Teildisziplinen der Biowissenschaften

In der nachfolgend dargestellten Übersicht sind die Teilgebiete der Biologie so angeordnet, dass verwandte Gebiete möglichst benachbart stehen. Da sich allerdings zwischen sehr vielen verschiedenen Teilgebieten Beziehungen und sogar Überlappungen ergeben, ist dies in einer zweidimensionalen Darstellung nur sehr eingeschränkt möglich. Auch kann eine solche Auflistung - wenn die Übersichtlichkeit nicht verloren gehen soll - nicht vollständig sein. Zudem entstehen laufend neue Teildisziplinen und in der Bedeutung kommt es zu Verschiebungen der Schwerpunkte. In dem hellgrünen Kasten sind einige Disziplinen genannt, die sich nur mit bestimmten Gruppen von Lebewesen befassen. Innerhalb dieser Gruppendisziplinen kann es dann wieder zu einer Untergliederung in Physiologie, Morphologie, Genetik (dunkelgrüne Kästen) usw. kommen.BildTeilgebiete der Biologie


Die folgenden Darstellungen einzelner Teildisziplinen folgt in etwa der Übersicht von unten (Molekularbiologie) nach oben (Ökologie) fortschreitend.

Molekularbiologie: Sie ist eine erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts begründete Teildisziplin der Biologie, welche die Lebenserscheinungen im molekularen Bereich, besonders im Bereich der informationstragenden Makromoleküle (Nucleinsäuren, Proteine) untersucht. In der Molekularbiologie wird versucht, Lebensvorgänge auf der Ebene von Struktur, Funktion und Umwandlung dieser Moleküle zu erklären. Ziel der Molekularbiologie ist nach JACQUES L. MONOD (1910 - 1976) „die Interpretation der wesentlichen Eigenschaften der Organismen aufgrund ihrer molekularen Strukturen“. Molekularbiologie ist sowohl inhaltlich als auch methodisch ein interdisziplinäres Fach zwischen Biologie, Chemie und Physik. Molekularbiologische Arbeitsmethoden haben auch in andere Disziplinen Einzug gehalten, was häufig durch den Zusatz „molekular“ deutlich wird.

Cytologie (Zellenlehre): Sie erforscht Struktur, Funktion und Leistung der Zellen aus allen Organismenreichen und ihrer Bestandteile. Nach ihren gemeinsamen Merkmalen werden die untersuchten Zelltypen in Gruppen geordnet (Prokaryoten (zellkernlos), Eukaryoten (zellkernhaltig), Pflanzenzellen, Tierzellen.

Zellphysiologie: Die Zelle als kleinste Einheit von Lebewesen ist in der Lage, die Grundfunktionen des Organismus wie Stoffwechsel, Wachstum, Bewegung, Vermehrung und Vererbung zu erfüllen. Mit den Ablaufprinzipien und -details dieser Vorgänge in den Zellen beschäftigt sich die Zellphysiologie.

Molekulargenetik: Sie untersucht die stoffliche Zusammensetzung der Erbanlagen, ihre chemischen Eigenschaften und die Prozesse der Vererbung auf molekularer und biochemischer Ebene. Grundlegende Erkenntnisse dieser Disziplin sind die Entdeckung der Desoxiribonucleinsäure (DNA) als Erbsubstanz, die Entschlüsselung des genetischen Codes, der Feinbau der Chromosomen und die Regulation der Genaktivitäten.

