Titicacasee – höchstgelegener See der Welt

Lage, Größe, Entstehung und Beschaffenheit des Titicacasees

Der Titicacasee (Bild 1) liegt mit einer Fläche von etwa 8560 km² auf einer Höhe von ca. 3812 m über dem Meeresspiegel. Oft wird er als der höchstgelegene schiffbare See der Welt bezeichnet (Bild 2). Das ist nicht ganz richtig, denn der Lago de Junin in den peruanischen Zentralanden liegt über 4000 m hoch. Mit seiner Länge von 30 km und seiner Fläche von 300 km² ist dieser höchstgelegene See der zweitgrößte See Perus und Teil eines Naturschutzgebietes für Wasservögel.

Der Titicacasee, höchstgelegener (Meereshöhe 3810 m) und größter schiffbarer Hochlandsee der Welt, gehört zu etwa 60 % zu Peru und zu etwa 40 % zu Bolivien.

Der Titicacasee ist aber flächenmäßig der größte See Perus und Südamerikas sowie der größte See der Welt oberhalb 2000 m. Insgesamt ist er fast 13-mal größer als der Bodensee.
Die durchschnittliche Breite des Sees beträgt über 50 km, an der breitesten Stelle 76 km. In der Länge misst er über 176 km, an der tiefsten Stelle 272 m. Durch zwei in den südlichen See hineinragende Halbinseln wird der Titicacasee in einen großen See (Lago de Chucuito) mit 25 Inseln und einen kleineren See (Lago de Huiñaimarca) mit 11 Inseln geteilt.
Das Wasser des Sees ist leicht salzhaltig und hat eine durchschnittliche Jahrestemperatur von 10–13 °C. Somit dient der See in dieser Höhe als Wärmespender für die Altiplano-Hochebene, so dass um ihn landwirtschaftliche Kulturen wie Kartoffeln, Mais, Gerste, Oca (Erdfrucht), Quinoa (von Inka gezüchtete Hochlandgetreideart) angebaut werden können.
Die Fische des Sees sind für die Bewohner eine wichtige Nahrungsgrundlage. In zahlreichen Buchten sieht man Anlagen für die Zucht von Forellen.
Die Entstehung des Titicacasees ist umstritten. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Einbruchszone im Altiplano, jener ausgedehnten und breiten Hochfläche zwischen der West- und der Ostkordillere, die insgesamt eine Schwächezone bei der Gebirgsbildung der Anden (Aufschiebung von Platten in Kombination mit vulkanischen Eruptionen) darstellt. Aber auch die Tätigkeit der eiszeitlichen Gletscher können Ursache der Entstehung des Sees gewesen sein (Gletscherbecken, Trogtal in Verbindung mit Toteis); zumindest haben die Glazialkräfte mitgewirkt. Die Westkordillere reicht mit einigen schneebedeckten Vulkanen über 6000 m Meereshöhe hinaus. Hingegen bildet die Ostkordillere einen geschlossenen alpinen Hochgebirgswall mit vergletscherten Gipfeln um 6500 m Meereshöhe (Cordillera Real, die Königskordillere).

