Ringelwürmer

Vielborster haben ihren Namen von den zahlreichen Borsten, die an jedem Segment als Stützelemente und der Fortbewegung dienen.
Vertreter: Grüner Meerringelwurm (Nereis virens), Kiemenringelwurm (Scoloplos), Sandpierwurm (Arenicola marina).
Vielborster leben bis auf wenige Ausnahmen im Meer. Der Nahrungserwerb ist unterschiedlich. Einige Formen sind Jäger (sie besitzen Augen), andere sind Aas- und Substratfresser, wieder andere filtrieren ihre Nahrung aus dem umgebenden Wasser (Planktonfresser).

Wenigborster leben im Meer, im Süßwasser oder auf dem Land. Zu ihnen gehören die Regenwürmer und die Tubifex-Arten (Schlammröhrenwurm), die oft als Fischfutter verwendet werden.
Die Wenigborster sind meist Zwitter, die sich jedoch wechselseitig begatten. Die Befruchtung und Entwicklung der Eier findet in Konkons statt, die die Tiere aus Schleim bilden. Einige Arten (Tubifex) vermehren sich auch ungeschlechtlich durch Teilung und Abschnürung.
Die meisten Vertreter der Wenigborster sind Substratfresser (Destruenten), daher wichtig für das ökologische Gleichgewicht.

Egel sind durch ihre zwei Saugnäpfe an den Körperenden gekennzeichnet. Zu ihnen gehört der Hundeegel, Große Schneckenegel und Blutegel. Sie leben im Wasser oder in Feuchtgebieten. Viele leben schmarotzend als Außenparasiten oder ernähren sich von Kleintieren (Krebse, Schnecken usw.). Am bekanntesten ist der Medizinische Blutegel, der in der Medizin für therapeutische Zwecke eingesetzt wird und dazu am Menschen Blut saugen darf. Während des Saugvorgangs gelangen gesundheitsfördernde Stoffe des Egels in den menschlichen Blutkreislauf.

Merkmale der Ringelwürmer
Typisches Ringelwurm-Merkmal ist die Segmentierung des Körpers, die aber bei einigen spezialisierten Arten auch teilweise verloren gegangen ist. Ringelwürmer sind im Grundaufbau lang gestreckte, wirbellose Tiere, deren Körper zylinderförmig oder abgeplattet ist sowie außen und innen Segmente (Ringe) aufweist. Sie bewegen sich mithilfe von Borsten (z. B. Regenwurm) oder Saugnäpfen (z. B. Blutegel) fort. Ringelwürmer leben im Boden, im Süßwasser und im Meer (z. B. Sandpierwurm).

Der langgestreckte Körper kann meist in drei Regionen unterteilt werden: Kopfende, Rumpf unterteilt in meist gleichförmige Ringe (Segmente) und Hinterende.
Der Körper besteht aus einem Hautmuskelschlauch mit Längs- und Ringmuskeln. Die feuchte Haut enthält viele Drüsen, die Schleim abgeben.
Das Blutgefäßsystem ist geschlossen, es verläuft in Längsrichtung und besteht aus einem Rücken- und einem Bauchgefäß. Die Gefäße stehen durch Ringgefäße in jedem Segment miteinander in Verbindung, das Rückengefäß ist kontraktil und wirkt als Herz.
Das Nervensystem befindet sich auf der Bauchseite, es zeigt meist eine Strickleiterform, wobei in jedem Segment zwei Anhäufungen von Nervenzellen (Ganglien) zu finden sind. Im Kopfbereich befindet sich das Nervenzentrum, hier sind besonders viele Nervenzellen angehäuft (Schlundganglien), die auch mit den Sinneszellen in Kontakt stehen.
Der röhrenförmige Darm durchzieht den Körper längs, vom Mundende im Kopfbereich bis zum After am Hinterende. Die Ausscheidungsorgane werden Nephridien genannt, die ursprünglich in jedem Segment paarweise vorhanden sind. (Sie haben eine ähnliche Aufgabe, wie unser Nieren-Blasen-System.)
Die Fortpflanzung der Ringelwürmer ist vielgestaltig. Man findet zwittrige und geschlechtliche Fortpflanzung, innere und äußere Befruchtung, lebend gebärende Arten, Kokon bildende Arten, Larvalentwicklung (Trochophora-Larve), Sprossung und Generationswechsel. Je nach Lebensweise haben sich passende Formen der Fortpflanzung herausgebildet.
Ringelwürmer leben an Land, im Süßwasser oder Meer. Sie sind weltweit verbreitet. Die im Wasser lebenden Arten haben meist Kiemen ausgebildet, auf dem Land erfolgt die Atmung durch die Haut (Hautatmer).

Als bekanntestes Beispiel der Ringelwürmer wird hier der Regenwurm genauer vorgestellt.

 

Gemeiner Regenwurm

Der Regenwurm

Körpergliederung und Bau

Betrachtet man einen Regenwurm, so erkennt man, dass er einen lang gestreckten, walzenförmigen und weichen Körper hat, der am Vorder- und Hinterende zugespitzt ist. Er besitzt eine nackte, dünne und schleimige Haut.

