Die Teilung Deutschlands

Deutschlands Teilung

Auf der Konferenz von Potsdam legte man die wirtschaftliche Einheit Deutschlands fest, die in den vier Besatzungszonen überwacht werden sollte,
Hauptaufgaben waren:

  • Demokratisierung,
  • Demilitarisierung,
  • Denazifizierung,
  • Demontage.

De facto kam es jedoch recht schnell zu Tendenzen der Abschottung. Dies war eine Folge

  • der sowjetischen Politik in den besetzten Gebieten und
  • der amerikanischen Eindämmungspolitik.

Maßnahmen der Sowjetunion:

  • Verstaatlichung der Großindustrie und
  • Schaffung von „Sowjetischen Aktiengesellschaften“ (SAG),
  • später von „Sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaften“ (SDAG).
  • Ab 1953 erfolgte die Umwandlung der SAG in „Volkseigene Betriebe“ (VEB).
  • Enteignung von Großgrundbesitz.
  • Bodenreform: Verteilung von Boden an landarme und landlose Bauern,
  • konsequente Demontage der Betriebe (damit Schwächung der Wirtschaft).

Sie folgte damit sehr radikal dem Potsdamer Abkommen, wonach die Industriekapazität der deutschen Wirtschaft planmäßig verringert werden sollte.
Bis Ende 1946 wurden über 1000 Betriebe, der chemischen, optischen und vor allem der Eisenindustrie, des Maschinenbaus und der Energieerzeugung demontiert.
Auch in der französischen Besatzungszone wurde die Demontage von Fabriken der Schwerindustrie sehr exzessiv betrieben.

Der amerikanische Militärgouverneur LUCIUS D. CLAY stellte anlässlich der letzten gemeinsamen Sitzung des Alliierten Kontrollrates 1948 fest:

„Als wir an jenem Tag den Konferenzsaal verließen, wußten wir, daß die Viermächte-Regierung zusammengebrochen war, und daß die Spaltung Deutschlands nun Wirklichkeit geworden war.“
(in: Lucius D. Clay: Entscheidung in Deutschland, Frankfurt am Main 1950, S. 396)

Am 1. Januar 1947 wurde die Bizone geschaffen durch Zusammenlegung der britischen und amerikanischen Zone. Später schloss sich Frankreich der Bizone an, das Territorium wurde Trizone genannt.
Im April 1948 trat das European Recovery Program (Marshall-Plan nach dem amerikanischen Außenminister GEORGE C. MARSHALL) in Kraft. Das bedeutete, dass duch die Aufnahme von Krediten in Westeuropa die Wirtschaft wieder aufgebaut werden konnte. Drei Milliarden Dollar flossen bis 1952 allein in die Bundesrepublik.

In der Folge des Marshall-Planes kam es 1948 zu einer Währungsreform in den Westzonen. Die Ostzone behielt die alte Reichsmark bei. Westberlin wurde in der Folge von den Westzonen abgeschnitten, am 24. Juni 1948 begann eine Blockade , der die Alliierten mit Hilfsflügen sogenannter „Rosinenbomber“ zu begegnen suchten.
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 28. September 1949 in den Westzonen und der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 in der SBZ gingen die beiden Teile Deutschlands getrennte staatliche Wege.

Die deutsche Teilung war zuerst eine politische und dann eine organisatorische. Am 01.01.1947 war durch Zusammenlegung der Zonen Großbritanniens und der USA die Bi-Zone geschaffen worden. Am 01.06.1948 trat Frankreich dieser Zone bei. In dieser Tri-Zone wurde die Währungsunion beschlossen. Mit der Währungsreform wurde das „Wirtschaftswunder“ eingeläutet. In Ost und West entwickelten sich getrennte Verteilungssysteme, Verlage und Organisationen der Autoren.

