Kunst des 19. Jahrhunderts (19. Jahrhundert)

Im Gegensatz zur Kunst der vorangehenden Epochen mit ihrer relativen Einheitlichkeit über längere Zeit hin, ist die Kunst des 19. Jahrhunderts widersprüchlich, schnelllebig und vielgestaltig wie nie zuvor. Das ist Folge der Aufklärung, der Französischen Revolution, der Entmachtung von Königen, Fürsten, Adel, Klerus, des Anspruchs jedes Einzelnen auf Bürger- und Menschenrechte, auf Freiheit. Es ist Folge von Einsichten, Erfindungen, Verfahrensweisen in der Wissenschaft, der Technik, der Wirtschaft, der Geistesgeschichte, im Sozialen, wie es sie in solcher Fülle nie gegeben hat. Das 19. Jahrhundert hat, teilweise zeitgleich, die unterschiedlichsten Kunststile in den Gattungen hervorgebracht:

  • Klassizismus/Klassik (1770–1840),
  • Romantik (1795–1840) und
  • Biedermeier (1815–1850),
  • Ingenieurarchitektur (Mitte des 19. Jahrhunderts–20. Jahrhundert),
  • Revolutionsarchitektur (um 1770–1810),
  • Realismus (1850–1900),
  • Historismus (Neo-Stile: Neo-Barock, Neo-Gotik, Neo-Renaissance usw., vor 1870–nach 1890),
  • Impressionismus (1870–1890),
  • Nachimpressionismus/Neo-Impressionismus/Poitillismus (vor 1890–1900),
  • Symbolismus (1880–1900/1920),
  • Jugendstil (1890–1910).

Klassizismus (1770–1840)

Der an der Antike geschulte Stil zwischen 1770(1735) und 1840 ist der Klassizismus. Er ist der letzte große, einheitliche, international alle Kunstgattungen beherrschende Stil. Der Archäologe und Kunstschriftsteller JOHANN JOACHIM WINCKELMANN (1717–1768) wird als sein Begründer genannt. Man kehrte in der Architektur wieder zu geradlinigen Formen zurück, die Bildhauer schufen Plastiken nach antikem Vorbild und in der Malerei dominierten Szenen aus der griechischen und römischen Antike.

1774

Der bedeutendste Maler der norddeutschen Romantik, CASPAR DAVID FRIEDRICH, wurde am 5. September 1774 in Greifswald, Vorpommern geboren. Er starb am 7. Mai 1840 in Dresden. 1798 siedelte er zwar nach Dresden über, Motive seiner Heimat tauchen jedoch immer wieder in seinen Landschaftsmalereien auf, so die Klosterruine Eldena, die er ins Riesengebirge oder in den Eichwald versetzte.

1775

Der Autodidakt JOSEPH MALLARD WILLIAM TURNER wurde am 23. April 1775 in London geboren. Am 19. Dezember 1851 starb der berühmteste Maler Englands in seiner Zeit und führender Vertreter der englischen Romantik in London. Seine Gemälde wirkten stark auf die französischen Künstler des Impressionismus.

1776

Der neben WILLIAM TURNER (1775–1851) bedeutendste englische Landschaftsmaler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, JOHN CONSTABLE, wurde am 11. Juni 1776 in East Bergholt, Suffolk geboren. Er starb am 31. März 1837 in London-Hampstead. Er führte zusammen mit TURNER die Freilichtmalerei in England ein. Nachdem er 1824 am Pariser Salon teilgenommen hatte, waren seine Landschaften vor allem in Frankreich sehr begehrt. Sie wirkten stark auf die französische Malerei jener Zeit, besonders auf die Schule von Barbizon.

1777

Der neben CASPAR DAVID FRIEDRICH (1774–1840) bedeutendste Maler norddeutscher Romantik, PHILIPP OTTO RUNGE, wurde am 23. Juli 1777 in Wolgast (Pommern) geboren. RUNGE starb am 2. Dezember 1810 in Hamburg. Sein Landsmann FRIEDRICH beschäftigte sich vor allem mit der Landschaftsmalerei, RUNGE dagegen gelangen auch bedeutende Porträts und Allegorien („Der kleine Morgen“ und „Der große Morgen“). Daneben beschäftigte er sich mit der Farbenlehre und korrespondierte darüber auch mit JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749–1832). Einige norddeutsche Märchen stammen von ihm („Von den Fischer und sine Fru“).

1784

LOUIS-ETIENNE BOULLÉEs (1728–1799) Projekt von 1784 für einen Kenotaph (Kenotaph: leeres Grabmal zur Erinnerung an einen Toten, der an anderer Stelle begraben ist) für den damals geradezu kultisch verehrten englischen Naturforscher ISAAC NEWTON (1643–1727) ist ein Bauwerk der Revolutionsarchitektur. So wird eine Richtung in der französischen Baukunst in den Jahren vor, während und nach der Französischen Revolution genannt, die ein Bauen in nüchtern-monumentalen, stereometrischen Formen forderte. Die damaligen technischen Möglichkeiten ließen in den meisten Fällen keine Realisierung zu.

1785

Ein anderer wichtiger Vertreter der Revolutionsarchitektur ist CLAUDE-NICOLAS LEDOUX (1736–1806). Er entwarf die ab 1785 gebauten Wach- und Zollhäuser von Paris, eine Kette von fast 60 Gebäuden, von denen nur vier erhalten sind. Die anderen wurden bereits im Juli 1789 im ersten Ansturm der Revolution dem Erdboden gleichgemacht.
In der erhaltenen „Barrière de la Villette“ (Place Stalingrad) erkennt man das Werk von LEDOUX in seiner reinsten Form. Schwere Hausteine verleihen dem über quadratischem Grundriss errichteten Untergeschoss eine machtvolle Ruhe. Ohne Übergang entwickelt sich aus diesem Block der Zylinder einer fast schmucklosen Rotunde als Umgang mit dorischen Säulen, die hart eingeschnittene Rundbögen tragen.

1790

THOMAS WEDGEWOOD (1771–1805), ein Chemiestudent, hatte 1790 mit lichtempfindlichen Stoffen experimentiert. Er begann mit der fotografischen Aufzeichnung auf Papier, das mit einer Schicht aus Silberchlorid überzogen war. So konnte WEDGEWOOD Blätter und Insektenflügel „fotografieren“. Diese ersten Arbeiten waren sogenannte Kontaktkopien. Das Problem dieser Fotografien bestand darin, dass sie noch unbeständig waren, weil mit der Zeit die gesamte Bildfläche nachschwärzte.

1791

Der französische, romantische Maler THÉODORE GÉRICAULT wurde am 26. September 1791 in Rouen geboren. Er machte sich vor allem durch Landschaftsbilder und Porträts einen Namen. Großes politisches Aufsehen erregte er mit seinem in unruhigen Hell-Dunkel-Kontrasten gehaltenen Gemälde „Das Floß der Medusa“ (1817/1719). GERICAULT starb am 26. Januar 1824 in Paris.

Romantik (1795–1840)

Die Romantik war eine europäische Geistesbewegung in der Zeit zwischen 1795 und 1840. Der Begriff wurde von ihren Gegnern geprägt, die an diesem Stil das Irrationale und Überspannte kritisierten. Allerdings war die Romantik kein ganz einheitlicher Stil, weder der Form, noch den Themen nach. Die englische Malerei der Romantik sieht ganz anders aus als die französische oder die deutsche. In England und Deutschland überwiegen landschaftliche Motive, in Frankreich dramatische Historienbilder. Die englischen und französischen Künstler bevorzugen einen offenen Pinselduktus und interessieren sich für Farbwirkungen, die deutschen tendieren zu einer gedankenschweren Feinmalerei.

1797

ALOIS SENEFELDER (1771–1834) entdeckte die Lithografie und damit eine neue Reproduktionstechnik. (Lithografie ist eine grafische Technik. Das Bild wird mit fetthaltiger Farbe auf den Stein aufgetragen; die Teile des Steins, die keine Zeichnung enthalten, werden so präpariert, dass sie keine Farbe annehmen. Der Druck erfolgt – nach Umdruck auf einen Maschinenstein – über Pressen. Dieses Druckverfahren läuft nach dem Prinzip des Flachdrucks.)

1798

Der französische, romantische Maler EUGÈNE FERDINAND VICTOR DELACROIX wurde am 26. April 1798 in Charenton-Saint-Maurice, einem Vorort von Paris geboren. Sein wohl am meisten zitiertes Werk ist „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830, das einen Aufstand der Pariser Bevölkerung visualisiert, die sogenannte „Julirevolution“. DELACROIX starb am 13. August 1863 in Paris.

1799

FRANCISCO José DE GOYA Y LUCIENTES (1746–1828) wird 1799 zum Ersten Hofmaler des spanischen Königs ernannt.

19. Jahrhundert

Als Stilepoche der Kunstgeschichte ist das 19. Jahrhundert ein „langes“ Jahrhundert. Es reicht vom Ende des Barocks bis zum Beginn der abstrakten Kunst, also von etwa 1770 bis zum Ersten Weltkrieg.

Im Gegensatz zur Kunst der vorangehenden Epochen mit ihrer relativen Einheitlichkeit über längere Zeit hin, ist die Kunst des 19. Jahrhunderts widersprüchlich, schnelllebig und vielgestaltig wie nie zuvor. Das ist Folge der Aufklärung, der Französischen Revolution, der Entmachtung von Königen, Fürsten, Adel, Klerus, des Anspruchs jedes Einzelnen auf Bürger- und Menschenrechte, auf Freiheit. Es ist Folge von Einsichten, Erfindungen, Verfahrensweisen in der Wissenschaft, der Technik, der Wirtschaft, der Geistesgeschichte, im Sozialen, wie es sie in solcher Fülle nie gegeben hat. Das 19. Jahrhundert hat, teilweise zeitgleich, die unterschiedlichsten Kunststile in den Gattungen hervorgebracht:

  • Klassizismus/Klassik (1770–1840),
  • Romantik (1795–1840) und
  • Biedermeier (1815–1850),
  • Ingenieurarchitektur (Mitte des 19. Jahrhunderts–20.Jahrhundert),
  • Revolutionsarchitektur (um 1770–1810),
  • Realismus (1850–1900),
  • Historismus (Neo-Stile: Neo-Barock, Neo-Gotik, Neo-Renaissance usw., vor 1870–nach 1890),
  • Impressionismus (1870–1890),
  • Nachimpressionismus/Neo-Impressionismus/Poitillismus (vor 1890–1900),
  • Symbolismus (1880–1900/1920),
  • Jugendstil (1890–1910).