Die Landschaft am bolivianischen Ufer des Titicacasees.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Im Hafen von Puno kündet noch der Fährdampfer „Ollanta“ von der großen Schifffahrt in nahezu 4.000 m Meereshöhe. Der Eisenbahn-Fährbetrieb nach Guaqui in Bolivien mit Zuganschluss nach La Paz ist längst eingestellt. Lediglich ein Cargoschiff mit Zugcontai
Das Rathaus (Municipalidad) am Hauptplatz (Plaza de Armas) in Puno. Der Platz wurde 1979 rekonstruiert.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Die schwimmenden Binseninseln der Uros im Titicacasee sind eine besondere Touristenattraktion.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die Grenze zwischen Peru und Bolivien verläuft fast senkrecht durch den Titicacasee. Von der Fläche des Sees gehören 57 % (ca. 4870 km²) zu Peru und 43 % (ca. 3690 km²) zu Bolivien. Grenzkonflikte gibt es nicht.
Der größte Hafen am Titicacasee (Bild 3) ist in Puno, der Hauptstadt der gleichnamigen peruanischen Provinz. Die über 100000 Einwohner zählende Stadt liegt ca. 3827 m hoch. Wegen der hohen Lage ist das Klima dieser Region sehr extrem; tagsüber brennt die Hochlandsonne, nachts können die Temperaturen unter 0 °C sinken.
Puno (Bild 4) ist eine typische spanische Kolonialstadt, die 1668 aus einer kleinen Siedlung entstanden ist. Diese Siedlung bildete sich nach der Entdeckung reicher Silbervorkommen.
An zahlreichen Festtagen verwandelt sich Puno in die „Folklorehauptstadt Perus“. Die Bewohner der Stadt und des Hochlandes tanzen in bunten Kostümen durch die Stadt.
Durch die Lage am Titicacasee ist Puno auch Ausgangspunkt von Bootsfahrten zu den verschiedenen Inseln und nach Copacabana auf bolivianischer Seite des Sees.

Die Hütten der Uros, der „Seemenschen“, auf den schwimmenden Inseln werden aus Binsen errichtet.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Traditionelles Transportmittel der Uros ist das aus Binsen gefertigte kanuartige Boot.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die schwimmenden Inseln der Uros

In der Bucht von Puno gibt es etwa 80 größere und kleinere schwimmende Inseln der Uros (Bild 5). Das Volk der Uro ist heute ausgestorben, der letzte männliche echte Uro starb 1957, die letzte Frau 1970. Die Nachkommen der Uros, der „Seemenschen“, sind eine Mischung aus Uro-, Aymara- und Inka-Nachfahren. Bis vor einigen Jahrzehnten ernährten sich die Uro-Nachfahren durch Vogel- und Fischfang und durch den Verzehr der zarten Binsenstängel. Die heutigen Inselbewohner (ca. 1100 Personen) leben fast ausschließlich vom Tourismus. Da diese Inseln ein „Hauptmagnet“ für alle Reisenden in die Region Puno sind, versuchen die Uros an alle Besucher selbst angefertigte Souvenire zu verkaufen, wie Puppen und Boote aus Totora-Binsen bzw. von den Frauen gewebte bunte Decken, Tücher und Wandbehänge (Bild 6).
Die schwimmenden Inseln bestehen aus ca. 80 cm starken Bündeln von Totora-Binsen, die über kreuz schichtweise gestapelt und verknotet werden, bis die gesamte Schicht etwa zwei Meter Mächtigkeit erreicht. Alle sechs Monate muss diese Plattform erneuert werden, da sie sich mit Wasser vollsaugt, schwerer wird und sinkt bzw. andersartig Schaden nimmt oder zu faulen beginnt. Das trifft auch für die aus Binsen bestehenden einfachen Hütten und das Haupttransportmittel – Boote in Kanuform (Bild 7) – zu.
Die größeren Inseln sind ständig bewohnt, auf einigen wenigen gibt es sogar Schulen, Restaurants und Unterkünfte.

Auf der Insel Taquile reichen die von den Inkas angelegten Terassenfelder bis zur Küste.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Die strickenden Männer von der Insel Taquile.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die Insel Taquile

Die etwa 35 km von Puno entfernt im Titicacasee gelegene Insel Taquile (Bild 8) ist ca. 5,5 km lang und 1,5 km breit. Auf dieser bergigen Insel wird Landwirtschaft auf Terassenfeldern – wie zur Inkazeit – betrieben (Kartoffeln, Oca, Mais, Gerste). Die etwa 2000 Inselbewohner betreiben außerdem Viehwirtschaft (Schafe, Rinder) und leben seit 1978 auch vom Tourismus.
Bekannt ist die Insel Taquile für seine Textilarbeiten. Frauen weben farbenprächtige Kleidungsstücke, Männer stricken mit typischen Mustern versehene Mützen (Bild 9).

