Friedrich II.

FRIEDRICH II., DER GROSSE, König von Preußen, wurde am 24.01.1712 als ältester Sohn von FRIEDRICH WILHELM I. und SOPHIE DOROTHEA von Hannover in Berlin geboren.

Der Kulturmäzen FRIEDRICH II.

Im Gegensatz zu seinem Vater, dem Soldatenkönig, pflegte FRIEDRICH II., auch der „ALTE FRITZ“ genannt, großes Interesse an Kunst und Wissenschaft. Er litt darunter, Französisch nicht als wirkliche Muttersprache erlernt zu haben, und sprach Deutsch, wie er es selbst formulierte, „wie ein Kutscher“. Zudem liebte er die Musik und komponierte als begabter Flötist etliche Stücke. Sein besonderes Interesse galt der französischen Kultur, weshalb er die Preußische Akademie der Wissenschaften zu einer zentralen Forschungs- und Lehrstätte des neuen aufklärerischen Gedankenguts ausbaute. Mitglieder der Akademie wurden unter anderem D´ALEMBERT, CONDORCET und DIDEROT. Am 08.08.1736 begann FRIEDRICH II. seinen Briefwechsel mit dem berühmten französischen Philosophen VOLTAIRE.
„Unter Ihrem Schutz wird Berlin das Athen von Deutschland werden, vielleicht von Europa“ antwortete VOLTAIRE in seinen zweiten Brief an FRIEDRICH II. erwartungsvoll.
Umgehend nach seinem Regierungsantritt 1740 lud FRIEDRICH II. VOLTAIRE und andere französische Aufklärer an die Akademie ein. VOLTAIRE hielt sich 1743 am preußischen Hof auf, danach erneut von 1750 bis 1753.

FRIEDRICH II. (1712–1786)

FRIEDRICH II. (1712–1786)

In Potsdam veranlasste FRIEDRICH II. 1745 den Bau des Rokokoschlosses Sanssouci und des Neuen Palais. Die Hedwigskirche in Berlin baute er als Ausdruck seiner religiösen Toleranz.
Die französische Sprache und Literatur zog er der deutschen vor. FRIEDRICH II. selbst verfasste 30 Bände, die im Zeitraum von 1846 bis 1857 herausgegeben wurden.
In einer Abhandlung aus dem Jahr 1739, die von VOLTAIRE als Antimachiavell betitelt wurde, äußerte sich FRIEDRICH II. über eine friedliche und von den Prinzipien der Aufklärung geleitete Herrschaft. Der Herrscher als der „erste Diener seines Staates“ sei unbeschränkt souverän, müsse sich jedoch stets dem Wohl seines Landes unterordnen.

Konflikt mit dem Vater
Intellektuell und musisch hochbegabt, dazu gegenüber den Ideen der Aufklärung offen, kam es bereits früh zu Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der FRIEDRICH II. mit militärischer Strenge erzog. Die Differenzen gipfelten am 05.8.1730 in einem Fluchtversuch des achtzehnjährigen Kronprinzen FRIEDRICH II. nach England, da er der strengen Erziehung und den Demütigungen durch seinen Vater nicht mehr standhalten konnte.
Er wurde jedoch bald entdeckt und kam mit seinem Vertrauten und Fluchthelfer HANS HERMANN VON KATTE in Küstrin in Festungshaft. FRIEDRICH II. wurde eine Zeit lang der Status als Kronprinz aberkannt, und man zwang ihn, der Hinrichtung seines Freundes KATTE am 6.11.1730 zuzusehen.
Nach der Einwilligung FRIEDRICHS II. in die von seinem Vater erzwungene Heirat mit ELISABETH CHRISTINE VON BRAUNSCHWEIG-BEVERN wurde er im Februar 1732 schließlich aus der Festungshaft entlassen.

Schloss Sanssouci in Potsdam

Schloss Sanssouci in Potsdam

König und Feldherr

1736–1740 lebte er mit seiner Frau in Rheinsberg. Umgeben von seinen Freunden, reifte in ihm die Erkenntnis um seine Pflichten als künftiger Herrscher heran, was ihn die Leistungen seines Vaters in der Staatsführung würdigen ließ.
Mit dem Tod seines Vaters am 31.05.1740 übernahm FRIEDRICH II. die Regentschaft. Im selben Jahr setzte Kaiser KARL VI. die „Pragmatische Sanktion“ (Erbfolge) gegen die Fürsten durch und machte seine Tochter MARIA THERESIA als erstes weibliches Familienmitglied der Habsburger zur Nachfolgerin eines österreichischen Regiments.
FRIEDRICH II. forderte daraufhin von Österreich sogleich die Abtretung Schlesiens an Preußen. Er sei als Gegenleistung gewillt, die „Pragmatische Sanktion“ anzuerkennen. Österreich lehnte jedoch ab, worauf FRIEDRICH II. am 16.12.1740 in Schlesien einzog und auf diese Weise den Österreichischen Erbfolgekrieg auslöste. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt FRIEDRICH II. dank seines Vaters, des sparsamen Soldatenkönigs, die viertstärkste Armee Europas. Die Staatskasse war ebenfalls bestens bestellt, sodass hervorragende Voraussetzungen für einen Krieg bestanden. Als einer der wenigen Monarchen seiner Zeit unterzog FRIEDRICH II. sich höchstpersönlich den Gefahren des Krieges und ritt bei seinen Feldzügen in den vordersten Reihen.