Genetik (Erblehre, Vererbungslehre): Sie ist die Wissenschaft von den Gesetzen und materiellen Grundlagen der Ausbildung von genetisch bedingten Merkmalen und der Übertragung der Erbanlagen von den Eltern auf die Nachkommen. Ausgangspunkt waren die Erenntnisse über Vorgänge bei der Vererbung, die GREGOR MENDEL (1822–1884) vor ca. 150 Jahren (1865) formulierte. Der Mönch entdeckte bei Kreuzungsversuchen an der Garten-Erbse Gesetzmäßigkeiten, die auf der Weitergabe von Erbfaktoren beruhen (MENDELsche Regeln). Wesentliche Erkenntnisse zu den Gestzmäßigkeiten der Vererbung wurden durch THOMAS HUNT MORGAN (1866–1945) und seine Einführung des Versuchstieres Drosophila für Vererbungsexperimente beigesteuert. Weitere wichtige Meilensteine waren der Nachweis der Desoxyribonucleinsäure (DNA) als Erbsubstanz (AVERY 1944), die Aufklärung der DNA-Struktur (CRICK, FRANKLIN, WATSON, WILKINS 1953) und die Entschlüsselung des genetischen Code (MATTHAEI, NIRENBERG, KHORANA u. a. 1966).

Mitte der 1980er Jahre wurde für die Erforschung des vollständigen Genoms bzw. aller aktiven Gene einer Zelle der Begriff Genomik (genomics) geprägt. Diese neue Teildisziplin der Genetik versucht, das komplizierte Zusammenspiel von Genen und Signalstrukturen des Genoms bis zu den Genprodukten (dem Proteom) zu verstehen. Möglich wurden diese Forschungen, bei denen große Datenmengen anfallen, erst durch die modernen Möglichkeiten der Datenverarbeitung und der Bioinformatik.

Immunbiologie: Die Immunbiologie befasst sich mit der Erforschung der biologischen Mechanismen, die der Verteidigung gegen infektiöse Keime (z. B. Bakterien oder Viren) und Giftstoffe zugrundeliegen.

Histologie (Gewebelehre): erforscht Aufbau und besondere Leistung (Spezialisation) der Gewebe, also der Verbände von Zellen gleicher Aufgabe, bei allen Organismengruppen. Die Histologie untersucht mikroskopische Gewebsschnitte mittels besonderer Färbetechniken.
An Hand histologischer Schnitte lassen sich oft sehr genaue Diagnosen stellen; so wird für die Diagnose Krebs auch heute noch in der Regel ein histologischer Befund gefordert. In der Medizin gilt das Prinzip, das jedes operativ entfernte Teil histologisch untersucht werden sollte. Die Histologie hat damit auch besondere Bedeutung für die Medizin.
Will man bei einem Organ eine histologische Untersuchung anstellen, ohne das Organ wesentlich zu schädigen oder ganz zu entfernen, dann entnimmt man eine gezielte Gewebeprobe (Biopsie).
Ein wesentliches Arbeitsmittel der Histologie ist das Lichtmikroskop, heute durch das höher auflösende Elektronenmikroskop ergänzt.

Physiologie (Lehre von den Lebensvorgängen): Sie erforscht die Funktionen und Leistungen der Zellen, Gewebe, Organe und Organsysteme der Organismen (des Organismus und seiner Teile). Ziel ist es, möglichst auf molekularer Ebene die Reaktionen und Abläufe von Lebensvorgängen (Bewegung, Entwicklung, Reizbarkeit, Fortpflanzung, Keimung, Stoff- und Energiewechsel, Wachstum und anderes) zu beschreiben. Damit sollen die grundsätzlichen Zusammenhänge der Lebensvorgänge untereinander und ihre Abhängigkeit von den Umweltverhältnissen aufgeklärt werden.
Innerhalb der Physiologie haben sich Disziplinen etabliert, die spezielle Leistungen des Organismus zum Gegenstand haben; so die Stoffwechselphysiologie, Sinnesphysiologie, Nervenphysiologie (Neurophysiologie), Entwicklungsphysiologie, Bewegungsphysiologie, Physiologie des Alterns, Zellphysiologie und andere. Krankheitsbedingte Veränderungen der Lebensvorgänge sind Gegenstand der Pathophysiologie.

Stoffwechselphysiologie (Ernährungs- und Atmungsphysiologie): Sie untersucht die Aufnahme der Stoffe aus der Umwelt in den Körper (Ernährung, Verdauung, Resorption), die Umwandlung in körpereigene Stoffe (Assimilation), den Abbau von Stoffen (Dissimilation), die Ausscheidung von Stoffen (Exkretion) sowie die Regulation dieser Vorgänge durch Enzyme, Hormone u. a.

