Buddenbrooks

Die „Buddenbrooks“ ist einer der erfolgreichsten und meist übersetzten deutschsprachigen Romane. Er erschien 1900 und brachte seinem 25-jährigen Verfasser frühen Weltruhm, der sich in diesem Maße bei keinem seiner Werke wiederholte.

Der in Lübeck geborene THOMAS MANN war 1894 nach der Mittleren Reife von seiner Geburtsstadt aus nach München gezogen, wo die Mutter seit dem Tod des Vaters und der Auflösung der Familienfirma lebte. Das väterliche Erbe ermöglichte THOMAS MANN ein Dasein ohne den Zwang bürgerlichen Erwerbslebens, er konnte sich seinen literarischen Interessen widmen. 1896 begab er sich zusammen mit seinem älteren Bruder HEINRICH auf eine anderthalbjährige Kulturreise nach Italien. Hier, in geographischer Ferne zu Deutschland, begann er sich endgültig als Schriftsteller zu betätigen.

Seine ersten Erzählungen

  • „Der kleine Herr Friedemann“,
  • „Tobias Mindernickel“,
  • „Der Bajazzo“,
  • „Der Tod“,
  • „Luischen“

erschienen 1897 und 1898 in den Münchner Zeitschriften „Simplicissimus“ und „Neue deutsche Rundschau“, ein Novellenband im Verlag von SAMUEL FISCHER war in Vorbereitung.
1897 begann THOMAS MANN in Rom mit der Niederschrift der „Buddenbrooks“. Vorausgegangen waren gemeinsam mit dem Bruder unternommene Recherchen zur Familiengeschichte und zum Getreidehandel.

Novelle oder Roman?

Eigentlich hatte THOMAS MANN sich auf die Geschichte der letzten Generation des Kaufmannsgeschlechts konzentrieren wollen, auf die sensible Künstlernatur des „Spätlings“ Hanno und die gebrochene Figur des Senators Thomas Buddenbrook, Hannos Vater. Eine Künstlernovelle hatte es werden sollen, also seine eigene Geschichte, das eigene Künstlertum und das Ende der patrizischen Traditionslinie der Familie beschreibend. Nach seiner Aussage nahm aber die Vorgeschichte der früheren Generationen während der Arbeit immer größeren Raum ein, entwickelte ein Eigenleben und wuchs so zu einem gewichtigen Teil des Romans an. Nach THOMAS MANNs Auffassung war es diese Erweiterung zur Familiensaga, die dem Roman seinen ungewöhnlich großen und andauernden Erfolg bescherte. Ihm war ein großer Gesellschaftsroman gelungen,

„ein Stück Seelengeschichte des europäischen Bürgertums“,
(Mann, Thomas: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, Band XI, Frankfurt Main, S. Fischer Verlag, 1974, S. 384)

die Beschreibung des Untergangs eines patrizischen Kaufmannsgeschlechts inmitten der Konkurrenz spätkapitalistischer Emporkömmlinge bei gleichzeitiger Verfeinerung, zunehmender Sensibilität und Lebensuntüchtigkeit seiner Protagonisten.

Handlungszeit

Der Roman spielt von 1835 bis 1877, seine Handlung umfasst 42 Jahre und damit die Geschichte von vier Generationen.

