Bundesland Thüringen

Das Bundesland Thüringen grenzt im Norden an Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, im Osten an Sachsen, im Süden an Bayern und im Westen an Hessen (Bild 1). Das Bundesland nimmt eine Fläche von 16172 km² ein und hat 2,25 Mio. Einwohner (2010). Landeshauptstadt ist das zentral gelegene Erfurt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Thüringen im April 1945 zunächst amerikanisch besetzt, im Juli 1945 kam das Land zur sowjetisch besetzten Zone (SBZ). Der Regierungssitz wurde 1952 von Weimar nach Erfurt verlegt. Im selben Jahr wurde Thüringen in die DDR-Bezirke Erfurt, Gera und Suhl aufgeteilt. Durch das Ländereinführungsgesetz wurde das Land Thüringen 1990 wieder hergestellt und ist seit 1993 Freistaat.

Thüringen - Übersicht

Thüringen - Übersicht

Naturraum

Landschaftlich gehört das Bundesland zum Bereich der Deutschen Mittelgebirgsschwelle. Der zentrale und nordwestliche Teil wird vom fruchtbaren Thüringer Becken und seinen aus Muschelkalkhöhenzügen bestehenden Rändern (Hainich, Dün, Hainleite, Oberes Eichsfeld, Schmücke, Finne) eingenommen. Südlich davon liegen der Thüringer Wald , wo der Große Beerberg mit 982 m die höchste Erhebung Thüringens bildet, und das unmittelbar südöstlich angrenzende Thüringer Schiefergebirge. Im Südwesten wird die Werrasenke von Thüringer Wald und Vorderrhön, Hoher Rhön und Grabfeld umgrenzt. Im Norden gehören Teile des Harzes (Unterharz) der Kyffhäuser sowie der Westteil der Goldenen Aue zu Thüringen. Ein kleines Gebiet im Nordosten liegt in der Leipziger Tieflandsbucht.

Mehrere Flüsse, unter anderem die Unstrut, durchziehen das Thüringer Becken; Ostthüringen wird von der Saale und der Weißen Elster durchflossen.

Das ozeanisch geprägte Klima erfährt durch die Vielseitigkeit des Reliefs leichte Modifikationen. Zu den klimatischen Gunsträumen gehören das Thüringer Becken mit seinen fruchtbaren Böden, die Orla- und Werrasenke sowie das Unstrut- und Saaletal. Der Thüringer Wald weist ein raues und niederschlagsreiches (bis 1300 mm im Jahr) Klima auf. Die hohen Niederschläge in den Mittelgebirgen und die zahlreichen Flüsse ermöglichten den Bau großer Talsperren, über die die Fernwasserversorgung Thüringens geregelt ist (Bild 2).
Thüringen gehört mit einem Waldanteil von 28 % zu den waldreichen Bundesländern.

Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr

Mit einer Bevölkerungsdichte von 151 Einw./km² ist Thüringen eines der schwächer besiedelten Bundesländer. Die landwirtschaftlich strukturierten Gebiete des Thüringer Beckens und der äußerste Südwesten sind dünn besiedelt. Stärker besiedelt ist der Raum zwischen Eisenach und Weimar, die Gebirgsränder sowie die Täler von Saale und Weißer Elster in Ostthüringen. Wie in allen neuen Bundesländern nimmt auch in Thüringen die Bevölkerung durch Migration ständig ab. Der Ausländeranteil ist mit nur 0,4 % der Bevölkerung gering.

28,2 % der Bevölkerung gehören den evangelischen Landeskirchen an, 8,6 % der katholischen Kirche, besonders im Eichsfeld.
Bildung und Forschung übernehmen Universitäten und Fachhochschulen in Erfurt, Ilmenau (TU), Jena (Friedrich-Schiller-Universität), Weimar (z. B. Bauhaus-Universität), Nordhausen und Schmalkalden.

