Entwicklung der Lyrik

In der Lyrik gibt es zahlreiche Formen zu unterscheiden. Vor allem in Bezug auf die englischsprachige Literatur sind wohl die Ballade (ballad), die Ode (ode), die Elegie (elegy), sowie das Sonett (sonnet) am bedeutendsten.
Der Begriff der Lyrik ist musikalischen Ursprungs (Lyra = Leier). Er umfasste damals gesungene Texte mit Begleitung der Lyra, eines Saiteninstruments mit 5 oder 7 Saiten. Diese wurden mit einem Stäbchen, dem Plektron, angerissen. Die Bezeichnung deutet auf den Ursprung der Dichtung hin: die Verbindung mit der Musik. Daher bezeichnet der Begriff der Lyrik die durch Musik rhythmisch und klanglich umgestaltete und durch Bildhaftigkeit verstärkte Sprache.
Bereits in der griechischen Antike wurden lyrische Gedichte gesungen oder vorgetragen und dabei auf der Leier begleitet. Schon zu dieser Zeit bilden sich Lyrikformen wie Elegien, Hymnen und Oden heraus. Bedeutende Lyriker der Antike waren SAPPHO, ALKAIOS und PINDAR in Griechenland und HORAZ, OVID und CATULL im Römischen Reich. Auch die alten Kulturen Chinas, Indiens und Japans brachten lyrische Dichtungen hervor, von denen heute nur noch das japanische Haiku geläufig ist.

Im Hochmittelalter entwickelten die französischen Troubadoure (Minnesänger), die Kanzone und das Rondeau als lyrische Formen des Gesanges. Neben zahlreichen anonymen Verfassern sind im Mittelalter schon hervorragende Dichterpersönlichkeiten anzutreffen, wie GEOFFREY CHAUCER.
Bis zu Beginn der Renaissance wurde die Bezeichnung Lyrik auch für nicht gesungene Gedichte verwendet.
Gesungene Lyrik, einschließlich des Madrigals (mehrstimmiger Gesang), war in der englischen Dichtung des Elisabethanischen Zeitalters stark vertreten, z. B. in den Werken von THOMAS CAMPION und JOHN DOWLAND oder in den Liedeinlagen der Theaterstücke von SHAKESPEARE.
Nach dem Vorbild des italienischen Dichters PETRARCA verfasste SHAKESPEARE auch eine große Zahl von Sonetten.
Das Sonett war bis ins frühe 17. Jahrhundert äußerst populär bei SHAKESPEARE, sowie JOHN DONNE.

ALEXANDER POPE und SAMUEL JOHNSON zählen zu den bedeutendsten Dichtern des englischen Klassizismus im 18. Jahrhundert. Ebenso klassizistisch geprägt, aber dennoch weitaus experimentierfreudiger gab sich THOMAS GRAY, einer der wichtigen Wegbereiter der englischen Romantik.

Prominente Lyriker der englischen Romantik waren z. B. ROBERT BURNS, SAMUEL TAYLOR COLERIDGE, WILLIAM BLAKE, WILLIAM WORDSWORTH, JOHN KEATS und PERCY BYSSHE SHELLEY.

Die wichtigsten Impulse für die moderne Lyrik sind den französischen Dichtern des 19. Jahrhunderts zu verdanken, wie CHARLES BAUDELAIRE, PAUL VERLAINE und ARTHUR RIMBAUD.
Mit STÉPHANE MALLARMÉ beginnt die dichterische Sprache, sich aus ihrem traditionellen Realitätszusammenhang zu lösen und eine eigene, von der dinglichen Welt unabhängige Wirklichkeit zu begründen. Das „lyrische Ich“ ist zukünftig nicht mehr mit der Person des Dichters identifizierbar.
In der Neuzeit dagegen hat sich die Lyrik vielmehr zu einem Oberbegriff entwickelt, der für sämtliche Formen des Gedichts als Medium für Gefühle und Sinnesempfindungen steht.

Das lyrische Ich

Die Lyrik lässt sich als eine Einzelrede in Form von Versen definieren. Als das lyrische Ich (lyrical I) wird immer jenes im Gedicht auftretende fiktive Subjekt benannt, welches in der ersten Person sowie im Singular als mitfühlender Erlebnisträger der geschriebenen Lyrik fungiert.
Dieser Sprecher ist vergleichbar mit dem Erzähler in einem epischen Text, welcher auf ähnliche Art und Weise die vermittelnde Funktion zwischen Autor und Leser übernimmt.
Das lyrische Ich macht zwar Aussagen über die eigenen Gefühle und sein Befinden in der Ich-Form; allerdings darf das lyrische Ich trotz eventueller autobiografischer Parallelen keineswegs einfach mit dem wirklichen, biografischen Ich des realen Autors verwechselt oder gar gleichgesetzt werden.

