August von Hofmann

Die Zeit in der er lebte

AUGUST WILHELM VON HOFMANN wurde in eine Zeit großer politischer Veränderungen hinein geboren. Die Französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts hatte ein erfolgreiches Ende genommen und beeinflusste auch die Entwicklung anderer europäischer Länder.

Die industrielle Produktionsweise setzte sich schrittweise durch, Fabriken und neue Maschinen entstanden. Es entwickelten sich neue Methoden im Bergbau und Hüttenwesen.
1825 entsteht das erste deutsche Gaswerk.

Ab 1810 fuhren Dampfschiffe und die Eisenbahn wurde als neues Transportmittel entdeckt. Ab 1835 war die 1. Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth in Betrieb, vier Jahre später folgte die Strecke Leipzig - Dresden.

Es entstehen neue Industriezweige, darunter der Maschinenbau, der Bohrmaschinen, Drehbänke und Pressen produziert.
Das 1856 entwickelte BESSEMER-Verfahren zur Stahlherstellung wird 1861 eingeführt. Das BESSEMER-Verfahren von 1861, das SIEMENS-MARTIN-Verfahren von 1869 sowie das 1878 eingeführte THOMAS-Verfahren bewirkten große Veränderungen in der Eisenindustrie und ermöglichte die Herstellung neuer und besserer Maschinen.

Tief greifende Veränderungen gibt es in der Landwirtschaft, wo die Dampfdreschmaschine und der Dampfpflug zur Verfügung stehen. Dank LIEBIGs Entwicklung der künstlichen Düngemittel können die Erträge erheblich gesteigert werden.

1866 folgte die Entwicklung des elektrodynamischen Prinzips durch WERNER SIEMENS. Dieses ermöglichte, dass elektrischer Strom durch Hochspannungsleitungen geführt werden konnte (ab 1882).
Ein neuer Industriezweig entstand, die Elektroindustrie, welche Elektromotoren, Dynamomaschinen, Kabel, Schaltanlagen, Glühlampen u. a. herstellte.

Ab 1885 entwickelte sich die Automobilindustrie, wobei CARL BENZ das erste Automobil mit einem Gasmotor betrieb. Der erste Dieselmotor war 1897 serienreif.

Lebenslauf

AUGUST WILHELM VON HOFMANN wurde am 8. August 1818 in Gießen geboren. Sein Vater war Baumeister.

1836 begann HOFMANN zunächst ein Jurastudium. Diese war ihm aber wohl zu trocken, denn er wechselte zur Chemie.
Unter JUSTUS VON LIEBIG beendete er sein Chemiestudium in Gießen und promovierte 1843 als dessen Assistent.
Bereits in seiner ersten Dissertation beschäftigte sich HOFMANN mit den flüchtigen Basen des Steinkohlenteer s. Hierbei gelang es ihm erstmalig, Anilin nachzuweisen.
Gleichzeitig erkannte er, dass Anilin schon früher bekannt und in der Literatur erwähnt wurde, allerdings unter vielen verschiedenen Namen.
Zwei Jahre später konnte er Anilin aus Nitrobenzen und Zink mit Salzsäure herstellen und noch im gleichen Jahr gelang es ihm, das Salz des Anilins zu bilden.

1845 wurde HOFMANN als Privatdozent für Chemie an die Universität in Bonn berufen.
Hier blieb er jedoch nicht lange, denn noch im gleichen Jahr ging er als Professor an das „ Royal College of Chemistry“ in London.
Aus Steinkohlenteer isolierte HOFMANN 1845 Benzol (Benzen) und synthetisierte daraus Nitrobenzol (Nitrobenzen). Aus Nitroluol (Nitroluen) stellte er Toluidin her.

Im Jahr 1850 fand HOFMANN die tetraalkylierten Ammoniumbasen. Diese leitete er, zumindest theoretisch, vom Ammoniak ab, wobei der Wasserstoff durch verschiedene Alkylreste ersetzt werden sollte.
Der Nachweis primärer Amine gelang HOFMANN mit der Isonitrilreaktion, die auch heute noch Hoffmannsche Isonitrilreaktion genannt wird.

Durch den nach ihm benannten HOFMANN-Abbau quartärer Ammoniumsalze, gelang es HOFMANN 1851 tertiäre Amine herzustellen.
Gemeinsam mit HUNT gewann HOFMANN 1851 aus Anilin und salpetriger Säure Phenol.
Bei der Reaktion salpetriger Säure mit kettenförmige Aminen, (von HOFMANN als „aliphatische Verbindungen“ bezeichnet) entstanden verschiedene Alkohole.
1857 arbeitete HOFMANN mit CAHOURS zusammen und gemeinsam konnten sie erstmalig ungesättigte Alkohole herstellen.

1862 gelang es ihm, aus Fuchsien die Farbstoffe Chrysanilin, Rosanilin und Leukanilin zu gewinnen. Ein Jahr später synthetisierte er Triphenylrosanilin sowie HOFMANNS Violett.
Mit seiner Entdeckung der Anilinfarbstoffe, die von seinen Schülern fortgesetzt wurde, schuf HOFMANN wichtige Voraussetzungen für Entwicklung der industriellen Herstellung von Anilinfarbstoffen.

Fast 20 Jahre blieb HOFMANN in London, erst 1864 kehrte er nach Deutschland als ordentlicher Professors für Chemie an der Universität in Bonn zurück.
Ein Jahr später trat er die Nachfolge MITSCHERLICHs an der Universität zu Berlin an. Und zwei Jahre später erfolgte unter HOFMANNS Leitung die Gründung der Deutschen Chemischen Gesellschaft.

1865 machte HOFMANN verschiedene Atommodelle allgemein bekannt und führte die Endungen -an, -en und -in für Einfach-, Doppel- und Dreifachbindungen in die Nomenklatur organischer Stoffe ein.

1868 verbesserte HOFMANN das Verfahren zur Dampfdichtebestimmung und konstruierte den nach ihm benannten HOFMANNschen Wasserzersetzungsapparat.
1869 oxidierte HOFMANN Methanol an glühendem Platin und erhielt Formaldehyd (Methanal).

1872 synthetisierte er gemeinsam mit GEYER die Safranine und klärte ihre chemische Konstitution.

1881 fand HOFMANN den nach ihm benannten HOFMANNschen Säureamidabbau. Hierbei handelt es sich um eine Methode der Methylierung von Säureamiden zu Aminen.
1884 gelang es ihm, Amine mittels Brom und Alkali zu Nitrilen umzusetzen.

AUGUST WILHELM VON HOFMANN starb am 5. Mai 1892 in Berlin.

Bedeutende Leistungen

  • Erforschung der Aniline und Anilinfarben als Voraussetzung für die Entwicklung der Farbstoffindustrie auf Anilinbasis
  • Verfahren zur Bestimmung der Dampfdichte
  • HOFMANNscher Wasserzersetzungsapparat
  • Endungen -an, -en und -in für Einfach-, Doppel- und Dreifachbindungen
  • Erstmalige Synthese ungesättigter Alkohole
  • Synthese von Phenol

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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