurde, war HUMBOLDT der erste Weiße, der solche Höhe erreicht hat. Daran erinnert heute auch ein Obelisk bei der ersten Hütte (Refugio Hermanos Carrel) auf 4800 m Höhe. Dort ist eine Tafel angebracht, die HUMBOLDT für seine geoökologischen Leistungen dankt. Doch HUMBOLDT wird ohnehin überall in Südamerika hoch geschätzt.

Die Erstbesteigung des Chimborazo hat fast 80 Jahre später, am 4. Januar 1880, der Engländer EDWARD WHYMPER, der auch Erstbesteiger des Matterhorns und zahlreicher anderer höchster Gipfel ist (in Ecuador u. a. Cayambe und Antizana), durchgeführt. Er wurde von den Bergführern JEAN-ANTOINE und LOUIS CARREL begleitet. Letzterer war noch am Matterhorn sein Konkurrent. Ihre Route ist die heutige Normalroute. Die zweite, obere Hütte am Berg in 5000 m Höhe wurde nach dem Erstbesteiger benannt. Das Refugio Edward Whymper ist die höchste, ganzjährig bewartete Hütte der Welt.

Der Vulkan Tungurahua auf der Ostkordillere in Tätigkeit, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Der Vulkan Tungurahua auf der Ostkordillere in Tätigkeit, Ecuador© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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