Das 19. Jahrhundert entwickelte allein auf technischem Gebiet eine nie da gewesene Dynamik: die natürlichen und animalischen Antriebskräfte werden ersetzt durch die Dampfmaschine. In der Wirtschaft vollzieht sich der Übergang von der einfachen Warenproduktion in der Manufaktur zur Massenproduktion in Fabriken (Kapitalismus). Die meisten technischen Erfindungen dienten der Beschleunigung von Reise und Transport (Eisenbahn, Dampfschiff, Straßen- und Untergrundbahn, Automobil, Flugzeug – aber auch Fahrrad), der Nachrichtenübermittlung (Telegrafie, Telefon) und der Bildherstellung (Fotografie und Film).

Mutig wagte man im Bau Neuerungen, wie

  • den Bau von Wolkenkratzern,
  • den Bau von Brücken mit enormen Spannbreiten oder
  • die stützenlose Überwölbung riesiger Hallen.

Die Erkenntnisse, das Wissen in den verschiedenen wissenschaftlichen Teildisziplinen wuchsen enorm, sodass die zahlreich gedruckten Wissensspeicher, die Konversations-Lexika die Masse der Fakten kaum noch erfassen konnten.

Eine ähnliche Erfindungskraft und ähnliche Beschleunigungen wie in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft zeigen sich auch in den Künsten. In den Jahren vor Ausbruch der Französischen Revolution ging es vor allem um die Abgrenzung gegenüber Barock und Rokoko, also um die Unterscheidung von höfisch-adliger Propagandakunst. Diese Tendenz wird vom bürgerlichen Publikum unterstützt.

In den anschließenden Jahrzehnten und bis um 1900 arbeiten z. B. die Maler zunehmend daran, eine persönliche Weltsicht und -auslegung zu erarbeiten und zu demonstrieren.

Am Ende, also um 1900, steht das Publikum den Neues zeigenden Künstlern jedoch überwiegend verständnislos gegenüber.

Die Balance zwischen Bedürfnis nach Fortschritt und dem nach Aufhalten der stürmischen Entwicklung ist prekär und hat eine eigene Dynamik.

1801

Der englische Maler RICHARD PARKS BONINGTON wurde am 25. oder 26. Oktober 1801 (nach anderen Quellen 1802) in dem kleinen Dorf Arnold in der Grafschaft Nottinghamshire, England, geboren. Auch sein Todesdatum ist unklar. Es werden der 23. oder 28. September 1828 in London angegeben. Seit 1816 hielt er sich in Frankreich auf, schloss dort Freundschaft mit Eugène Delacroix (1798–1863). Mit seinen Landschaftsmalereien hatte BONINGTON einen gewissen Einfluss auf die französische Schule. Obwohl er nur 27 Jahre alt wurde, hinterließ BONINGTON in nur 10 Jahren ein erstaunliches Werk. Er wurde zum wichtigsten englischen Landschaftsmaler nach JOSEPH MALLORD WILLIAM TURNER (1775–1851) und JOHN CONSTABLE (1776–1837).

1803

Der britische Architekt JOSEPH ALOYSIUS HANSOM, im Jahre 1834 Erfinder und Namensgeber der „Hansom-Kutsche“, wurde am 26. Oktober 1803 in York geboren. Er starb am 29. Juni 1882 in London.

1808

Der französische Maler, Bildhauer, Grafiker und Karikaturist HONORE DAUMIER wurde am 26. Februar 1808 in Marseille geboren. In die Kunstgeschichte gingen seine zahlreichen Karikaturen in der damals recht neuen Technik der Lithografie ein, die er für die Zeitungen „La Caricature“ und „Le Charivari“ anfertigte. Darüber hinaus war er nicht nur ein talentierter Maler, sondern auch ein begabter Bildhauer. So fertigte er zwischen 1832 und 1835 insgesamt 26 Prominentenporträts (Terrakottabüsten) an. DAUMIER starb am 10. Februar 1879 in Valmondois, Val-d'Oise.

1815

Der deutsche realistische Maler ADOLPH FRIEDRICH ERDMANN VON MENZEL wurde am 8. Dezember 1815 in Breslau geboren. „Das Eisenwalzwerk“ von 1875 ist sein wohl bedeutendstes Werk. Daneben schuf er Historienbilder um FRIEDRICH DEN GROSSEN (1712–1786) sowie Porträts. Aber nicht nur als Maler gelang ihm Erstaunliches. Ebenso bekannt wurde er als Illustrator und Zeichner. MENZEL starb am 9. Februar 1905 in Berlin.

1816

Bereits 1816 war es JOSEPH NICÉPHORE NIEPCE (1765–1833) gelungen, Abbilder der Natur auf lichtempfindlichen Zinnplatten in der Camera Obscura herzustellen. Ein spezieller lichtempfindlicher Asphalt musste dafür mindestens acht Stunden belichtet werden. So entstand das erste Negativ der Welt. NIEPCE nannte seine Erfindung Heliografie.

1818

Einer der Begründer der Kunst- und Kulturgeschichte, der Kunsthistoriker JACOB BURCKHARDT, wurde am 25. Mai 1818 in Basel geboren. Er starb am 8. August 1897 ebenfalls in Basel. Sein Hauptwerk war „Die Kultur der Renaissance in Italien“ (1860).

1819

Der französische Landschafts-, Porträt- und Genremaler GUSTAVE COURBET wurde am 10. Juni 1819 in Ornans bei Besançon geboren. Von ihm stammt der Begriff des Realismus. Anlässlich der Weltausstellung von 1855 in Paris zeigte er eine Auswahl seiner Werke in einem Pavillon, über dessen Eingang er ein Schild angebracht hatte: „Le Realisme“.
Sein bedeutendstes Werk ist „Die Steinklopfer“ von 1849. COURBET starb am 31. Dezember 1877 in La-Tour-de-Peilz (Schweiz).

1821

KARL FRIEDRICH SCHINKEL (1781–1841) und CHRISTIAN PETER WILHELM BEUTH (1781–1853) eröffneten 1821 die Berliner Gewerbeschule (ab 1828 Gewerbeinstitut, ab 1866 Gewerbeakademie), eine der Urzellen der TU Berlin. Der erste Direktor der Berliner Gewerbeschule war KARL FRIEDRICH KLÖDEN (1786–1856).

1830

Der französische impressionistische Maler CAMILLE PISSARRO wurde am 10. Juli 1830 im Städtchen Charlotte Amalie auf der Antilleninsel Saint Thomas geboren. Er starb am 13. November 1903 in Paris. PISSARRO gehörte zu den Wegbereitern des Poinillismus.

EDWARD MUYBRIDGE, eigentlich EDWARD JAMES MUGGERIDGE,wurde am 9. April 1830 in Kingston upon Thames, England, geboren. Er gehört zu den Pionieren der Fotografie und gilt als Erfinder der Chronofotografie. Seine Bilderfolgen lichteten einzelne Bewegungsabläufe ab. Sie regten MARCEL DUCHAMP (1887–1968) zu seinem „Akt, eine Treppe hinabsteigend“ an. MUYBRIDGE starb am 8. Mai 1904 in Kingston upon Thames.

1831/1832

Bei einer Reise durch Marokko entdeckte EUGÈNE FERDINAND VICTOR DELACROIX (1798–1863) den gesetzlichen Zusammenhang von Farbwirkungen im Licht und im Schatten: Die drei Primärfarben Rot, Blau und Gelb korrespondieren mit den drei sekundären Orange, Grün, Violett. Diese Einsicht wurde für DELACROIX zur Grundlage für den Farbaufbau seiner Bilder – denn für ihn war, anders als für die Klassizisten, die Farbe das wesentlichste Bildelement, nicht die Kontur.

1832

Einer der Wegbereiter der modernen Malerei war EDOUARD MANET. Er wurde am 23. Januar 1832 in Paris geboren. Seine dem impressionistischen Malstil nahe stehenden Bilder stießen in den Pariser Salons zunächst auf große Ablehnung. Vor allem sein Alterswerk ist erstaunlich, so „Un bar aux Folies-Bergère“ (1882), ein Bild, das aus interessanter Perspektive das ansonsten Unsichtbare zeigt, nämlich den Blick hinter den Maler, und „Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko in 1867“, gemalt 1868/1869, mit dem er das Motiv der „Erschießung der Aufständischen“ von GOYA aufgreift und in seinem Sinne verändert, indem das Erschießungskommando französische Uniformen trägt. MANET starb am 30. April 1883 in Paris.

1834

Der französische Maler und Bildhauer EDGAR GERMAIN HILAIRE DE GAS stammte aus ärmerem Adel. Er wurde am 19. Juli 1834 in Paris geboren. Als Maler zog er den Nachnamen DE GAS zu DEGAS zusammen. Seine Zeitgenossen verblüffte er durch seine völlig spontan wirkenden Kompositionen, die er der erst kurz zuvor erfundenen Fotografie entlehnte. Deshalb laufen seine Figuren auch schon mal bewusst an den Bildrand, in seinem Bild „Absinth“ (1876) starrt eine Frau in der oberen Bildhälfte blickleer auf ein Absinthglas. Der Bohemien neben ihr rutscht schon fast aus dem Bild heraus. Den Vordergrund füllen diagonal gestellte leere Tische aus. DEGAS starb am 29. September 1917 Paris.

1836

EMILE DE GIRARDIN (1806–1881) gründete 1836 die Zeitung „La Presse“ (1836–1932). Er führte als Erster die Werbung in der Presse ein.

1839

PAUL CÉZANNE wurde am19. Januar 1839 in Aix-en-Provence geboren. PAUL CÉZANNE ist im späten 19. Jahrhundert der eigentliche Erneuerer der Malerei allein auf dem Fundament der Farbe. Alles Erzählerische und Symbolische schloss er aus seinen Landschaftsgemälden aus und versuchte durch das kalkulierte Nebeneinandersetzen von Farbflecken auf langen, sensibel ausdifferenzierten Skalen „eine Harmonie parallel zur Natur“ zu erreichen. Tief religiös, wollte er durch dieses Aneinanderreihen eine Verkettung der Farbtöne des ganzen Bildes erzeugen und damit die Harmonie der Schöpfung anschaulich erweisen. Seine Gemälde sind, anders als die von CLAUDE MONET (1840–1926), von allen Zufälligkeiten der Lichtstimmung unabhängig. CÉZANNE starb am 23. Oktober 1906 in Aix-en-Provence.