Hormonphysiologie (Endokrinologie): Sie ist die Wissenschaft von der Funktion und Regulation endokriner Drüsen (Körperdrüsen, die ihre Sekrete oder Hormone direkt in das Blut oder die Lymphbahnen des Körpers abgeben) sowie von den Hormonen. Hormone sind Signalstoffe im Tier- und Pflanzenreich (Phytohormone), die in sehr niedriger Konzentration physiologische Reaktionen bewirken. Bei Tier und Mensch werden sie häufig in spezifischen endokrinen Drüsen (Hormondrüsen) gebildet und über den Blutkreislauf oder die Lymphe verbreitet. In Geweben und Organen, die über entsprechende Rezeptoren (Hormonrezeptoren) verfügen, entfalten sie ihre spezifischen Wirkungen.

Sinnesphysiologie: Sie erforscht Sinnesfunktionen und Sinnesleistungen (Aufnahme von Sinnesreizen, Weiterleitung, Verarbeitung); heute werden biochemische und biophysikalische Methoden bevorzugt (z. B. Elektrophysiologie).

Neurophysiologie (Nervenphysiologie): Sie ermittelt Leistung und Funktion des Nervensystems.

Fortpflanzungsbiologie: Sie erfasst Erscheinungen und Strategien zur Erzeugung und Sicherung einer Nachkommenschaft bei allen Organismen (Paarungsverhalten, Befruchtungsmechanismen, Begattungsapparate, geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung). Ein aktueller Forschungbereich ist die Reproduktionsbiologie mit dem Ziel neue, künstliche Verfahren der Fortpflanzung oder Vermehrung (z. B. in vitro Fertilisation, Klonierung) anzuwenden. Bedeutung haben solche Verfahren vor allem bei der Züchtung von Nutztieren und -pflanzen, bei der Behandlung von Krankheiten sowie bei Schutz und Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Die Ergebnisse der Forschung dienen der Sicherung einer hohen reproduktiven Gesundheit der Nutztiere und der Entwicklung und Optimierung von Biotechniken. Aber auch für den Menschen ist dieser Forschungszweig nicht uninteressant: Bei der Familienplanung können mithilfe künstlicher Befruchtungs- und Fortpflanzungstechniken trotz natürlicher Schwierigkeiten bei der Fortpflanzung (z. B. Unfruchtbarkeit) Nachwuchswünsche erfüllt werden (Reproduktionsmedizin).

Entwicklungsbiologie (Ontogenie): Sie befasst sich mit der Entwicklung eines Individuums von der Befruchtung bis zum Tod (Individualentwicklung oder Ontogenese). Die Entwicklung wird dabei als ein gerichteter Prozess der Entstehung und Veränderung verstanden und meint insbesondere die körperliche Entwicklung also das Wachstum eines Lebewesens.
Durch die Entdeckung der Regulatorgene bzw. Kontrollgene, die andere, für bestimmte Entwicklungsvorgänge wichtige Gene aus- und anschalten können, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine neue Disziplin, die evolutionäre Entwicklungsbiologie, herausgebildet. Durch ihre Erkenntnisse wurden insbesondere die großen Gemeinsamkeiten in den Grundmustern der Keimesentwicklung aller Tiere deutlich.

Morphologie (Gestalt- und Formenlehre): Sie ist die Lehre von der äußeren Körpergestalt und dem Aufbau der Organismen sowie von der Lage und den Lagebeziehungen der Organe.
Der Begriff Morphologie wurde von J.W. VON GOETHE 1795 in die Wissenschaft eingeführt. Man hat vielfach die wissenschaftliche Erforschung der äußeren Gestalt als Eidonomie, die des Baues der inneren Organe als Anatomie unterschieden. Zur Morphologie gehört auch die (vergleichende) Embryologie, welche die unterschiedlichen Formstadien (darunter auch reine Embryonalorgane) in der Individualentwicklung untersucht (Embryonalentwicklung). Im weiteren Sinne sind auch Gewebelehre (Histologie) und die Lehre vom Feinbau der Zelle (Cytologie) Teilgebiete der Morphologie. Die Funktionsmorphologie untersucht und beschreibt die Anpassung von Organen und Strukturen an ihre spezielle Funktion. Ein bedeutender Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf der Zweckausrichtung der organismischen Strukturen, welche offensichtlich den Charakter spezieller Apparaturen besitzen.