Erster Teil

Die Eingangsszene beschreibt ein Essen im Hause des alten Johann Buddenbrook, dem mit 70 Jahren ältesten Vertreter der Familie. Er ist ein nüchterner Geschäftsmann mit klaren, rationalen Grundsätzen. Verheiratet ist er in zweiter Ehe mit Antoinette, die aus wohlhabender französisch-schweizerischer Familie stammt. Man spricht in seinem Hause gleichermaßen Französisch und Plattdeutsch und lebt eine ungezwungene Mischung aus Eleganz, Wohlhabenheit und norddeutscher Bodenständigkeit. Zum Essen erscheint, neben bedeutenden Lübecker Persönlichkeiten, auch sein Sohn Johann, der Konsul Buddenbrook, mit seiner Frau Elisabeth (Bethsy) und den drei Kindern Tony, Thomas und Christian. Somit treten die zentralen Figuren des Romans, mit Ausnahme des kleinen Hanno, bereits in der ersten Szene auf. Im Unterschied zu seinem Vater ist Johann Buddenbrook der Jüngere ein tief religiöser Mensch, er hat nichts von der heiteren, sachlichen Natur seines Vaters. Er wird als nervöser, ernster und frommer Pietist beschrieben, der die Pflicht, die äußeren Formen, zur Schau getragene Wohlanständigkeit und Sparsamkeit herauskehrt, dabei jedoch über einen ausgeprägten Geschäftssinn verfügt. Die Kinder werden in ihren wesentlichen Charakterzügen vorgestellt, die auch ihr weiters Leben bestimmend bleiben: die muntere, eitle Tony (8 Jahre), Christian (7 Jahre), „ein wenig Tausendsassa“, „witzig und brillant veranlagt“ und Thomas (10 Jahre), „ein solider und ernster Kopf“.

Zweiter Teil

Im zweiten Teil der Romans, der zweieinhalb Jahre später einsetzt, kommt die Familienchronik ins Spiel. Der Konsul Buddenbrook blättert darin, als er die Geburt seines vierten Kindes, der Tochter Clara, einträgt. Zu erfahren ist in dieserRückblende etwas über die Vorfahren, die mecklenburgischen Handwerker und Händler aus Parchim, Grabau und Rostock, die es in Lübeck mit Getreidehandel zu angesehenem Patriziertum brachten. Im Weiteren geht es um die heranwachsenden Kinder, die selbstsichere, standesbewusste und elegante Tony, ihren verständigen Bruder Thomas, der zum Kaufmann und künftigen Firmeninhaber bestimmt ist, und um den launenhaften Christian, der perfekt die Lehrer parodieren kann. Thomas tritt mit 16 Jahren in die Firma ein und wächst zur Zufriedenheit seines Vaters in seine künftigen Aufgaben hinein. Tony gibt Anlass zur Sorge, denn man sah sie allein mit einem Gymnasiasten spazieren gehen. Sie wird daraufhin in das Internat von Fräulein Therese (Sesemi) Weichbrodt gegeben. Christian entwickelt sich früh zu einem allzu eifrigen Theatergänger mit einer Schwäche für Schauspielerinnen. Der alte Buddenbrook stirbt wenige Monate nach seiner Frau, der Konsul Johann Buddenbrook ist nun das Oberhaupt der Firma.

Dritter Teil

Der dritte Teil beginnt nach einem Zeitsprung von drei Jahren. Dieses Kapitel ist fast ausschließlich Tony gewidmet. Sie ist mittlerweile 18 Jahre alt und soll verheiratet werden. Die Eltern haben für sie Bendix Grünlich, einen Geschäftsfreund des Vaters ausgesucht. Dieser Mann ist 14 Jahre älter als sie und löst in ihr heftigen Widerwillen aus. Grünlich redet den Eltern zu Munde und zeigt sich als Mann von vollendeten Manieren, doch Tony durchschaut ihn vom ersten Augenblick:

„Er sagte dir, Mama, und dir, Papa, nur, was ihr gern hört, um sich bei euch einzuschmeicheln!“
(alle Zitate aus: Mann, Thomas: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft, o.J., hier: S. 96)

Der Vater tut ihre Einwände ab:

„Genug … er ist ein christlicher, tüchtiger, tätiger und feingebildeter Mann …“ (ebenda, S. 96)

Mit diesem Urteil scheint Johann Buddenbrook alle Menschenkenntnis verlassen zu haben.
Obgleich Tony eine unüberwindliche Abneigung gegen Grünlich empfindet, lässt sie sich von ihren Eltern doch drängen.

