Konrad-Lyrik

KONRAD VON WÜRZBURG:

Lieder

Manger wunne bilde
geschephet hât
meie mit der künfte sîn.
seht wie daz gevilde
geblüemet stât!
ez gît phellelvarwen schîn,
dâbî cleidet sich der walt:
der hât der loube ein wunder;
süezen sanc darunder
vil manecvalt
singent wol diu vogelîn.

 Sumerzit
fröude gît
unde wünneclichen rât:
hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!

Meie trûren crenket;
ûf rîchen lôn
dienet im berg unde tal.
ûz der blüete clenket
vil süezen dôn
manec wildiu nahtegal.
blâwen vîol, grüenen clê,
die gelwen zîtelôsen
unde rôte rôsen
vil schône als ê
siht man springen überal.

 Sumerzit
fröude gît
unde wünneclichen rât:
hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!

Wol im der nu minnet
ein sælec wîp!
bî sô manger wunne guot
fröuden vil gewinnet
sîn werder lîp:
liep nu wol dem herzen tuot.
swâ den ougen liehten schîn
die blüenden boume bringent
und den ôren singent
diu vogellîn.
dâ fröut minne mannes muot.

 Sumerzit
fröude gît
unde wünneclichen rât:
hei waz er nu fröuden hât
der liebe nâhe lît!


Jârlanc vrîjet sich diu grüene linde
loubes unde blüete guot;
wunder güete bluot des meien ê der werlte bar.
gerner ich dur liehte bluomen linde
hiure in touwes flüete wuot,
danne ich wüete fluot des rîfen nû mit füezen bar.
mir tuont wê die küelen scharphen winde.
swint, vertânez winterleit!
durch daz mînem muote sorge swinde.
wint mîn herze ie kûme leit,
wande er kleiner vogellîne fröude nider leit.

Owê daz diu liebe mir niht dicke
heilet mîner wunden funt!
ich bin funden wunt von ir: nu mache si mich heil.
sendez trûren lanc breit unde dicke
wirt mir zallen stunden kunt:
wil mir kunden stunt gelückes, sô vind ich daz heil,
daz si mich in spilnde fröude cleidet.
leit an mir niht lange wert:
ir gewant
ungemüete leidet.
cleit nie wart sô rehte wert
sô diu wât der mich diu herzeliebe danne wert.

Werlt, wilt dû nu zieren dich vil schône,
sô gib dînen kinden wint,
der niht winden kint zunêren müge: dêst mîn rât.
swer mit stæte diene dir, des schône;
hilf im sorge binden. vint
die dich vinden; bint si zuo dir, gib in hordes rât,
reiniu wîp: den rât mein ich ze guote.
muot und zuht ist in gewant:
swen si cleident mit ir reinen muote,
guot und edel daz gewant
ist, darumbe ich ûz ir dienste mich noch nie gewant.

Swâ tac erschînen sol zwein liuten,
die verborgen inne liebe stunde müezen tragen,
dâ mac verswînen wol ein triuten:
nie der morgen minnediebe kunde büezen klagen.
er lêret ougen weinen trîben;
sinnen will er wünne selten borgen.
swer mêret tougen reinen wiben
minnen spil, der künne schelten morgen.

Hofton
Ein hövescher Hund, der spilte gegen
sînem herren schône,
wand er sprang ûf in unde bal in süezer
stimme dône;
des wart er ze lône
von im gestreichet sâ zestunt
Daz sach ein esel, unde wânde im solte
alsam gelingen,
dâvon er lüegend ûf den herren ouch
begunde springen:
des hiez er in swingen,
von slegen wart sîn rücke wunt.
Sus entuot der edel niht, der einen
künstelôsen schalc
triutet, dem er sînen balc
mit stecken solte weichen;
dur sîn gebrehte kan er im rîlîche miete sleichen,
und wil gefüegen man durch kunst enkeine
gâbe reichen,
den er solte streichen
alsam der herre tet den hunt.