Blick von der Sonneninsel (Isla del Sol), nahe der Inka-Ruine von Pilkokaina, über die kleine Mondinsel (Isla de la Luna) hinüber zur festländischen Halbinsel Copacabana.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die Sonneninsel

Die buchtenreiche Sonneninsel (Isla del Sol, Bild 10) ist die größte Insel im Titicacasee (ca. 10 km lang und ca. 5 km breit). Gegenwärtig leben auf der Insel in mehreren kleinen Orten etwa 1200 Einwohner, vorwiegend von Fischfang, etwas Landwirtschaft auf Terassenfeldern und Viehzucht sowie auch vom Tourismus. Die Insel liegt auf bolivianischem Gebiet.
Ursprünglich hieß die Insel Titicachi. Davon ist der Name Titicacasee abgeleitet. Nach verschiedenen Inkalegenden wurden hier der Schöpfergott WIRACOCHA, der erste Inka MANCO CAPAC und seine Schwester bzw. Frau MAMA OCLLO geboren. Daher ist den Inkanachkommen – den Quechuas und den Aymaras – die Sonneninsel und der ganze See heilig. Sie betrachten die Gegend als „Geburtsstätte“ des Inkareiches.
Nachweisbar ist die Besiedlung der Insel durch die Inka anhand mehrerer Ruinenkomplexe. In der Nähe der Südspitze der Insel
(Bild 11) befindet sich die Ruine Pilkokaina, einem ehemaligen Inka-Palast. Im Norden gibt es mehrere Ruinenkomplexe, z. B. die Ruinen von Chincana (übersetzt „Labyrinth“) u. a. mit Resten eines großen Tempels, eines Opferplatzes, mehrerer kleiner Tempel und von Wohnunterkünften für Priester. Alles wird von einem Incanotapa (Palast eines Inka) überragt.

Der gut erhaltene Ruinenkomplex von Chincana im Norden der Sonneninsel war einst eine stattliche Inkasiedlung.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Copacabana und sein Strand – eingebettet zwischen Bergen – war Namengeber des weltberühmten Strandes von Rio de Janeiro in Brasilien.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Die Halbinsel Copacabana

Die Halbinsel Copacabana gehört zu Bolivien. Sie teilt den Titicacasee in den nördlichen großen See (Lago der Chucuito) und den südlichen kleinen See (Lago de Huiñaimarca).
Der gleichnamige Ort (ca. 20000 Einwohner) – direkt in einer schönen Bucht am Titicacasee gelegen (Bild 12) – war eine bedeutende Kultstätte zu Zeiten der Inka und deren Nachfahren. Heute ist die erst 1820 im maurischen Stil mit Azulejos (gemusterte Kacheln) fertiggestellte prächtige Kathedrale von Copacabana (Bild 13) mit der berühmten wundertätigen „schwarzen Madonna“ (Virgen de Copacabana, Schutzheilige des Titicacasees) ein wichtiges Wallfahrtsziel der Bolivianer.
Der Ort ist von Bergen umgeben. Ein steiler Weg führt hinauf zum Gipfel des Cerro Calvario (Kalvarienberg), vorbei an 14 steinernen Kreuzstationen mit heiligen Bildern zum großen Gipfelmonument (Bild 14) mit einer Madonna.

Die mit maurischen Elementen versehene Kathedrale von Copacabana ist die Hauptattraktion des Wallfahrtsortes.© Hans-Ulrich Pews, Berlin
Der Weg auf den Gipfel des Cerro Calvario nahe des Ortes Copacabana führt an 14 Kreuzstationen vorbei bis zur Madonnenstatue.© Hans-Ulrich Pews, Berlin

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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