Fernwasserversorgung in Thüringen

Fernwasserversorgung in Thüringen

Landeshauptstadt Erfurt

Die Hauptstadt von Thüringen, Erfurt, liegt im Thüringer Becken an der Gera. Die Stadt mit 205 000 Einwohnern ist Sitz zahlreicher Behörden und (seit 1999) des Bundesarbeitsgerichts. 1999 nahm auch die wieder gegründete Universität ihren Lehrbetrieb auf. Erfurt hat außerdem eine medizinische Akademie und eine Fachhochschule für Gartenbau und Bauwesen. Die Stadt ist katholischer Bischofssitz und besitzt neben mehreren Theatern und Museen die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek Erfurt mit der Amploniana, einer bedeutenden mittelalterlichen Handschriftensammlung.

Die wichtigsten Industriezweige sind der Büro- und der Werkzeugmaschinenbau. Auch Betriebe aus der elektrotechnischen, elektronischen und optischen Industrie sowie der Bekleidungsindustrie sind in Erfurt angesiedelt. Eine besondere Rolle spielt seit vielen Jahren der Erwerbsgartenbau mit Blumen- und Saatzucht. Erfurt ist ein Verkehrsknotenpunkt mit internationalem Flughafen.

Die Stadt wird vom Dom aus dem 14./15. Jahrhundert und der daneben liegenden dreitürmigen Severikirche (um 1278 bis um 1400) überragt (Bild 3). Ein weiterer Anziehungspunkt für Besucher ist die mit Häusern überbaute Krämerbrücke aus dem 14. Jahrhundert. In der Altstadt gibt es neben mehreren mittelalterlichen Kirchen zahlreiche Häuser aus der Renaissance. Am Stadtrand liegen zwei Festungen.

Erfurt entstand an einer Furt durch die Gera und war im Mittelalter eine der bedeutendsten und bevölkerungsreichsten deutschen Städte, um 1500 der Mittelpunkt des deutschen Humanismus, später eine Wirkungsstätte MARTIN LUTHERS.

Für Thüringen spielen industrielle Produktion, Landwirtschaft einschließlich Gartenbau sowie Fremdenverkehr gleichermaßen eine wichtige Rolle. Schwerpunkte des Ackerbaus sind das Thüringer Becken, die Orlasenke, die Goldene Aue und das Gebiet südlich von Altenburg, auf deren fruchtbaren Böden Zuckerrüben, Weizen und Gerste angebaut werden. Die weniger fruchtbaren Randgebiete des Thüringer Beckens werden für den Kartoffel-, Hafer- und Roggenanbau genutzt. Im Unteren Eichsfeld und Werragebiet ist zusätzlich der Anbau von Tabak verbreitet. Im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Harz liegt der Schwerpunkt auf Grünlandnutzung (Jungrinderaufzucht) und Forstwirtschaft. In den Tälern von Saale und Weißer Elster sowie am Rand des Kyffhäusers wird in größerem Umfang Obst- und Gemüsebau, um Erfurt Gemüsebau und Blumenzucht betrieben.

Von der LPG zur Agrargenossenschaft

Wie in den anderen neuen Bundesländern auch, führte die Umstellung von einer planwirtschaftlich auf eine marktwirtschaftlich ausgerichtete Landwirtschaft in Thüringen zu erheblichen strukturellen Veränderungen. Am Beispiel der Agrargenossenschaft Kirchheilingen bei Bad Langensalza im Thüringer Becken lässt sich dieser Wandel gut dokumentieren. Sie entstand aus den ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) Kirchheilingen (Pflanzenbau) und Sundhausen (Tierhaltung). Die Anbaufläche reduzierte sich von etwa 4900 ha auf 4000 ha. Die übrige Fläche wird von kleineren Betrieben genutzt. Der Tierbestand änderte sich in seiner Zusammensetzung. Statt der früheren Ausrichtung auf Rinder- und Schafhaltung dominiert heute die Schweinezucht.
Von den 74 ehemaligen Angestellten mussten 80 % entlassen werden. Aus einem unrentablen Betrieb wurde ein hoch technisiertes und spezialisiertes Unternehmen, das allerdings trotz staatlicher Fördermittel noch immer keine Gewinne erwirtschaften kann.

