Georg Friedrich Händel

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL wurde als zweiter Sohn des Wundarztes GEORG HÄNDEL (1622–1697) und der Pfarrerstochter DOROTHEA TAUST (1651–1730) am 23. Februar 1685 in Halle an der Saale geboren. Sein einziger Bruder verstarb bereits während der Geburt. HÄNDEL wuchs mit seinen jüngeren Schwestern DOROTHEA SOPHIA (1697–1718) und JOHANNA CHRISTIANA (1690–1709) in Halle auf. Mit 9 Jahren erhielt er bei dem Organisten FRIEDRICH WILHELM ZACHOW (1663–1712) Unterricht und trat im Alter von 17 bereits seine erste Organistenstelle an der hallischen Schloß- und Domkirche an. 1703 verließ HÄNDEL seine Heimatstadt, wurde an der Hamburger Gänsemarktoper zunächst als Violinist Mitglied des Orchesters, stieg zum Cembalisten auf und erhielt wenig später den Rang eines Opernkomponisten.

1706 bereiste HÄNDEL die italienischen Städte Florenz, Venedig und Rom, wo er Förderung von weltlichen wie geistlichen Mäzenen erfuhr und so berühmte Musiker wie

  • ARCANGELO CORELLI (1653–1713),
  • ALESSANDRO SCARLATTI (1660–1725) und
  • DOMENICO SCARLATTI (1685–1757)

traf. CORELLI machte den deutschen Komponisten mit der modernen Praxis des Concerto grosso vertraut, dessen formale Gestaltung zum Vorbild für die eigenen Werke HÄNDELs wurde.

1710 kehrte der Komponist wieder nach Deutschland zurück, diesmal nach Hannover, wo er zwei Jahre Hofkapellmeister unter dem Kurprinzen GEORG LUDWIG (später KÖNIG GEORGE II. von England) war. Bereits wenige Monate nach Antritt dieser Anstellung brach HÄNDEL nach London auf. Er wurde als „Composer to the opera“ engagiert, reiste nach kurzer Rückkehr 1711 ein zweites Mal in die englische Hauptstadt und ließ sich endgültig dort nieder. Er übernahm gemeinsam mit J. J. HEIDEGGER die Leitung der 1720 gegründeten „Royal Academy of Music“, einer vom englischen König subventionierten Opernakademie.

Der Niedergang der musikalischen Gattung opera seria, ein damit einhergehendes mangelndes Publikumsinteresse und horrende Ausgaben führten 8 Jahre nach Gründung zum Zusammenbruch der königlichen Akademie. Die „Zweite Opernakademie“, eröffnet1729/30, musste 1734 wiederum geschlossen werden. Nach erlittenem Schlaganfall hielt sich HÄNDEL im Rahmen einer Kur 1737 in Aachen auf. 1741 führte ihn eine letzte Auslandsreise nach Dublin. 10 Jahre später setzte eine langsam fortschreitende Erblindung des Komponisten ein, weswegen er sich 1752 einer Augenoperation unterzog.

Am 14.04.1759 verstarb Georg Friedrich HÄNDEL in London und wurde, da seit 1727 englischer Staatsbürger, in der Westminster Abbey beigesetzt.

Werk

Das Œuvre HÄNDELs setzt sich vornehmlich aus Bühnenwerken, Chormusik und Orchesterwerken, sowie etlichen Kammer- und Klaviermusiken zusammen.

HÄNDELs Opernschaffen umfasst mehr als 40 Werke, es ist seine kompositionsbestimmende Form bis zum Niedergang der „opera seria“. 1705 führte er in Hamburg seine erste eigene Oper „Almira“ – sie ist die einzige erhalten gebliebene aus dieser Zeit– mit großem Erfolg auf. Ihr folgen die in Florenz bzw. Venedig entstandenen Bühnenwerke

  • „Rodrigo“ (1707) und
  • „Agrippina“ (1709).

Die Dreiakter

  • „Rodelinda, Regina de`Langobardi“ (1725) und
  • „Guilio Cesare in Egitto” (1724)

waren bereits zu HÄNDELs Lebzeiten seine populärsten “dramma per musica” und finden heute wieder zurück in die regulären Opernspielpläne. Hervorstechend ist die Kunstfähigkeit des Komponisten, den Empfindungen und Stimmungen seiner jeweiligen Handlungsfiguren differenziert Ausdruck zu verleihen und in einer überaus bildhaften, illustrativen Musiksprache darzustellen.