Bundeskanzler KONRAD ADENAUER bevorzugte den Anschluss der BRD an die „westliche Kulturnation“ und den Prozess der europäischen Integration. Die scharfe Ablehnung der Entwicklung im Osten wirkte nicht nur auf ostdeutsche Intellektuelle abstoßend. Die von der SED proklamierten Feindbilder waren keineswegs maßvoller, sie erschienen insofern anziehender, weil sie weiter an die Vorstellungen von einer staatlichen Einheit anknüpften. In dem Maße, wie man im Osten an dem Gedanken eines einheitlichen Deutschlands festhielt, konnte die These von der westdeutschen Alleinvertretung nicht akzeptiert werden. Den Anspruch auf Alleinvertretung hatte ADENAUER bereits 1949 als Ziel der bundesdeutschen Politik formuliert:

„Die Bundesrepublik war und ist allein befugt, für das deutsche Volk zu sprechen.“

Kontakte zwischen Autoren (Ost) und Autoren (West)
Kulturelle Kontakte zum anderen deutschen Staat waren der Durchsetzung dieses Zieles nicht förderlich, ja sogar unerwünscht, sie standen unter dem Verdacht der Spionagetätigkeit und Fernsteuerung . Organsationen wie das PEN-Zentrum Ost und West wurden der Öffentlichkeit als Tarnorganisationen vorgestellt. Veranstaltungen zwischen Kulturschaffenden in Ost- und Westdeutschland wurden kritisch bewertet und auch unterbunden. Die ständigen Argumentationen gegen den Osten blieben nicht ohne Wirkung. Westdeutsche Autoren reagierten zunehmend zurückhaltender auf Einladungen an gesamtdeutschen Treffen oder resignierten, da sie die „Boykotthetze“ nicht mehr aushielten. FRANZ FÜHMANN (1922–1984) notierte den Eindruck, dass alle den „stillen Terror gegen alle Schriftsteller in Westdeutschland (bestätigen), die sich zur Einheit der deutschen Literatur bekennen.“

Viele DDR-Autoren identifizierten sich mit der Politik im Lande. Sie begrüßten die vom Staat verkündete Friedenspolitik und sahen ihre Arbeit als Teil der gesellschaftlichen Bewegung zum Sozialismus. JOHANNES R. BECHER preist in seiner „Kantate“ (1950) die SED als „Du grosses Wir, du unser aller Willen: / Dir, Dir verdanken wir, was wir geworden sind!“ Der sowjetische Staatsführer und Diktator JOSEF WISSARIONOWITSCH STALIN dagegen ist für ihn „ [...] einziger, zu dem ich sagen kann: Mein Vater!“ Diese fast schon religiöse Gläubigkeit an Personen und Instanzen findet sich auch bei LUIS FÜRNBERG, wenn er feststellt: „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ (1950).

Auch die Äußerungen bekannter DDR-Politiker stellten die Weichen für die Kunst in Ostdeutschland:

„Die Idee in der Kunst muss der Marschrichtung des politischen Kampfes folgen. Denn nur auf der Ebene der Politik können die Bedürfnisse der werktätigen Menschen richtig erkannt und erfüllt werden. Was sich in der Politik als richtig erweist, ist es auch unbedingt in der Kunst. Es ist doch klar, dass ein Werk, selbst wenn es gewisse künstlerische Qualitäten in sich trägt, vom Volk abgelehnt werden muss, wenn seine Grundrichtung reaktionär ist. Ich will damit sagen, dass die politische Kritik bei der Beurteilung unserer Kunst primär ist und dass die künstlerische Kritik sekundär ist.“
(OTTO GROTEWOHL am 31. August 1951, zitiert nach: Dietmar Keller, Matthias Kirchner (Hrsg.): Biermann und kein Ende. Eine Dokumentation zur DDR-Kulturpolitik, Dietz Verlag Berlin 1991 S. 192).

Solche politische Funktionssetzung von Literatur stieß unter westdeutschen Kritikern auf erhebliche Skepsis. Autoren aus der DDR galten als „Zyniker, Resignierte, gutbelohnte Kreaturen“. Man formulierte die Totalitarismusdoktrin : „totalitäre Systeme verlangen auch von der Kunst Eingliederung, Einordnung, Uniformierung“. In diesem Sinne wurde der DDR vorgeworfen, sie sei ihrem Charakter nach ein faschistischer oder profaschistischer Staat und ihre Literatur sei doktrinär und affirmativ (= bejahend, zustimmend).

