Jakob Fugger

Die Herkunft

Im Jahre 1367 siedelte der Weber HANS FUGGER sich in Augsburg an. Viele Menschen verließen zu dieser Zeit die Dörfer, um sich dem Frondienst und der Willkür der Lehnsherren zu entziehen. In den freien Städten erhofften sie ein besseres Leben.
Den FUGGERn gelang der Aufstieg in das Bürgertum sowohl durch Heirat als auch durch ihre Mitgliedschaft und Arbeit in der Zunft. Indem sie die Produktion von Textilien um den Handel erweiterten, legten sie den ersten Grundstock ihres Reichtums. Die Söhne und Enkel des HANS FUGGER handelten bereits europaweit.
Während die Geschäfte des LUKAS FUGGER (Bruder von HANS FUGGER) im Konkurs endeten, entwickelten sich die Geschäfte JAKOB FUGGERS, dem Älteren (Sohn des HANS FUGGER) stabil.

Entwicklung der Firma unter Jakob Fugger dem Reichen

JAKOB FUGGER (Sohn von Jakob, dem Älteren) wurde am 6. März 1459 in Augsburg geboren. Als jüngster Sohn von sieben Jungen sollte er in den Dienst der Kirche treten. Er wurde in einem Kloster erzogen und hatte bereits die niederen Weihen erhalten, als er durch den Tod seiner Brüder sich gezwungen sah, in die elterliche Firma einzutreten. Gemeinsam mit seinen verbliebenen älteren Brüdern, Ulrich und Georg, leitete er 19-jährig die Firma.
Sein erstes Geschäftsjahr verbrachte er in Italien. Rom, Florenz und Venedig waren die führenden Plätze in der Geschäftswelt. Vor allem im Handelshof der Deutschen in Venedig lernte JAKOB ein neuartiges System der Buchführung und die komplizierte Art der Handelsbeziehungen zwischen Fürstenhäusern, Kirche und Kaufmannschaft kennen.
Während der Inspektion der Firma mit ihren Außenstellen (Faktoreien) lernte JAKOB die Filialleiter mit ihren weitreichenden Entscheidungsbefugnissen und diplomatischen Aufgaben im Interesse der FUGGER kennen.
FUGGER stieg in die Wachstumsbranche Erzhandel und Bergbaugeschäft ein (um 1450 waren ca. 10 000 Menschen im Bergbau tätig, 1550 waren es bereits 100 000). JAKOB FUGGER kaufte die Salzburger Firmen des Silberbergbaus auf, und es gelang ihm mit der Ausbeutung des Tiroler Silbers der Einstieg in den Münzhandel.
Die Tiroler Silbergruben bekam FUGGER für Kredite, die er Herzögen und Fürsten gab.
FUGGER weitete außerdem seine Geschäfte nach Ungarn aus. Für die reichen Kupfervorkommen hier verschaffte sich FUGGER über Strohmänner die Abbaurechte. Damit erreichte er die Vormachtstellung auf dem internationalen Metallmarkt.
FUGGER baute seine Firma dahingehend aus, dass er 1495 mehrere Schmelz- und Hüttenwerke errichtete (z.B. Schloss Fuggerau bei Villach, eine Kombination aus Verhüttungsbetrieb, Waffenschmiede und Wehranlage).
Einen besonderen Stellenwert nahmen FUGGERS Geschäfte mit der katholischen Kirche ein. Reiche Kirchenmänner konnten diskret ihr Geld anlegen, indem sie es gegen Zinsen in das Unternehmen investierten. Der Kirche stellte FUGGER auch Kredite zur Verfügung, sorgte für Überweisungen der Kirchengelder aus Nordeuropa nach Rom. Der Ablasshandel wurde ebenfalls ein Geschäft für FUGGER, indem er das Geld in seinen Faktoreien einsammelte und einen Teil des Geldes dann nach Rom überwies. So kam FUGGER zu dem Namen „Bankier der Päpste“.
MAXIMILIAN I., König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation seit 1493, war einer der größten Schuldner JAKOB FUGGERS. Für seine Kriegszüge und seinen Lebensstil musste er Kredite aufnehmen, wodurch die Stellung der FUGGERS bei Hofe stabil und einflussreich war. JAKOB ließ sich die Kredite mit Rechten am Bergwerk und Landbesitz bezahlen sowie mit Titeln übertragen.
Nach MAXIMILIANS Tod sorgte die FIRMA FUGGER dafür, dass KARL V., König von Spanien, von den deutschen Fürsten zum Nachfolger MAXIMILIANS gewählt wurde. Auf diesem Weg erlangte FUGGER auch noch die Rechte an den spanischen Quecksilbergruben.

