Gefahren für die Wale

Die Umweltorganisation Greenpeace versuchte das Dilemma anhand von konkreten Fangzahlen zu umschreiben: Eine aus 20 Schiffen bestehende japanische Flotte brachte es in nur 3 Monaten neben mehr als 700 000 Thunfischen auch auf 4 000 Haie und 6 400 Delfine, die qualvoll in den Treibnetzen verendeten. Laut weiteren Schätzungen, gehen jährlich Zehntausende von Dalls-Schweinswalen in den Netzen japanischer Tintenfischfänger zugrunde und mindestens 2 000 Gestreifte Delfine im Mittelmeer enden als Beifang durch die Jagd der Italiener auf Schwertfisch und Bonito.

Auch viele andere Walarten sind stark gefährdet, denn die verwendeten feinen Nylonnetze werden selbst von den hoch entwickelten und spezialisierten Sonarsystemen der Zahnwale nicht mehr registriert. Vorsichtigen Hochrechnungen von Greenpeace zufolge belaufen sich die weltweiten Tötungszahlen der Meeressäuger durch Hochseetreibnetze jährlich im Bereich sechsstelliger Zahlen.

Bis zu dem von der UN 1991 beschlossenen weltweiten Treibnetzverbot existierte allein im asiatischen Raum des Pazifiks durch die asiatischen Fangflotten eine Treibnetz-Todeswand von 60 000 km Länge. Zu den Ländern, die diese Art der Hochseefischerei betrieben und auch heute noch teilweise weiterführen, gehören neben den ehemaligen Ursprungsländern der Treibnetzfischerei wie Japan, Taiwan und Korea auch Frankreich, England, Irland und Italien.

Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass die verwendeten Nylonnetze teilweise verloren gehen. Eine unausweichliche Folge davon ist, dass diese „Geisternetze“ unbeaufsichtigt im Meer treiben, eine tödliche Falle darstellen für alles, was hineingerät, bis diese Netze unter dem Gewicht ihrer Opfer zu sinken beginnen und weitere Tiefseebewohner unter sich begraben.

Leider haben bis zum heutigen Tag nur wenige Länder versucht, dieser ökologischen Katastrophe in ihren eigenen Hoheitsgewässern Einhalt zu gebieten (Australien, Neuseeland) oder haben sogar den Fischereiflotten die Hafenrechte entzogen (Südafrika, Mauritius, Spanien, Portugal). Ein Beschluss der Europäischen Gemeinschaft will der Situation ebenfalls Einhalt gebieten, indem er vorschreibt, dass Treibnetze mit mehr als 2,5 km Länge verboten sind. Die Anzahl der Netze wird aber nicht limitiert und selbst bei einem generellen internationalen Verbot von Treibnetzen könnte keine Institution der Welt eine befriedigende Kontrolle der Fangflotten der Weltmeere garantieren. Japan z. B. hat angekündigt, die Treibnetzfischerei in jedem Fall aus „Forschungsinteressen“ weiterzubetreiben.

Um vom schlechten Image der Hochseefischerei wegzukommen, preisen einige Thunfischproduzenten auf ihren Konservendosen auf eine delfinsichere Fangweise („dolphin friendly“) hin. Bedeuten soll das vermutlich einen Verzicht auf Treibnetze. Fraglich ist allerdings, wer diese Angaben kontrolliert.

Mittlerweile gibt es neben Greenpeace unterschiedliche Organisationen, die sich dem Schutz der Delfine annehmen, so z. B. auch die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. (GRD, Kornwegerstr. 37, 81375 München, Tel. 089/74160410, Fax 089/74160411. Hierbei handelt es sich um einen gemeinnützigen und unabhängigem Verein, der von dem Weltumsegler und Dokumentarfilmer ROLLO GEBHARD 1991 gegründet wurde. Die GRD setzt sich als einzige Naturschutzorganisation in Deutschland schwerpunktmäßig weltweit für den Schutz der Delfine und den Erhalt ihres Lebensraums ein. Zu ihren Zielen gehört

  • die Abschaffung ökologisch unvertretbarer Fischereimethoden wie der Treibnetzfischerei, bei der jährlich immer noch Hunderttausende Delfine, Wale, Robben, Haie und Seevögel grausam und sinnlos ums Leben kommen,
  • die Kontrolle und Durchführung eines Thunfisch-Kontrollprogramms, mittels dessen sich der Weg des Thunfischs vom Fang bis ins Supermarktregal verfolgen lässt und auf dessen Grundlage die GRD eine Verbraucherliste zu delfinsicherem Thunfisch herausgibt,
  • die finanzielle Förderung von Delfin-Schutzprojekten zum Erhalt bedrohter Delfinpopulationen und
  • die politische Arbeit und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Bedrohung von Delfinen und Walen durch Überfischung, Meeresverschmutzung und direkte Jagd.

Der engagierten Arbeit dieses Vereins und anderen Umweltorganisationen (Greenpeace, WWF) ist es zu verdanken, dass die EU im Jahr 1998 ein Verbot der Treibnetzfischerei ab dem Jahr 2002 beschlossen hat. Hinzu kommt, das die GRD mittlerweile 95 % der deutschen Thunfisch-Importeure überzeugen konnte, sich dem vom amerikanischem Earth Island Institute initiierten „International Dolphin-Safe Monitoring Program“ anzuschließen und keinen mit Treibnetzen oder mit Ringwadennetzen im tropischen Ostpazifik gefangenen Thunfisch zu kaufen und anzubieten (nachweislich „delfin-sicherer“ Thunfisch).

Auch die in diesem Zusammenhang gegründete Internationale Walfangkomission (IWC) reguliert und überwacht den Walfang bereits seit 1946. Mittlerweile gehören ihr 40 Mitgliedsstaaten an und seit 1986 ist durch gemeinsamen Beschluss der IWC der kommerzielle Walfang untersagt. Trotzdem wurden seit 1986 ca. 20 000 Wale für sogenannte „wissenschaftliche Zwecke“ getötet und ihr Fleisch wurde vermarktet.

(Für die Entstehung dieses Artikels bedankt sich die Redaktion bei Andrea und Wilfried Steffen sowie bei der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.).

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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