Absolutismus und Barock 1580–1760

Der Generalbass, mit dem die instrumentale Bassstimme bezeichnet wird, ist Ausdruck für den Aufstieg der Instrumentalmusik. Er gibt dem musikalischen Prozess einen neuen, vorwärtstreibenden Bewegungsimpuls und fördert in Analogie zur Dur-Moll-Harmonik und der Taktmetrik weiträumige musikalische Abläufe.

Der Generalbass ist zudem das Fundament für den neuen affektbetonten und instrumentalbegleiteten Solo-Gesang, der sogenannten Monodie. Mit der Monodie bildet sich schließlich die neuzeitliche europäische Oper heraus, die um 1600 durch die Bestrebungen der Florentiner Camerata zur repräsentativsten Gattung des europäischen Theaters avanciert. Darüber hinaus werden aber auch andere Vokalgattungen wie die Kantate oder das Oratorium von diesem neuen Stil beeinflusst und geprägt.

Neben der Kirche treten die Höfe als musikalische Zentren hervor. In der höfischen Musikkultur entsteht eine eigenständige Instrumentalmusik und umfangreiche Formen für die Öffentlichkeit, wie die Sonate und die Triosonate, beginnen sich zu etablieren. Vor allem das Concerto grosso und das Solo-Konzert mit der darin eingeschriebenen Gegenüberstellung von Tutti („alle“) und Solo („allein“) dokumentieren den Beginn einer facettenreichen, autonomen Instrumentalmusik, die sowohl von großen Besetzungen (Orchestermusik) als auch von kleinen Ensembles (Kammermusik) gepflegt wird.

Die angemessenen Realisierungsorte dieser neuen Gattungen sind die Höfe mit ihren Hofkapellen und das seit dem ausgehenden 17. Jh. aufkeimende bürgerliche Konzertwesen. In den eigens für öffentliche Musikdarbietungen gebauten Opern- und Konzerthäusern liegt der Ursprung der Sinfonia, die zunächst als Opernouvertüre aufgeführt wird und aus der sich im 18. Jh. die selbstständige instrumentale Ouvertüre und insbesondere die großangelegte Sinfonie entwickeln.

Mit dem Aufkommen der neuen Gattungen wachsen auch die Bemühungen der Musiktheoretiker und Komponisten, die kompositorischen Mittel zu erweitern. Wichtig wird in diesem Zusammenhang die Stimmung der Instrumente, wobei sich nach 1700 die temperierte Stimmung durchsetzt.

Um die Wende zum 18. Jh. (etwa 1715) verliert die höfische Musikkultur an Ausstrahlung und die öffentliche Musikpraxis wird fortan vom Bürgertum getragen.

1576–1595

1576 wird die Florentiner Camerata gegründet. Diese aristokratisch geprägte Vereinigung von Künstlern und Theoretikern in Florenz ist wegweisend für die Herausbildung des begleitenden Sologesangs (Monodie) und für die Entfaltung der neuzeitlichen europäischen Oper. Die Mitglieder der Florentiner Camerata, darunter auch der Komponist VINCENZO GALILEI (um 1520–1591), polemisieren gegen die polyphonen Techniken der Madrigale und Motetten und fordern nach antikem Vorbild eine Musik, die den Menschen in seinen Affekten widerspiegelt.

1591 werden die ersten Intermedien zu der Komödie „La Pellegrina“ von GIROLAMO BARGAGLI (1537–1586) veröffentlicht. Intermedien sind musikalisch-theatralische Einschübe mit mythologischem Stoff, die zwischen den Akten von Theaterstücken platziert sind. Im Verlauf des 16. Jh. gewinnen diese instrumentalen Zwischenspiele zunehmend mehr Eigenständigkeit.

1591/1594 erscheinen von GIOVANNI GIACOMO GASTOLDI (um 1550–1622) mit den „Balletti per cantare“, „sonare e ballare“ zwei einflussreiche Sammlungen strophischer Tanzlieder (Balletto) im Druck. Die einzelnen Strophen werden zumeist mit einem Refrain auf den Silben Fa la la („Falala”-Refrain) beendet.

