Fotografie und ihre geschichtliche Entwicklung

Definition Fotografie

Der Begriff Fotografie geht auf die beiden griechischen Wörter „photo“ und „graphein“ zurück. Sie bedeuten „Licht “und „schreiben“.

Fotografie ist ein Sammelbegriff für Verfahren zur Herstellung von Bildern auf lichtempfindlichen Flächen (Platte, Papier, Film).

Durch das Licht oder auch elektromagnetische Strahlung kommt es zu einer fotochemischen Reaktion. Die Abbildungen, die bei dieser Reaktion entstehen, werden Fotografie genannt.

Heutzutage wird nur noch selten mit Schwarz-Weiß-Filmen fotografiert. Es werden viel mehr Farbfilme eingesetzt.

Historische Entwicklung der Fotografie

Der Ursprung der Fotografie und auch der Vorläufer der heutigen Kamera war die Camera obscura (lateinisch: seltsame Kammer). Dies war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem winzigen Loch in einer Wand. Das Licht, das durch dieses Loch einfiel, projizierte auf die gegenüberliegende Wand ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Abbild der Außenwelt. Dieses Prinzip war aber bereits Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. bekannt.

Später wurde die Camera obscura von vielen Künstlern als Hilfsmittel zum naturgetreuen Zeichnen verwendet. Im 16. Jahrhundert gelang es dann, die Qualität der zu meist unscharfen Abbildung mithilfe von Sammellinsen zu verbessern. Im 17. Jahrhundert entwickelte man dann die ursprüngliche Camera obscura zu einem transportablen Kasten weiter.

17. Jahrhundert
Die Fotografie gilt seit 1929 als anerkannte eigenständige Kunstgattung. Aber ihre Ursprünge reichen weit ins 17. Jahrhundert zurück. Manche Wissenschaftler meinen, dass schon LEONARDO DA VINCI mit fotografischen Mitteln gearbeitet habe. So soll das Grabtuch von Turin ein frühes Foto sein, dass der geniale Renaissancemaler geschaffen habe. Es sei ein Auftrag der Herzöge VON SAVOYEN gewesen. LEONARDO habe sich die damals schon erfundene Camera obscura zunutze gemacht und mittels einiger Chemikalien, die damals schon bekannt waren, ein Foto auf das Leinen projiziert. Die Forscher, die dies behaupten, kamen auf diese Theorie, da es auf dem Grabtuch keinerlei Malspuren, also keinen Farbauftrag gibt. So umstritten diese Theorie auch ist, weist sie doch weit in die Vergangenheit zurück. Denn schon 100-150 Jahre später entdeckte der Arzt JOHANN HEINRICH SCHULZE (1687–1744) die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen, Substanzen also, die auch LEONARD hätte verwenden können, da sie bekannt waren.

18. Jahrhundert
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckten Wissenschafter die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze. Beleuchteete man mit Silberchlorid beschichtete Platten, so färbten sich diese belichteten Teile schwarz, nachdem man die Platte mit Ammoniak fixiert hatte. Nicht lange danach waren das Silberjodid und Silberbromid als lichtempfindliche Substanzen entdeckt worden. THOMAS WEDGEWOOD (1771-1805), ein Chemiestudent, hatte 1790 mit lichtempfindlichen Stoffen experimentiert. Er begann mit der fotografischen Aufzeichnung auf Papier, das mit einer Schicht aus Silberchlorid überzogen war. So konnte WEDGEWOOD Blätter und Insektenflügel „fotografieren“. Diese ersten Arbeiten waren sio genannte Kontaktkopien. Das Problem dieser Fotografien bestand darin, dass sie noch unbeständig waren, weil mit der Zeit die gesamte Bildfläche nachschwärzte.

19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert kann als das eigentliche Geburtsjahrhundert der Fotografie bezeichnet werden, da es durch viele Entwicklungen und Erfindungen gekennzeichnet war, die auch heutzutage noch eingesetzt werden bzw. die Grundlage heutiger Verfahren sind.

