Alexander Pope

Biografie

ALEXANDER POPE wurde als Sohn eines Tuchhändlers am 21. Mai 1688 in London geboren. 1700 zog die Familie von London nach Windsor Forest, in eine Gegend, die POPE zu seinen späteren Werken inspiriert hat. Da POPE Katholik war, wurde er nicht zu öffentlichen höheren Schulen zugelassen und erhielt Hausunterricht. Latein, Griechisch, Französisch und Italienisch brachte er sich selbst bei. Er begann früh zu dichten und wurde erlangte bald größere Bekanntheit.

Durch seine HOMER-Übersetzungen erlangte er finanzielle Unabhängigkeit und ließ sich mit seiner Mutter in Twickenham nieder, wo er sich für Gartenarchitektur begeisterte. POPE neigte, unter anderem wegen einer körperlichen Missbildung und Kränklichkeit, die ihm sein Leben lang zusetzte, zu wachsendem Misstrauen und Menschenscheu. Durch seine höhnischen Angriffe und seinen aggressiven Spott machte er sich viele Feinde. POPES Leben, das ganz im Zeichen seiner umfangreichen literarischen Arbeiten stand, endete am 30. Mai 1744 in Twickenham.

Literarisches Schaffen

Die Dichtung POPES bildet den Höhepunkt des englischen Klassizismus, einer Stilrichtung, die sich bewusst an der Antike orientiert. Nach den politischen Turbulenzen im 16. und 17. Jahrhundert festigten sich die Verhältnisse in England mit der Glorious Revolution von 1688. Es entwickelte sich ein Weltbild, das von aufklärerischem Optimismus geprägt war. Im Bereich der Literatur kamen vernunftgemäße Kriterien wie Klarheit des Stils, regelhafte Ordnung und sittlich bessernde Absicht zum Tragen. Viele Stilelemente der Aufklärung spiegeln sich in POPES Werk wider. Seine Dichtung besticht durch ihre rationale Klarheit und die harmonische, oft auch witzige Eleganz des Ausdrucks. Formale kennzeichnend sind die strengen, epigrammatisch zugespitzten Reimpaare seiner heroic couplets.

Die ersten Erfolge hatte POPE mit den Pastorals (1709), Schäferdichtungen, die dem römischen Dichter VERGIL nachempfunden waren. Bereits dieses Jugendwerk offenbart typische Merkmale der Dichtungen POPES:

  • die souveräne Beherrschung des Reimpaars
  • und der häufige Rückgriff auf antike Vorbilder – oft in Form übersetzter Zitate oder Paraphrasen.

Letzteres Merkmal entspricht durchaus dem klassizistischen Prinzip der Imitation: der schöpferischen Nachahmung. In der beschreibenden und meditativen Dichtung Windsor Forest (1713) mischt sich die traditionelle Hirtendichtung mit jener des reflektierenden Lehrgedichts, für das ein Gedicht VERGILS als Vorbild diente. Im Mittelpunkt steht die Beschreibung der politischen Gegenwart unter Königin ANNA (1703-1714): Natur und Gesellschaft sind gleichermaßen “harmoniously confused”, in harmonischer Unordnung.

Mit dem frühen Versuch An Essay on Criticism (1711) über Literaturkritik und dem späten Versuch An Essay on Men (1732-34) über philosophische Fragen hat POPE die alte Form des Lehrgedichts mit neuem Leben erfüllt. Auch wenn er kaum neue Erkenntnisse mitzuteilen hat, sagt er das Alte auf neue, witzige Weise. In beiden Essays bringt POPE das fünfhebige Reimpaar, das schon seit GEOFFREY CHAUCER im 14. Jahrhundert beliebt war, zur Vollendung. Viele dieser Couplets lassen sich als pointierte Aphorismen aus dem fortlaufenden Text herauslösen und sind fester Bestandteil des Zitatenschatzes eines jeden gebildeten Engländers. Zu den wichtigsten dieser Leitsätze im Essay on Criticism gehört die Forderung an Dichter und Kritiker, der Natur zu folgen: “First follow nature...” Diesen Regeln hätten schon die Dichter der Antike gehorcht, die daher als Vorbild gelten müssten:
“To copy nature is to copy them”.

In der moralphilosophischen Lehrdichtung An Essay on Men integriert POPE die wichtigsten zeitgenössischen Philosophen Englands SHAFTESBURY und BOLINGBROKE. In einer Gratwanderung zwischen theologischer Orthodoxie und aufklärerischem Deismus entwirft POPE ein – trotz der von ihm unterstellten Existenz des Bösen – optimistisches Bild von der Welt und dem Menschen.

POPES Ansehen festigte sich mit dem rokokohaft verspielten, komischen Epos The Rape of the Lock (1712), in dem er sein Bild der Londoner Gesellschaft zeichnet. Das klassische Epos wird hier durch die heroische Schilderung einer trivialen Begebenheit parodiert – des Raubs einer Locke der schönen Belinda durch einen ihrer Verehrer:

“The peer now spreads the glitt'ring forfex wide,
T' inclose the lock; now joins it, to divide.
Ev'n then, before the fatal engine clos'd,
A wretched Sylph too fondly interpos'd;
Fate urg'd the shears, and cut the Sylph in twain,
(But airy substance soon unites again).
The meeting points the sacred hair dissever
From the fair head, for ever, and for ever!

Then flash'd the living lightning from her eyes,
And screams of horror rend th' affrighted skies.
Not louder shrieks to pitying Heav'n are cast,
When husbands or when lap-dogs breathe their last,
Or when rich China vessels, fall'n from high,
In glitt'ring dust and painted fragments lie!”

(Alexander Pope, The Rape of the Lock, Canto III)

Die komische Wirkung entsteht aus der Diskrepanz zwischen nichtigem Vorfall und unangemessen hohem Stil. Sämtliche Kunstgriffe des ernsthaften Epos – Musenanrufung, Prophezeiungen, Schlachtenbeschreibungen – werden parodistisch eingesetzt.

Auf die Kritik an den Schwächen seiner klassizistischen Shakespeare-Ausgabe (1725) und die Entrüstung wegen der unter anderem als Miscellanies (1727) zusammen mit JONATHAN SWIFT veröffentlichten Satiren antwortete POPE mit seiner brillanten literarischen Satire The Dunciad (1728, bis 1748 mehrfach erweitert).

Die Romantiker des 19. Jahrhunderts lehnten – mit Ausnahme von LORD BYRON – die Dichtung POPES als künstlich ab. Erst im 20. Jahrhundert hat sie wieder größere Beachtung gefunden.

Weitere Werke (Auswahl)

Lyrik
Ode for Music on St Cecilia's Day (1713)
Imitations of Horace (1733-37)

POPES Homer-Übersetzungen
Iliad (1715-20)
Odyssey (1725-26)

Satirische Dialoge:
One Thousand Seven Hundred and Thirty Eight (1738)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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