Mit einem musikgeschichtlichen Wandel und einer Verlagerung des Publikumsinteresses geht ein Gattungswechsel Georg Friedrich HÄNDELs einher. Mit Schließung der zweiten „Royal Academy of music“ (1734) verlagert der Komponist seinen Schaffensschwerpunkt auf das Schreiben von Oratorien – allerdings ohne die Oper vollständig zu ignorieren (die letzte, „Deidamia“, wird 1741 uraufgeführt). Die Mehrzahl der rund 25 Oratorien entsteht in der Zeit zwischen 1738 und 1751. Das an Popularität und Bekanntheit gleichermaßen hervorragendste Werk dieser Gattung ist ohne Zweifel der drei Teile umfassende „Messiah“ (1742). Die traditionelle Abfolge von Rezitativ und Arie löst HÄNDEL teilweise mit der von ihm bevorzugten Verknüpfung Arie-Chor ab. Weltberühmt ist der Jubelchor des „Hallelujah“, der den zweiten Teil des Werkes beschließt. Weitere erfolgreiche Oratorien sind

  • der „Judas Maccabaeus“ (1747), in dem HÄNDEL den Chor an der Ausgestaltung der weit gespannten Affektdarstellungen teilhaben lässt,
  • und „Jephta“ (1752).

Librettist beider Oratorien war der Theologe THOMAS MORELL (1703–1784). In „Jephta“ beschränkt sich die Rolle des Chores wieder auf seine traditionelle Rolle als reflektierender und kommentierender Turbachor. Die Uraufführung dieses Oratoriums am 26.02.1752 war die letzte, die der kurze Zeit später vollkommen erblindete Komponist selbst leiten konnte.

  • „Water music“ („Wassermusik“, 1715, 1717, 1736) und
  • „Music for the Royal fire works“ („Feuerwerksmusik“, 1748)

sind HÄNDELs hervortretende Leistungen innerhalb der Gattung der Orchestersuiten. Die „Wassermusik“ besteht aus 3 unterschiedlich besetzten Suiten mit insgesamt 22 Sätzen. HÄNDEL

  • verknüpft in dieser musikalischen Gattung die gravitätische französische Ouvertürenform mit konzentrierten Elementen der italienischen Sinfonia und
  • verwendet neben französischen Suitensätzen auch Konzertsätze italienischer Provenienz.

Seine „Feuerwerksmusik“ entstand anlässlich der Feier des 1748 geschlossenen Aachener Friedens, der den Österreichischen Erbfolgekrieg beendete. Bestehend aus sechs Sätzen, ist die ursprüngliche Besetzung auf Holz- und Blechbläser und Pauken beschränkt; HÄNDEL fertigte für spätere Aufführungen eine weitere Fassung mit zusätzlichen Streichern an.

Die Concerti grossi op. 3 (1733) und 6 (1741) lassen den Einfluss von und HÄNDELs Auseinandersetzung mit dem Stil ARCANGELO CORELLIs deutlich werden. Die reine Streicherbesetzung und Concertino mit zwei Geigen und einem Cello, sowie die formale Gestaltung der Satzfolge (langsam-schnell-langsam-schnell) lehnt sich an dessen Modell des Kirchenkonzertes an.

Werke

  • Bühnenwerke, darunter:
    – „Almira“ (1705),
    – „Rodrigo“ (1707),
    – „Guilio Cesare in Egitto” (1724),
    – „Rodelinda, Regina de`Langobardi“ (1725),
    – „Alcina” (1735),
    – „Serse” (1738),
    –„Deidamia” (1741);
     
  • Chormusik, darunter:
    – „Israel in Egypt” (1739),
    – „Saul“ (1742),
    – „Messiah” (1742),
    – „Dettinger Te Deum” (1743),
    – „Jephta“ (1752),
    – „The triumph of time and truth“ (1757);
     
  • Orchesterwerke, darunter:
    – „Concerti grossi op.6” (1739),
    – „Water music, three suites for orchestra” (1715, 1717, 1736),
    – „Music for the Royal fire works” (1748);
  • Kammermusik, darunter:
    – „Solosonaten op.1“, HWV 359-373, 379 (1712–1726),
    – „Triosonaten op.5“, HWV 396 – 402 (1739);
     
  • Klaviermusik, darunter:
    – erste Sammlung „Suites de pièces pour le clavecin“ (1720) und
    – zweite, gleichnamige Sammlung (1733).

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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