1839 gelang LOUIS JACQUES MANDE DAGUERRE (1787–1851) mit der Daguerreotypie ein Verfahren, mit dem man ausschließlich Positive herstellen konnte, d.h. Daguerreotypien waren Unikate.

1840

Der Begründer der modernen Plastik, AUGUSTE RODIN, wurde am 12. November 1840 in Paris geboren. Er war vor allem Modelleur und arbeitete vorzugsweise in Ton. Die Übertragung in Marmor oder ein größeres Format überließ er Gehilfen. Seine späteren Werke lassen überkommene Positionen weit hinter sich und stoßen in eine Zukunft vor, in welcher das Material der Bildhauerkunst selbst zum Thema wird, wenn bei Rodin auch noch getragen von einer wenigstens ungefähren Abbildlichkeit. Zwei Denkmäler haben seinen Ruhm begründet: „Die Bürger von Calais“ (1884–1895) und der „Balzac“ (1891–1898). RODIN starb am 18. November 1917 in Meudon (bei Paris).

CLAUDE MONET wurde am 14. November 1840 in Paris geboren. Der Stilbegriff, den er repräsentiert, geht auf den Titel eines Gemäldes von MONET zurück: „Impression Sonnenaufgang“ von 1872. Nach wiederholter Ausschließung vom Salon hatte Monet zusammen mit einigen Künstlerkollegen eine eigene Ausstellung organisiert, für die ihnen der Fotograf NADAR (Gaspard Félix Tournachon, 1820–1910) sein Atelier zur Verfügung stellte. Der Kritiker LOUIS LEROY (1886–1968) griff Monets Bildtitel auf und bezeichnete die ganze Gruppe in einem höhnischen Artikel in der satirischen Zeitschrift „Charivari“ (Katzenmusik) als „Impressionisten“. Mit seinen Seerosenbildern war Monet ein Begründer der seriellen Kunst. MONET starb am 06. Dezember 1926 in Giverny.

Die Malerkolonie „Schule von Barbizon“ wurde um 1840 gegründet. Sie bestand bis um 1870 und beeinflusste entscheidend die Landschaftsmalerei in Europa. Außerdem gilt sie als Wegbereiter des Impressionismus. Die Gruppe siedelte sich im Dorf Barbizon bei Fontainebleau an. Gemeinsam war ihnen, dass sie sich vom akademischen Stil abwandten und die Pleinair-Malerei (franz. Peinture en pleinair = Freiluftmalerei) für sich entdeckten. THÉODORE ROUSSEAU (1812–1867) war der „Gründungsvater“ der Schule von Barbizon. Neben ihm gehörten u. a.

  • HENRI HARPIGNIES (1819–1916) ,
  • CHARLES-FRANÇOIS DAUBIGNY (1817–1878 ) und
  • JEAN-BAPTISTE CAMILLE COROT (1796–1875) zur Gruppe.

1841

Die älteste satirische und wöchentlich erscheinende „Illustrierte Zeitschrift“ erschien 1841 in London. Sie wurde Vorbild für ähnliche Gründungen in anderen Ländern.

Der französische Maler PIERRE-AUGUSTE RENOIR wurde am 25. Februar 1841 in Limoges geboren. Er war ein Vertreter des Impressionismus und wurde durch seine fast pastellenen Figurenbilder und durch seine Porträts berühmt. Daneben schuf er Aufsehen erregende Akte sowie Landschaftsbilder und Stillleben. RENOIR starb am 3. Dezember 1919 in Cagnes.

1844

Der wohl bedeutendste Maler des russischen Realismus, ILJA JEFIMOWITSCH REPIN, wurde am 24. Juli (nach neuem Kalender am 5. August 1844) in Tschugujew im Gouvernement Charkiw, in der heutigen Ukraine, geboren. Er starb am 29. September 1930 in Kuokkala, Finnland.

1845

1845 entwickelte der Amerikaner RICHARD HOE (1812–1886) die erste moderne Rotationsdruckmaschine. Nach diesem Prinzip bauten die britischen Ingenieure AUGUSTUS APPLEGATH (1789–1871) und EDWARD COWPER (1819–1893) eine verbesserte Druckmaschine. 1848 wurde auf solch einer Maschine in London die „Times“ gedruckt. Sie konnte bereits 10 000 Bogen pro Stunde drucken.

1847

1847 erfand Sir DAVID BREWSTER (1781–1868) die zweiäugige Stereokamera.

1848

In Deutschland begann 1848 die bürgerliche Revolution.

In Berlin brachte 1848 der Schriftsteller DAVID KALISCH (1820–1872) den „Kladderadatsch“ heraus. Dieses politisch-satirische, national ausgerichtete Wochenblatt wird als das erste deutsche Tendenzwitzblatt bezeichnet. Nachdem es 1944 eingestellt wurde, ist es 1970 in Bonn wieder gegründet worden.

PAUL GAUGUIN wurde am 7. Juni 1848 in Paris geboren. Sein Malstil lässt sich keiner der landläufigen Kunstströmungen des 19. Jahrhunderts einverleiben. Ab 1888 malte er in vereinfachten Formen mit einem Farbauftrag in großen Flächen. Nachdem er seine Bilder 1891 in Paris versteigern ließ, besaß er das Geld, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen. Gauguin zog nach Mataiea auf Tahiti, später nach Dominica (Marquesas). Hier ließ er sich von der Kunst der Eingeborenen inspirieren. Und versuchte sich u. a. als Holzbildhauer. Es entstanden zwar grobe, dennoch aber kraftvolle bemalte Reliefs, welche die Schnitzereien der späteren Expressionisten vorwegnehmen. GAUGUIN starb am 8. Mai 1903 in Atuano auf Hiva Oa.

1850

1850 präsentierte MICHAEL THONET (1796–1871) mit dem Modell Sessel Nr. 4 auf einer Ausstellung des Niederösterreichischen Gewerbevereins einen leichten, kostengünstigen Stuhl aus schichtverleimten Lamellen (später wird das Modell auch aus massiv gebogenen Holzstäben gefertigt).

Realismus (1850–1900)

Besonderes Kennzeichen des Realismus ist die fortschrittliche Form, die nicht zwingend Detailgenauigkeit fordert, sondern oft eine Verknappung oder sogar Konstruktion von Wirklichkeit zum Ziel hat, um die Wahrnehmung von Realität zu vertiefen und eine unsichtbare Wirklichkeit zu enthüllen.

Künstler des Realismus wollten die Wirklichkeit nicht nach vorformulierten Idealen und Gestaltungsregeln überhöhen oder vervollkommnen, sondern die sichtbare Wirklichkeit ungeschönt darstellen, selbst von ihren gewöhnlichen und hässlichen Seiten.

Der französische Maler GUSTAVE COURBET (1819–1877) war der erste Künstler, der den Realismus zu seinem Programm gemacht hat. Anlässlich der Weltausstellung von 1855 in Paris zeigte er eine Auswahl seiner Werke in einem Pavillon, über dessen Eingang er ein Schild angebracht hatte: „Le Realisme“.

1850/1851

Als GUSTAVE COURBET (1819–1877) im Salon von 1850/1851 seine „Steinklopfer“ (1849) ausstellte, traf er auf den erbitterten Widerstand der Kunstkritik. Man stieß sich am Thema und an der Malweise. Das Bild beschreibt das Elend dieser Straßenarbeiter und glorifiziert es nicht als opferbereiten Heroismus. Das geschieht mit Mitteln ohne allen Glanz. Entsprechend wurde das Gemälde von der Kritik herabgewürdigt: es sei hässlich und hässlich gemalt.

1851

1851 entwickelte der britische Bildhauer und Fotograf FREDERICK SCOTT ARCHER (1813–1857) das „nasse Collodiumverfahren“. Bei diesem Verfahren wurde Collodium (in Diethylether gelöste Baumwolle) verwendet. Unmittelbar vor der Belichtung musste der Fotograf Silberhalogenide auf eine Glasplatte auftragen. Aufgrund dessen, dass die Negative in nassem Zustand belichtet und entwickelt werden mussten, war eine nahe gelegene Dunkelkammer erforderlich. Das Collodium war in diesem Fall ein Bindemittel, das kurz zuvor von dem Schweizer Chemiker CHRISTIAN FRIEDRICH SCHÖNBEIN (1799–1871) entdeckt worden war.

1851 fand die erste Weltausstellung in London statt. Sie wurde von Königin VICTORIA (1819–1901) im Londoner Hyde Park eröffnet. Sie hatte einen so großen Erfolg, dass ihr weitere folgten. Hauptziel der Weltausstellungen war von Anfang an die Darstellung, Vermittlung und dadurch Förderung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und besonders die miteinander konkurrierende Selbstdarstellung der beteiligten Länder aus aller Welt.

Es waren Großereignisse, die ungeheure Besucherströme anzogen.  JOSEPH PAXTON (1801–1865) baute extra für die Ausstellung den „Kristallpalast“. Der Kristallpalast ist als eine der bedeutendsten Pionierleistungen des 19. Jahrhunderts in die Architekturgeschichte eingegangen. Er wurde aus vorfabrizierten, gusseisernen Stützen über einem durchgehenden Raster von 7,32 m in nur acht Monaten errichtet und war ringsum verglast (er fiel 1936 einem Brand zum Opfer).

1852

Die erste Familienzeitschrift war „Unterhaltungen am häuslichen Herd“ – 1852 im Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, herausgegeben.

1853

Der holländische Maler VINCENT VAN GOGH wurde am 30. März 1853 in Groot-Zundert geboren. Seine überaus ausdrucksstarken Bilder ließen sich zu Lebzeiten des Malers schwer verkaufen. Heute gehören sie zu den teuersten Gemälden der Welt. Besonders eindrucksvoll sind seine Ansichten südfranzösischer Landschaften und Städte. „Traurigkeit und äußerste Einsamkeit“ sprechen aus „Getreidefeld mit Raben“, fröhlich wirken in ihrer schillernden Farbigkeit die Sonnenblumenbilder und auch die „Die Brücke von Langlois bei Arles“ von 1888. VAN GOGH starb am 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise.

1857

Der deutsche Bildhauer, Maler und Grafiker MAX KLINGER wurde am 18. Februar 1857 in Leipzig geboren. Er ist der wohl bedeutendste Bildhauer des Symbolismus in Deutschland. Der „Beethoven“, von ihm 1902 geschaffen, ist mit bedeutenden Einfällen überfrachtet und aus verschiedenen Steinsorten zusammengesetzt, denen auch noch Bronzeteile hinzugefügt sind.