Der Welt Lohn
Ir werlte minnære,
vernement disiu mære,
wie einem ritter gelanc
der nâch der werlte lône ranc
beidiu spâte unde fruo.
er dâhte in manige wîs dar zuo
wâ mite er daz begienge
daz er den lôn enphienge
werltlicher êren.
er kunde wol gemêren
sîn lob an allen orten
mit werken und mit worten.
sîn leben was sô vollebrâht
daz sîn zem besten wart gedâh
in allen tiutschen landen.
er hæte sich vor schanden
alliu sîniu jâr behuot;
er was hübisch unde fruot,
schœne und aller tugende vol.
swâ mite ein man zer werlte sol
bejagen hôher wirde prîs,
daz kunde wol der herre wîs
bedenken und betrahten.
man sach den vil guslahten
ûzerweltiu cleider tragen.
birsen, beizen unde jagen
kunde er wol und treip sîn vil,
schâchzabel unde seitenspil
daz was sîn kurzewîle.
wær über hundert mîle
gezeiget im ein ritterschaft,
dâ wær der herre tugenthaft
mit guotem willen hin geriten
und hæte gerne dâ gestriten
nâch lobe ûf hoher minne solt.
er was den frouwen alsô holt
die wol bescheiden wâren,
daz er in sînen jâren
mit lange wernder stæte
in sô gedienet hæte,
daz alliu sældenhaften wîp
sînen wünneclichen lîp
lobten unde prîsten.
als uns diu buoch bewîsten
und ich von im geschriben vant,
sô was der herre genant
her Wirent dâ von Grâvenberc.
er hæte werltlîchiu werc
gewürket alliu sîniu jâr.
sîn herze stille und offenbâr
nâch der minne tobte.

Sus saz der hôchgelobte
in einer kemenâten,
mit fröuden wol berâten,
und hæte ein buoch in sîner hantl,
dar an er âventiure vant
von der minne geschriben.
dar obe hæte er dô vertriben
den tag unz ûf die vesperzit;
sîn fröude was vil harte wît
von süezer rede die er las.
dô er alsus gesezzen was,
dô quam gegangen dort her
ein wîp nâch sînes herzen ger
ze wunsche wol geprüevet gar
und alsô minneclich gevar
daz man nie schœner wîp gesach.
ir schœne volleclichen brach
für alle frouwen die nu sint.
sô rehte minneclichez kint
von wîbes brüsten nie geslouf.
ich spriche daz ûf mîmen touf,
daz si noch verre schœner was
dan Vênus oder Pallas
und alle die gotinne
die wîlen phlâgen minne.
ir antlütz unde ir varwe
diu wâren beidiu garwe
durliuhtec als ein spiegellîn.
ir schœne gap sô liehten schîn
und alsô wünneclichen glast
daz der selbe palast
von ir lîbe erliuhtet wart.
der wunsch enhæte niht gespart
an ir die sînen meisterschaft,
er hæte sîne besten kraft
mit ganzem flîze an si geleit.
swaz man von schœnen wîben seit,
der übergulde was ir lîp.
ez wart nie minneclicher wîp
beschouwet ûf der erde.
ouch was nâch vollem werde
ir lîp gecleidet schône.
diu cleider und diu crône
diu diu selbe frouwe cluoc
ûf und an ir lîbe truoc,
diu wâren alsô rîche
daz si sicherlîche
nie man vergelten kunde,
ob man si veile funde.

Von Grâvenberc her Wirent
erschrac von ir wol zwirent,
dô si quam geslichen.
sîn varwe was erblichen
vil harte von ir künfte dâ.
in nam des michel wunder sâ
waz frouwen alsô quæme.
ûf spranc der vil genæme
erschrocken unde missevar
und enphie die minneclichen gar
vil schône als er wol kunde.
er sprach ûz süezem munde:
«sint, frouwe, gote willekomen!
swaz ich von frouwen hân vernomen,
der übergulde sint ir gar.»
diu frouwe sprach mit zühten dar:
«vil lieber friunt, got lône dir!
erschric sô sêre niht von mir:
ich binz diu selbe frouwe doch
der dû mit willen dienest noch
und aldâher gedienet hâst.
swie dû vor mir erschrocken stâst,
sô bin ich doch daz selbe wîp
durch die du sêle unde lîp
vil dicke hâst gewâget.
dîn herze niht betrâget,
ez trage durch mich hôhen muot.
dû bist hübisch unde fruot
gewesen alliu dîniu jâr,
dîn werder lîp süez unde clâr
hât nâch mir gerungen,
gesprochen und gesungen
von mir swaz er guotes kan;
du wære et ie mîn dienestman
den âbent und den morgen,
du kundest wol besorgen
hôhez lob und werden prîs;
du blüejest als ein meienrîs
in manicvalter tugende,
du hâst von kindes jugende
getragen ie der êren cranz,
dîn sin ist lûter unde ganz
an triuwen ie gein mir gewesen.
vil werder ritter ûzerlesen,
dar umbe bin ich komen her,
daz dû nâch dînes herzen ger
mînen lîp von hôher kür
beschouwest wider unde für,
wie schœne ich sî, wie vollekomen.
den hôhen lôn, den rîchen fromen,
den dû von mir enphâhen maht
umb dînen dienest wol geslaht,
den solt du schouwen unde spehen.
ich wil dich gerne lâzen sehen
waz lônes dir gezichen sol.
du hâst gedienet mir sô wol.»