Die Vorwürfe waren nicht unbegründet: Das SED-Zentralkomitee beschloss auf seiner 5. Tagung vom 15.–17. März 1951 den „Kampf gegen den Formalismus in Kunst und Literatur, für eine fortschrittliche deutsche Kultur“.
Damit wurde deutlich, dass es neben ideologischen Divergenzen auch rein formale gab: Es begann ein „kalter Krieg“ des „Sozialistischen Realismus“ gegen die „Avantgarde“ (aber auch umgekehrt). Am 1. September 1951 schuf Ost-Berlin zudem mit dem „Amt für Literatur und Verlagswesen“ eine Zensurbehörde , die

  • Verlagslizenzen genehmigte,
  • geplante Bücher begutachtete und
  • die Papierkontingente zuteilte.

Die Vorwürfe waren gegenseitig , auch wenn sie jeweils etwas anders begründet waren. Die DDR begründete ihre Anwürfe vor allem mit Verweisen auf veröffentlichte Autoren wie

  • ERWIN GUIDO KOLBENHEYER (1878–1962),
  • HANS CAROSSA (1878–1956),
  • AGNES MIEGEL (1879–1964) und
  • die Publikation von Memoiren hoher Wehrmachtsgenerale sowie
  • der Tatsache, dass in der neuen Bundesrepublik Leute in hohen Ämtern saßen, die bereits vor 1945 höhere Ämter bekleidet hatten.

Den Autoren und Kritikern wurde vorgeworfen, gegen diese Tendenzen nicht genügend unternommen, sie nicht verhindert zu haben.
Die Meinungsverschiedenheiten waren gravierend.

Aktivitäten einer Annäherung der Autoren Ost und West
In den Jahren 1950 bis 1952 fanden eine Reihe von Aktivitäten statt, die eine Annäherung der Autoren Ost und West erreichen sollten. Sie gingen zunächst von einzelnen Autoren aus, liefen schließlich über den PEN und wurden dann zunehmend vom Deutschen Schriftstellerverband (DSV) geplant.

Deutscher Schriftstellerverband (DSV) nannte sich die 1950 in Berlin (Ost) gegründete Vereinigung ostdeutscher Autoren.1973 wurde der DSV in Schriftstellerverband der DDR umbenannt.

Aktivitäten waren u. a.:

  • BRECHT: „Offener Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller“,
  • WEYRAUCH: „Dreizehn Fragen an Bertolt Brecht“, November 1952.

Der DSV versuchte, persönliche Kontakte zwischen den Autoren Ost und West auszubauen, jedoch stellte man fest, dass dies nur begrenzte Wirkungen zeigte. Der DSV ging deshalb zu einer gesamtdeutschen Arbeit auf institutioneller Ebene über:

  • von der Zentralleitung des DSV kontrollierter Briefwechsel mit westdeutschen Autoren,
  • offizielle Kontakte zu Schriftstellerorganisationen im Westen (in denen es um die Wahrung berufsständiger Interessen – unter Ausschluß aller weltanschaulicher, politischer und religiöser Fragen ging),
  • Planung einer „gesamtdeutschen Literaturzeitschrift“.

Auf dem III. Schriftstellerkongress vom 22.–25. Mai 1952 in der DDR spielte die gesamtdeutsche Arbeit eine herausragende Rolle. Wichtige Reden beschäftigten sich mit den Unterschieden in Ost und West. Sie nahmen für die DDR in Anspruch, bedeutende Traditionen der deutschen Nationalliteratur zu beerben und fortzuführen. „Nur hier, bei uns“, bestünden „in Wirklichkeit“ in „breite Schichten des Volkes reichende Beziehungen zu unserem Erbe“. Zentrale Reden hielten STEFAN HERMLIN („Der Kampf um eine deutsche Nationalliteratur“), WILLI BREDEL („Literatur und Literaturkritik“) und KUBA (d. i. Kurt Bartel, „Die Aufgaben des Schriftstellerverbandes“):Bild

Die Aufforderung zur Mitarbeit an einer Literaturzeitschrift sollte von BECHER, BRECHT und SEGHERS ausgehen und sich an HESSE, DÖBLIN, FEUCHTWANGER, TH. MANN, PENZOLDT, JAHNN und R. A. SCHRÖDER richten.

Auf der II. Parteikonferenz der SED vom 9.–12. Juli 1952 wurde der Aufbau des Sozialismus beschlossen und der sozialistische Realismus zur verbindlichen Kunstrichtung erklärt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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