Die mittelalterliche Burg

Burgen entstehen

Befestigte Anlagen zum Schutz vor Feinden sind schon aus der Steinzeit bekannt. Die Vorläufer der mittelalterlichen Burgen waren bei den Kelten, Germanen und Slawen durch Wälle, Wassergräben, Mauerwerk oder Palisaden geschützte Zufluchtsorte für die Stammesbevölkerung in Kriegszeiten. Diese Fliehburgen waren in friedlichen Zeiten meist unbewohnt.
Bereits im 9. und 10. Jh. begannen dann mächtige Adelsgeschlechter zunächst in Franken befestigte Wohnsitze zu errichten, von denen aus sie das umliegende Land beherrschen konnten. Angesichts der ständigen Übergriffe benachbarter Adliger und der häufigen kriegerischen Wirren konnte die Herrschaft nur noch mithilfe von Burgen ausgeübt werden.

Die Zeit der Burgen

Im späten 11. Jh. begann die Blütezeit des Burgenbaus in Deutschland. Man schätzt, dass im Mittelalter knapp 20 000 Burgen errichtet wurden, von denen heute immerhin noch 6 500 meist nurmehr als Burgruinen erhalten sind. In dieser Zeit ging auch das ursprünglich allein dem König vorbehaltene Recht zum Burgenbau zunächst auf die Landesfürsten, dann auf Grafen und Bischöfe und schließlich auf den übrigen Adel und das Rittertum über. Die zu selbstständigen Herren über ihre Besitzungen aufstrebenden Fürsten und Ritter suchten von sicheren Burgen aus die Bewohner ihres Herrschaftsgebietes „in den Griff“ zu bekommen und jede Einmischung von außen zu verhindern.
Die Adelsgeschlechter und ritterlichen Familien nannten sich von nun an auch nach ihrer Stammburg, z. B. „von Hohenzollern“ oder „von Staufen“. Die Burgen waren das Herrschaftssymbol des Rittertums, denn der Ritter war „Herr“ durch seine Burg.

Burgen waren auch Mittelpunkt des ritterlichen Lebens und erfüllten eine wirtschaftliche Funktion. Die Burgherren verwalteten von ihnen aus ihre Besitzungen, trieben von abhängigen Bauern Abgaben ein und sicherten Straßen und Brücken, wofür sie Zölle erhielten. Im Schutz der Burgen siedelten sich häufig Handwerker und Kaufleute an. So wurden die Standorte von Burgen häufig auch zu Keimzellen von Siedlungen und Städten.

Lage und Anlage von Burgen

Burgen sind baulich meist streng an ihre Lage angepasst und können sich deshalb im Aussehen erheblich voneinander unterscheiden:
Wenn es die natürlichen Bedingungen erlaubten, dann errichteten die Adligen und Ritter ihre Burgen vorzugsweise auf schwer zugänglichen Bergen oder auf steil abfallenden Felsvorsprüngen. Diese Höhenburgen waren auch mit recht geringen Kräften zu verteidigen und in ihrer Zeit nahezu uneinnehmbar. Je nach Lage kann man mehrere Arten von Höhenburgen unterscheiden. Die Gipfelburgen „sitzen“ auf den Spitzen oder Kuppen von Bergen und sind rundum unangreifbar (Bild 1). Spornburgen sind auf in Täler vorspringenden Bergrücken angelegt und meist nur über einen schmalen Grat zu erreichen, während sich Hangburgen an der Kante eines steilen Felsabfalls oder an Steilhängen befinden.

Im Tiefland, beispielsweise in Norddeutschland, Dänemark oder im nördlichen Polen, wo Berge und Erhebungen fehlen, wurden vor allem Wasserburgen errichtet. Neben wehrhaften Mauern sind es bei diesen Burgen mit Wasser gefüllte breite Gräben und sich anschließende versumpfte Niederungen bzw. Gewässer, die die Schutzfunktion ausüben.