Der italienische Komponist und Dichter ORAZIO TIBERIUS VECCHI (1550–1605) komponiert 1594 die Madrigalkomödie „L’Amfiparnaso“ (Uraufführung 1594, Druck 1597), die auch als „commedia armonica“ bezeichnet wird. Die 4–5-stimmigen Madrigale basieren auf komischen Stoffen aus der Pastoraldichtung und Elementen des Stegreiftheaters der Commedia dell’arte.

Die Madrigale des italienischen Komponisten CARLO GESUALDO (um 1561–1613) erscheinen zwischen 1594 und 1611 im Druck. Die 106 5-stimmigen Madrigale sind in 6 Büchern zusammengefasst und durch starken Affektausdruck, Tonmalerei und Chromatik charakterisiert.

1595–1600

In drei Büchern erscheinen die „Songes or Ayres“ (1597) des englischen Komponisten JOHN DOWLAND (um 1563–1626). Neben 4-stimmigen Liedern für Laute und Viola da gamba enthält die Sammlung auch Solostücke für die Laute.

Im Schaffen von GIOVANNI GABRIELI (um 1556–1612) zeigen sich Ansätze einer autonomen Instrumentalmusik. Die „Concerti“ (1587) und die „Sacrae Symphoniae“ (1598) sind zwei Sammlungen von Vokal- und Instrumentalwerken, die als Schlüsselwerke des konzertierenden Stils gelten.

Das musikalische Drama „Dafne“ des italienischen Sängers und Komponisten JACOPO PERI (1561–1633) wird 1598 uraufgeführt und gilt als erste europäische Oper. Bis auf Einzelstücke, die lediglich Textpassagen enthalten, ist die Oper verschollen, sodass nähere Angaben zur musikalischen Faktur, deren Urheber GIULIO CACCHINI (um 1545–1618) sein soll, nur schwer getroffen werden können.

EMILIO DE CAVALIERI (um 1550–1602) komponiert 1598 die Allegorie „Rappresentazione di Anima et di corpo“, eine geistliche Oper im expressivem neuen Stil der Monodie.

In der Abhandlung „L’Artusi overo delle Imperfettioni della musica moderna“ kritisiert der italienische Musiktheoretiker GIOVANNI MARIA ARTUSI (um 1540–1613) den neuen monodischen Stil und setzt damit 1598 eine heftige und öffentlich geführte Diskussion mit CLAUDIO MONTEVERDI (1567–1643) in Gang, die bis 1607 fortgeführt wird.

Die Gattung der Street Cries und Country Cries in England entsteht als Sondergattung des Consort Songs (Gesang mit Violen-Ensemble). In diesen Kompositionen werden Straßenrufe oder ländliche Szenen mit Lautmalereien, Volksmusik und z. T. mit Dialektverwendung vertont. Zu den wichtigsten Vertretern gehören ORLANDO GIBBONS (15831–1625) und RICHARD DEERING (um 1580–1630).

1600–1605

Der geistliche Gesang „Mein Gmüt ist mir verwirret“ erscheint in HANS LEO HASSLERs (1564–1612) Edition „Lustgarten neuer teutscher Gesänge, Balletti, Galliarden und Intraden mit 4, 5, 6 und 8 Stimmen“. Das Lied avanciert später zu einer geläufigen Choralmelodie und steht im Zentrum der „Matthäuspassion“ von JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750).

„Le nuove musiche“ (1602) ist eine Sammlung von modernen monodischen Madrigalen sowie Arien für Solostimme mit Basso continuo und gilt als Hauptwerk des italienischen Komponisten GIULIO CACCHINI (um 1545–1618). Im Vorwort kritisiert CACCHINI den traditionellen Kontrapunkt und artikuliert erstmals technische Vorschriften für den virtuosen Gesang.

Mit der Sammlung „Centi concerti ecclesiastici“ (1602), die geistliche Konzerte für ein bis vier Stimmen enthält, trägt LODOVICI GROSSI DA VIADANA (um 1560–1627) wesentlich zur Weiterentwicklung der Motette, des geistlichen Konzerts und des Generalbasses bei.