Die Intention ist, den Gedankenkosmos des genialen Komponisten anzudeuten. Dazu wird das erste Menschenpaar eingefügt und sogar eine Kreuzigung Christi, von dem Adler – eine Anspielung auf den Göttervater Zeus – ganz zu schweigen.

Aber KLINGER war auch in der Malerei für Skandale gut, so löste sein Gemälde „Kreuzigung“ 1893 in Dresden einen solchen aus, weil der Maler den Religionsstifter völlig nackt zeigte. Auch als Grafiker zeigte KLINGER sein Können. Seine Grafiken sind zwar oft nur mit einem gewissen Wissenshintergrund auflösbar, zeigen jedoch auch eine sozialkritische Auseinandersetzung mit der Zeit. KLINGER starb am 4. Juli 1920 in Großjena bei Naumburg.

1858

Der deutsche Maler LOVIS CORINTH wurde am 21. Juli 1858 in Tapiau, Ostpreußen geboren. Sein Malstil war durch eine sehr individuelle Mischung aus impressionistischen und expressionistischen Einflüssen gekennzeichnet. Sein Thema war vor allem das Porträt, aber auch faszinierende Landschaften stammen von ihm. CORINTH starb am 17. Juli 1925, Zandvoort, Niederlande.

1859

Der Begründer und zugleich der wichtigste Maler des Pointillismus, GEORGES SEURAT, wurde am 2. Dezember 1859 in Paris geboren. Für seine Gemälde zerlegte er die Motive in einzelne, kleine Farbtupfer in reinen Farben, die nur aus der Entfernung zu Farbtönen verschmelzen. Der Maler selbst nannte seinen Stil Divisionismus. SEURAT starb am 21. Februar 1891 in Paris.

1859 begann in der Firma der Gebrüder THONET die Produktion des später berühmt gewordenen Sessels Nr. 14, des „Wiener Kaffeehausstuhls“. Bis 1930 wurde dieses Modell bereits über 50 Millionen Mal verkauft.

1861

Der deutsch-jüdische Maler LESSER URY wurde am 7. November 1861 in Birnbaum in der Provinz Posen geboren. Er malte vor allem Berliner Stadtlandschaften in einem eigenen, dem Impressionismus verwandten Stil. URY war Mitglied der Berliner Sezession. Er starb am 18. Oktober 1931 in Berlin.

1862

Der wohl bekannteste Maler des österreichischen, respektive Wiener Jugendstils ist GUSTAV KLIMT. Er wurde am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien geboren. KLIMT gehörte 1897 zu den Gründern der Wiener Secession und war zeitweise sogar ihr Präsident. Einen Namen machte er sich mit seinen, teilweise mit Gold hinterlegten Gemälden, wie „Der Kuss“ (1907–1908), sowie mit dem „Beethovenfries“ in der Wiener Secession. KLIMT starb am 6. Februar 1918 Wien-Neubau.

1863

Der französische Maler PAUL SIGNAC wurde am 11. November 1863 in Paris geboren. Er war, neben GEORGES SEURAT (1859–1891), der bedeutendste Vertreter des Pointillismus. 1899 erschien sein Aufsatz „D’Eugène Delacroix au néo-impressionisme“, deutsch: „Von Eugène Delacroix zum Neo-Impressionismus“, der sich theoretisch mit dem Pointillismus auseinander setzt und zum Programm der Kunstrichtung wurde. SIGNAC starb am 15. August 1935 in Paris.

Der norwegische Maler und Grafiker EDVARD MUNCH wurde am 12. Dezember 1863 in Løten geboren. Er gehört zu den Wegbereitern des Expressionismus. Sein bekanntestes Motiv ist „Der Schrei“, das er in mehreren Versionen malte. MUNCHs Gemälde ist ein trichterförmiger Abgrund, entfaltet einen unentrinnbaren Sog und erzeugt ein endlos widerhallendes Echo von Ängsten, ein verzweifeltes Aufbegehren und eine große Hoffnungslosigkeit – die oberflächliche „Dekoratiefsinnigkeit“ des Jugenstils lässt ein solches Bild weit hinter sich. MUNCH starb am 23. Januar 1944 in Ekely.

1864

Der Schweizer Kunsthistoriker HEINRICH WÖLFFLIN wurde am 24. Juni 1864 in Winterthur geboren. WÖLFFLIN war ein Schüler JACOB BURCKHARDTs. Seinen formalistischen Kunstansatz legte er in dem Werk „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe“ von 1915 dar. Darin fasste er die Kunstgeschichte unter stilgeschichtlichem Aspekt zusammen. WÖLFFLIN starb am 19. Juli 1945 in Zürich.

Der französische Maler, Grafiker und Zeichner HENRI MARIE RAYMOND DE TOULOUSE-LAUTREC wurde am 24. November 1864 in Albi, Südfrankreich, geboren. Berühmt war er wegen seiner Plakate, die er im Steindruck (Lithografie) vervielfältigte. TOULOUSE-LAUTREC starb am 9. September 1901 auf dem elterlichen Schloss Malromé.

Der russische Maler ALEXEJ VON JAWLENSKY, ein Schüler von ILJA REPIN (1844–1930), wurde am 13. März (nach neuem Kalender am 25. März) 1864 in Torschok, Russland, geboren. Er war ein bedeutender Vertreter der Malerei der Moderne. JAWLENSKY begann, unter REPINs Einfluss stehend, mit realistischer Malerei, entdeckte jedoch bald seinen eigenen, stark expressionistischen Malstil. Er gehörte der NKVM (Neue Künstlervereinigung München), später mit WASSILY KANDINSKY (1866–1944), PAUL KLEE (1879–1940) und LYONEL FEININGER (1871–1956) den „Die Blauen Vier“ an. JAWLENSKY starb am 15. März 1941 in Wiesbaden.

1866

Den Begriff Pointillismus prägte der französische Kunstkritiker FÉLIX FÉNÉON im Jahre 1866. Diese Stilrichtung wird, weil sie als konsequente Weiterführung des Impressionismus verstanden wird, auch Nachimpressionismus genannt. Gelegentlich taucht im Zusammenhang mit dem Pointillismus auch der Begriff Divisionismus (von lat. divisio = Teilung, Gliederung) auf. Man bezeichnet damit die Gliederung eines Bildes in Farbwerte. Michel EUGÉNE CHEVREUL (1786–1889) und HERMANN HELMHOLTZ (1821–1894) stellten im 19. Jahrhundert wissenschaftliche Farbtheorien auf, an denen sich die Künstler des Divisionismus bzw. Pointillismus anlehnten.

Der russische Maler WASSILY KANDINSKY (1866–1944) wurde am 4. Dezember 1866 in Moskau geboren. Er gehört zu den bedeutendsten Künstlern des Expressionismus. Er gehörte verschiedenen Künstlergruppen an, u. a. der „Neuen Künstlervereinigung München“, der Gruppe „Der Blaue Reiter“ und den „Die Blauen Vier“. 1928 erhielt er die deutsche und, nachdem er Deutschland 1933 verlassen musste, 1939 die französische Staatsbürgerschaft. KANDINSKY starb am 13. Dezember 1944 in Neuilly-sur-Seine.

1867

Der als EMIL HANSEN am 7. August 1867 in Nolde, Gemeinde Buhrkall, geborene EMIL NOLDE gehörte zu den führenden Malern und Grafikern des deutschen Expressionismus. Die Nationalsozialisten diffamierten seine Bilder als „Entartete Kunst“ und belegten ihn mit einem Malverbot. Seine Sujets entnahm er seiner Schleswiger Heimat. Faszinierende Landschaften in leuchtenden Farben entstanden ebenso, wie immer wieder Seebilder. NOLDE starb am 13. April 1956 in Seebüll im Kreis Nordfriesland.

Die deutsche Bildhauerin, Zeichnerin und Grafikerin KÄTHE KOLLWITZ wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg in Preußen, heute Kaliningrad, Russland, geboren. Ihr Werk zeichnet sich neben der künstlerischen Meisterschaft vor allem durch die inhaltliche Aussagekraft und die humanistischen Positionen aus. In ihren Lithografien griff sie viele sozialkritische Themen auf, klagte mit ihrer Kunst bessere Lebensverhältnisse für die Armen ein. KOLLWITZ starb am 22. April 1945 in Moritzburg bei Dresden.

1868

Der am 8. Oktober 1868 in Landshut geborene MAX SLEVOGT war ein deutscher Maler, Grafiker und Bühnenbildner des Impressionismus. Er starb am 20. September 1932 in Neukastel/Pfalz.

1869

Der französische Maler und Bildhauer HENRI MATISSE wurde am 31. Dezember 1869 in Le Cateau geboren. Er gehörte zu den führenden Vertretern der Fauves, die Farbe zum Hauptgestaltungsmerkmal ihrer Malerei erhoben. In seiner Nizza-Periode schuf er fast intime Bilder, und als er ans Krankenbett gefesselt war, beschäftigte er sich mit Scherenschnitten, er „malte mit der Schere“. MATISSE starb am 3. November 1954 in Nizza.

1870

Der österreichische Architekt und Designer JOSEF FRANZ MARIA HOFFMANN wurde am 15. Dezember 1870 in Pirnitz geboren. Er war ein wichtiger Vertreter des Jugendstils sowie Mitbegründer des Österreichischen Werkbundes. 1903 gründete er mit KOLOMAN MOSER (1868–1918) und FRITZ WÄRNDORFER (1868–1939) die Wiener Werkstätte GmbH, in der u. a. Schmuck und Möbel hergestellt wurden. HOFFMANN starb am 7. Mai 1956 in Wien.

Der deutsche Bildhauer, Zeichner und Dichter Ernst Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel, Holstein, geboren. Er gehört zwar zu den bedeutendsten deutschen Expressionisten, aber sein Werk lässt sich nicht auf den Expressionismus allein reduzieren. Seine Plastiken strahlen ein eigenartiges, besonderes Pathos aus; sie sind Bild gewordenes Suchen des Bildhauers nach dem Menschlichen im Menschen. BARLACH schuf Kriegsdenkmäler, wie

  • „Der schwebende Engel“ im Dom von Güstrow mit dem Gesicht seiner von ihm sehr geschätzten Kollegin KÄTHE KOLLWITZ oder
  • „Geistkämpfer“ an der Nikolaikirche in Kiel (ein Abguss findet sich auch an der Gethsemanekirche in Berlin)

sowie Allegorien, wie „Mutter Erde“ im Park der Gertrudenkapelle in Güstrow. Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, er selbst als „entarteter Künstler“ verfemt. BARLACH starb am 24. Oktober 1938 in Rostock.