Burg Harlech in Wales

So unterschiedlich die Lage von mittelalterlichen Burgen sein konnte, so relativ einheitlich waren jedoch ihre Baubestandteile. Das resultierte aus der gemeinsamen Funktion aller Burgen, der Wehrfunktion:
Die Burg wurde mit einem Graben und einer mehrere Meter dicken und meist mehr als 10 m hohen Mauer geschützt. Der Graben konnte je nach Lage mit Wasser gefüllt sein, und die manchmal sogar doppelte Ringmauer war mit Zinnen, später mit Schießscharten bewehrt und mit Wachtürmen und einem Wehrgang versehen.
Zugbrücke und Fallgitter sicherten das Torhaus bzw. den Torbau. Dieser bildete oftmals gemeinsam mit weiteren Vorbauten eine regelrechte Vorburg. Der Hauptturm jeder Burg war der weithin sichtbare, sich über den Burghof erhebende Bergfried. Er symbolisierte mit einer Höhe von bis zu 40 m nicht nur die Macht des Burgherrn. Er war auch bei erfolgreichen Angriffen von Gegnern die letzte Zuflucht für ihn, seine Familie und die engsten Vertrauten. Gleichzeitig dienten die unteren und die Kellergeschosse des Bergfrieds als Burgverlies.

Der Burgherr lebte mit seinem Gefolge im Palas, dem häufig sehr prachtvoll ausgestatteten Hauptgebäude jeder Burg. An der Ringmauer standen gewöhnlich noch weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Dazu gehörten die Kemenate, das Frauenhaus, als Wohnstätte für die Burgfrau und deren Bedienstete, das Zeughaus mit der Rüstkammer sowie Stallungen, Speicher und Scheunen. Jede Burg hatte aber auch ihre eigene Burgkapelle.
Von besonderer Bedeutung war der Brunnen der Burg im Brunnenhaus. Seine Ergiebigkeit entschied bei Belagerungen nicht selten mehr als die Dicke der Mauern über die Dauer des Widerstands der Burgbesatzung.

Leben auf der Burg

Die meisten Ritterburgen vermitteln noch heute einen nachhaltigen Eindruck, wie bescheiden und gesundheitsschädlich das Leben der Menschen hinter den Burgmauern war. Die Ritterburgen waren meist sehr klein und maßen häufig nicht viel mehr als 30 bis 40 m in der Länge. Es lebte sich in ihnen also auch außerordentlich beengt.
Kachelöfen kannte man zwar seit dem 13. Jh. Sie befanden sich aber nur in den herrschaftlichen Wohnräumen, während in den Unterkünften der Bediensteten höchstens ein offen qualmendes Feuer spärlich Wärme und Licht verbreitete. In den düsteren Gemächern mangelte es aber auch an Licht. Der ständige Zug und das Fehlen selbst der einfachsten hygienischen Gerätschaften auf vielen Burgen machten die unterschiedlichsten Krankheiten zu ständigen Gästen.

typische mittelalterliche Burg

Nur die Herrenburgen der Fürstenhöfe erreichten stattlichere Größen und einen wesentlich besseren Wohnkomfort. Ein Beispiel dafür ist die Wartburg (Bild 3), die auch als Zufluchtsort MARTIN LUTHERS (1521–1522) und als Stätte des Wartburgfestes (1817) Bekanntheit erlangte. Die Wartburg wurde bis zum 11. Jh. als Sitz der Landgrafen von Thüringen erbaut und war im Mittelalter ein Zentrum höfischer Kultur. So soll sie um 1207 der Ort des sagenhaften Sängerkrieges gewesen sein.
Seit der Wende zur Neuzeit an der Schwelle zum 15. Jh. wurden keine Burgen mehr gebaut. Das hing mit dem Aufkommen der Feuerwaffen zusammen. Insbesondere den Geschossen von Kanonen konnte auf Dauer selbst die dickste Burgmauer nicht widerstehen. Insofern hatte die Zeit die Burgen überlebt. An ihre Stelle traten die Schlösser des Adels, die allerdings keine Wehrfunktion mehr hatten.

Die Wartburg über Eisenach im Thüringer Wald
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