„Sie war sich ihrer Verpflichtungen gegen die Familie und die Firma wohl bewusst, und sie war stolz auf diese Verpflichtungen. … und die als Tochter des Konsuls Buddenbrook wie eine kleine Herrscherin umherging, war von der Geschichte ihrer Familie durchdrungen …“ (ebenda, S. 102)

Das Werben des verabscheuten Mannes bringt sie jedoch in einen verzweifelten Zustand, sodass ihre Eltern sie zur Erholung nach Travemünde schicken. Dort verliebt sie sich in den Sohn des Lotsenkommandeurs Morten Schwarzkopf, einen Medizinstudenten und Burschenschaftler. Doch nach dem Protest Grünlichs, den Tony nach wie vor abweist, sorgen sowohl Vater Schwarzkopf als auch Vater Buddenbrook für die Trennung der beiden jungen Leute, deren Verbindung nicht standesgemäß wäre. Letztlich ist es Tony selbst, die ihre Verlobung in der Familienchronik notiert. Nur so, mit der Verpflichtung gegenüber der Familie kann sie sich zu dieser Heirat motivieren. Grünlich handelt die Mitgift aus, es wird geheiratet und Tony geht mit Grünlich nach Hamburg.

Vierter Teil

Am Beginn des vierten Teils stehen ein Brief Tonys an die Eltern, in dem sie ihre Schwangerschaft mitteilt, und ein Brief Johanns an seinen Sohn Thomas, der in Amsterdam zur Ausbildung weilt. In die Zeitspanne des vierten Teils fällt die Revolution von 1848. Der Geist des Umbruchs berührt auch Lübeck. Es erweist sich bald, dass Grünlichs Geschäft am Ende ist, dass er den Konsul über seine wahren finanziellen Verhältnisse im Unklaren ließ und Tonys Mitgift erschlichen hat, um wieder auf die Beine zu kommen. Um seiner Tochter die Schande des Bankrotts zu ersparen, sorgt der Konsul Buddenbrook für die sofortige Auflösung der Ehe und holt Tony und ihre Tochter Erika nach Lübeck zurück. Im Haus finden sich immer häufiger Prediger als Kostgänger ein, denen der alternde Konsul und später die Konsulin sich in ihrer Frömmigkeit mehr und mehr ausliefern. Der vierte Teil endet mit dem plötzlichen Tod des Konsuls.

Fünfter Teil

Der fünfte Teil, der sich zeitlich direkt anschließt, beginnt mit der Übernahme der Firmengeschäfte durch Thomas. Die Testamentseröffnung zeigt, dass das Familienvermögen größer ist als erwartet. Christian kehrt aus dem Ausland zurück und tritt in die Firma ein. Clara, die zweitjüngste Schwester, wird mit einem Pfarrer aus Riga verheiratet, der sich später jedoch auch als Erbschleicher entpuppt. Thomas heiratet am Ende des fünften Teils Gerda Arnoldsen, eine Millionärstochter aus Amsterdam. Sie ist dem Leser bereits als eine Freundin Tonys aus dem Internat der Sesemi Weichbrodt bekannt. Sie wird als fremdartige Schönheit beschrieben, als „Künstlernatur, ein eigenartiges, rätselhaftes, entzückendes Geschöpf “, dessen ganze Liebe dem Geigenspiel gilt. Alles scheint in der Familie zum Besten zu stehen, repräsentativen Reichtum und gesellschaftliches Ansehen genießt sie in hohem Maße. Und doch künden erste Zeichen von der Bedrohtheit dieses Zustands. Bei Thomas zeigen sich Anzeichen von Erschöpfung und Überreiztheit. Seine Neigung zu Gerda verrät zudem einen Hang zum Außergewöhnlichen, Überfeinerten. Es kommt zu Missstimmungen zwischen Christian und Thomas.