1605–1610

Das 5. Madrigalbuch von CLAUDIO MONTEVERDI (1567–1643) markiert den Übergang von der 5-stimmigen Polyphonie zur generalbassbegleiteten Monodie. Sein Bruder GIULIO MONTEVERDI (1573–um 1630) führt im Vorwort gegen GIOVANNI MARIA ARTUSI (um 1540–1613) die Begriffe „prima pratica“ und „seconda pratica“ (erste und zweite Praxis) ein. Während der ältere kontrapunktische stile antico für die geistliche Musik verbindlich bleibt, wird der neue affektbetonte, monodische stile moderno den weltlichen Gattungen wie Madrigal und Oper zugewiesen.

JOACHIM BURMEISTER (1564–1629) verfasst 1606 mit der „Musica poetica“ die erste systematische Darstellung der Figurenlehre als Kernstück der musikalischen Rhetorik.

1607 wird am Hof in Mantua CLAUDIO MONTEVERDIs (1567–1643) „L’Orfeo“ (Zusatztitel „Favola in musica“ = „Geschichte in Musik“) uraufgeführt und als musikdramatische Sensation gefeiert. Die Vertonung des antiken Orpheus-Mythos von MONTEVERDI ist eine vollentwickelte Oper mit antik-pastoralem Stoff und reichhaltiger, ausdrucksvoller Instrumentation.

CLAUDIO MONTEVERDI (1567–1643) komponiert die Oper „Ariadne“, die am 28.05.1608 in Mantua uraufgeführt wird und von der nur das Stück „Lamento d’ Arianna“ erhalten ist. Das „Lamento d’ Arianna“ wird zum Vorbild für die Gattung des Lamento. Lamento ist die Bezeichnung für eine Klageszene in der Oper des 17. und 18. Jh., die MONTEVERDI als 5-stimmiges Madrigal und als Marienklage weiterverarbeitet.

1610–1620

Der deutsche Komponist MICHAEL PRAETORIUS (1571 o. 1572–1621) schreibt 1614 eine umfassende dreibändige Darstellung der Musiktheorie und -praxis seiner Zeit, die „Syntagma musicum“. In der Abhandlung greift er auf die lateinische Bedeutung von „concertare“ („wetteifern“) zurück und definiert das Konzert als Wettstreit zwischen verschiedenen Klangkörpern (z. B. Mehrchörigkeit) oder zwischen Solostimmen und Basso-continuo bzw. Orchester.

Der französische Philosoph und Mathematiker RENÉ DESCARTES (1596–1650) postuliert 1618 mit seiner Schrift „Compendium musicae“ (Druck erst 1650) eine rationalistische Methode der Musikbetrachtung.

1620–1630

Mit dem „Fitzwilliam Virginal Book“ erscheint eine Sammlung englischer Virginalmusik (Musik für Cembalo) aus der Zeit zwischen 1562 und 1612. Benannt wird das Buch nach dem englischen Kunstsammler und Mäzen RICHARD VISCOUNT FITZWILLIAM OF MERYON (1745–1816).

In ALESSANDRO GRANDIs (um 1575/80–1630) Komposition „Cantade et arie a voce sola“, die zwischen 1620 und 1629 im Druck erscheint, wird erstmals der Terminus „Kantate“ für eine Solomotette im monodischen Stil verwendet. Es handelt sich hierbei um eine strophisch wechselnde Vokalmelodie über einem gleichbleibendem Bassgerüst, während die Arien einfache Strophenlieder sind.

Die Oper „Il Combattimento di Tancredi e Clorinda“ (1624) von CLAUDIO MONTEVERDI (1567–1643) ist eine Vertonung des Epos „Das befreite Jerusalem“ des italienischen Dichters TORQUATO TASSO (1544–1595). Neben einem Erzähler und der Verwendung direkter Rede zwischen den beiden Hauptpersonen besticht die Komposition durch einen affekt- und bildgeladenen Instrumentalpart.

