Big Band

Die eigentliche Form der Big Band wurde im Wesentlichen in der sogenannten Swing-Ära geprägt. Aber bereits zuvor gab es einige Ensemble-Formen, die den Weg hin zur Big Band bereiteten. Zu nennen wären hier vor allem die meist sehr stark besetzten Brassbands, die sich aus verschiedenen Blechbläsern zusammensetzten.

Andere Formen waren die Unterhaltungsorchester von Vaudeville-Theatern oder auch die frühen Jazzbands in New Orleans. Der Übergang zur Big Band gestaltete sich fließend, wobei hier besonders FLETCHER HENDERSON zu nennen wäre, der um 1930 begann, seine Band in Bläsersätze zu unterteilen. Diese Gruppen innerhalb der Band bekamen dann eigenständige harmonische und melodische Aufgaben.

Die bald entstehenden Big Bands vereinigten meist relativ getrennt schwarze bzw. weiße Musiker.

GLENN MILLER (1904–1944) war mit seiner Big Band einer der Protagonisten der Swingära.

Im Bereich der weißen Big Band wären vor allem Band-Leader wie DUKE ELLINGTON. ARTIE SHAW oder die DORSEY-Brüder zu nennen, welche im Bereich der Tanz- und Unterhaltungsmusik der 1930er-Jahre bestimmend waren. Bei der schwarzen Big Band sind Namen wie

  • CHICK WEBB,
  • CAB CALLOWAY,
  • JIMMY LUNCEFORD oder
  • COUNT BASIE

sehr bedeutend.

Die erste gemischte Big Band wurde schließlich unter BENNY GOODMANs Leitung ins Leben gerufen.

Während des zweiten Weltkrieges wurden die Big Bands mit herangezogen, um die kämpfenden Truppen auf moralischem Gebiet zu betreuen. Dieses Betätigungsfeld fiel nach 1945 weg; gleichzeitig war aber mit dem sogenannten Bebop eine neue Jazz-Epoche angebrochen, in der eher kleinere Besetzungen bevorzugt wurden. Damit mussten die Big Bands für sich neue Wege suchen, um für den Musikmarkt lukrativ zu bleiben. Die Lösungen sahen ganz unterschiedlich aus. Stellvertretend werden hier nur einige Beispiele aufgezählt: Woody Herman und Dizzy Gillespie versuchten, den Bebop auf die Big Band-Besetzung zu übertragen.

  • MACHITO und MARIO BAUZA setzten kubanische Rhythmen ein, um der Big Band neue Klangmöglichkeiten zu verleihen.
  • STAN KENTON und ARTIE SHAW erweiterten die Besetzung durch Streicher, was einen insgesamt mehr orchestralen Klang zur Folge hatte.
  • GIL EVANS experimentierte vor allem in den 1950er-Jahren mit Instrumenten wie Waldhorn und Oboe.
  • GEORGE RUSSELL bezog mittelalterlicher Kirchentonarten in die Kompositionen mit ein.

Instrumentierung

Abgesehen von diesen Besetzungsvarianten gab es sowohl damals und gibt es auch heute noch Big Bands, die die traditionelle Instrumentierung bevorzugen, die nachfolgend beschrieben werden soll.

In der Big Band spricht man weniger von Instrumentengruppen, sondern es hat sich zum Teil der Begriff Sektion durchgesetzt. Dementsprechend unterteilt man das Jazz-Orchester

  • in die Rhythmusgruppe,
  • die Holzbläser-Sektion (Woodwinds) und
  • die Blechbläser-Sektion (Brass).

Die Rhythmusgruppe besteht aus dem Kontrabass, dem Klavier, dem Schlagzeug und manchmal zusätzlich noch aus Gitarre und verschiedenen Perkussionsinstrumenten.

Bei den Holzbläsern findet man in der Regel die Saxophone, Klarinetten oder auch Querflöten, wobei nicht alle drei Instrumente vertreten sein müssen.

Als Blechbläser schließlich werden im Jazz-Bereich hauptsächlich Trompeten und Posaunen verwendet.

Jede Bläsersektion setzt sich nun wiederum aus meist 4 bis 5 Instrumenten der jeweiligen Einzelinstrumente zusammen, wobei hier nochmals nach maximal spielbarer Tonhöhe gestaffelt wird. Beim Saxophon zum Beispiel unterteilt man in Bariton, 2. Tenor, 1. Tenor, 2. Alt, 1. Alt (von tief nach hoch).

Die oberen Stimmen übernehmen jeweils die Führungsstimme ihrer Sektion. Spielen alle Instrumente gleichzeitig, dann ist normalerweise die erste Trompete als das höchste und durchdringendste Instrument die Führungsstimme.

Improvisation

Der Gesamtklang der Big Band hängt einerseits ab vom Arrangeur, welcher genau die realisierbare Stimmführung und die technischen Möglichkeiten der entsprechenden Instrumente kennen muss, um das Klanggebilde effektvoll zu gestalten. Genauso wichtig ist aber die spielerische Exaktheit und das Einfühlungsvermögen der Musiker. Das Schlüsselwort hier heißt Improvisieren. Im Jazz-Bereich ist es durchaus üblich, dass zu einzelnen Titeln keine vollständigen Kompositionen existieren, sondern beispielsweise nur ein grober Ablaufplan mit der Reihenfolge der einzelnen Solo-Partien sowie ein harmonisches Grundgerüst mit einem zugehörigen Melodie-Thema vorhanden ist. Das bedeutet, jeder Spieler muss in der Lage sein, auch ohne die Vorgabe jeder Einzelnote einen stilistisch entsprechenden Melodieverlauf zu kreieren, diesen ohne Unsicherheiten zu spielen und dabei gleichzeitig auf die Improvisationen seiner Mitspieler einzugehen. Es geht also um spontanes Erfinden und gleichzeitiges Musizieren, was eine Anforderung ist, die an einen Spieler im klassischen Orchester in der Regel nicht gestellt wird.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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