1839 gelang LOUIS JACQUES MANDE DAGUERRE (1787–1851) mit der Daguerreotypie ein Verfahren, mit dem man ausschließlich Positive herstellen konnte, d.h. Daguerreotypien waren Unikate.

Bereits 1816 war es seinem Landsmann JOSEPH NICÉPHORE NIEPCE gelungen, Abbilder der Natur auf lichtempfindlichen Zinnplatten in der Camera Obscura herzustellen. Ein spezieller lichtempfindlicher Asphalt musste dafür mindestens 8 Stunden belichtet werden. So entstand das erste Negativ der Welt. NIEPCE nannte seine Erfindung Heliografie. Dieses Verfahren entwickelte DAGUERRE weiter. Er benutzte allerdings mit Silber beschichtete Kupferplatten, die mit Joddämpfen lichtempfindlich gemacht worden waren. Quecksilberdampf reagierte bei der Belichtung mit dem Silber, sodass sich weißes Silberamalgam bildete. Die nicht belichteten Teile der Dauerrotypie blieben im Urzustand, d.h. man sieht die rote, polierte Kupferplatte. Der Vorteil gegenüber den vorherigen Erfindungen bestand darin, dass nur noch 20 Minuten belichtet werden musste.

Der Engländer WILLIAM HENRY FOX TALBOT (1800–1877) experimentierte etwa zeitgleich mit photogenetischen Zeichnungen. Er gilt als Erfinder des Negativ-Positiv-Verfahrens. Nun konnte jedes Foto vervielfältigt werden. TALBOT benutzte mit Silberjodid beschichtetes Papier, das er für einige Minuten belichtete und dann mit Gallussäure (3,4,5-Trihydroxybenzoesäure), Silbernitrat und Essigsäure entwickelte. Natriumthiosulfatlösung fixierte das Negativ. Durch nochmaliges Belichten auf lichtempfindlichem Papier gelang ihm das Positiv des Fotos.

Sein Verfahren nannte TALBOT Kalotypie (griech. „schöner Druck“). Bei TALBOTs Verfahren waren Belichtungszeiten von nur etwa 30 Sekunden erforderlich. Bereits drei Jahre später war die Belichtungszeit für Daguerreotypien und Kalotypien auf einige Sekunden reduziert worden. Der Nachteil von TALBOTs Kalotypie-Verfahren war die grobkörnige Struktur des Papiernegativs. Dennoch erwies sich das Negativ-Positiv-Prinzip als zukunftsweisend.

1847 erfand Sir DAVID BREWSTER (1781–1868) die zweiäugige Stereokamera und 1851 entwickelte der britische Bildhauer und Fotograf FREDERICK SCOTT ARCHER (1813–1857) das „nasse Collodiumverfahren“. Bei diesem Verfahren wurde Collodium (in Diethylether gelöste Baumwolle) verwendet. Unmittelbar vor der Belichtung musste der Fotograf Silberhalogenide auf eine Glasplatte auftragen. Aufgrund dessen, dass die Negative in nassem Zustand belichtet und entwickelt werden mussten, war eine nahe gelegene Dunkelkammer erforderlich. Das Collodium war in diesem Fall ein Bindemittel, das kurz zuvor von dem Schweizer Chemiker CHRISTIAN FRIEDRICH SCHÖNBEIN entdeckt worden war.

RICHARD LEACH MADDOX (1837–1920) benutzte als Erster Gelatine-Trockenplatten. Dabei wurde eine Gelatineemulsion mit Silberbromid kombiniert. Mit diesem Material konnte hochempfindliche Aufnahmen gemacht werden. Die Bromsilber-Gelatine-Trockenplatten wurden später wiederum durch das Bromsilber-Gelatine-Papier abgelöst. Mit MADDOX' ' Verfahren trennte sich erstmals der Fotograf vom Fotolabor.

