Louis Victor de Broglie

LOUIS VICTOR DE BROGLIE lebte und wirkte in einer Zeit der schnellen Entwicklung der Quantenphysik: 1900 hatte MAX PLANCK (1858-1947) mit seiner berühmten Strahlungsformel die Quantentheorie begründet. ALBERT EINSTEIN (1879-1955) wandte sie 1905 auf das Licht an und formulierte seine Quantenhypothese des Lichtes. NIELS BOHR (1885-1962) entwickelte 1913 sein Atommodell. Viele der älteren Physiker hatten allerdings Probleme damit, die neuen Vorstellungen zu akzeptieren. Wie vielfach in der Physikgeschichte, brachten junge Physiker, die von alten Vorstellungen unbelastet waren, die Physik weiter voran. Zu diesen jungen Physikern, die sich mit Problemen der Quantentheorie beschäftigten, gehörten neben den Franzosen LOUIS VICTOR DE BROGLIE und PAUL DIRAC (1902-1984) beispielsweise der Österreicher ERWIN SCHRÖDINGER (1887-1961), die Deutschen WERNER HEISENBERG (1901-1976) und MAX BORN (1882-1970) und der Inder S. BOSE (1894-1974).

Leben und Wirken

LOUIS VICTOR DE BROGLIE, häufig verkürzt LOUIS DE BROGLIE genannt, wurde am 15. August 1892 in Dieppe geboren. Er war Spross eines Adelsgeschlechts, das im 18. Jahrhunderts den französischen Herzogtitel erhalten hatte und über größere Güter verfügte. Er studierte zunächst an der Pariser Sorbonne Philosophie und Geschichte, da er Diplomat werden wollte, wechselte aber 1911 zur Mathematik und Physik. Wesentlichen Einfluss auf diesen Wechsel hatte sein Bruder MAURICE, der Physiker war, sich in Paris ein Labor eingerichtet hatte und sich dort mit Röntgenspektroskopie beschäftigte.
Während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg (1914-1918) befasste sich DE BROGLIE als Nachrichtenoffizier mit der drahtlosen Telegrafie, vorwiegend in der Funkstation auf dem Pariser Eiffelturm.
Nach dem Krieg nahm er 1919 sein Physikstudium wieder auf und arbeitete daneben im Laboratorium seines Bruders über den lichtelektrischen Effekt bei Röntgenstrahlen.
1924 verteidigte DE BROGLIE seine Doktorarbeit über das Quantenproblem, in dem er den Begriff der Materiewellen einführte. Damit wurde er schnell bekannt. 1929 wurde er an das neu errichtete Institut Henri Poincaré in Paris berufen. Von 1932 bis 1965 wirkte er zugleich als Professor für theoretische Physik an der Pariser Sorbonne. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er u.a. als Berater der französischen Atomenergiekommission tätig.

LOUIS VICTOR DE BROGLIE arbeitete über eine Vielzahl physikalischer und philosophischer Probleme. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) war er mit der Dokumentation der in den USA erschienenen Arbeiten über Zentimeterwellen und weitere Mikrowellen beauftragt. Er war bis ins hohe Alter wissenschaftlich aktiv und starb am 19. März 1987 in Paris.

Seine wissenschaftliche Hauptleistung: Die Materiewellen

Den entscheidenden Impuls zu seiner größten wissenschaftlichen Leistung erhielt LOUIS VICTOR DE BROGLIE von seinem Bruder, der ihm bereits 1922 die Berichte des ersten SOLVAY-Kongresses über Strahlungstheorie und Quanten zugänglich machte. 1922 wandte er sich der von A. EINSTEIN bereits 1909 gestellten Aufgabe nach einer einheitlichen Strahlungstheorie mit wellenmäßigen und korpuskularen Zügen zu. Nach anfänglichen Vermutungen über den Welle-Teilchen-Dualismus formulierte er 1924 in seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Recherches sur la théorie des Quanta“, dass man jedem Teilchen eine Welle zuordnen kann.
DE BROGLIE entwickelte dort den Gedanken, dass

„sowohl für die Materie wie für die Strahlung, insbesondere für das Licht, es geboten ist, den Korpuskel- und den Wellenbegriff gleichzeitig einzuführen.“

Er gab in seiner Dissertation auch die Gleichung für die Wellenlänge (de Broglie-Wellenlänge) in folgender Form an:

λ=hp=hmvh Plancksches Wirkungsquantump Impuls der Teilchenm Masse der Teilchenv Geschwindigkeit der Teilchen

Außerdem gelang es DE BROGLIE, mit seiner Hypothese die erste Bedingungen des bohrschen Atommodells zu erklären: BOHR hatte postuliert, dass die Wirkung eines um den Atomkern umlaufenden Elektrons ein ganzzahliges Vielfaches des planckschen Wirkungsquantums sei. Die Ganzzahligkeit ergab sich nun daraus, dass eine um den Kern mit dem Radius r umlaufende Elektronenwelle ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge haben muss, um stabil zu sein.

DE BROGLIE ging es wie einer Reihe anderer berühmter Physiker: Niemand wollte zunächst an die von ihm aufgestellte Hypothese der Materiewellen glauben. Der eindeutige experimentelle Beweis gelang 1927 DAVISSON und GERMER, die zeigten, dass Elektronenstrahlen an Kristallen gebeugt wurden und damit die Elektronenbeugung nachwiesen.
Für seine Theorie wurde LOUIS VICTOR DE BROGLIE 1929 der Nobelpreis für Physik verliehen.
Der modernen statistischen Interpretation der Wellenmechanik stand DE BROGLIE allerdings skeptisch gegenüber. Alle seine Versuche, die Wellenmechanik deterministisch zu erklären, scheiterten aber.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

Lexikon Share
Beliebte Artikel
alle anzeigen

Einloggen