Beziehungen zu den Geisteswissenschaften

Der Physiker und Dichter CHARLES PERCY SNOW prägte den Begriff der „zwei Kulturen“. Damit wies er auf die tiefe Kluft hin, die sich zwischen Geisteswissenschaften und Kunst einerseits und den modernen Naturwissenschaften andererseits entwickelt hatte. Geisteswissenschaftler oder „Kultur“-Wissenschaftler werfen den Naturwissenschaften häufig eine reduktionistische Sichtweise vor, die alleine auf eine Beherrschung und Instrumentalisierung der Natur zielt. Umgekehrt gelten Geisteswissenschaftler bei Naturwissenschaftlern oft als fortschrittsfeindlich und weltfremd. Allerdings ist heute unumstritten, dass die Erkenntnisse der Naturwissenschaften einen starken Einfluss auf Gesellschaft, Kultur und Politik haben. Die Entwicklung, die auch als „Globalisierung“ gekennzeichnet wird, ist eine Folge von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ihren technischen Anwendungen.

Dabei fehlt es nicht an Versuchen, die beiden Kulturen zusammenzuführen. Der Biologe EDWARD O. WILSON (geb. 1929) betont die große Übereinstimmung allen Wissens („Consilience“ 1998), die seiner Meinung nach von den Sozialwissenschaften zu wenig anerkannt wird. Er sieht in der Neurobiologie die Brücke zu den Geisteswissenschaften, die in der Zukunft zu einer Vereinheitlichung des Wissens und der wissenschaftlichen Grundannahmen führen wird.
Die Ergebnisse moderner Naturwissenschaften, insbesondere auch der Biowissenschaften, führen zu neuartigen ethischen Fragen und Problemen. Gentechnik und Reproduktionstechnik sind Gegenstand von Ethikkommissionen und Gesetzgebungsverfahren. Eine eigene „Bioethik“ beginnt sich zu etablieren.

Auch die Erkenntnisse der Ökologie haben zu einer Bewegung geführt, die schon in den sechziger und siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts den Rahmen der Naturwissenschaften verlassen hat (Biopolitik). Die Bewahrung der Biosphäre um des Menschen und um ihrer selbst willen gilt als Menschheitsziel, das nur erreicht werden kann, wenn Ökologie, Ökonomie und Soziologie zusammenwirken. Gefordert wird – insbesondere seit dem UNESCO-Weltgipfel von Rio 1992 – eine Politik, die nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Diese Forderung nach Nachhaltigkeit gründet sich auf dem moralischen Grundsatz, dass die heutige Menschheit auch die Verantwortung für das Wohlergehen zukünftiger Generationen hat.

Die biologische Vielfalt (Biodiversität) ist das Markenzeichen des Lebens. Die gesamte Artenvielfalt wird auf mindestens 5–10 Millionen Arten geschätzt, das entspricht etwa dem Dreifachen bisher beschriebener Organismen. Zum Teil liegen die Schätzungen aber um ein Vielfaches höher. Der Insektenforscher T. ERWIN nimmt sogar eine globale Artenzahl von 30 Millionen Arten an. Mittlerweile gilt die Bewahrung dieser Biodiversität als Menschheitsziel, dessen Begründung auch außerhalb der Naturwissenschaften gesucht wird.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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