Der italienische Komponist, Cembalist, Organist und Sänger GIROLAMO FRESCOBALDI (1583–1643) veröffentlicht die Sammlung „Il primo libro di capricci fatti sopra diversi soggetti, et arie in partitura“ (1624). Diese Zusammenstellung enthält verschiedene „launige“ Stücke in freier Form über Themen aus Hexachorden, Bassmodellen oder Lautnachahmungen (Kuckucksruf).

Der erste Teil der „Symphoniae sacrae“ von HEINRICH SCHÜTZ (1585–1672) erscheint 1629 in Venedig als Druck (Teil II 1647, Teil III 1650). Die hier gesammelten geistlichen Konzerte, die in hohem Maße von der Kompositionstechnik CLAUDIO MONTEVERDIs (1567–1643) beeinflusst sind, gelten als Inbegriff dieser Gattung.

1630–1640

Dem französischen Gelehrten MARIN MERSENNE (1588–1648) gelingt mit seiner Schrift „Harmonie universelle contenant la théorie et la pratique de la musique“ (1636/1637) eine enzyklopädische Darstellung der Musiktheorie. Von musikgeschichtlicher Bedeutung sind vor allem seine Beiträge zur Akustik, Temperatur und Stimmung. Als einer der ersten widmet sich MERSENNE der Resonanz und definiert Ton und Klang als Luftschwingungen.

Die Eröffnung des ersten öffentlich-kommerziellen Opernhauses in Venedig, des Teatro di San Cassiano, markiert 1637 den Durchbruch der neuen Gattung Oper, die eine europaweite Ausstrahlung, insbesondere an den absolutistischen Höfen, erfährt.

1640–1650

Die Oper „Il ritorno d’Ulisse in patria“ („Die Heimkehr des Odysseus“) von CLAUDIO MONTEVERDI (1567–1643) wird 1640 in Venedig uraufgeführt. Hervor zu heben ist die musikalische Personencharakteristik sowie die erstmalige Verwendung eines Finalduetts, das auch in der nachfolgenden Komposition „L’incoronazione di Poppea“ („Die Krönung der Poppäa“) den Abschluss darstellt. „Die Krönung der Poppäa“, die 1642 in Venedig Premiere feiert, gilt als vorläufiger Höhepunkt des neuen musikdramatischen Stils und als erste Oper, die auf einem historischen, nicht mythischen Sujet basiert.

Im Haus des Pariser Hoforganisten PIERRE DE CHABANCEAU DE LA BARRE (1592–1656) finden ab 1645 hauskonzertartige Veranstaltungen statt, die sich als frühe Ausprägung des professionellen Konzerts bezeichnen lassen.

Die ersten kommerziellen Vergnügungsparks (Pleasure Gardens) entwickeln sich 1648 zum Ausgangspunkt für das Konzertwesen. In London entstehen Aufführungsstätten wie

  • Sadler's Wells (bis um 1880),
  • Marlybone Gardens (um 1659–1778),
  • Vauxhall Gardens (ca. 1660–1859),
  • Lambeth Wells (um 1697–1829),
  • Ranelagh Gardens (1741–1805) u. a. m.

1650–1660

Der deutsche Universalgelehrte ATHANASIUS KIRCHER (1601–1680) verfasst die wissenschaftliche Abhandlung „Musurgia universalis sive Ars magna consoni et dissoni“. Diese Enzyklopädie der Musik verknüpft die mittelalterliche Auffassung von den freien Künsten mit innovativen technischen Überlegungen.

Der italienische Komponist GIACOMO CARISSIMI (1605–1674) schafft vorwiegend geistliche Werke und ist der erste bedeutende Meister des Oratoriums. Sein Oeuvre umfasst 15 Oratorien für 3 bis 11 Stimmen und Basso continuo auf Latein oder Italienisch.

Der englische Verleger JOHN PLAYFORD (1623–1686) gründet 1648 seinen Musikverlag. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen gehört „The English dancing master“ (1651), eine Sammlung von country dances.