1871

Der Karikaturist und Grafiker LYONEL FEININGER wurde am 17. Juli 1871 als CHARLES LYONELL FEININGER in New York geboren. Er begann als Karikaturist für verschiedene amerikanische, später auch deutsche Zeitungen. Relativ spät, als er 36 Jahre alt war, entstanden seine ersten Radierungen und Lithografien. Nach der Gründung des Bauhauses in Weimar bestellte WALTER GROPIUS (1883–1969) ihn zum ersten Bauhausmeister. Der Grafiker wurde Leiter der Druckwerkstätten, hatte jedoch keinen Lehrauftrag. FEININGER starb am 13. Januar 1956 in New York.

Der futuristische Maler, Bildhauer, Designer und Bühnenbildner GIACOMO BALLA wurde am 18. Juli 1871 in Turin geboren. Er begann als Autodidakt mit Landschaftsbildern und Porträts, entwickelte aber immer stärker eine ihm eigene Formensprache. Mit Umberto Boccioni (1882–1916), Carlo Carrà (1881–1966), Gino Severini (1883–1966) und Luigi Russolo (1885–1947) verfasste er das „Manifesto dei pittori futuristi“. BALLA starb am 1. März 1958 in Rom.

1872

Der holländische Maler PIET MONDRIAN wurde am 7. März 1872 in Amersfoort geboren. Bekannt wurde er mit seinen streng geometrisch geformten Bildern. Der Abstraktionsprozess vollzog sich in seinem Schaffen durch eine fortschreitende Reduktion der Gestaltungselemente. Die Flächen des Bildhintergrundes wurden zu gleichwertigen Teilen einer ausgewogenen Komposition, bis schließlich die Farbe ganz von der Beschreibung des Gegenständlichen befreit wurde. Die autonomen Farbflächen sollten sich durch exakte Gleichgewichtsbeziehungen zu einer harmonischen Einheit verbinden.

MONDRIAN betonte den rationalen Ansatz seiner Malerei, die jede spontane und individuelle Inspiration ausschalten will, um eine elementare und universelle Gesetzmäßigkeit zu erreichen. Gemeinsam mit THEO VAN DOESBURG (1883–1931) gründete er 1917 die Künstlergruppe „De Stijl“. MONDRIAN starb am 1. Februar 1944 in New York City, USA.

Impressionismus: „Nennen sie es einfach ,Impression – Sonnenaufgang‘ …“ So antwortete CLAUDE MONET (1840–1926), als man ihn nach dem Titel seines 1872 in Argenteuil entstandenen Bildes („Impression, Sonnenaufgang“), einer im Dunst und schwachen Morgenlicht kaum erkennbaren Ansicht des Hafens von Le Havre (siehe Bild) fragte. MONETs Gemälde wurde 1874 in Paris auf der ersten der insgesamt acht Ausstellungen der Künstler um MONET, CAMILLE PISSARRO (1830–1903) und EDGAR DEGAS (1834–1917) gezeigt, für die die Kritik den Spottnamen „Impressionisten“ prägte, der schließlich Namen gebend für eine äußerst erfolgreiche und angesehene Stilrichtung der Malerei werden sollte.

Der deutsche Künstler HEINRICH VOGELER wurde am 12. Dezember 1872 in Bremen geboren. Er begann im Jugendstil zu malen und war Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger teilnahm, wandelte sich sein Stil. Nun wurden kubistische und expressionistische Formen bestimmend. Auch seine Motive änderten sich, er nahm proletarische Sujets auf. Politisch orientierte er sich an der kommunistischen Bewegung. VOGELER siedelte in die Sowjetunion über und starb am 14. Juni 1942 in Karaganda, Kasachstan).

1874

Der deutsche Maler des Expressionismus, OTTO MUELLER, wurde am 16. Oktober 1874 in Liebau (im Riesengebirge in Schlesien) geboren. Er war Mitglied der Künstlergruppe „Die Brücke“, stellte aber auch zusammen mit Künstlern des „Blauen Reiters“ aus. „Hauptziel meines Strebens ist, mit größtmöglicher Einfachheit Empfindung von Landschaft und Mensch auszudrücken“, betonte der Maler. Seine Werke wurden durch die Nationalsozialisten aus den Museen verbannt, seine Kunst als „entartet“ diffamiert. Er starb, lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, am 24. September 1930 in Breslau.

1876

Der französische Maler und Grafiker flämischer Herkunft, MAURICE DE VLAMINCK, wurde am 4. April 1876 in Paris geboren. Er gehörte der Gruppe der Fauves an und war gleichsam ihr konsequentester Vertreter: Der Spruch „Fauvismus, das bin ich!“ stammt von ihm. Sein Frühwerk besticht durch die reinen, kräftigen Farben, die ungemischt auf die Leinwand aufgetragen wurden. Ab 1910 nahm er die grelle Farbigkeit in seinen Bildern zurück: Paul CÉZANNE (1839–1906), das große Vorbild, hatte ihn gelehrt, maßvoller mit den Farben umzugehen. VLAMINCK starb am 11. Oktober 1958 in Reuil-la-Gadelière.

Eine zentrale Figur und Begründer des italienischen Futurismus war TOMMASO MARINETTI. Er wurde am 22. Dezember 1876 in Alexandria geboren. MARINETTI war Schriftsteller, Verfasser des „Manifeste de Futurisme“ (1909). Dieses wirkte nicht nur auf Künstler des Wortes, sondern auch auf die des Pinsels und der Palette, u. a. auf UMBERTO BOCCIONI (1882–1916). Seine theoretischen Schriften zum Futurismus gab er ab 1911 heraus. Der Autor näherte sich immer stärker dem italienischen Faschismus an, so veröffentlichte er 1924 „Futurismo e Fascismo“, ein theoretisches Werk, das den Faschismus als Fortsetzung des Futurismus ansah. MARINETTI starb am 2. Dezember 1944 in Bellagio.

Die Malerin PAULA MODERSOHN-BECKER, eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus, wurde am 8. Februar 1876 in Dresden geboren. Sie war, neben HEINRICH VOGELER (1872–1942) und FRITZ MACKENSEN (1866–1953) ein Mitglied der Künstlerkolonie Worpswede. MODERSOHN-BECKER starb am 21. November 1907 in Worpswede. Die Nationalsozialisten diffamierten MODERSOHN-BECKER als „entartete Künstlerin“. Sie beschlagnahmten im Jahr 1937 viele ihrer Werke aus deutschen Museen.

1877

Die deutsche Malerin des Expressionismus, GABRIELE MÜNTER, wurde am 19. Februar 1877 in Berlin geboren. Sie war Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. MÜNTER war zeitweise die Lebensgefährtin von Wassily KANDINSKY (1866–1944), weshalb ihr Landhaus in Murnau auch zu einem Zentrum der Gruppe wurde. Sie malte wunderbar farbige, kontrastreiche Landschaften (vor allem Häuser, Straßen und die Umgebung Murnaus) und Porträts. Die Flächen grenzte sie mit starken Konturen ab. MÜNTER starb am 19. Mai 1962 in Murnau.

Der österreichische Grafiker und Schriftsteller ALFRED KUBIN wurde am 10. April 1877 in Leitmeritz an der Elbe in Nordböhmen geboren. Bereits sein Frühwerk erregte Aufmerksamkeit durch die gewählten Sujets: Angst, Zwangsvorstellungen, Ausgeliefertsein beherrschen seine Zeichnungen. Alfred Kubin starb am 20. August 1959 in Wernstein am Inn.

EADWEARD MUYBRIDGE (1830–1904) gelang es im Jahre 1877, erstmals Reihenaufnahmen von bewegten Motiven zu machen.

1878

Der Begründer des Suprematismus, KASIMIR SEWERINOWITSCH MALEWITSCH, wurde am 11. Februar (nach gregorianischem Kalender am 23. Februar) 1878 in Kiew geboren. Nach impressionistischen Anfängen wurden seine Bilder immer ungegenständlicher. Er vollzog schließlich die endgültige Wende zur vollkommenen Gegenstandslosigkeit. Mit diesem Anspruch wollte er sich auch aus den Fesseln eines an Kausalitätszwänge gebundenen, rationalen Verstandes befreien.

Diese abstrakte Kunst gipfelte in „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“, die „nackte gerahmte Ikone“ seiner Zeit, wie er sie nannte. Das Bild sollte nichts mehr abbilden oder beschreiben, sondern den Betrachter zum meditativen Verweilen einladen, um so die schöpferischen, geistigen Kräfte der Menschen freizusetzen.

Malewitschs radikaler Standpunkt markiert zugleich einen Endpunkt der Malerei, die nun, da ein Zugang über die einfache sinnliche Anschauung nicht mehr möglich war, zunehmend theoriebedürftig wurde und schließlich die Idee der Concept-Kunst vorweg nahm, in der der Künstler seine Ideen und Konzepte nur noch beschreibt und skizziert, auf eine Ausführung und Realisierung seiner Kunst in Form von Kunstwerken jedoch völlig verzichtete.

Mit seine Werken löste MALEWITSCH die Malerei aus allen Bindungen der sinnlichen Erfahrung. Die Bildfläche wird zum Objekt einer zweckfreien, meditativen Anschauung. MALEWITSCH starb am 15. Mai 1935 in Sankt Petersburg (damals Leningrad).

1879

Der deutsche Kunsthistoriker RICHARD HAMANN wurde am 29. Mai 1879 in Seehausen geboren. Er habilitierte bei HEINRICH WÖLFFLIN (1864–1945). Sein dreibändiges Standardwerk „Geschichte der Kunst“ erschien in mehreren Auflagen, u. a. 1933 und 1952. HAMANN starb am 9. Januar 1961 in Immenstadt, Allgäu.

Der Deutsch-Schweizer Maler PAUL KLEE wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern in der deutschsprachigen Schweiz geboren. Sein Vater war Deutscher, weshalb auch er die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Er war Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ in München und seit 1921 Werkstattmeister für Buchbinderei am Staatlichen Bauhaus in Weimar. In Dessau unterrichtete er freie Malklassen. Seine Bilder wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten beschlagnahmt. Sie galten als „Entartete Kunst“. KLEE kehrte in seine Heimatstadt Bern zurück. Er starb am 29. Juni 1940 in Muralto bei Locarno.