Sechster Teil

Im sechsten Teil entzweien sich die Brüder vollends und Christian verlässt die Firma. Fortan steht Thomas ganz im Mittelpunkt der Familie. Er führt erfolgreich die Geschicke der Firma, aber Hagenström, eine neureicher Emporkömmling macht mit brutalen Geschäftsmethoden der alten ehrbaren Patrizierfamilie Konkurrenz. Tony heiratet ein zweites Mal, um das Misslingen ihrer ersten Ehe auszumerzen. Alois Permaneder aus München setzt sich allerdings mit ihrer Mitgift zur Ruhe und teilt ihr Streben nach höherer gesellschaftlicher Stellung nicht, sodass auch diese Ehe bald scheitert.

Siebenter Teil

Im siebten Teil erfolgt Thomas' Wahl zum Senator, die Geburt des Sohnes Johann, genannt Hanno, und der Umzug in ein neues, prachtvolles Haus. Diesem Zuwachs an äußerlichem Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung stehen nun deutliche Zeichen des Niedergangs entgegen: Der kleine Hanno ist von Anfang an schwächlich. Christian erkrankt, Clara stirbt an Gehirntuberkulose. Alle Lasten ruhen auf Thomas, zwar gehen die Geschäfte glänzend, aber er ist mit 37 Jahren ein erschöpfter Mann, gezeichnet von nervöser Anspannung. Das Bewusstsein, dass der erreichte Glanz nicht zu halten ist, beginnt ihn bereits zu quälen.

Achter Teil

Im achten Teil gehen die Geschäfte der Firma schlechter, dennoch wird das 100-jährige Firmenjubiläum mit großem Pomp gefeiert. Tony verheiratet ihre Tochter Erika, in der unbewussten Absicht, über die Ehe der Tochter sich selbst ein wenig Genugtuung zu verschaffen. Auch diese Ehe endet unglücklich; auf Grund von geschäftlichen Unregelmäßigkeiten kommt Erikas Mann ins Gefängnis. Hanno ist ein verträumtes, ängstliches Kind und wie seine Mutter leidenschaftlich der Musik hingegeben. Er verabscheut die Schule und es zeigt sich früh, dass er dem Leben nicht gewachsen ist.

Neunter Teil

Der neunte Teil bringt den qualvollen Tod der alten Konsulin. Christian, der zu übertriebener Selbstbeobachtung und eingebildeten Krankheiten neigt, will eine Dame von zweifelhaftem Ruf heiraten, darüber zerstreiten er und Thomas sich immer tiefer. Das Elternhaus wird unter Wert verkauft, Hagenström erwirbt es.

Zehnter Teil

Die Lage der Firma bessert sich während der Gründerjahre nicht,im zehnten Teil nimmt das Vermögen weiter ab, Thomas' Aufstieg scheint beendet. Er fühlt sich müde und hilflos. Zu seinem Sohn, der ganz anders geraten ist, als er es wünschte, findet er keine Beziehung. Seine Frau entfremdet sich ihm immer mehr durch ihr Geigenspiel, man sagt ihr zudem eine Affäre mit dem Leutnant von Throta nach. Diese Gerüchte untergraben Thomas' Selbstbewusstsein und seinen Ruf. Kurzzeitig fühlt er sich zu SCHOPENHAUERs Philosophie und dessen rauschhafter Feier des Todes hingezogen. Schließlich stirbt er nach einem Zahnarztbesuch auf der Straße in der Nähe seines Hauses.Tonys letzter Triumph ist sein „unsäglich vornehmes“ Begräbnis. Die Firma wird verlustreich aufgelöst, das vornehme Wohnhaus verkauft. Christian heiratet und bald nach der Hochzeit steckt seine Frau ihn in eine feste Anstalt. Noch einmal wird geschildert, welche Abneigung Hanno gegenüber den Anforderungen des Lebens spürt, wie tief er sich hingegen in den Rausch der Musik versenkt.

