Architekturstile, Neoklassizismus

Aus Sicht der Architektur ist das 20. Jh. das Zeitalter der „modernen Architektur“. Nach einer zu Beginn des Jahrhunderts als „Väter der Moderne“ bezeichneten, vom Frührationalismus und Funktionalismus geprägten Phase, sprach man nach dem Ersten Weltkrieg vom „Neuen Bauen“ oder der „Moderne“. Der Begriff fasst die zu dieser Zeit in Deutschland entstandenen avantgardistischen Architekturströmungen zusammen, die sich gegen den Historismus richteten.

Die Vertreter dieser heute als „klassische Moderne“ bezeichneten Richtung gingen in ihren neuen Gestaltungsgrundsätzen von Verstand und Logik und der reinen Funktionalität der Bauwerke aus. Die „Moderne“ betrifft vor allem den „Funktionalismus“, den „Rationalismus“ und seit 1926 die Theorie vom „organischen Bauen“. Der Begriff „International Style“ kennzeichnet die Allgemeingültigkeit dieser Architekturauffassung: Verzicht auf repräsentative Details, Verwendung von industriell gefertigten Baustoffen, asymmetrische Gruppierung, kubistische Elemente, weißer Verputz, Lichtfülle.

Architekturströmungen der Phase der klassischen Moderne (ca. 1920–1968) waren:

  • Funktionalismus,
  • Bauhaus,
  • Expressionismus,
  • Neoklassizismus,
  • Rationalismus,
  • International Style,
  • organische Architektur.

Neoklassizismus

Neoklassizistische Tendenzen brachten die Moderne in den 1930er-Jahren in Bedrängnis. Diktatorische Systeme in Europa (Deutschland, Italien, Sowjetunion) verlangten eine Machtarchitektur. Geeignet erschien die Rückgriffe auf bewährte historische Stile – die Architekturströmung des Neoklassizismus entstand.

Zu den Architekten des Neoklassizismus gehörten u. a.

  • ALBERT SPEER (1905–1981),
  • ERNST SAGEBIEL (1892–1970),
  • HERMANN HENSELMANN (1905–1995).

Anfang bis Mitte des 20. Jh. ließen die Nationalsozialisten Deutschlands und die Faschisten Italiens klassizistische Kompositionen und Elemente wieder aufleben.

In Deutschland steigerte der Stararchitekt der Nationalsozialisten, ALBERT SPEER, Staatsbauten ins Gigantische. Bauten von massiver Kompaktheit mit wenigen Gliederungselementen wie Kolonnaden, Portiken und steinerne Fensterkreuze entstehen. Streng symmetrische Kompositionen und Axialität zur Umgebung erzeugen ein starres architektonisches System. Neben Form und Komposition verkörpert auch das Steinmaterial Härte, Disziplin und Wehrhaftigkeit (Neue Reichskanzlei, 1938–1939, Berlin).

Ein anderer Aspekt des Neoklassizismus sind die Kolossalordnungen der stalinistischen Architektur und die historisierenden Zutaten für neue Kommunalgebäude in Moskau (Hotel Moskwa,1932–1935; U-Bahn-Station Majakovskaja, 1936).

Dieser Stil wurde nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. mit der Lomonossow-Universität (1948–1952, Moskau) weitergeführt und in die DDR exportiert (Stalinallee, 1952–1958, Berlin, Architektengruppe um HERMANN HENSELMANN).

Außer dieser Regimearchitektur wird der Begriff Neoklassizismus im Zusammenhang mit der Postmoderne in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jh. benutzt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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