Der ökologische Wandel in der Landwirtschaft Deutschlands

Spätestens seit der BSE-Krise zeigte sich auch in Deutschland die Notwendigkeit, die vormals praktizierte Agrarpolitik zu überdenken und neu auszurichten.

Agrarpolitik und Konsumentenverhalten

Die negativen Folgen der bisherigen Agrarpolitik mit der Massenhaltung von Nutztieren, der Verunreinigung von Tierfutter u. a. durch illegale Beimischung von Medikamenten, mit der Verseuchung des Grundwassers und von Gewässern durch unkontrollierte Güllegaben usw. haben viele Verbraucher in Deutschland verunsichert. Das führte letztendlich zu einer bewussteren Auswahl der Nahrungsmittel in den Geschäften. Auch die Nachfrage nach ökologisch erzeugten und gesundheitlich unbedenklichen landwirtschaftlichen Produkten hat sich spürbar verstärkt. Dennoch haben Produkte aus ökologischem Anbau in Deutschland gegenwärtig erst einen Anteil von 1,5 % am Gesamtumsatz von Lebensmitteln.

Inzwischen werden Ökoprodukte nicht mehr nur im Direktvertrieb durch den Erzeuger, in Spezialgeschäften und auf Wochenmärkten angeboten, sondern auch in Supermärkten und Drogerien. Mit der gewachsenen Nachfrage nach diesen Produkten ist aber auch eine preisliche Anpassung verbunden, denn ökologisch erzeugte Lebensmittel haben infolge höherer Produktions- und Vermarktungskosten einen im Vergleich zu konventionellen Produkten höheren Preis.

Dabei darf auch nicht übersehen werden, dass die bisherige Forderung der Verbraucher nach immer größeren Mengen zu immer geringeren Preisen erst den Teufelskreis der Billigproduktion in der Landwirtschaft in Gang gesetzt hat. Dazu kamen noch die preisgünstigen Angebote ausländischer Konkurrenten, die den Preisdruck auf die deutschen Landwirte und damit die Tendenz zur Billigproduktion noch verstärkt haben.

Ökobetriebe und ökologischer Landbau

Dass es durchaus möglich ist, eine naturnahe Landwirtschaft zu praktizieren, die sich in ihrer Produktion an den natürlichen biologischen Kreisläufen orientiert, zeigen vorhandene ökologisch betriebene landwirtschaftliche Betriebe. In Deutschland gibt es etwa 7500 solcher Ökobetriebe mit ca. 400000 Hektar bewirtschafteter Fläche. Das sind zwei Prozent der gesamten deutschen Anbaufläche.

Für die Tierhaltung und den Pflanzenbau in diesen Betrieben gelten bestimmte Normen. In der Vergangenheit war die diesbezügliche Rechtslage in Deutschland allerdings sehr unbefriedigend. So konnten Bezeichnungen, wie „bio“, „ökologisch“ und „biologisch“, sehr frei, z. T. auch missverständlich verwendet werden. Erst seit 1991 gibt es mit einer EWG-Verordnung eindeutige und verbindliche Richtlinien für den ökologischen Landbau und die Kennzeichnung seiner Erzeugnisse und Lebensmittel. Seit dem Jahr 2000 gilt angesichts der BSE-Krise diese Verordnung auch für die Tierhaltung und für tierische Lebensmittel.

Überwachungsmechanismen und Verbraucherschutz

In allen EG-Ländern wachen unabhängige Gremien über die Einhaltung der EG- und weiterer nationaler Richtlinien und Vorschriften. Solche Überwachungsstellen in Deutschland sind z. B. die EG-Kontrollstelle in Kiel oder die Agro-Consult in Berlin, an die sich auch verunsicherte Verbraucher wenden können.

Auszug aus dem Tierschutzgesetz

Auszug aus dem Tierschutzgesetz

Für ökologisch hergestellte Erzeugnisse können geschützte Markenzeichen, beispielsweise das „Bio-Siegel für Produkte des ökologischen Anbaus“, als Öko-Prüfzeichen beantragt werden. Die Vergabe dieser Prüfzeichen an ökologische Landwirtschaftsbetriebe und ihre Erzeugnisse hängt davon ab, ob in der Tierhaltung und im Landbau eine Reihe von Vorschriften befolgt werden:

  • Die Tiere müssen arttypisch gehalten werden. Beurteilungskriterien sind u. a. Auslauf, Einstreu, Bewegungsmöglichkeiten, Luft und Licht.
     
  • Bei der Tierhaltung wird auf Wachstumshormone und Antibiotika verzichtet. Erlaubt ist allerdings die homöopatische Behandlung und der Einsatz von Arzneimitteln im Krankheitsfalle.
     
  • Das Futter wird grundsätzlich nur von einem ausgewählten Bauernhof bezogen. Importierte oder industriell gefertigte Futtermittel, z. B. Tiermehl, finden keine Verwendung.
     
  • Bei Tieren bzw. bei tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen muss ein lückenloser Herkunftsnachweis vorgelegt werden können.
     
  • Beim Pflanzenanbau wird auf den Einsatz chemisch-synthetischer Dünger und Pestizide verzichtet. Statt dessen werden Mittel natürlichen Ursprungs und die natürlichen Feinde der Pflanzenschädlinge für die Düngung und die Schädlingsbekämpfung verwendet.
     
  • Auf gentechnisch verändertes Saatgut wird verzichtet, und gentechnisch manipulierte Pflanzen werden nicht angebaut.

Ökologischer Landbau und Umweltschutz

Neben der artgerechten Tierhaltung und dem Verbraucherschutz hat die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft auch eine wichtige Funktion beim Umweltschutz:

  • Von großer Bedeutung ist, dass die Bodenfruchtbarkeit ausschließlich durch den Einsatz von organischem Dünger (Jauche in verträglicher Menge, tierischer Dung) sowie durch Gründüngung und kompostierte Abfälle gewährleistet wird. Nährstoffverluste des Bodens werden durch Gaben von Gesteinsmehl (u. a. von Granit und Gneis) ausgeglichen.
     
  • Auch mit einer klug durchdachten Fruchtfolge wird das natürliche Gleichgewicht des Bodens gesichert. Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass verschiedene Anbaupflanzen unterschiedliche Ansprüche an den Nährstoffgehalt des Bodens stellen.
     
  • Der Verzicht auf künstlichen Dünger, Herbizide und Pestizide hat letztendlich eine Verbesserung der Grundwasserqualität zur Folge. Wie wichtig das ist, zeigt die Tatsache, dass die konventionellen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden gegenwärtig für 40 % der Nitrat- und Phosphatbelastung des Grundwassers in Deutschland verantwortlich sind.

Der ökologische Wandel im deutschen Agrarbereich setzt vor allem voraus, dass die Landwirte und Bauern auch die Bereitschaft besitzen, die Anbau- und Haltungsbedingungen zu ändern, mit Institutionen und Naturschützern zusammenzuarbeiten und neue Wege bei der Verarbeitung und Vermarktung ihrer Erzeugnisse zu beschreiten. Dieser Bewusstseinswandel soll durch politische Rahmenbedingungen, wie Subventionen und Beihilfen (z. B. die Förderung des Anbaus nachwachsender Rohstoffe mit öffentlichen Mitteln), befördert und beschleunigt werden.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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