Anatomie (Lehre vom Körperbau): Die Anatomie wird im Allgemeinen als Teilgebiet der Morphologie angesehen. Von der Wortbedeutung her (Anatomie - Auseinanderschneiden) bezieht sie sich aber mehr auf den inneren Bau der Lebewesen, den man durch das Auseinanderschneiden, Sezieren und Präparieren erforscht. Teilweise hat man die Erforschung der äußeren Gestalt der Lebewesen als Eidonomie, die des Baus und der Lage der inneren Organe als Anatomie bezeichnet.
Über ein Jahrtausend bestimmten die Schriften von ARISTOTELES und GALENUS die anatomischen Erkenntnisse der Menschheit. Erst 1543 begründete ANDREAS VESALIUS (1515-1564) durch Beschreibung des menschlichen Körpers die moderne Anatomie und schuf damit eine erste Grundlage für die moderne Medizin.

Über die beschreibende Anatomie (deskriptive Anatomie) versucht die systematische Anatomie nach anatomischen, entwicklungsgeschichtlichen und funktionellen Gesichtspunkten die Organe, Gewebe und Zellformen des Körpers zu höheren Systemen zusammenzufassen. Die topografische Anatomie befasst sich mit den Lageverhältnissen der Organsysteme, Organe und Körperteile zueinander. Die vergleichende Anatomie versucht die Verschiedenheiten und Gleichwertigkeiten (Homologie), die Funktionsänderungen und die damit einhergehenden Abwandlungen und Übergänge der Organe, Organsysteme und Gewebe im Vergleich verschiedener Organismengruppen herauszuarbeiten. Sie ist daher eine wichtige Teildisziplin der Evolutionsbiologie.
Im Gegensatz zur Anatomie des gesunden Körpers beschäftigt sich die pathologische Anatomie mit den krankhaften Veränderungen der Körperteile.

Populationsgenetik (Bevölkerungsbiologie): Sie beschäftigt sich nicht mit dem einzelnen Individuum, sondern mit Vererbungsvorgängen in Populationen (Gruppen gleichartiger Individuen). Dabei geht es um die Ermittlung der Häufigkeit, Verbreitung/Verteilung und Veränderung von Erbanlagen in Populationen im Wechselspiel mit ihrer Umwelt (Beziehungen zur Populationsökologie). Die Gesamtheit der Erbanlagen einer Population wird auch als Genpool bezeichnet. Der Genpool einer natürlichen Population ist nie konstant, d. h. er ändert sich stetig auf Grund verschiedener Einflüsse wie beispielsweise Schwankungen der Populationsgröße, Mutationen, Selektion und genetische Drift (Zufallsselektion). Die Populationsgenetik bedient sich häufig mathematischer Modelle.

Evolutionsbiologie (Lehre von der allmählichen Entwicklung der Lebewesen): Als Evolution bezeichnet man alle Veränderungen, durch die das Leben auf der Erde zu seiner heutigen Form und Vielfalt gelangt ist. Dazu gehören die Entstehung des Lebens (Biogenese) sowie die Bildung, Umwandlung und Weiterentwicklung der Arten. Alle diese Prozesse stehen in einem engen Zusammenhang, der auf dem Vorhandensein und der Weitergabe biologischer Informationen beruht.

