Aretha Franklin

ARETHA FRANKLIN wurde am 25. März 1942 in Memphis, Tennessee als Tochter eines namhaften Predigers geboren und wuchs in Detroit, Michigan auf. Reverend CECIL L. FRANKLIN ließ seine drei Töchter schon im Kindesalter im kircheneigenen Gospelchor mitsingen, was bei allen drei eine tiefe Verbundenheit mit der afroamerikanischen Gospeltradition zur Folge hatte. ARETHA FRANKLIN sang bereits als Zwölfjährige die Gospelsoli in den Gottesdiensten ihres Vaters. Vierzehnjährig stand sie das erste Mal für das Detroiter Label „Battle Records“ mit einer Reihe von Gospels im Studio.
Vier Jahre später hielt die damals nach geltendem US-Recht noch Minderjährige einen lukrativen Plattenvertrag mit der renommierten „Columbia Records“ in ihren Händen. Columbia-Produzent JOHN HAMMOND (1910–1987), der sich als Entdecker und Förderer zahlloser Größen der US-Popmusik einen geradezu legendären Namen gemacht hat, zeigte bei ARETHA FRANKLIN allerdings eine weniger glückliche Hand. Das Mainstream orientierte Rhythm-and-Blues-Material, das er ihr anpasste, entsprach weder ihrem besonderen Talent, noch brachte es die Stärken ihrer beeindruckenden, fünf Oktaven umspannenden Stimme, zur Geltung. Mit Ausnahme des zu einem moderaten Hit gewordenen „Rock-a-bye Your Baby with a Dixie Melody“ (1961) gleich am Beginn der Columbia-Jahre blieb der hier als eine Art weibliches Pendant zu RAY CHARLES (1930–2004) auch am Klavier agierenden Sängerin der Durchbruch versagt.

ARETHA FRANKLIN (* 1942) im Jahre 2004

ARETHA FRANKLIN (* 1942) im Jahre 2004

Der Durchbruch

Das sollte sich schlagartig ändern, als Produzent JERRY WEXLER (* 1917) sie 1967 an das New Yorker Label „Atlantic Records“ holte, eine der musikindustriellen Säulen der afroamerikanischen Soulmusik. In WEXLER fand FRANKLIN einen kongenialen Partner, der ein ausgeprägtes Gespür für die beeindruckenden Möglichkeiten ihrer Stimme und für das Potenzial der afroamerikanischen Gospeltradition in der sich formierenden Soulmusik besaß. Er schickte sie eigens in die für ihren rauen, aber intensiven Sound bekannt gewordenen „Muscle Shoals Studios“ nach Alabama, wo ein tief in der reichhaltigen Blues tradition der Südstaaten verwurzeltes Team von Studiomusikern sie bei ihrer ersten Single für Atlantic, „I Never Loved a Man (The Way I Love You)“ (1967), begleitete.

Fortan sollte der rhythmusunterlegte Gospelsound von FRANKLINS voluminöser Stimme zu einer prägenden Konstante der afroamerikanischen Soulmusik werden. Die Zusammenarbeit mit der Muscle Shoals Sound Rhythm Section blieb ein Kennzeichen ihrer Atlantic Produktionen, auch wenn diese später ausnahmslos in New York realisiert wurden. Der anhaltende Erfolg, der nicht zuletzt auch einer geschickten Auswahl des eingespielten Materials zu verdanken war, ließ sie zu einem Symbol für das schwarze Amerika schlechthin werden.

Die Pop-Diva

Mitte der 1970er-Jahre wandte sich die inzwischen zum Superstar avancierte Sängerin wieder stärker dem Pop-Markt zu, ohne in diesem Repertoiresegment allerdings über die verhaltenen Reaktionen der Anfangsjahre hinauszugelangen. Da sie die Festlegung auf eine Ikone der afroamerikanischen Soulmusik inzwischen jedoch als Einengung empfand, den Pop Mainstream dagegen als eine Herausforderung, beendete sie 1979 die Zusammenarbeit mit Atlantic, um sich in den folgenden Jahren bei „Arista Records“ mit eher moderatem Erfolg als Pop-Diva zu versuchen.

Erst 1998 gelang ihr mit „A Rose is Still a Rose“ ein Album, das Eingängigkeit, Leichtigkeit und Textur der Popmusik mit Rhythmus und Sound der Gospel- und Bluestradition auf eindrucksvolle Weise verband und ihr auch auf dem Tonträgermarkt ein vielbeachtetes Comeback bescherte. In den Jahren dazwischen wurden die mit beeindruckender Regelmäßigkeit erschienenen Veröffentlichungen mit Ausnahme des Gospel-Albums „One Lord, One Faith, One Baptism“ (1987) kaum noch wahrgenommen. Lediglich bei ihren zahllosen Live Auftritten fand sie stets ein begeistertes Publikum, das ihr Bewunderung und Respekt entgegenbrachte.

ARETHA FRANKLIN hat mit ihren gospelgeprägten Produktionen vom Ende der 1960er-Jahre nicht nur der damals aufkommenden Soulmusik die Richtung gewiesen. Sie verkörperte ein Frauenbild und ein weibliches Selbstbewusstsein, das die Rolle der afroamerikanischen Frau sowohl in der afroamerikanischen Kultur wie in der Gesellschaft der USA neu zu definieren half. Sie war die erste farbige Frau, die als weibliche Repräsentantin des schwarzen Amerika auf der Titelseite des Time Magazins erschien. Sie wurde mit zahllosen Ehrungen bedacht, darunter:

  • 15 Grammies für ihr musikalisches Werk,
  • der Civil Rights Award für ihr Engagement in Sachen Bürgerrechte und
  • als erste weibliche Interpretin erhielt sie 1987 einen Platz in der Rock ’n’ Roll Hall of Fame.

Kurzer historischer Überblick über die Erfolge ARETHA FRANKLINs

  • Rock-a-bye Your Baby with a Dixie Melody (1961)
  • I Never Loved a Man (The Way I Love You) (1967)
  • Album „One Lord, One Faith, One Baptism“ (1987
  • Album „A Rose is Still a Rose“ (1998)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

Lexikon Share
Beliebte Artikel
alle anzeigen

Einloggen