1660–1670

Der niederländische Mathematiker und Physiker CHRISTIAN HUYGENS (16291695) legt mit seiner Schrift „Novus cyclus harmonicus“ (1661) einen Entwurf für ein temperiertes System mit 31 Stufen vor.

Die Oper „Il pomo d’oro“ (1668) von ANTONIO CESTI (1623–1669) enthält einen Prolog für die Kaiserhochzeit in Wien und ist berühmt für ihre prachtvolle szenische Ausstattung sowie ihre ausgefeilte Bühnenmaschinerie.

1670–1780

In London finden im Haus des Geigers JOHN BANISTER (1630–1679) die ersten kommerziellen Konzerte statt. Die Bindung der Zugangsberechtigung an ein Eintrittsgeld wird später zum Fundament des öffentlichen Konzertlebens.

Die Tragédie lyrique „Cadmus et Hermione“ (1673) von JEAN-BAPTISTE LULLY (1632–1687) wird in der 1669 gegründeten Académie Royale de Musique uraufgeführt. Die Tragédie lyrique folgt dem Vorbild der antiken Tragödie und dokumentiert Ansprüche einer eigenständigen französischen Musik.

Der Österreicher HEINRICH IGNAZ FRANZ BIBER (1644–1704) komponiert um 1676 mit seinen „Mysteriensonaten für Violine und Generalbass“ 15 Rosenkranzandachten. Hervorhebenswert ist die ungewöhnliche Virtuosität durch Skordatur (Umstimmen der Saiten) sowie die häufige Verwendung von Doppel- oder Mehrfachgriffen.

Der Kohlenhändler und Mäzen THOMAS BRITTON (1644–1714) veranstaltet 1678 die ersten öffentlichen Konzertveranstaltungen in London.

Die Hamburger Oper wird 1678 mit aristokratischer Beteiligung als deutschsprachige städtische Oper gegründet.

1680–1700

Der englische Komponist HENRY PURCELL (1659–1695) schreibt seine 3-und 4-stimmigen kontrapunktisch kunstvollen „Fantasien für Violenensemble“. Die „Fantasie upon one note“ besitzt eine 5. Stimme, die – wie der Name bereits andeutet – im Mittelteil nichts als das c’ spielt.

Der italienische Komponist und Violinist ARCANGELO CORELLI (1653–1713) veröffentlicht zahlreiche Triosonaten (Sonate a tre). Insgesamt erscheinen vier Sammlungen zu je 12 Triosonaten im Druck (1681, 1685, 1689, 1694), die den Typus der sonata da chiesa (Kirchensonate, 4 Sätze) und der sonata da camera (Kammersonate, suitenartig) maßgeblich prägen.

ANDREAS WERCKMEISTER (1645–1706) empfiehlt in seiner Schrift „Musicalische Temperatur oder deutlicher und warer Mathematischer Unterricht“ (1686/1687) mehrere Typen der Temperierung.

Die Oper „Dido und Aeneas“ (1689) des englischen Komponisten HENRY PURCELL (1659–1695) ist im Gegensatz zur Semi-Opera, die aus musikalischen Szenen und gesprochenen Dialogen besteht, eine durchkomponierte Oper.

1700–1710

Die Sammlung „12 Sonate a Violino e Violone o Cimbalo op. 5“ von ARCANGELO CORELLI (1653–1713) erscheint 1700 im Druck und wird zum Modell des Typus der Violin-Solosonate mit Generalbass.

JOHANN KUHNAU (1660–1722) komponiert in „Musicalische Vorstellung einiger Biblischer Historien in 6 Sonaten auff dem Claviere zu spielen“ (1700) eine programmatische Musik nach biblischen Stoffen.

In seinen „12 Concerti grossi op. 6“ (1700) stellt ARCANGELO CORELLI (1653–1713) als „konzertierende” Prinzipien das Tutti (Bezeichnung für den Einsatz aller Orchesterinstrumente) und das Concertino (Einsatz einer kleinen Gruppe von Soloinstrumenten) einander gegenüber.