Alle jemals existierenden Lebewesen sind das Ergebnis einer Milliarden Jahre dauernden Evolution. Sie lassen sich auf gemeinsame Ausgangsformen zurückführen und stehen so in einem mehr oder weniger engen Verwandtschaftsverhältnis zueinander. Die Vorgänge dieser stammesgeschichtlichen Entwicklung lassen sich auf Grund des langen historischen Zeitraums nicht direkt nachweisen, in den Erbanlagen hat der Ablauf der Evolution jedoch seine Spur hinterlassen. Die Analyse und der Vergleich von Genomen bzw. bestimmten Genomabschnitten gilt heute als der sicherste Weg zur Aufklärung von Verwandtschaftsverhältnissen und Stammbäumen. Ein wichtiger Gegenstand der Evolutionsforschung befasst sich mit der Ursache für die Entstehung der vielfältigen Lebensformen (Evolutionsfaktoren).

Die Hauptfrage der Evolutionsforschung richtet sich auf die Ursache für die Entstehung der Lebewesen und deren vielfältige Erscheinungsformen. Heute ist man ziemlich sicher, dass die Faktoren Mutation und Rekombination von Erbanlagen sowie Selektion durch bestehende Umweltbedingungen ausschlaggebend für die Entwicklung der Lebewesen auf der Erde sind. Engere gemeinsame Abstammung zeigt sich in der Übereinstimmung mehrerer Merkmale, wie beispielsweise Ähnlichkeiten von Lebewesen, Übereinstimmungen zwischen Generationsfolgen oder Bereichen der Erbinformation. Nicht immer beruhen Ähnlichkeiten auf genetischen Ursachen, jedoch sind nur diese ausschlaggebend für eine stammesgeschichtliche Verwandtschaft. Es gilt also innerhalb der Evolutionsbiologie zu prüfen, ob Ähnlichkeiten zwischen Organismen auf übereinstimmende Erbinformation und damit gemeinsame Vorfahren zurückgehen oder ob es sich um funktionelle Ähnlichkeit auf Grund ähnlicher Anpassung an ähnliche Umweltbedingungen handelt.

Paläontologie (Fossilienkunde): Sie ist die Wissenschaft von den Organismen in den verschiedenen, vergangenen Erdzeitaltern (vorzeitlichen Lebewesen). Sie untersucht Fossilien, die Zeugen vom Leben (Lebensspuren) in der erdgeschichtlichen Vergangenheit darstellen sowie die sie umschließenden Gesteine. Im Gegensatz zu lebenden Wesen sind Fossilien im Gestein konservierte Leichenreste von höchst unterschiedlichem Alter und in verschiedener, meist noch nach dem Tode stark veränderter Erhaltung und Umgebung. Lebensort, Todesort und Fundort müssen nicht identisch sein. Um alle naturgegebenen Informationen über Fossilien zu erfassen und Irrtümer zu vermeiden, beginnt die Arbeit der Paläontologie am Fundort mit der Ermittlung aller Daten. Im Ergebnis sollte die Ermittlung des relativen chronologischen Alters (Geochronologie) und gegebenenfalls der fossilen Umwelt stehen (Paläoökologie). Die Paläontologie ermittelt also die durch Fossilien belegbare Geschichte des Lebens auf der Erde und steht in sehr engem Zusammenhang mit der Evolutionsbiologie.

Abstammungslehre (Phylogenese): Die wissenschaftliche Lehre, dass die heutigen, zum Teil hoch organisierten Lebewesen von einfacheren Vorfahren in früheren Erdzeitaltern abstammen und mehr oder weniger nah miteinander verwandt sind, bezeichnet man als Abstammungslehre. Als wissenschaftliche Disziplin (Phylogenese) hat die Abstammungslehre die Aufgabe, die stammesgechichtlichen Beziehungen heutiger und ehemaliger Arten und Artengruppen zu rekonstruieren; sie ist damit ein Grundstein für die Systematik.

Systematik (Taxonomie): Die Vielseitig- und Vielfältigkeit lebender Organismen erweckte schon früh den Wunsch, sie durch Ordnen und Zusammenfassen übersichtlicher darzustellen. Durch die Evolutionslehre wurde die Systematik von einer rein ordnenden zu einer erklärenden Wissenschaft, die ein Abbild der natürlichen (genetischen) Verwandtschaftsverhältnisse der Lebewesen gibt.

