Das Mittelalter in Europa – Überblick

Binnenperiodisierung

Als Mittelalter wird die auf die Antike folgende und der Neuzeit vorangehende geschichtliche Epoche bezeichnet. Es wird davon ausgegangen, dass das Mittelalter mit der Völkerwanderung (3.–5. Jh.) beginnt und um 1500 mit der Reformation endet. Die Völkerwanderung umreißt dabei speziell die Zeit zwischen 376 und 568, dem Hunnenansturm und der Eroberung Italiens durch die Langobarden.
Innerhalb des Mittelalters wird eine Binnenperiodisierung vorgenommen. So unterscheidet man:

  • Frühmittelalter (5.–Mitte 11. Jh.),
  • Hochmittelalter (Mitte 11. – Mitte 13. Jh.) sowie
  • Spätmittelalter (Mitte 13. – ca. 1500).

Wann das Mittelalter beginnt und endet, ist umstritten. Die Geschichtswissenschaftler haben ihre Diskussion darüber bislang nicht abgeschlossen. Klassische Zäsuren für den Beginn aus der Sicht des europäischen Mittelalters sind

  • der Untergang des Weströmischen Reiches 476
  • oder das Eindringen des Islam nach Europa im 7. und 8. Jh.

Für das Ende des Mittelalters werden

  • die Reformation 1517,
  • die Entdeckung Amerikas 1492 oder
  • die Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453

angeführt.

Das Mittelalter wird von einigen als heile Welt, als Idylle, verklärt, die anderen sehen in dieser geschichtlichen Periode eine Zeit der Dunkelheit und Unfreiheit.

Das Frühmittelalter (Bild 2) ist gekennzeichnet durch die Herausbildung feudaler Herrschaftsstrukturen. Dazu gehören

  • Grundherrschaft, d. h. die Verfügungsgewalt des Adels über Grund und Boden und die auf ihm lebenden Bauern,
  • Übergang des Bauern in hörige Abhängigkeit,
  • Herausbildung des Lehnsrechts, d. h. der Verleihung von Grund und Boden durch den König an seine Vasallen,
  • Herausbildung des Papsttums innerhalb der katholischen Kirche, d. h., der Bischof von Rom gilt als Stellvertreter Gottes auf Erden,
  • der Papst stellt sich unter den Schutz des fränkischen Königs, d. h., es beginnt die faktische Trennung von Papst und Byzanz,
  • Entstehung multinationaler Staatsgebilde.

Das Hochmittelalter ist aus deutscher Sicht durch die Herausbildung eines deutschen Staatswesens gekennzeichnet. Neuere Forschung sieht den Beginn des Hochmittelalters mit den entscheidenden gesellschaftlichen Wandlungen seit dem 11. Jh. an:

  • deutliches Bevölkerungswachstum,
  • gestiegener Nahrungsbedarf,
  • Verbesserung der Produktionsmethoden innerhalb der Landwirtschaft,
  • Erschließung neuer Siedlungsgebiete,
  • Entstehung neuer Märkte durch Aufschwung in Handwerk und Handel,
  • Städte- und Handelsbündnisse,
  • Aufschwung der Städte,
  • Ansiedlung von Bauern in den Städten,
  • wachsender Einfluss des Papsttums,
  • Entstehung neuer Bildungseinrichtungen (Universitäten).
Das frühe Mittelalter

Im Spätmittelalter machte sich eine allgemeine Krisenstimmung breit. Pestepidemien (besonders in den Jahren 1347–1351, 1361/62, 1371, 1385 und 1457/58), Missernten und Hungersnöte führten zu weiteren gesellschaftlichen Veränderungen. Durch

  • Bevölkerunsrückgang kam es zu
  • Verödungen ganzer Landstriche.
  • Es kam zum (zum Teil fluchtartigen) Abzug ländlicher Bevölkerung in die Städte.
  • Preisverfall für Getreide
  • steigerte die Not der armen Bevölkerung.
  • Man wich auf Viehhaltung aus, wo die Böden zu schlecht für die Getreideproduktion waren.
  • Die soziale Lage der Bauern verschlechterte sich, es begann der Weg in die Gutsherrschaft.
  • Durch erste große Bauernaufstände (1348: Bauernaufstand in Frankreich [„Jacquerie“]); 1381: Unruhen in England) versuchte die ländliche Bevölkerung auf ihre Not aufmerksam zu machen.
  • Die zunehmende Verschuldung des Fürsten und die Schaffung von Söldnerheeren führten zu Raubrittertum.

Krankheit wurde als Strafe Gottes für begangene Sünden verstanden. Es kam zu extremen Bußhaltungen: Flagellanten- (= Selbstgeißler)gruppen zogen durch die Lande und riefen zu erhöhter Bußfertigkeit auf. Insgesamt kam es zu einer

  • allgemeinen Krisenstimmung,
  • politisches Übergewicht des hohen Adels,
  • Änderung des Verältnisses der Menschen zum Tod (Tod als Bedrohung):
  • Jenseitsgewandtheit und erstarkte Religiosität der Menschen erzeugten eine
  • pessimistische Lebenshaltung (Vanitas, Vanitatum, „et omnia vanitas“, lat.= „Eitelkeit der Eitelkeiten, und alles ist Eitelkeit“), das bedeutet Vergeblichkeit, Nichtigkeit, leeres Gerede.
  • Andererseits wurden kirchliche Normen ignoriert, Begüterte führten ein Leben in Luxus,
  • Hexenverfolgungen,
  • Verfolgung der Juden als vorgebliche „Feinde Gottes“.
Die Rolle der Ritter veränderte sich. Sie wurden nicht mehr für den Kriegsdienst benötigt, wodurch sie raubend durch die Lande zogen. Als „Raubritter“ versuchten sie, ihren sozialen Status zu erhalten.
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