ANTONIO LUCIO VIVALDI (1678–1741) entwickelt 1703 in seinen ca. 344 Konzerten für Soloinstrumente die später zur Norm werdende, knappe dreisätzige Form des Solo-Konzerts (Schnell-Langsam-Schnell).

1710–1720

1719 wird in London die Academy of Ancient Music gegründet. Die Akademie verschreibt sich der Pflege historischer Musik und besitzt einen deutlich exklusiven Charakter.

Der englische Hoftrompeter JOHN SHORE (ca. 1662–1753) erfindet 1711 die Stimmgabel und fördert damit die allmähliche internationale Standardisierung der (absoluten) Tonhöhe.

ARCANGELO CORELLIs (1653–1713) „8 Concerti da chiesa“ („Kirchen-Konzerte“) mit je vier bis sieben Sätzen und seine „4 Concerti da camera“ („Kammer-Konzerte“) mit ihren suitenhaften Tanzsätzen erscheinen 1714 im Druck.

Der französische Komponist FRANÇOIS COUPERIN (1668–1733) verfasst 1716 das erste Lehrbuch für das Klavierspiel („L’art de toucher le clavecin“) und komponiert 240 Stücke für das Cembalo. COUPERIN gehört neben DOMENICO SCARLATTI (1685–1757) zu den Hauptvertretern des galanten Stils.

JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750) komponiert ab 1717 die „Brandenburgischen Konzerte“, die nach ihrem Widmungsträger, dem Markgrafen von Brandenburg, benannt werden. Die „Brandenburgischen Konzerte“ sind eine Zusammenstellung von sechs Instrumentalkonzerten für unterschiedliche Besetzungen.

1720–1730

JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750) schreibt zwischen 1720 und 1722 „Das wohltemperirte Clavier oder Praeludia und Fugen durch alle Tone und Semitonia“. Das „Wohlemperierte Klavier“ gehört zu den pädagogischen Werken BACHs und stellt einen programmatischen Zyklus von 24 Präludien und Fugen in jeder Dur- und Molltonart dar.

JOHANN ADOLF HASSE (1699–1783) komponiert mit „Antioco“ (1721) seine erste von insgesamt 56 Opern und steigt zum führenden Opernkomponisten in Deutschland und Italien auf.

Der französische Komponist JEAN-PHILIPPE RAMEAU (1683–1764) begründet in der Abhandlung „Traité de l’harmonie reduite“ (1722) eine moderne eigenständige Harmonielehre und führt den Begriff Fundamentalbass ein. Der Fundamentalbass bezeichnet die Folge der Grundtöne aller Akkorde eines Stückes.

Mit dem Concert spirituel wird in Paris 1725 eine Konzertreihe gegründet, in der ausschließlich Konzerte mit geistlicher Musik aufgeführt werden.

Der österreichische Komponist JOHANN JOSEPH FUX (1660–1741) entwickelt 1725 auf der Grundlage des Renaissance-Komponisten GIOVANNI PALESTRINA (1525/1526–1584) eine bis heute wirksame Kontrapunktlehre („Gradus ad Parnassum“).

In der musiktheoretischen Schrift „Der General-Baß in der Composition“ (1728) unterscheidet JOHANN DAVID HEINICHEN (1683–1729) zwischen Kirchen-, Kammer- und Theaterstil und fasst die rhetorische Figurenlehre zusammen.

JOHANN CHRISTOPHER PEPUSCH (1667–1752) komponiert die berühmte „Beggar’s Opera“ („Bettleroper“) nach einem Text des Dichters JOHN GAY (1685–1732). Die „Beggar’s Opera“ gehört zur Gattung der Ballad opera und wird Vorbild für das deutsche Singspiel. Durch zahlreiche Nachdichtungen und Bearbeitungen – z. B. durch BERTOLT BRECHTs (1898–1956) und KURT WEILLs (1900–1950) „Dreigroschenoper“ (1928) – gehört sie zu den meistgespielten Opern.