Rhetorische Figuren und Tropen

Die Rhetorik (rhetoric) ist die Lehre vom kunstvollen und wirkungsvollen Sprechen. Sie ist bereits in der Antike entstanden. In sogenannten Rhetorikschulen wurden Redner und Schriftsteller ausgiebig geschult, ihrem Rede- und Schreibstil Bedeutung zu verleihen oder ihn auszuschmücken.
In der Literatur, und vor allem in der Lyrik, ist ein bestimmter Bereich der Rhetorik, die rhetorischen Figuren (figures) und Tropen (tropes), für die Hervorhebung bzw. zum Erschaffen spezieller sprachlicher Effekte relevant.
Rhetorische Figuren sind alle vom normalen Sprachgebrauch abweichenden Sprachformen, die dazu verwendet werden, einen Gedanken besonders kunstvoll auszuschmücken, ihn hervorzuheben oder ihm anderweitig besonderen Nachdruck zu verleihen. Dabei kann es sich um phonologische, lexikalische, syntaktische, semantische oder gar pragmatische Mittel handeln.
Bei Wortfiguren bzw. Tropen wiederum weicht man ganz bewusst vom direkten Wortsinn ab. Dies erreicht man z. B. durch Wiederholung, Abwandlung oder Häufung von bestimmten Wörtern oder Wortfolgen mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung.

Phonologische Figuren (Lautwiederholung)

Alliteration (alliteration): eine Häufung gleicher Anfangslaute bzw. -buchstaben
His soul swooned slowly as he heard the snow […] 
 The Dead, JAMES JOYCE)
Lautmalerei (onomatopoeia): Nachahmung eines Naturlauts oder einer Klangfarbe
[…] And murmuring of innumerable bees 
 The Princess, LORD ALFRED TENNYSON)

Lexikalische Figuren (Wiederholung von Wörtern)

Anapher (anaphora): Wortwiederholung am Anfang von Versen
So long as men can breathe, or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee
 
 Sonnet 18, WILLIAM SHAKESPEARE)
Figura Etymologica: Wiederholung eines Stamm-Morphems (kleinste bedeutungstragende Wortform) in unterschiedlichen grammatikalischen Formen
So long as men can breathe, or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee
 
 Sonnet 18, WILLIAM SHAKESPEARE)

Syntaktische Figuren (den Satzbau betreffende Mittel)

Ellipse (ellipsis): Auslassung von Satzteilen
Beauty is truth, truth _ beauty 
 Ode on a Grecian Urn, JOHN KEATS)
Chiasmus (chiasm): spiegelbildliche Anordnung von Satzteilen
It was […] falling softly upon the Bog of Allen and, farther westward, softly falling into the dark mutinous Shannon waves 
 The Dead, JAMES JOYCE)
Inversion (inversion): Umstellung der normalen Reihenfolge von Satzteilen
Dull would he be of soul who could pass by 
 Composed upon Westminster Bridge,
WILLIAM WORDSWORTH)

Semantische Figuren (die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke betreffende Figuren)

Antithese (antithesis): Verbindung zweier gegensätzlicher Aussagen
My words fly up, my thoughts remain below 
 Hamlet, WILLIAM SHAKESPEARE)
Paradoxon (paradox): widersinnige Aussagen innerhalb eines Satzes
The child is father of the man 
 My Heart leaps up, WILLIAM WORDSWORTH)

Pragmatische Figuren (beziehen sich auf die Sprechsituation)

Ausruf/Apostrophe (apostrophe): Ausruf an eine Person, einen Gegenstand oder etwas Abstraktes
With how sad steps, O Moon, thou climb'st the skies 
 Sonnet 31, PHILIP SIDNEY)

Tropen (Formen der Bedeutungsverschiebung)

Metapher (metaphor): indirekter, verkürzter Vergleich ohne Vergleichswort, Ersetzen eines Ausdrucks durch eine seiner Eigenschaften
Sometime too hot the eye of heaven [= the sun] shines 
 Sonnet 18, WILLIAM SHAKESPEARE)
Vergleich (simile): Veranschaulichung eines Ausdrucks mithilfe eines anderen; mit Vergleichswort like verbunden
This city now doth, like a garment, wear,
The beauty of the morning
 
 Composed upon Westminster Bridge,
WILLIAM WORDSWORTH)


Vokale als stilistisches Mittel

Neben den rhetorischen Figuren und Tropen können auch Vokale dazu verhelfen, eine bestimmte Atmosphäre herstellen und dadurch ebenfalls zu einem stilistischen Mittel werden.
Je nach Häufung ganz bestimmter Art von Vokalen können gewisse Effekte erzielt werden.
So kann z. B. durch eine Anhäufung der dunklen Vokalen wie dem a, o oder u eine äußerst düstere, traurige oder beunruhigende, sogar bedrohliche Stimmung erzeugt werden.
Mit Hilfe der hellen Vokale, wie dem e und dem i, dagegen kann ein Ausdruck von Freude, Unbeschwertheit und Leichtigkeit hervorrufen.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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