Der französische Maler, Grafiker und Schriftsteller FRANCIS PICABIA wurde am 22. Januar 1879 in Paris geboren. Er begann impressionistisch, wandelte sich zum Kubisten und stand schließlich dem Orphismus nahe. Kunstwerke des Dadaismus ahmte er nach, bis er schließlich zu surrealistischen Werken kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg probierte er sich in der informellen Kunst aus. PICABIA starb am 30. November 1953 in Paris.

Symbolismus (1880 bis 1900/1920)

Der Symbolismus, eine europäische Strömung von etwa 1880 bis 1900/1920, entwickelte sich als Bewegung, die auf die symbolische Deutung oder Ausdrucksweise gründete und wandte sich vor allem in der Literatur und Malerei gegen Positivismus und Materialismus, gegen Realismus und Impressionismus, gegen Historismus und akademischen Naturalismus. Er aktiviert die Phantasie, das Unbewusste, ruft Erinnerungen an Alpträume und Ängste auf und bewegt sich in einem Themenrevier, wo Ahnungen, Gefühle und Geträumtes nach Verbildlichung rufen. Er richtet sein Interesse auf Imaginäres, auf Ideen und Gefühle und tut dabei manchmal des Guten zu viel.
Nachdem die Aufklärung des 18. Jahrhunderts jeglichem Irrationalismus den Boden entzogen hatte, konnte im 19. Jahrhundert nur das als wahr und wirklich gelten, was mit Vernunft einsichtig erklärt werden konnte.

1880

Der expressionistische Maler FRANZ MARC wurde am 8. Februar 1880 in München geboren. Er war Mitglied in der „Neuen Künstlervereinigung München“ und in „Der Blaue Reiter“. Seine Bilder in kräftigen Farben zeigen oft Tiere. Berühmt sind die blauen und roten Pferde, der blaue und der schwarze Fuchs. Seine Werke wurden immer ungegenständlicher, in seinem letzten Gemälde „Kämpfende Formen“ von 1914 kämpfen nur noch strudelartige rote und schwarze Flächen gegeneinander. 1914 wurde MARC Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Er starb am 4. März 1916 in der Schlacht von Verdun, in Frankreich. Mit ihm fielen seit dem 21. Februar 1916 rund 200 000 weitere Soldaten in diesem Stellungskrieg – in nur wenigen Wochen.

Der expressionistische deutsche Maler ERNST LUDWIG KIRCHNER gehörte zusammen mit ERICH HECKEL (1883–1970), FRITZ BLEYL (1880–1966)und KARL SCHMIDT-ROTTLUFF (1884–1976) zu den Gründungsmitgliedern der Dresdener Künstlergruppe „Die Brücke“. Er wurde am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg geboren.

KIRCHNER begann 1905/1906 mit Akten, Porträts und Landschaftsdarstellungen, wurde aber immer abstrakter. Er verstand seine späten Bilder schließlich als „Gleichnisse, nicht Abbildungen“, als „selbstständige Organismen aus Linien, Flächen und Farben“. Die Nationalsozialisten stuften seine Werke als „entartete Kunst“ ein und entfernten sie aus den deutschen Museen. Diese Kränkung verwand der Maler nicht. KIRCHNER nahm sich am 15. Juni 1938 in Frauenkirch-Wildboden bei Davos (Schweiz) das Leben.

1881

Der deutsche Maler und Grafiker MAX PECHSTEIN wurde am 31. Dezember 1881 in Zwickau geboren. Er war Mitglied der Künstlergruppe „Die Brücke“, Mitbegründer der „Neuen Secession“ sowie der Künstlervereinigung „Novembergruppe“. Die Nationalsozialisten werteten seine Bilder als „entartete Kunst“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er wieder malen. Er folgte einem Ruf an die Berliner Hochschule für bildende Künste und nahm dort eine Professur an. PECHSTEIN starb am 26. Juni 1955 in Berlin.

Der spanische Maler, Grafiker und Bildhauer PABLO RUIZ Y PICASSO ist wohl eine der herausragendsten Künstlergestalten des 20. Jahrhunderts und der Vertreter der modernen Kunst. Er wurde am 25. Oktober 1881 in Málaga geboren. Zunächst malte er in einem akademischen, an RAFFAEL (Raffaelo Santi, vermutl. 1483–1520) und der Renaissance orientierten Stil. Sein frühes Schaffen ab 1901 wird in verschiedene Perioden eingeteilt:

  • Von 1901 bis 1904 durchlebte er die „blaue Periode“,
  • von 1905 bis 1907 die „rosa Periode“,
  • 1908 wurde PICASSO, gemeinsam mit GEORGES BRAQUE zum Begründer des Kubismus.

Später wandte er sich mythologischen Motiven zu. Er probierte sich auch in verschiedenen Techniken aus, es entstanden Lithografien, Radierungen und Linolschnitte sowie Plastiken. Daneben schrieb er einige Theaterstücke. PICASSO starb am 10. April 1973 in Mougins.

Der französische Maler und Grafiker FERNAND LÉGER wurde am 4. Februar 1881 in Argentan in der Normandie geboren. Das Frühwerk seines Oeuvres ist durch impressionistische und kubistische Einflüsse gekennzeichnet. Er reduzierte auf einfache Formen, wie Kegel, Zylinder oder Kugel. Nach dem Ersten Weltkrieg begann seine „période mécanique“ (mechanische Periode), wie er sie nannte. Es sind Bilder, die sich mit der Großstadt und der Bewegung des Menschen bzw. der Maschinen darin beschäftigen. Gemeinsam mit MAN RAY (1890–1976) schuf er 1924 das programmatische „Ballet méchanique“, einen Film. Sein späterer „nouveau réalisme“ wollte die Welt plastischer darstellen. Es entstanden Werke in organischeren Formen. LÉGER starb am 17. August 1955 in Gif-sur-Yvette bei Paris.

Der italienische Maler und Kunstschriftsteller CARLO CARRÀ wurde am 11. Februar 1881 in Quargnento (Provinz Alessandria) geboren. Er war Mitbegründer des Futurismus sowie ein prominenter Vertreter der italienischen „pittura metafisica“. 1910 veröffentlichte er zusammen mit Umberto BOCCIONI (1882–1916) und Luigi RUSSOLO (1885–1947) das „1. Manifest der futuristischen Malerei“, wandte sich aber später vom Futurismus ab. Seit seiner Freundschaft mit Giorgio DE CHIRICO (1888–1978) galt er als Anhänger der „pittura metafisica“. Sein Spätwerk ist durch einen an der Malerei der Renaissance angelehnten Stil gekennzeichnet. CARRÀ starb am 13. April 1966 in Mailand, nach anderen Angaben in Rom.

1882

Der italienische Maler UMBERTO BOCCIONI gilt als Hauptvertreter des Futurismus. Er wurde am 19. Oktober 1882 in Reggio di Calabria (Italien) geboren. Mit CARLO CARRÀ (1881–1966), Giacomo BALLA (1871–1958) und Luigi RUSSOLO (1885–1947) gab er das „1. Manifest der futuristischen Malerei“ heraus. Seine Kriegsbegeisterung führte 1914 zur Unterzeichnung der „Futuristischen Synthese des Kriegs“. BOCCIONI starb am 16. oder 17. August 1916 bei Verona während eines Genesungsurlaubes.

Der amerikanische Maler EDWARD HOPPER wurde am 22. Juli 1882 in Nyack, New York geboren. Seine realistisch gemalten Bilder wirken oft unterkühlt. Die Figuren sind melancholisch und einsam, ausgegrenzt. Ihre Blicke gehen am Betrachter vorbei. Bisweilen verzichtete HOPPER auch auf die Anwesenheit von Menschen auf seinen Bildern („Das Haus am Bahndamm“ von 1925). Erst mit 41 Jahren, seit 1923, stellte sich der künstlerische Erfolg ein. Seitdem galt HOPPER als anerkannt. Die Gemälde übten eine eigenartige Faszination auf Künstler anderer Kunstgattungen sowie auf Kunstliebhaber aus. So fand er schwerlich Nachahmer, jedoch inspirierte die kühle Atmosphäre seiner Bilder u. a. Filmemacher. HOPPER starb am 15. Mai 1967 in New York City.

Der französische Maler GEORGES BRAQUE wurde am 13. Mai 1882 in Argenteuil-sur-Seine geboren. Er begann, im Stil der Fauves zu malen, wurde 1908 gemeinsam mit Pablo PICASSO (1881–1973) zum Begründer des Kubismus. Sein Alterswerk näherte sich der gegenständlichen Malerei an. BRAQUE starb am 31. August 1963 in Paris.

GEORGE EASTMAN (1854–1900), einem „mäßig begabten Schüler“, der die Schule abbrach und mit 14 Jahren als Bürohilfe anfing zu arbeiten, gelang 1882 der Durchbruch in der Fotografie. Er entwickelte den Rollfilm, mit dem man mehrere Fotos nacheinander machen konnte, ohne die bis dahin üblichen Fotoplatten auszutauschen. Er machte sich außerdem Gedanken über eine einfach zu bedienende Kamera und erfand sie gleich mit. Seine 1880 gegründete Eastman Kodak Company stieg zum weltgrößten Hersteller von Fotomaterial auf. Die Erfindung des Rollfilmes leitete den Beginn einer neuen Epoche in der Amateurfotografie ein.

1883

Der deutsche expressionistische Maler und Grafiker ERICH HECKEL wurde am 31. Juli 1883 in Döbeln in Sachsen geboren. Gemeinsam mit ERNST LUDWIG KIRCHNER (1880–1938), KARL SCHMIDT-ROTTLUFF (1884–1976) und FRITZ BLEYL (1880–1966) war er Mitbegründer der Künstlergruppe „Die Brücke“. Die Nationalsozialisten werteten seine Bilder als „entartete Kunst“, seine Bilder wurden aus den Museen entfernt. HECKEL starb am 27. Januar 1970 in Radolfzell am Bodensee.

Der italienische futuristische Maler GINO SEVERINI wurde am 7. April 1883 in Cortona (Arezzo) geboren. 1901 begegnete er GIACOMO BALLA (1871–1958) und UMBERTO BOCCIONI (1882–1916), durch die er entscheidende Impulse für eigene bildnerische Werke erhielt. Durch Emilio MARINETTI (1876–1944) trat er der futuristischen Bewegung bei und unterzeichnete das „1. Manifest der futuristischen Malerei“. In den 1920er-Jahren wandte er sich vom Futurismus ab und dem Kubismus zu. SEVERINI starb am 25. Februar 1966 in Paris.