Elfter und zwölfter Teil

Der vorletzte Teil schildert sachlich und unpersönlich die fortschreitenden Symptome des Typhus. Der kleine Hanno stirbt daran, wie der Leserim letzten Teil erfährt. Gerda kehrt nach Amsterdam zurück, in der kleinen Buddenbrookschen Villa bleiben die resignierten Frauen zurück. Man wird einmal in der Woche zusammenkommen und in den Familienpapieren lesen, so wünscht es Tony.

Erzählhaltung

Der Roman ist chronologisch und in überwiegend auktorialer Erzählhaltung dargeboten. Oft jedoch tritt der behutsame Erzähler hinter seine Figuren zurück. Die Geschichte von vier Generationen hat mittels Zeitraffung und Zeitsprung in diesem Roman Platz gefunden. So liegen zwischen den ersten Teilen und Kapiteln oft große Zeiträume von bis zu mehreren Jahren. Die Zeitangaben sind sehr präzise, der aufmerksame Leser kann den Zeitlauf, das Alter der Person stets genau verfolgen.

„Zweiundeinhalbes Jahr später, um die Mitte des April schon …“; (ebenda, S. 50)
„Zu Beginn des Februar 1856, nach achtjähriger Abwesenheit, kehrte Christian Buddenbrook in die Vaterstadt zurück.“ (S. 248)

Mitunter nehmen dialogreiche Szenen jedoch ein ganzes Kapitel ein, wobei im Erzählfluss nahezu Zeitdeckung erreicht wird. Rückblenden gibt es, wenn ein vergangenes Geschehen wiedergegeben wird, etwa im neunten Kapitel des sechsten Teils, als Tony ihrer Mutter berichtet, wie sie ihren zweiten Mann Permaneder mit der Köchin erwischte, oder wenn in der Familienchronik geblättert wird. Das Erzähltempo variiert. Zum Ende hin sind die Zeitsprünge kleiner, oft schließt die Handlung an Vorhergehendes an. Die Behandlung der Zeit im Roman entspricht der Bedeutung, die sie für die Figuren hat. Dem behäbigen, geordneten Fluss in den ersten Kapiteln, als allen Figuren das Leben noch überschaubar erschien und sie in der Sicherheit lebten, genügend Zeit für ihre Verrichtungen zu haben, folgt gegen Ende hin ein eiliger Erzählstil. Der ruhige distanzierte Erzählfluss im Präteritum wird mitunter unterbrochen von gehetzteren, emotionaleren Darstellungen im Präsens.

Montage

Eingeschoben in die Erzählung sind Briefe und am Ende, wie ein Fremdkörper, die lehrbuchartige Darstellung des Verlaufs des Typhus. Detailreiches Erzählen im naturalistischen Stil bringt Erzählzeit und erzählte Zeit häufiger zur Deckung.

Personen

Die Personen sind klar charakterisiert, auch ihr Äußeres ist genau beschrieben, ihre Eigenheiten werden mehrfach wiederholt.

Wiederholung

Wiederholung ist überhaupt ein wichtiges Stilmittel dieses Romans.

  • So werden die von der Mutter ererbten bläulichen Schatten unter den Augen von Hanno immer wieder als Zeichen seiner Gefährdung und Lebensschwäche angeführt,
  • mehrfach erfährt man von Christians Hypochondrie und
  • von Tonys selbstgefällig zur Schau getragenen Würde, ihrem kräftigen aschblonden Haar und ihrer zitternden Oberlippe.