Traditionelle Methoden richteten sich nach morphologischen Merkmalen, wie etwa dem Körperbau bei Tieren oder dem Blütenaufbau bei Pflanzen. Mit dem Aufkommen neuer Erkenntnisse in den Wissenschaften (Mikroskopie, Chemie, Biochemie, Genetik) erschlossen sich auch dem Taxonomen neue Möglichkeiten.

Das System gliedert sich in verschiedene hierarchisch geordnete Taxa (sing. Taxon). Die verschiedenen taxonomischen Rangstufen sind von oben nach unten: Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art und entsprechende Unterkategorien (Unterart, Überordnung usw.). Je höher die taxonomische Kategorie, desto weiter zurück liegt der gemeinsame Vorfahr.

Ethologie (Verhaltensbiologie): Sie beschäftigt sich mit dem Verhalten von Tieren und Menschen, analysiert Formen, Ursachen und Gesetzmäßigkeiten arttypischen Verhaltens und untersucht seine physiologischen Grundlagen. Dabei unterscheidet sie zwischen proximaten (Wirk-) Ursachen und ultimaten (Zweck-) Ursachen. Über die Erforschung ultimater Verhaltensursachen bestehen Verbindungen zur Soziobiologie und zur Evolutionsbiologie.

Ökologie (Lehre von den Beziehungen der Lebewesen zu ihrer Umwelt): Die Ökologie ist die Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen (Organismen) untereinander und mit ihrer Umwelt. Der Begriff Umwelt umfasst dabei die Gesamtheit der auf einen Organismus direkt oder indirekt einwirkenden biotischen (durch andere Lebewesen bedingte, z. B. Nahrung, Feinde, Symbionten) und abiotischen (physikalisch-chemische, z. B. Temperatur, Strahlung, Wasser, Wind) Faktoren. Die zu untersuchenden Ebenen teilen die Ökologie je nach Ausgangspunkt der Betrachtung in folgende Gebiete ein:

  • Autökologie untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Individuen (Einzelorganismen) und Umwelt,
  • Demökologie untersucht die Wechselbeziehungen innerhalb einer Population,
  • Synökologie untersucht die Wechselbeziehungen der Lebensgemeinschaft oder Biozönose (aller Organismen) im Lebensraum und
  • Ökosystemforschung dient der Untersuchung von Ökosystemen (Lebensraum + Lebensgemeinschaft).

Die Gesamtheit aller Beziehungen machen den „Haushalt“ der Natur aus. So auch die Wortbedeutung des Begriffes Ökologie: Lehre vom Haushalt (der Natur).

Botanik (Pflanzenkunde): Sie untersucht Bau, Lebensweise, Stammesgeschichte und Verbreitung (Organisation, Lebensfunktionen, Verwandtschaftsverhältnisse und Ökologie) der Pflanzen. Die grundlegende Gliederung der Botanik geht auf ERNST HAECKEL zurück: In der Allgemeinen Botanik stehen der Bau der Organismen sowie Bau und Funktion der pflanzlichen Organe im Mittelpunkt (Morphologie, Anatomie, Physiologie); die Spezielle Botanik untersucht die Abweichungen vom Allgemeinen, d. h. die systematischen Gruppen des Pflanzenreichs (Systematik), ihre baulichen Besonderheiten und ihre Verbreitung (Geobotanik).
Früher wurden alle Lebewesen den zwei Reichen „Tiere“ (Animalia) und „Pflanzen“ (Plantae) zugeordnet. Dabei waren Pflanzen eher als „Nicht-Tiere“, denn als eigenständige Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen definiert: Bakterien, einzellige und vielzellige Algen, Schleimpilze und Niedere und Höhere Pilze einschließlich der Flechten wurden dazu gerechnet. Bei einzelligen Eukaryoten war das Kriterium der Besitz von Chloroplasten. Heterotrophe Einzeller zählte man als „Protozoen“ zum Tierreich. Lebewesen, wie die Augengeißler, bei denen heterotrophe und autotrophe Formen in einer Gattung und manchmal sogar in einer Art vorkommen, fanden sich sowohl im botanischen als auch im zoologischen System.
Relativ eigenständige Bereiche innerhalb der Botanik oder Phytologie sind die Bryologie (Mooskunde) und die Pteridologie (Farnkunde).