Die Verelendung der breiten Bevölkerung nahm im Gegensatz zum Reichtum der FUGGERS immer mehr zu (65, 4% der Bevölkerung in Augsburg waren ohne Vermögen, 31,6 % versteuerten ein Vermögen von weniger als 10 Gulden, 0,8 % besaßen mehr als 100 Gulden), was sich zunehmend in Aufständen und den Reformationsideen von CALVIN, LUTHER u.a. ausdrückte. FUGGER aber unterstützte weiterhin die katholische Kirche und finanzierte u.a. die Soldaten des „Schwäbischen Bundes“ zur Niederschlagung der Bauernaufstände. Damit hatte sich die FIRMA FUGGER viel Neid und einen schlechten Leumund in der Augsburger Bevölkerung geschaffen.
Deshalb schloss JAKOB FUGGER 1516 mit der Stadt Augsburg einen Vertrag, in der Jakobervorstadt, dem Weberviertel, die Fuggerei, die erste Sozialsiedlung in der Welt zu errichten.1523 wurde die Siedlung, die Thomas Krebs gebaut hat, übergeben.
Tagelöhner, Handwerker und andere Arme durften hier für einen Gulden Jahresmiete wohnen, so sie als rechtschaffen und fleißig galten. 106 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen in 53 Reihenhäusern wurden gebaut. Die Siedlung existiert heute noch.
Die Familie Fugger musste nach dem 30-jährigen Krieg und dem Untergang der Habsburger die Banktätigkeit aufgeben.
Heute erinnern noch die zahlreichen Stiftungen an das Wirken der Familie.

Bedeutung Fuggers aus heutiger Sicht

Ein schnelles und ausgeklügeltes Informationssystem war wesentliche Grundlage für den Erfolg der Firma. Die Informationen erhielt JAKOB FUGGER vor allem durch die Faktoreien, die eurpaweit wirkten. So hatte er wichtige Informationen meist eher als der König oder andere Geschäftsleute. Somit konnte er schneller auf Veränderungen reagieren und lukrative Geschäfte abschließen.
Die fuggerschen Handelswege, das gewaltige Kapitalvermögen und die sich daraus ergebende Macht des Fugger„konzerns“ waren so stark, dass sie für die damalige Zeit wie ein Imperium wirkten. Nahezu die gesamte weltliche und geistliche Gesellschaft tätigte ihre Finanzangelegenheiten über das Haus Fugger in Augsburg und die zahlreichen europäischen Niederlassungen. Vergleichen wir das Fuggerimperium mit einem heutigen Konzern, würde er die 100 größten Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland umfassen.

1440FRIEDRICH III. von Habsburg wird deutscher Kaiser
1450Erfindung des Buchdrucks durch J. GUTENBERG
1459JAKOB FUGGER geboren 1459 Geburt MAXIMILIAN I. von Habsburg
1478Eintritt JAKOB FUGGERS in die Firma „Jakob Fugger & Söhne“
1483Geburt MARTIN LUTHERS
1487DIAZ umsegelt das Kap der Guten Hoffnung
1492KOLUMBUS entdeckt Amerika
1493MAXIMILIAN I. wird König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
1495Einführung der allgemeinen Reichssteuer ( „Gemeiner Pfennig“) durch MAXIMILIAN I.
1497VASCO DA GAMA entdeckt den Seeweg nach Ostindien
1498JAKOB FUGGER heiratet SYBILLE ARTZT
1502Erster Bundschuhaufstand in Deutschland
1502JAKOB FUGGER kauft die Juwelen des Burgunderschatzes
1507Erhebung JAKOB FUGGERS in den Adelsstand
1508MAXIMILIAN I. wird zum „erwählten römischen Kaiser“ gekrönt
1510Reichstag in Augsburg
1516-1519Bau der Fuggerei
1517MARTIN LUTHER veröffentlicht die 95 Thesen
1519Tod MAXIMILIANS I.
1519KARL V. wird deutscher Kaiser
1525Tod JAKOB FUGGERS, Neffe ANTON FUGGER führt die Firma weiter
1525Beginn der Bauernaufstände
Fuggerei

Fuggerei

Jakob Fugger - Fuggerei

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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