GEORG PHILIPP TELEMANN (1681–1767) gibt mit „Der getreue Music-Meister“ 1728/1729 das erste Komponisten-Journal heraus. Die Sammlung von insgesamt 70 eigenen und fremden Kompositionen erscheint alle 14 Tage in Hamburg.

1730–1740

Die erste von etwa 165 Violinsonaten des italienischen Virtuosen GIUSEPPE TARTINI (1692–1770) erscheint 1732 im Druck. TARTINIs Kompositionen, darunter auch die berühmte „Teufelstrillersonate“, besitzen zumeist programmatische Bezüge.

GIOVANNI DI BATTISTA PERGOLESI (1710–1736) schreibt 1733 das zweiteilige Intermezzo „La serva padrona“ („Die Magd als Herrin“). Obwohl die Komposition als Zwischenakt für die Oper „Il prigioniero superbo“ entsteht, erlangt sie bereits bei der Uraufführung am 28.08.1733 eine eigenständige Bedeutung und muss auf Drängen des begeisterten Publikums mehrfach wiederholt werden.

„Hippolite et Aricie“ (1733) ist die erste Tragédie lyrique von JEAN-PHILIPPE RAMEAU (1683–1764). Die Oper, die RAMEAU erst mit 50 Jahren schreibt, führt die Tradition des nationalfranzösischen Theaters, die von JEAN BAPTISTE LULLY (1632–1687) geschaffen wurde, weiter.

Zwischen 1733 und 1746 erscheinen drei Sammlungen von heiteren und geselligen Liedern in verschiedenen Besetzungen von VALENTIN RATHGEBER (1682–1750) mit dem Titel „Ohren-vergnügendes und Gemüth-ergötzendes Tafel-Confect“.

Die aufklärerische Wochenschrift „Der critische Musicus“ von JOHANN ADOLF SCHEIBE (1708–1776) erscheint ab 1737 in Leipzig.

Der Hamburger Musiktheoretiker JOHANN MATHESON (1681–1764) verfasst 1739 mit der Schrift „Der vollkommene Kapellmeister“ ein einflussreiches Kompendium über die Musiktheorie und -praxis der Frühaufklärung.

1740–1750

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL (1685–1759) komponiert 1741 das dreiteilige Oratorium „Der Messias“ mit der Darstellung der Geburt, Passion und Auferstehung von Jesus. „Der Messias“ wird HÄNDELs populärstes Oratorium und schon ab 1784 werden Massenaufführungen im Rahmen von Händel-Festen in der Londoner Westminster Abbey und im Pantheon durchgeführt.

In der Residenz Mannheim wird 1743 die Hofkapelle des Kurfürsten KARL THEODOR VON DER PFALZ gegründet. Aufgrund ihrer nachhaltigen Wirkung wird die Kapelle auch Mannheimer Schule genannt. In die Musikgeschichte eingegangen sind neben der brillanten Orchestervirtuosität auch die Errungenschaften der hier wirkenden Komponisten. Vor allem auf die Entwicklung und Ausprägung der Sinfonie nehmen die Mannheimer Komponisten wie JOHANN WENZEL ANTON STAMITZ (1717–1757) großen Einfluss. Auch in anderen europäischen Kulturzentren etablieren sich Komponistenschulen, die mit der Mannheimer Schule vergleichbar sind (z. B. Wiener, Norddeutsche, Mailänder, Londoner, Pariser Schule).

1743 wird in Leipzig das „Große Konzert“ von 16 Musikliebhabern gegründet. Das „Große Konzert“ ist eine der frühen bürgerlichen Konzertvereinigungen, die von Bürgerlichen und Adligen ins Leben gerufen werden, um wöchentliche Hauskonzerte zu veranstalten. 1781 erhält die Musiziervereinigung ein eigenes Konzerthaus, das Gewandhaus.

JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750) komponiert 1746/1747 für die Aufnahme in die „Mizlersche Societät der musikalischen Wissenschaften“ die Variationen „Einige kanonische Veraenderungen über das Weynacht-Lied ‚Vom Himmel hoch‘“ An dem bekannten Weihnachtslied zeigt BACH in einzigartiger Weise seine kontrapunktischen Künste.