Zoologie (Tierkunde): Sie untersucht Bau, Lebensweise, Stammesgeschichte und Verbreitung der tierischen Organismen. Die allgemeine Zoologie untersucht in erster Linie den Bau der Organismen sowie Bau und Funktion ihrer Organe (Morphologie, Anatomie, Physiologie, Embryologie).
Die spezielle Zoologie untersucht die Stellung der Sippen im System, beschreibt und ordnet die Tierarten in Gruppen (Taxa) nach der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft (Phylogenetik) und betrachtet die Vergesellschaftung und Verbreitung der Tiere (Systematik, Angewandte Zoologie, Tiergeografie).
Die angewandte Zoologie befasst sich mit den für Menschen nützlichen (Nutztiere) bzw. schädlichen Tieren (Schädlinge), mit dem Ziel, ihren Nutzen zu mehren und ihren Schaden zu mindern (z. B. biologische Schädlingsbekämpfung). Zur Angewandten Zoologie gehören: Tierzüchtung, Jagd, Fischereibiologie, Teichwirtschaft, Abwasserbiologie und alle Bereiche, die der Human- und Veterinärmedizin dienen.
Eine Einteilung der Zoologie in bestimmte Fachgebiete kann schließlich auch nach den systematischen Gruppen vorgenommen werden z. B. in: Entomologie (Insektenkunde), Ornithologie (Vogelkunde), Herpetologie (Amphibien- und Reptilienkunde) u.a.

Humanbiologie (Menschenkunde): Diese Teildisziplin untersucht alle den Menschen betreffenden biologischen Fragen wie Bau und Funktion der Organe und Organsysteme (Stoff- und Energiewechsel, Reizaufnahme, Reizreaktion, Fortpflanzung, Vererbung) sowie Stammes- und Individualentwicklung (Embryonalentwicklung, Ontogenese). Ziel dabei ist es, die menschliche Vielfalt zu erfassen und deren Ursachen unter dem Einfluss der geografischen und sozialen Umwelt zu erforschen und zu verstehen. Kenntnisse über die biologische Natur des Menschen ermöglichen ein besseres Selbstverständnis und können darauf beruhend Verhaltensweisen fördern, die zum Schutz des einzelnen Menschen wie auch der menschlichen Gemeinschaft beitragen.
Während die Humanbiologie teilweise nicht als eigentliche Forschungsdisziplin sondern eher als Lehrfach angesehen wird, beschäftigt sich die Anthropologie mit der umfassenden Erforschung des Menschen, die auch kultur- und geisteswissenschaftliche Aspekte einbezieht (Kulturanthropologie, Sozialanthropologie, pädagogische Anthropologie usw.).

Mykologie (Pilzkunde): Sie untersucht Bau, Lebensweise, Stoffwechsel, Verbreitung, Ökologie, Systematik und Geschichte der Pilze sowie in Spezialdisziplinen u.a. krankheitserregende Pilze und den technischen Einsatz von Pilzen zur Herstellung einer ganzen Reihe organischer Verbindungen.

Phycologie (Algenkunde): Sie bafasst sich mit der Biologie der Algen. Aus traditionellen Gründen werden von der Phycologie meist auch die prokaryotisch organisierten Cyanobakterien behandelt.

Mikrobiologie (Kleinorganismenkunde): Sie erforscht Bau, Lebensweise, Verbreitung und Bedeutung der Viren (keine echten Lebewesen) und Kleinlebewesen (Mikroorganismen wie Archäen, Bakterien, Einzeller, Kleinpilze und wenigzellige Algen), die in der Regel mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Sie haben besondere Bedeutung für den Stoffkreislauf in den Ökosystemen und als Krankheitserreger bei Menschen, Tieren und Pflanzen

Titannachbildung des menschlichen Körpers

Titannachbildung des menschlichen Körpers

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

Lexikon Share
Beliebte Artikel
alle anzeigen

Einloggen