Der Architekt WALTER GROPIUS wurde am 19. Mai 1883 in Berlin geboren. 1919 gründete er das Staatliche Bauhaus in Weimar und wurde dessen erster Direktor. Nach seiner Emigration in die USA berief man ihn an der Graduate School of Design der Harvard University zum Professor für Architektur. GROPIUS eröffnete ein eigenes Architekturbüro. Er gründete die Gruppe „The Architects Collaborative“ (TAC). GROPIUS starb am 5. Juli 1969 in Boston (Massachusetts/USA).

Der niederländische Maler, Architekt und Kunsttheoretiker THÉO VAN DOESBURG wurde am 30. August 1883 in Utrecht als CHRISTIAN EMIL MARIE KÜPPER geboren. Gemeinsam mit Piet MONDRIAN (1872–1944) gründete er die Künstlergruppe „De Stijl“. Seit 1916 malte er seine streng geometrischen Bilder, die er auch kunsttheoretisch untermauerte. DOESBURG starb am 7. März 1931 in Davos.

1884

Der deutsche expressionistische Maler KARL SCHMIDT-ROTTLUFF wurde am 1. Dezember 1884 in Rottluff bei Chemnitz geboren. Seit 1905 fügte er seinem Namen den seines Geburtsortes zu. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit ERNST HECKEL (1883–1970), ERNST LUDWIG KIRCHNER (1880–1938) und FRITZ BLEYL (1880–1966) die Künstlergruppe „Die Brücke“. Die Nationalsozialisten diffamierten seine Kunst als „entartet“ und zeigten 25 seiner Arbeiten in der Ausstellung „Entartete Kunst“. Seit 1936 erhielt er Ausstellungsverbot und seit 1941 Malverbot. Nach dem Krieg durfte er wieder arbeiten und wurde Professor in Berlin. SCHMIDT-ROTTLUFF starb am 10. August 1976 in Berlin.

MAX BECKMANN ist einer der bedeutendsten Maler und Grafiker der klassischen Moderne. Er wurde am 12. Februar 1884 in Leipzig geboren. BECKMANN begann recht unspektakulär zu malen. Seine frühen Bilder waren vom Impressionismus beeinflusst. Erst nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich der Gestus seiner Bilder hin zur stärkerer Expressivität. Das hatte vor allem mit seinen Kriegserlebnissen zu tun, die er malerisch zu verarbeiten suchte. Von den Nationalsozialisten wurden seine Bilder als „entartet“ eingestuft, viele von ihnen wurden beschlagnahmt. Über die Niederlande emigrierte der Maler in die USA. BECKMANN starb am 27. Dezember 1950 in New York.

AMEDEO MODIGLIANI wurde am 12. Juli 1884 in Livorno, Italien geboren. Er war Zeichner, Maler und Bildhauer. Seine Porträts mit oft überlängten Hälsen und sein ausdrucksstarker Linienstil sind typisch für seine Malweise. AMEDEO MODIGLIANI starb am 24. Januar 1920 in Paris.

1885

Der Hauptvertreter des orphischen Kubismus (Orphismus), ROBERT DELAUNAY, wurde am 12. April 1885 in Paris geboren. Er begann unter dem Einfluss von Paul CÉZANNE (1839–1906) zu malen, wendete sich aber bald dem Kubismus zu und trat der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ bei. Seine Bilder wurden immer abstrakter und Experimente mit dem Farbsystem des Chemikers MICHEL EUGÈNE CHEVREUL (1786–1889) führten ihn schließlich zur Schaffung einer „reinen Malerei“, die nur der rhythmischen Farbharmonie verpflichtet war: dem Orphismus. DELAUNAY starb am 25. Oktober 1941 in Montpellier.

Die Designerin und Malerin SONIA DELAUNAY wurde am 14. November 1885 in Hradysk in der Ukraine geboren. In Frankreich ließ sie sich von den Fauves und den Bildern vincent VAN GOGHs (1853–1890) beeindrucken. Nachdem sie ihren späteren Mann ROBERT DELAUNAY (1885–1941) kennen gelernt hatte, experimentierte sie mit der Farbe und entwickelte so den orphischen Kubismus. Licht und Räumlichkeit entstehen allein aus den Intervallen und Kontrasten der Farben. Aus Landschaftsmotiven kristallisierte sich die Sonnenscheibe als Quelle des Lichts, die zunehmend zu einer freien, rein geometrischen Kreisform wurde. Die völlige Aufgabe des Gegenständlichen führte zur Entwicklung völlig abstrakter, harmonisch-musikalisch wirkender Kompositionen aus farbigen Kreisflächen.

SONIA DELAUNAY verwendete diese Art von Bildkompositionen zu Musik und Literatur in Entwürfen für Buchtitel und als ungegenständliche Illustrationen zu zeitgenössischer Poesie. Besonders erfolgreich waren aber auch ihre Entwürfe für Stoffmuster und Modeartikel, in denen die dekorativen und ornamentalen Qualitäten zunehmend wichtiger wurden. Später wandte sie sich der geometrischen Abstraktion zu. SONIA DELAUNAY starb am 5. Dezember 1979 in Paris.

1886

Der Architekt LUDWIG MIES VAN DER ROHE wurde am 27. März 1886 in Aachen geboren. Im Architekturbüro von PETER BEHRENS (1868–1940) traf er auf die – neben ihm selbst – später wichtigsten Architekten ihrer Zeit: WALTER GROPIUS (1883–1969) und LE CORBUSIER (1887–1965). 1925 wurde VAN DER ROHE künstlerischer Leiter des Deutschen Werkbunds, 1930 Leiter des Bauhauses. 1938 emigrierte er in die USA, wo er Architekturleiter am Illinois Institute of Technology in Chicago wurde. MIES VAN DER ROHE starb am 17. August 1969 in Chicago.

Der österreichische Maler, Grafiker und Dichter des Expressionismus OSKAR KOKOSCHKA wurde am 1. März 1886 in Pöchlarn (Niederösterreich) geboren. In seiner Jugend galt er als Bürgerschreck in der Metropole Wien und produzierte mit seinen Bildern einige Skandale. Erst nach dem Ersten Weltkrieg kam mit einer Professur in Dresden der Durchbruch. Die Nationalsozialisten werteten seine Bilder als „entartete Kunst“. Über Prag emigrierte der Künstler nach London. 1953 siedelte er nach Villeneuve bei Montreaux in der Schweiz über, wo er am 22. Februar 1980 verstarb.

Der Dada-Künstler und Surrealist HANS (oder JEAN) ARP wurde am 16. September 1886 in Straßburg im Elsass geboren. 1911 begründete er die Künstlervereinigung „Moderner Bund“ in der Schweiz. Gemeinsam mit TRISTAN TZARA (1896–1963), HUGO BALL (1886–1927) und RICHARD HUELSENBECK (1892–1974) rief er im Café Voltaire in Zürich die dadaistische Bewegung ins Leben. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich ARP dem Surrealismus zu. Er siedelte sich wieder in Frankreich an, musste nach der deutschen Besetzung das Land verlassen und zog in die Schweiz. Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ diffamiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf er großformatige Plastiken, u. a. für die UNESCO. Am 7. Juni 1966 starb JEAN ARP in Basel.

Der Dada-Künstler RAOUL HAUSMANN wurde am 12. Juli 1886 in Wien geboren. Er war Mitbegründer der dadaistischen Bewegung in Berlin. HAUSMANN begann als Maler, wandte sich später der Grafik zu, so entstanden dadaistische Collagen, Typografien und Holzschnitte. Später war er vorwiegend als Schriftsteller und Fotograf tätig, organisierte in seinen letzten Lebensjahren aber auch wieder Dada-Austellungen. HAUSMANN starb am 1. Februar 1971 in Limoges, Frankreich.

1887

Der expressionistische Maler AUGUST MACKE wurde am 3. Januar 1887 in Nieheim (Westfalen) geboren. Er begann mit impressionistischer Malweise, war u. a. Schüler von LOVIS CORINTH (1858–1925), bis er um 1910 erste expressionistische Werke schuf. Mit seinen Malerfreunden gründete er die Künstlergemeinschaft „Der blaue Reiter“. MACKE starb bei einem Gefecht während des Ersten Weltkrieges am 26. September 1914 südlich von Perthes-les-Hurlus (Champagne).

Der französische Objektkünstler MARCEL DUCHAMP wurde am 28. Juli 1887 in Blainville-Crevon geboren. DUCHAMP begann als kubistischer Maler, u. a. schuf er 1912 seinen „Akt, eine Treppe herabsteigend“. Damit ironisierte er die traditionelle Gattung der Aktdarstellung und versetzte die traditionell lasziv ruhende weibliche Gestalt in Bewegung. Seine kunststheoretischen Überlegungen führten ihn immer weiter weg vom tradierten Kunstbegriff. Erste Vorboten seines Protestes gegen die traditionelle Kultur und die reglementierte Museumskunst waren die Ausstellungsobjekte

  • „Das Fahrrad-Rad“ von 1913,
  • „Der Flaschentrockner“ von 1914 und schließlich
  • „Das Urinoir mit Huthalter“ von 1917,

mit denen DUCHAMP das New Yorker Kunstpublikum provozierte. Damit schuf er das „objet trouvé“, das vorgefundene Objekt, oder, wie er es nannte, das Ready-made. DUCHAMP starb am 2. Oktober 1968 in Neuilly-sur-Seine.

Der französische Künstler MARC CHAGALL wurde am 7. Juli 1887 als Sohn russischer Juden in Liosno bei Witebsk geboren. Er war nicht nur Maler, Illustrator und Grafiker, sondern schuf auch wunderbar poetische Glasfenster. Seine fantasievollen Werke sind dem Surrealismus verwandt. CHAGALL starb am 28. März 1985 in Saint Paul de Vence.

Der spanische Maler JUAN GRIS wurde am 23. März 1887 in Madrid als JOSÉ VICTORIANO GONZÁLEZ PÉREZ geboren. Bereits mit 19 Jahren verließ er Spanien und ging nach Paris. Seine Bilder standen unter dem Einfluss der kubistischen Werke Pablo PICASSOs (1881–1973) und Georges BRAQUEs (1882–1963). Er kann deshalb zu den Hauptrepräsentanten des französischen Kubismus gerechnet werden. Er malte zwar vorwiegend Stillleben, aber auch einige wichtige Porträts des Kubismus sind mit seinem Namen signiert, so das Porträt von PABLO PICASSO, das der Künstler 1912 im „Salon des Indépendants“ ausstellte. GRIS starb am 11. Mai 1927 in Boulogne-sur-Seine, Frankreich.