Sprache

Die Sprache ist ein weiteres Mittel, die Personen zu charakterisieren. Vielfach lässt THOMAS MANN seine Figuren, vor allem die Dienstboten, im Dialekt sprechen, natürlich im Lübecker Platt, der alte Buddenbrook gebraucht dazu selbstverständlich Französisch, denn er hat Napoleon noch erlebt. Thomas vermag je nach Situation zwischen Platt und gewähltem Hochdeutsch zu wechseln. Alois Permaneder bedient sich des bayerischen Idioms und Grünlich entlarvt sein schmeichlerisches Wesen durch seine anbiederische, hochgestochene Redeweise. Nicht zuletzt sind die sprechenden Namen (Grünlich, Puvogel, Weichbrodt) ein Mittel der ironischen Charakterisierung.

Stil

Zu den stilistischen Vorzügen dieses Romans zählt der ironische Tonfall in der Darbietung, den THOMAS MANN schon hier meisterlich beherrscht und zu einer Konstante in seinem Werk machen wird. Die Ironie zeigt sich oft im Kontrast zwischen dem dargestellten Inhalt und dem Ton seiner Darbietung. Deutliche Beispiele dafür sind die lapidare Schilderung von Thomas' Zahnarztbesuch und seinem anschließenden Tod sowie der qualvolle Erstickungstod der Konsulin, der von der Verweigerung jeglicher Sterbehilfe durch die anwesenden Mediziner ironisch konterkariert wird. Tragisches wird oft mit komischen Elementen durchsetzt, Schmerzliches durch Sarkasmus gebrochen (etwa in der Art, wie Hanno die Schule und die Lehrer erlebt). Tonys pathetischer Standesdünkel ist ebenso ein Gegenstand ironischer Darstellung wie Christians Lebensuntüchtigkeit und seine eingebildeten Leiden sowie das parasitäre Wesen der ins Haus sich einschleichenden Geistlichen.

Reaktion der Zeitgenossen

Nach Erscheinen des Buches reagierten die Lübecker sehr pikiert. Sie lasen die „Buddenbrooks“ als Schlüsselroman und fühlten sich ganz und gar nicht geschmeichelt.

Lübecker Bürgermeister BERND SAXE: „Thomas Mann hat viel Widerstand hervorgerufen, hat viel Protest ausgelöst, sein Buch „Die Buddenbrooks“ ist in Lübeck eingeschlagen wie eine Bombe, hat die Stadt gehörig aufgemischt, wie man heute sagt“

Von Anfang an wehrte sich THOMAS MANN gegen diese Gleichsetzung und verwies auf den Kunstcharakter des Romans. Später, gegen Ende seines Lebens, bekannte er sich zu „Lübeck als geistige(r) Lebensform“ und 1955 im Jahr seines Todes, versöhnten sich die Lübecker mit ihrem großen Sohn

Die Lübeckerin ANKE MAGDANZ: „Die Lübecker haben ihm großherzig verziehen, er war 1955 ja das letzte Mal – kurz bevor er starb – in Lübeck, und man hat ihm dann nach großen Beratungen im Rathaus mit nur einer Stimme Mehrheit im Senat – peinlich für die Stadt eigentlich – die Ehrenbürgerschaft dieser Stadt angetragen und heute sind wir natürlich sehr, sehr stolz.“

Die Lübecker machten den Nobelpreisträger (den Nobelpreis erhielt THOMAS MANN 1929 für die Buddenbrooks) 1955 zum Ehrenbürger der Stadt.

Die Buddenbrooks als Film (Auswahl)

  • 1979 „Die Buddenbrooks" (Fernsehserie), Regie: FRANZ PETER WIRTH, u. a. mit RUTH LEUWERIK und MARTIN BENRATH
  • 2008 „Buddenbrooks" (Spielfilm), Regie: HEINRICH BRELOER, u. a. mit JESSICA SCHWARZ, MARK WASCHKE, ARMIN MÜLLER-STAHL und AUGUST DIEHL
Die Erstausgabe der „Buddenbrooks“ aus dem S. FISCHER-Verlag.

Die Erstausgabe der „Buddenbrooks“ aus dem S. FISCHER-Verlag.

Die Erstausgabe der „Buddenbrooks“

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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