HERMANN WILHELM VOGEL (1834–1898) entdeckte schließlich 1873 die spektrale Sensibilisierung, die es ermöglichte, unterschiedlich farbige Partien in der Wirklichkeit in unterschiedlich grauen Partien auf dem Foto umzusetzen.

1879 ließ sich JOSEPH SWAN, britischer Chemiker, ein von ihm entwickeltes Bromsilberpapier patentieren.

GEORGE EASTMAN (1854–1900), ein „mäßig begabter Schüler“, der die Schule abbrach und mit 14 Jahren als Bürohilfe anfing zu arbeiten, gelang 1882 der Durchbruch in der Fotografie. Er entwickelte den Rollfilm, mit dem man mehrere Fotos nacheinander machen konnte, ohne die bis dahin üblichen Fotoplatten auszutauschen. Er machte sich außerdem Gedanken über eine einfach zu bedienende Kamera und erfand sie gleich mit. Seine 1880 gegründete Eastman Kodak Company stieg zum weltgrößten Hersteller von Fotomaterial auf. Die Erfindung des Rollfilmes leitete den Beginn einer neuen Epoche in der Amateurfotografie ein.

Zuvor aber war es EADWEARD MUYBRIDGE (1830-1904) gelungen, im Jahre 1877 erstmals Reihenaufnahmen von bewegten Motiven zu machen.

Bild

Zwischen 1848 und 1860 entwickelten ALEXANDRE BEQUEREL und ABEL NIEPCE DE SAINT-VICTOR, ein Neffe JOSEPH NIEPCES, die erste Farbfotografie. Diese war allerdings noch unbeständig. Erst 1891 gelang es dem Franzosen GABRIEL LIPPMANN ein fotografisch aufgenommenes Bild über einen längeren Zeitraum zu fixieren.

20. Jahrhundert
Das 20. Jahrhundert ist durch Verbesserungen auf dem Gebiet der Schwarzweißfotografie geprägt, sodass sich die Fotografie rasant entwickelte. Aufgrund der raschen Entwicklung sollen hier nur einige wichtige Daten tabellarisch angeführt werden:

  • 1907: die ersten kommerziellen Farbfilme, die nach einem von AUGUSTE und LOUIS LUMIÈRE entwickelten Verfahren benannt wurden, waren erhältlich.
     
  • 1925: in Deutschland wird die Kleinbildkamera für kleinformatigen Film eingeführt. Die Leica, so hieß die Kamera, wurde aufgrund ihrer Kompaktheit, Wirtschaftlichkeit und optischen Vorteile bei Amateur- und Berufsfotografen schnell beliebt.
     
  • 30er-Jahre: Der leichter handhabbare Kolbenblitz ersetzt den Magnesiumblitz.
     
  • 1935/1936: Einführung der Farbumkehrfilme Kodachrome (1935) und Agfacolour (1936). Durch diese beiden Filme wurde die Farbfotografie sehr bekannt. Der 1941 eingeführte Kodacolour-Farbnegativfilm kurbelte die Verbreitung weiter an.
     
  • 1947: Die Polaroidkamera wurde populär. Sie liefert nach einem von EDWIN H. LAND entwickelten Sofortbildverfahren kurz nach der Aufnahme die fertigen Abzüge (fertiges Bild).

Ausblick

Die neuesten Entwicklungen entfernen sich immer mehr von der klassischen Fotografie. So werden heutzutage immer mehr elektronische Informationsträger wie Digitalkameras zum Fotografieren verwendet. Dabei werden die unterschiedlichen Lichtwerte gespeichert und dann per Computer in Bilder umgerechnet. Man benötigt also keine chemischen Reaktionen mehr, sondern einen leistungsfähigen Computer. Das fertige Bild kann dann auf einem gewöhnlichen Fernsehschirm betrachtet und mittels eines Druckers auf Papier gebracht werden (wozu wieder chemische Substanzen benötigt werden).

Mithilfe des Computers können diese Fotos dann natürlich auch ganz leicht verändert und manipuliert werden. Damit hat das Foto als Dokumentation der Realität an Bedeutung verloren.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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