FRIEDRICH II. schenkt einem braven Korporal seine Uhr (DANIEL NIKOLAUS CHODOWIECKI, 1793)

FRIEDRICH II. schenkt einem braven Korporal seine Uhr (DANIEL NIKOLAUS CHODOWIECKI, 1793)

Kriege und Erfolge von FRIEDRICH II, DEM GROSSEN

  • 1. Schlesischer Krieg (1740–1742)
  • 2. Schlesischer Krieg (1742–1744)
  • 3. Schlesischer Krieg, auch Siebenjähriger Krieg genannt (1756–1763)
  • Bayerischer Erbfolgekrieg (1778–1779)

MARIA THERESIA musste aufgrund der preußischen Siege bei Mollwitz am 10.04.1741 und am 17.05.1742 bei Chotusitz im Frieden von Breslau Schlesien an FRIEDRICH II. abgeben.
1744 eignete sich FRIEDRICH II. Ostfriesland an, nachdem dessen Machthaber bei seinem Tod keine Nachkommen hinterlassen hatte. FRIEDRICH II. löste 1742 den zweiten schlesischen Krieg mit Österreich aus und konnte auch diesen Feldzug für sich entscheiden. Damit sicherte er Schlesien endgültig für Preußen.
Er überzeugte mit diesen beiden Erfolgen als fähiger Feldherr und es gelang ihm, Preußens Macht im Reich, insbesondere gegenüber Österreich auszuweiten. Die österreichische Aufrüstung und Bündnispolitik beobachtete FRIEDRICH II. mit großem Unbehagen. Er ging davon aus, dass der bestehende Dualismus zwischen Österreich und Preußen in einem Krieg eskalieren würde und löste deshalb als Präventivschlag gegen Österreich 1756 mit seinem Einmarsch in Kursachsen den Siebenjährigen Krieg aus. Seinem Heer traten die Armeen der Verbündeten Österreichs, Russland, Schweden, Sachsen und Frankreich entgegen. Lediglich Großbritannien unterstützte Preußen mit Subsidien.
Mit dem Tod der russischen Zarin ELISABETH im Jahr 1762, übernahm ihr Sohn PETER III., der ein großer Bewunderer von FRIEDRICH II. war, die Regentschaft von Russland. Preußen und Russland schlossen Frieden. Nur diesen Umständen verdankte Preußen das Bestehen gegen die Übermacht, und konnte sich nach wechselvollem Kriegsverlauf schließlich gegen das feindliche Bündnis durchsetzten. Der Friede von Hubertusburg von 1763 sicherte FRIEDRICH II. den territorialen Status quo der Vorkriegszeit. Im selben Jahr wurde der englisch-französische See- und Kolonialkrieg im Pariser Frieden beigelegt.
1764 verbündete sich FRIEDRICH II. mit der russischen Zarin KATHARINA II. Preußen bekam bei der von FRIEDRICH II. angeregten ersten polnischen Teilung von 1772 das Ermland und Westpreußen ohne Danzig und Thorn zugesprochen. Auf diese Weise war eine Landverbindung zwischen Brandenburg und Pommern geschaffen. Im Frieden von Teschen am Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges 1779 erhielt Preußen Ansbach und Bayreuth, wobei Österreich einen Teil des Innviertels für sich beanspruchte.
1785 gründete FRIEDRICH II. als Konsequenz auf die österreichische Vorherrschaft den Deutschen Fürstenbund.

Innenpolitik

Neben der territorialen Erweiterung Preußens bemühte sich FRIEDRICH II. zudem um den inneren Ausbau seines Landes. Als Herrscher vertrat er den aufgeklärten Absolutismus. Er musste einerseits den humanitären Ideen, der Wohlfahrt seines Landes als auch der Staatsräson zufriedenstellend dienen. Die von seinem Vater FRIEDRICH WILHELM I. eingeführten Zentralisierungs- und Bürokratisierungsmaßnahmen setzte er fort. Um die Staatseinnahmen zu erhöhen, welche die Finanzierung seines Heeres erforderte, führte FRIEDRICH II. eine strenge Steuerpolitik und ein straff organisiertes Wirtschaftssystem ein. Zudem unterstützte er die Landwirtschaft und liberalisierte die Leibeigenschaft.
In der Bildungspolitik reformierte er die Lehrerbildung und das Volksschulwesen. Er verkündete die allgemeine Glaubensfreiheit, trieb die Siedlungspolitik an und ordnete die Rechtspflege an. 1747 schaffte er die Folter ab.
Am 17.8.1786 starb FRIEDRICH II. in Sanssouci als gefürchteter, vereinsamter Mann, dessen einzige Vertraute seine Windspiele waren. Da seine Ehe kinderlos blieb, ernannte man den Sohn seines Bruders zum Nachfolger von FRIEDRICH II. Obgleich FRIEDRICH DER GROSSE sich wünschte, neben seinen Windspielen beigesetzt zu werden, wurde er auf Befehl seines Nachfolgers in der Garnisonskirche bestattet.

Denkmal für FRIEDRICH II. im rekonstruierten Friedrichshain in Berlin. Die Büste ist ein Abguss des Denkmals Unter den Linden. Bei der Rekonstruktion des Friedrichshains Mitte der neunziger Jahre des 20. Jh. war man auf Teile des Anfang der fünfziger Jahre zerstörten Denkmals gestoßen. Die Denkmalschützer entschlossen sich, das Denkmal wieder aufzubauen. Die Büste blieb jedoch unauffindbar, sodass man sie rekonstruierte.

Denkmal für FRIEDRICH II. im rekonstruierten Friedrichshain in Berlin. Die Büste ist ein Abguss des Denkmals Unter den Linden. Bei der Rekonstruktion des Friedrichshains Mitte der neunziger Jahre des 20. Jh. war man auf Teile des Anfang der fünfziger Jahre zerstörten Denkmals gestoßen. Die Denkmalschützer entschlossen sich, das Denkmal wieder aufzubauen. Die Büste blieb jedoch unauffindbar, sodass man sie rekonstruierte.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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