Der Körper gliedert sich in eine Vielzahl (bis zu 180) fast gleichförmiger Ringe. Regenwürmer werden deshalb den Ringelwürmern zugeordnet.
Jeder Körperring, Segment genannt, besitzt vier Paar kurze, steife Borsten.
Die äußere Gliederung (Segmentierung) des Regenwurms setzt sich nach innen fort. Querwände grenzen die einzelnen Ringe voneinander ab. Der Darm durchzieht den gesamten Körper von der Mundöffnung bis zum After als gestrecktes Rohr. Das Blut fließt in einem Blutgefäßsystem, das aus einem Rücken- und einem Bauchgefäß besteht. Diese sind durch Ringgefäße miteinander verbunden. Ein solches System wird als geschlossener Blutkreislauf bezeichnet.

Auf der Bauchseite verläuft ein starker Nervenstrang (Bauchmark) durch den Körper. Seine Form erinnert an eine Strickleiter. Die Biologen sprechen deshalb von einem Strickleiternervensystem.

Jeder Ring enthält ein Paar trichterförmige Ausscheidungsorgane, die überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper befördern.

Unter der äußeren Haut liegt der Hautmuskelschlauch. Dieser besteht aus je einer Schicht Ring- und Längsmuskeln.

Bau des Regenwurms (längs und quer)

Fortbewegung

Der Regenwurm bewegt sich kriechend fort. Verantwortlich für die kriechende Fortbewegung des Regenwurms ist sein Hautmuskelschlauch.

Durch Zusammenziehen der Ringmuskeln wird der Körper gestreckt, er wird dünn. Dabei Erschlaffen die Längsmuskeln. Anschließend ziehen sich die Längsmuskeln zusammen und die Ringmuskeln erschlaffen. Der Regenwurm wird an dieser Stelle dicker und zieht den Körper nach. Durch dieses abwechselnde Zusammenziehen und Erschlaffen der Muskeln entsteht eine wellenförmige Bewegung, die dem gliedmaßenlosen Tier ein Vorwärtskriechen ermöglicht.

Die Borsten unterstützen die Fortbewegung, indem sie sich im Boden festhalten und ein Zurückgleiten verhindern.

Atmung

Tagsüber halten sich die Regenwürmer im kühlen und feuchten Erdboden auf. Sie meiden also Sonne und Trockenheit. Der hohe Feuchtigkeitsbedarf der Regenwürmer hängt mit ihrer Atmung zusammen.

Der Regenwurm hat kein besonderes Atmungsorgan. Die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlenstoffdioxid erfolgen durch die dünne, feuchte und schleimige Haut. Er ist ein Hautatmer. Starke Sonneneinstrahlung würde seine Haut austrocknen und sie für die Atemluft unpassierbar machen. Er müsste ersticken. Deshalb kommt er meist nur nachts zur Nahrungssuche aus seinen selbst gegrabenen Erdröhren und lebt tagsüber im feuchten Boden. Er ist ein Feuchtlufttier und gut an das Leben im Boden angepasst.

Kriechbewegung beim Regenwurm

Die Fortpflanzung

Der Regenwurm besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Er ist ein Zwitter.

Zur Fortpflanzung müssen sich jedoch immer zwei Tiere paaren, denn es erfolgt stets eine wechselseitige Begattung. Dabei legen sich zwei geschlechtsreife Tiere mit den Vorderenden an einer rot gefärbten ringförmigen Verdickung, dem Gürtel, aneinander und tauschen Samenzellen. Die Samenzellen werden in Samentaschen im Inneren des Körpers aufbewahrt.

Sind die Eizellen reif, sondert der Gürtel Schleim ab und bildet somit eine schützende Hülle, die wie eine Manschette den Körperabschnitt umgibt. Nun windet sich der Regenwurm aus der Schleimhülle heraus, dabei findet die Befruchtung statt. Die Schleimhülle erhärtet an der Luft, sie wird zu einem Kokon.

Aus den befruchteten Eizellen entwickeln sich kleine Regenwürmer. Die Entwicklungsdauer ist u. a. von der Bodentemperatur abhängig. Sie dauert in unseren geografischen Breiten etwa drei bis vier Wochen.

Der Regenwurm ist in der Lage, ein z. B. durch einen Spatenstich abgetrenntes Hinterteil zu ersetzen. Die Biologen sprechen von Regeneration. Die Regeneration ist nur möglich, weil in jedem Ring alle lebenswichtigen Organe vorhanden sind.

Reaktion auf Umwelteinflüsse

Der Regenwurm besitzt keine Augen. Trotzdem kann er hell und dunkel unterscheiden. Verantwortlich dafür sind lichtempfindliche Zellen, die über die gesamte Körperoberfläche verteilt sind, am Kopfende jedoch besonders dicht beieinanderliegen. Diese lichtempfindlichen Zellen stehen mit dem Gehirn und dem Strickleiternervensystem in Verbindung.

Sobald der Regenwurm tagsüber an die Erdoberfläche gelangt, nehmen die Lichtsinneszellen die Lichtunterschiede wahr. Er kriecht wieder ins Dunkle zurück.

Der Regenwurm ist auch in der Lage, Berührungen und Erschütterungen wahrzunehmen. Er zieht sich daraufhin ebenfalls sofort in seine Erdröhre zurück.

Paarung des Regenwurms
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