Gemessen am Umsatz, haben die Nahrungs- und Genussmittelindustrie die größte Bedeutung, gefolgt vom Straßenfahrzeugbau mit dem Hauptstandort in Eisenach und der Autozubehörfertigung, dem Maschinenbau, der Herstellung von Metallerzeugnissen, besonders von Kleineisenwaren und Werkzeugen, der elektronischen Industrie und dem Gerätebau, der Glasindustrie, der Porzellanherstellung und der optischen Industrie. Sonneberg ist ein Zentrum der Spielzeugindustrie. Besonderheiten sind die Produktion von Uhren in Ruhla, von Christbaumschmuck in und um Ilmenau und Lauscha sowie die Druckereien in Gotha (kartografische Erzeugnisse) und Altenburg (Spielkarten).

Blick über Erfurt mit Dom und Severikirche

Blick über Erfurt mit Dom und Severikirche

Technologiezentrum Jena

Gezielte Wirtschafts- und Bildungsförderung nach 1990 führten zur Entwicklung der Technologieregion Jena, dem traditionellen Zentrum des wissenschaftlichen Präzisionsgerätebaus (Bild 4). Nach Aufgliederung des Kombinats „Carl Zeiss Jena“ mit 23000 Beschäftigten entstanden mehrere unabhängige Betriebe, unter denen Jenoptik, Jenapharm und die Jenaer Glaswerke eine mustergültige Entwicklung nahmen. Der Technologie- und Innovationspark (TIP) Jena (Bild 5) mit seiner engen Anbindung an Universität, Fachhochschule und industrielle Forschungsinstitute bietet vor allem Klein- und Mittelbetrieben, die schneller auf Markt- und Technologieveränderungen reagieren können, beste Standortbedingungen.

Thüringen besitzt Vorkommen an Kalisalz sowie reichhaltige Baurohstoffe. Von dem bis 1990 umfangreichen Kalibergbau blieb nur ein Kalischacht bei Vacha im Werrarevier in Betrieb. Der Kaliabbau in den übrigen Gebieten wurde wie der Uranerzbergbau, die Gewinnung von Braunkohle und der Erzbergbau eingestellt. Im Gebiet Probstzella-Lehesten-Wurzbach im Thüringer Schiefergebirge befinden sich Schieferbrüche.

Technologiestandort Jena

Technologiestandort Jena

Technologie- und Innovationspark Jena

Technologie- und Innovationspark Jena

Bedeutende Fremdenverkehrsgebiete sind der Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge mit dem wunderschönen Schwarzatal und der Südharz. Im Thüringer Wald spielt der Wintersport mit dem Zentrum Oberhof eine wichtige Rolle. Der Rennsteig ist schon seit langem eine der beliebtesten deutschen Wanderrouten. Thüringen hat bedeutende Kurorte wie Bad Liebenstein, Bad Berka, Bad Sulza und Bad Langensalza. Touristenmagnete von internationalem Rang und UNESCO-Weltkulturerbe sind die Wartburg bei Eisenach (Bild 6) und das „klassische“ Weimar.

Die zentrale Lage macht Thüringen zu einem wichtigen Durchgangsland im West-Ost- und Nord-Süd-Verkehr. Nach der Wiedererlangung der deutschen Einheit wurden die zum Teil unterbrochenen Eisenbahn-, Autobahn- und Straßenverbindungen nach Hessen und Bayern wieder neu geknüpft. Wichtigster Eisenbahnknotenpunkt ist Erfurt, wo sich auch ein internationaler Flughafen befindet.

Die Wartburg bei Eisenach

Die Wartburg bei Eisenach

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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