Das neue Lebensgefühl

  • Zeitungen mit großer Auflage,
  • viele neue Zeitschriften,
  • das Radio,
  • die Schallplatte,
  • das Kino für alle und
  • der Tonfilm

entwickelten sich. Das nach der Zeit von Krieg und Krise aufgestaute Lebens- und Unterhaltungsbedürfnis bricht sich überall massenhaft Bahn.
Der Kulturmarkt wurde international und kommerziell. Es ist die Zeit des Charleston, Foxtrott und Jazz. Hollywood wurde auch in Europa ein Begriff.
Sportwettkämpfe wie das 6-Tage Rennen oder Boxveranstaltungen waren riesige Spektakel vor großem Publikum.
Die Helden und Stars dieser Zeit waren

  • Luftschiffkonstrukteure,
  • Pol-Entdecker,
  • Autorennfahrer,
  • 6-Tage-Champions,
  • Boxsportler,
  • Künstler wie CHARLIE CHAPLIN und GRETA GARBO,
  • Hochstapler und Ganoven.

Durch die Elektrifizierung und Mechanisierung der Großstadt veränderte sich das Zeitgefühl seiner Bewohner erheblich. Dies ging einher mit einer bisher nicht gekannten Wahrnehmung des Alltags. Mit dem neuen Lebensgefühl veränderte sich auch die Sprache im Alltag.
Die neusachliche Literatur beobachtete das Verhalten des Einzelnen in der Masse und seiner Zwänge, denen er ausgesetzt war und in denen er sich bewegen mußte. Sie machte Verhaltensgebote.

Ende der Neuen Sachlichkeit

Mit dem Ende der Weimarer Republik kam auch das Ende der Neue Sachlichkeit als dominante kulturelle und literarische Strömung.
Wie auch immer das Fazit der Zeitgenossen ausfiel, letztlich gingen von der Neuen Sachlichkeit wichtige Impulse für das gesamte kulturelle Leben aus. Sie wurde

  • Ausdruck eines Lebensgefühls bestimmter städtischer Bevölkerungsgruppen und
  • sie hatte entscheidend dazu beigetragen, Kunst und Kultur ihrer geheimnisvollen Aura zu berauben und für ein Massenpublikum zu öffnen.

Die Künste hatten in der Auseinandersetzung mit den neuen Medien ihrer Zeit neue Formen entwickelt und deren Wirkungen erprobt, die schnell zum Standard wurden.
Das Ende der zwanziger und der Beginn der dreißiger Jahre ist jedoch auch eine der hohen Arbeitslosenzahlen geschuldete von Klassenkämpfen und Straßenschlachten aufgewühlte Zeit. Auch diese Beobachtungen fließen in die Literatur der Neuen Sachlichkeit ein. So entstehen neue Spielarten von Arbeiterliteratur, die an naturalistische Traditionen anschließt oder aber vom Proletkult bzw. vom Surrealismus gespeist wird.

Lasst Tatsachen sprechen!

Lasst Tatsachen sprechen! Unter diesem Motto schrieben Künstler ganz unterschiedlicher, ja zum Teil gegensätzlicher - nicht selten zur Radikalität tendierender - politischer Auffassungen und Weltsichten. Dies ist ein Grund dafür, dass diese Strömung sehr umstritten war und ist.

In Analogie zur gesamtliterarischen Situation stellt sich der neusachliche Diskurs als eine Auseinandersetzung zwischen linksbürgerlichen, kommunistischen, gemäßigt konservativen und völkisch-nationalen Gruppierungen dar, eine Konstellation, die sich in den beteiligten Publikationsorganen wiederholt. Kritik kam vor allem von seiten der konservativen Literaturkritik, gegen „großstädtische Zivilisationskunst“ und „urbane Asphaltliteratur“, gegen den „Geist von Berlin“.
(WILHELM STAPEL).

Diskussionen um die Funktionalität und Ideologiefreiheit von sachlichen Formen, die eine Gleichstellung unterschiedlichster Erfahrungen wie Schlachtfeld und Sommerwiese durch die Verwendung gleicher oder verwandter Stilebenen zu erlauben schienen, gehören zur Geschichte dieses Phänomens.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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