Den edeln herren tugentrîch
dûhte harte wunderlîch
dirre frouwen tegedinc,
wan si der selbe jungelinc
mit sînen ougen nie gesach,
und doch diu selbe frouwe sprach,
er wære ir dienestman gesîn.
er sprach: «genâde, frouwe mîn,
habe ich iu gedienet iht,
entriuwen des enweiz ich niht.
mich.dunket âne lougen
daz ich mit mînen ougen
iuch vil selten habe gesehen.
sît aber ir geruochent jehen
mîn ze cnehte, sælic wîp,
sô sol mîn herze und mîn lîp
iu ze dienste sîn bereit
mit willeclicher arebeit
unz ûf mînes tôdes zil.
ir hânt sô hôher sælden vil
und alsô manicvalte tugent,
daz iuwer fröudeberndiu jugent
mir vil wol gelônen mac.
wol mich daz ich disen tac
gelebet hân! des fröuwe ich mich,
sît daz ir, frouwe minneclich,
mînen dienst enphâhen welt.
frouwe an tugenden ûzgezelt,
geruochent künden mir ein teil
durch daz wünnebernde heil
daz an iu, schœniu frouwe, lît:
von wannen ir geheizen sît
oder wie ir sît genant,
iuwer name und iuwer lant
werde mir hie kunt getân,
durch daz ich wizze sunder wân
ob ich in allen mînen tagen
ie von iu gehôrte sagen.»

Des antwurt im diu frouwe dô,
si sprach gezogenlîche alsô:
«vil lieber friunt, daz sol geschehen.
ich wil dir gerne hie verjehen
mînes hôchgelobten namen.
dun darft dich niemer des geschamen
daz dû mir undertænic bist.
mir dienet swaz ûf erden ist
hordes unde guotes,
ich bin sô hôhes muotes
daz keiser unde küneges kint
under mîner crône sint,
grâven, frîen, herzogen
habent mir ir knie gebogen
und leistent alle mîn gebot.
ich fürhte niemen âne got,
der ist gewaltic über mich.
diu Werlt bin geheizen ich,
der dû nu lange hâst gegert.
lônes solt du sîn gewert
von mir als ich dir zeige nû.
hie kum ich dir, daz schouwe dû.»

Sus kêrtes im den rucke dar:
der was in allen enden gar
bestecket und behangen
mit unken und mit slangen,
mit kroten und mit nâtern;
ir lîp was voller blâtern u
nd ungefüeger eizen,
fliegen unde âmeizen
ein wunder drinne sâzen,
ir fleisch die maden âzen
unz ûf daz gebeine.
si was sô gar unreine
daz von ir blœden lîbe wac
ein alsô egeslicher smac
den niemen kunde erlîden.
ir rîchez cleit von sîden
vil übel wart gehandelt:
ez wart aldâ verwandelt
in ein vil swachez tüechelîn;
ir liehter wünneclicher schîn
wart vil jâmerlich gevar
bleich alsam ein asche gar.

Hie mit schiet si von dannen.
daz si von mir verbannen
und aller cristenheite sî!
der ritter edel unde frî
dô er diz wunder ane sach,
zehant sîn herze im des verjach,
er wære gar verwâzen,
swer sich wolte lâzen
an ir dienste vinden.
von wîbe und von kinden
schiet er sich aldâ zehant;
er nam das criuze an sîn gewant
und huop sich über daz wilde mer
und half dem edeln gotes her
strîten an die heidenschaft.
dâ wart der ritter tugenthaft
an stæter buoze funden.
er schuof daz zallen stunden,
dô im der lîb erstorben was,
daz im diu sêle dort genas.

Nu merkent alle die nu sint
dirre wilden werlte kint
diz endehafte mære:
daz ist alsô gewære
daz man ez gerne hœren sol.
der werlte lôn ist jâmers vol,
daz muget ir alle hân vernomen.
ich bin sîn an ein ende komen:
swer an ir dienste funden wirt,
daz in diu fröude gar verbirt
die got mit ganzer stætekeit
den ûzerwelten hât bereit.

Von Wirzeburc ich Cuonrât
gibe iu allen disen rât,
daz ir die werlt lâzet varn,
welt ir die sêle bewarn.

Material zum Thema
  • Konrad von Würzburg - Der Welt Lohn
    Format: PDF

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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