Das „Musikalische Opfer“ von JOHANN SEBASTIAN BACH (1685–1750) erscheint 1747 im Druck.

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL (1685–1759) komponiert 1749 mit seiner „Feuerwerksmusik“ eine Orchestersuite für die Aufführung im Freien und zur Feier des Friedens von Aachen nach dem österreichischen Erbfolgekrieg.

1750–1760

JOHANN SEBASTIAN BACHs (1685–1750) „Die Kunst der Fuge“ wird 1751 gedruckt. Das Werk zeigt die umfassenden Möglichkeiten, mit einem einzigen Thema kontrapunktisch umzugehen. Der programmatische Titel ist allerdings nicht von BACH.

Die zweite Aufführung von GIOVANNI BATTISTA PERGOLESIs (1710–1736) Oper „La serva padrona“ löst 1752 in Paris eine Auseinandersetzung zwischen Anhängern der italienischen Opera buffa (Buffonisten) und Verfechtern der französischen Tragédie lyrique (Antibuffonisten) aus. Diese heftig geführte Diskussion um die Zukunft der Oper wird auch als Buffonistenstreit bezeichnet.

JEAN-JACQUES ROUSSEAU (1712–1778) komponiert 1752 das pastorale Singspiel „Le devin du village“ („Der Dorfwahrsager“) als Antwort auf den Buffonistenstreit. Die Oper wird sehr erfolgreich und zeichnet sich durch die Verwendung einfacher Melodien aus, die auch WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756–1791) zur Komposition seines Singspiels „Bastien und Bastienne“ (1768) anregt.

Der deutsche Flötist, Komponist und Musiktheoretiker JOHANN JOACHIM QUANTZ (1697–1773) fasst 1752 in seiner Schrift „Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen“ die Geschmacksästethik des galanten Stils zusammen. In diesem umfangreichen Kompendium tritt QUANTZ als exponierter Vertreter des sogenannten „vermischten Geschmacks“ auf und befürwortet eine Synthese von italienischem und französischem Stil.

1753 entsteht die Erste Berliner Liederschule. Zu ihren Komponistenpersönlichkeiten gehören

  • CARL PHILIPP EMANUEL BACH (1724–1788),
  • CHRISTIAN GOTTFRIED KRAUSE (1719–1770),
  • JOHANN PHILIPP KIRNBERGER (1721–1783) und
  • JOHANN PHILIPP SACK (1722–1763).

Ab 1753 erscheinen drei Sammlungen mit sehr einfachen Strophenliedern (Oden mit Melodien) von CHRISTIAN GOTTFRIED KRAUSE (1719–1770) im Druck. Die Texte stammen aus dem Umfeld der Berliner Aufklärung, u. a. von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729–1781). Für die Musik sind neben KRAUSE CARL PHILIPP EMANUEL BACH (1724–1788), JOHANN JOACHIM QUANTZ (1697–1773), FRANZ BENDA (1709–1786) u. v. m. als Urheber bekannt.

CARL PHILIPP EMANUEL BACH (1724–1788) erläutert in dem Lehrstück „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, mit Exempeln und achtzehn Probestücken in sechs Sonaten“ (1753) die Schlüsselbegriffe der Empfindsamkeit. Zum Leitbild der Musik wird die Einfühlung und die Empfindung des Interpreten, der selbst gerührt sein soll, um diese Rührung dem Publikum zu vermitteln (empfindsamer Stil).

CARL HEINRICH GRAUN (1703/1704–1759) komponiert das Passionsoratorium „Der Tod Jesu“ (1755) im neuen empfindsamen Stil nach einem pietistischem Text von KARL WILHELM RAMLER (1725–1798). Das Oratorium wird zu einem Standardwerk für bürgerlicher Chöre bis 1848/1849.

LEOPOLD MOZART (1719–1787) verfasst 1756 das einflussreiche deutschsprachige Lehrwerk „Versuch einer gründlichen Violin-Schule“.

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