Der dadaistische Künstler KURT SCHWITTERS wurde am 20. Juni 1887 in Hannover geboren. Hier entwickelte mit seinen „Merz-Bildern“ er einen unverwechselbaren dadaistischen Collagestil. Seine umfangreichste Collage, der Merzbau, überschritt bereits die Grenzen der Collage, er war eine raumfüllende Installation. Der Merzbau wurde während eines Bombenangriffs völlig zerstört. SCHWITTERS emigrierte 1938 nach Norwegen und von dort 1940 nach Großbritannien. In beiden Ländern hinterließ er weitere Merz-Baue, von denen nur noch der englische fragmentarisch erhalten ist. SCHWITTERS starb am 8. Januar 1948 in Kendal, Großbritannien.

Der deutsche Kunsthistoriker und Kunstkritiker WILL GROHMANN wurde am 4. Dezember 1887 in Bautzen geboren. Er machte sich vor allem wegen der Förderung des deutschen abstrakten Expressionismus einen Namen. GROHMANN starb am 6. Mai 1968 in West-Berlin. Seit 1967 wird ihm zu Ehren der Will-Grohmann-Preis verliehen. Das Annemarie-und-Will-Grohmann-Stipendium wird an talentierte Studenten vergeben.

1888

GIORGIO DE CHIRICO ist ein Hauptvertreter der „pittura metafisica“. Er wurde am 10. Juli 1888 in Volos in Thessalien (Griechenland) geboren. Seine fast immer menschenleeren Plätze und Straßen, in übersteigerter Perspektive gemalt, irritieren den Betrachter, sie wirken fast wie ein leeres Bühnenbild, in dem lange Schatten in den Raum ragen. „Die beunruhigten Musen“ von de Chirico thematisiert die Kultur der Antike in einer erstarrten, wie versteinert wirkenden Verfremdung. Die Musen erscheinen wie verlassene Puppen, aus leeren Augen blicken sie in den Raum. CHIRICO starb am 19. November 1978 in Rom.

1889

1889 wurde die Künstlerkolonie Worpswede gegründet. Mitglieder waren u. a.:

  • HANS AM ENDE (1864–1918),
  • FRITZ MACKENSEN (1866–1953),
  • OTTO MODERSOHN (1865–1943),
  • PAULA MODERSOHN-BECKER (1876–1907),
  • FRITZ OVERBECK (1869–1909),
  • HEINRICH VOGELER (1872–1942).

Jugendstil (1890–1910)

Der sich zwischen 1890 und 1910 Bahn brechende Stil wird in Deutschland Jugendstil genannt.

  • In Frankreich heißt er „L’Art Nouveau“,
  • in Österreich „Sezessionsstil“,
  • in England und Russland „moderner Stil“.

Kennzeichen des Jugendstils sind floral schwingende Ornamente in der Architektur, in der Buchkunst und der Gebrauchskunst. Es sind überdehnte weibliche oder männliche Figuren bzw. symbolische Gestalten, die besonders dekorativ gestaltet sind. Die zeitgleiche Wiener Moderne ist eine eher heterogene Bewegung. Sie umfasste sowohl Architektur und Malerei als auch die Literatur und Philosophie.

1890

Der österreichische Maler und Zeichner EGON SCHIELE wurde am 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau geboren. Man rechnet ihn dem Expressionismus zu. Er zeichnete und malte sowohl Stadtlandschaften als auch Porträts und Figurenbilder. Er starb sehr jung bereits am 31. Oktober 1918 in Wien.

1891

Auf der Suche nach einem unverfälschten Lebensraum brach PAUL GAUGUIN (1848–1903) 1891 nach Tahiti auf. Seine Bilder der Südsee waren ein finanzieller Misserfolg, erhielten aber die Aufmerksamkeit der Pariser Kunstkritik. Mit ihren kräftigen Farben und der ausdrucksstarken Bildwelt waren GAUGUINs Bilder wesentliche Anregung für die Maler des Fauvismus und des Expressionismus.

Der Maler und Bildhauer MAX ERNST war zunächst entschiedener Dadaist, bevor er seinen Stil hin zum Surrealismus ausweitete. Er wurde am 2. April 1891 in Brühl zwischen Köln und Bonn im Rhein-Erft-Kreis geboren. Er gilt als der Erfinder der Frottage. ERNST starb am 1. April 1976 in Paris.

Der Maler und Grafiker OTTO DIX wurde am 2. Dezember 1891 in Gera-Untermhaus geboren. 1914 meldete er sich freiwillig für den Kriegsdienst; das Erlebte sollte weite Teile seines späteren Schaffens beeinflussen: Er begann mit expressionistischen und dadaistischen Werken, in den 1920er-Jahren wandte er sich einer Neuen Sachlichkeit verpflichteten Malerei, dem Verismus, zu. DIX versuchte, ähnlich wie MAX BECKMANN (1884–1950) und andere malende Zeitgenossen, die Schrecken des Krieges künstlerisch zu bewältigen (u. a. im grafischen Zyklus „Der Krieg“ bzw. im Bild „Schützengraben“). Er blieb künstlerisch jedoch nicht in der Vergangenheitsbewältigung stehen, sondern warf einen kritischen, teils satirischen Blick auf die Weimarer Gesellschaft. Das Sujet Großstadt wurde zu einem beherrschenden Thema seiner Malerei. DIX starb am 25. Juli 1969 in Singen am Bodensee.

1893

Der spanische Maler, Grafiker und Bildhauer JOAN MIRÓ wurde am 20. April 1893 in Barcelona geboren. Er war ein Künstler des Surrealismus, begann aber mit fauvistischen und kubistischen Werken. Nach der Bekanntschaft mit ANDRÉ BRETON (1896–1966), ANDRÉ MASSON (1896–1987) und MAX ERNST (1891–1976) begann sich sein Stil zu wandeln. Seine Werke strotzen vor kräftigen Farben und einfachen Formen. Sie sind zugleich verspielt und wirken naiv. Dabei beziehen sie Elemente der katalanischen Volkskunst ein. MIRÓ starb am 25. Dezember 1983 in Palma de Mallorca.

GEORGE GROSZ wurde am 26. Juli 1893 in Berlin als GEORG GROSS geboren. Er begann mit dadaistischen Werken, wandte sich in den 1920er-Jahren der Neuen Sachlichkeit zu. Sein Thema wurde die Großstadt und die gesellschaftlichen wie sozialen Verwerfungen in ihr, denen er sich künstlerisch u. a. mit satirischen und ironischen Mitteln näherte. Das Gemälde „Die Stützen der Gesellschaft“, 1926 von ihm gemalt, stellt einen Meilenstein im Schaffen des Malers dar; er reagierte mit schonungsloser und hasserfüllter Kritik auf die Missstände in der Weimarer Republik. Neben der Malerei und Grafik interessierten ihn Collage und Fotomontage. GROSZ starb am 6. Juli 1959 in Berlin.

1894

CHRISTIAN SCHAD wurde am 21. August 1894 in Miesbach, Oberbayern geboren. Er begann mit expressionistischen Ausdrucksmitteln zu experimentieren. 1918 entwickelte er die nach ihm benannte Schadografie, ein Verfahren, das sein Zeitgenosse TRISTAN TZARA (1896–1963) „Fotografien ohne Kamera“ nannte. Es sind Bilder, die lediglich in der Dunkelkammer entstehen, die Objekte werden dafür direkt auf Fotopapier, gelegt, belichtet und schließlich entwickelt. In den 1920er-Jahren wurde SCHAD, gemeinsam mit OTTO DIX (1891–1969) und GEORGE GROSZ (1893–1959), zu einem Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit. Sein Thema wurde das Großstadtleben. Daneben malte er Porträts von Künstlern und Intellektuellen. SCHAD starb am 25. Februar 1982 in Bessenbach-Keilberg, Landkreis Aschaffenburg.

1895

Der ungarische Maler, Grafiker, Fotograf und Designer LASZLO MOHOLY-NAGY wurde am 20. Juli 1895 in Bácsborsód in Südungarn geboren. Von 1923 bis 1928 wurde er als Professor ans Bauhaus berufen. Er war Leiter des Vorkurses und Formmeister der Metallwerkstatt. Nach seiner Emigration in die USA leitete er 1937/1938 das New Bauhaus und gründete 1939 die School of Design (heute Institute of Design). MOHOLY-NAGY starb am 24. November 1946 in Chicago.

1898

1898 wurde das Ausstellungshaus der Wiener Secession vom österreichischen Architekten JOSEF MARIA OLBRICH (1867–1908), einem Schüler OTTO WAGNERs (1841–1918), auf einem von der Stadt Wien zur Verfügung gestellten Grund an der Wienzeile eröffnet.

Der amerikanische Bildhauer ALEXANDER CALDER wurde am 22. Juli 1898 in Lawton, Pennsylvania, geboren. Er gehört zu den Hauptvertretern der kinetischen Plastik. Mitte der 1920er-Jahre begann der Autodidakt mit ersten Drahtskulpturen, bis er die Mobiles und Stabiles für sich entdeckte. Als Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création schuf er abstrakte Großplastiken. CALDER starb am 11. November 1976 in New York.

Der belgische Maler RENÈ MAGRITTE wurde am 21. November 1898 in Lessines in der wallonischen Provinz Hainaut geboren. Er begann mit kubistischen Arbeiten, gehört seit Mitte/Ende der 1920er-Jahre zu den prominentesten Vertretern des Surrealismus. MAGRITTE entwickelte mit einer präzisen, im Detail fast naiv wirkenden Malweise eine Methode, die versucht, die Prozesse des Denkens nicht darzustellen, sondern sie direkt nachvollziehbar zu machen. Die Aufspaltung der Identität zwischen einem Gegenstand und seiner gewohnten Darstellung durch Bilder und Worte fordert das interpretierende Denken des Betrachters heraus. Durch die alogische Zusammenstellung der Dinge und durch die Trennung von Erscheinung und Begriff wird eine magische, zugleich aber kritische Dimension des Denkens eröffnet, die zur Reflektion über die eigene Geistestätigkeit auffordert. MAGRITTE besaß kein Atelier, er malte in seinem Wohnzimmer, stets im Anzug. Das einschneidendste Erlebnis war der Selbstmord seiner Mutter, als der Künstler 12 Jahre alt war. Dieses Erlebnis brannte sich tief in seine Seele ein, immer wieder griff er das Thema auf und verarbeitete es künstlerisch. MAGRITTE starb am 15. August 1967 in Brüssel.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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