Eilhard Alfred Mitscherlich

1. Die Zeit, in der er lebte

EILHARD ALFRED MITSCHERLICH lebte im 19. Jahrhundert in Deutschland. Wirtschaft und Wissenschaften erfuhren großen Aufschwung. Gegen Ende des 19. Jh. begann die chemische Industrie sich zu entwickeln.

2. Lebenslauf

EILHARD ALFRED MITSCHERLICH (Bild 1) wurde am 07. 01. 1794 in Neuende in Ostfriesland geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Ostfriesland. Nach der Schulzeit begann er in Göttingen, Medizin zu studieren. 1818 ging er nach Berlin, um sein in Göttingen begonnenes Medizinstudium fortzusetzen. Durch seine Bekanntschaft mit dem Berliner Chemiker HEINRICH FRIEDRICH LINK wurde sein Interesse an experimentellen Untersuchungen geweckt. Die Wissenschaftler befassten sich mit der geometrischen Kristallvermessung und -beschreibung.

Schon 1818 veröffentlichte EILHARD ALFRED MITSCHERLICH seine Abhandlung über die Isomorphie der Kristalle, in der er beschreibt, dass verschiedene Stoffe die gleiche Kristallstruktur aufweisen können (Bild 2).

Nur wenige Jahre später definierte der Chemiker den Begriff Polymorphie der Kristalle“, d. h. dass ein und dieselbe chemische Substanz in unterschiedlicher Weise kristallisieren kann, was z. B. bei den von ihm entdeckten Modifikationen des Schwefels der Fall ist.
1824 konstruierte er ein sehr genau arbeitendes Goniometer, ein Gerät, mit dem Kristallstrukturen untersucht werden.

Die Kristallgitter von Natriumchlorid und Magnesiumoxid gehören zum selben Strukturtyp.

Die Kristallgitter von Natriumchlorid und Magnesiumoxid gehören zum selben Strukturtyp.

Bis Mitte der zwanziger Jahre klärte er die Struktur vieler organischer Verbindungen auf, u. a. der Milchsäure, der Harnsäure und der Hippursäure (Bild 3). Auch den Aufbau anorganischer Verbindungen, z. B. der Manganate und der von ihm 1827 entdeckten Selensäure, erforschte und klärte MITSCHERLICH.

1825 wurde MITSCHERLICH zum Professor für Chemie an die Berliner Universität berufen. Zugleich lehrte er als Professor für Physik und Chemie an der Militärakademie.
In den Jahren 1829 und 1830 wurde sein zweibändiges „Lehrbuch der Chemie“ veröffentlicht und fand schnell große Anerkennung.

1831 veröffentlichte der Wissenschaftler seine Untersuchungsergebnisse über die Struktur von Permanganaten und stellte eine neue Nachweismethode für das Element Phosphor vor, den „Mitscherlich-Test“, mit dem Phosphorvergiftungen erkannt werden können. Dabei wird der Mageninhalt vergifteter Personen mit Wasserdampf destilliert, und enthaltener weißer Phosphor wird aufgrund seiner Chemolumineszenz sichtbar.

1833 gelang es ihm, Benzen (Benzol) herzustellen. Dazu destillierte er in einer trockenen Destillation, d. h. ohne Lösungsmittel Benzoesäure mit Calciumhydroxid.

Von Mitscherlich entdeckte Strukturen verschiedener Stoffe.

Von Mitscherlich entdeckte Strukturen verschiedener Stoffe.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich der Chemiker zunehmend mit organischen Verbindungen. Dabei entdeckte er den Zucker „Trehalose“ und nannte ihn „Mykose“.
MITSCHERLICH erklärte die Inversion des Rohrzuckers d. h. von Saccharose. Bei der hydrolytische Spaltung von rechtsdrehender Saccharose entstehen die Spaltungsprodukte Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose, Bild 4). Dabei ist die gebildete Fructose linksdrehend.
1842 wurde EILHARD MITSCHERLICH mit dem „Pour le mérite für Wissenschaft und Künste“ geehrt.
Bis 1854/55 war er als Rektor der Berliner Universität tätig.

EILHARD ALFRED MITSCHERLICH starb am 28. 08. 1863 in Schöneberg (Berlin).
Er besaß als Kristallograf und Chemiker internationalen Ruf. Er ist der Vater von ALFRED EILHARD MITSCHERLICH, der als Chemiker das Sulfitverfahren zur Gewinnung von Zellstoff aus Holz verbesserte, und Großvater von MAX EILHARD ALFRED MITSCHERLICH, einem Bodenkundler und Agrarwissenschaftler, der das „Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs“ formulierte.

3. Bedeutende Leistungen

Werke (Auswahl):

„Über das Verhältnis zwischen der chemischen Zusammensetzung und der Kristallform arsensaurer und phosphorsaurer Salze“ (Abhandlung zur Isomorphie) 1821;
„Lehrbuch der Chemie“ (1829)
Inversion von Rohrzucker

Inversion von Rohrzucker

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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