Jacques Offenbach

Kindheit

JACQUES OFFENBACH eigentlich auf den Namen JAKOB getauft, wurde am 20. Juni 1819 als Sohn eines jüdischen Kantors und eines von sieben Kindern in Köln geboren. Er wuchs in einer ärmlichen, von Musikalität geprägten Umgebung auf. Der Vater ISAAC verdiente den Lebensunterhalt der Familie als Caféhausgeiger, Musiklehrer und später als Kantor der Synagoge. Bereits als Kind trat OFFENBACH mit seinem Bruder JULIUS an der Geige und seiner Schwester ISABELLA am Piano in Gasthäusern auf. OFFENBACH spielte in diesem Trio meist Cello, das Instrument, auf dem er ab seinem 9. Lebensjahr auch Unterricht bei JOSEPH ALEXANDER und BERNHARD BREUER erhielt. Obwohl Ausländern die Aufnahme am Pariser Conservatoire eigentlich verwehrt war, gelang es dem Vater dennoch seine beiden Söhne JAKOB, der sich alsbald JACQUES nannte und JULIUS (später JULES) dort unterzubringen.

JACQUES OFFENBACH (1819–1880) um 1875 – Gemälde von GASPARD-FELIX TOURNACHON

JACQUES OFFENBACH (1819–1880) um 1875 – Gemälde von GASPARD-FELIX TOURNACHON

Jacques Offenbach - Porträt von Jacques Offenbach, gemalt von Gaspard-Felix Tournachon

Der Cello-Virtuose

OFFENBACH studierte nur ein Jahr, ließ sich in Paris nieder und wurde von dem in Paris lebenden deutschen Komponisten FRIEDRICH VON FLOTOW (1812–1883) in die Pariser Salons eingeführt. 1835 nahm er eine Tätigkeit als Cellist im Orchester der Opéra-Comique auf. Sein Talent wurde schnell erkannt. Als Komponist von Walzern (Fleurs d’hiver) und Salonromanzen erlangte er Bekanntheit, als „Liszt des Violoncellos“ in gewissen Kreisen sogar Berühmtheit. Trotzdem reichten seine Verdienste kaum zum Überleben.

In den folgenden Jahren konzertierte OFFENBACH gemeinsam mit seinem Bruder häufiger als Cellovirtuose.

  • 1841 trat er mit dem damals 11-jährigen ANTON GRIGORJEWITSCH RUBINSTEIN (1829–1894) in Paris auf,
  • zwei Jahre später stand er mit FRANZ LISZT (1811–1886) auf der Bühne.

Im Jahr 1841 lernte OFFENBACH HERMINIE D’ALCAIN kennen, für die er vor der Heirat 1844 zum Katholizismus übertrat. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Die Februarrevolution 1848 machte weit fortgeschrittene Opernpläne zunichte. Der Komponist ADOLPHE ADAM (1803–1856), der gerade frisch das Théatre lyrique eröffnet hatte, erteilte OFFENBACH einen Auftrag zu einer dreiaktigen Opéra comique. Mit der Revolution war dieser Auftrag jedoch hinfällig. OFFENBACH musste mit HERMINIE und der Tochter BERTHE nach Köln fliehen.

Der Komponist und Theaterunternehmer

Doch seine Zukunft lag weiterhin in Paris. Nach dem unruhigen Revolutionsjahr dorthin zurückgekehrt, wurde OFFENBACH Direktor am Théatre francais. 1855 eröffnete er sein eigenes kleines Theater auf den Champs-Elysées, die „Bouffes-Parisiens“. Zur Eröffnung des Theaters entstand „Les Deux Aveugles“ (Die beiden Blinden), das erfolgreich den Stil der neuen Operette definierte und in „Le Violoneux“ (Der Dorffiedler), das noch im selben Jahr zur Aufführung kam, sollte die spätere Operettendiva HORTENSE SCHNEIDER (1883–1920) ihr Pariser Debüt geben. Bis 1864 wurden in OFFENBACHs Theater vornehmlich Einakter aufgeführt. Zu den bekanntesten dürften

  • „Ba-ta-clan“ (1855),
  • „Le Mariage aux laternes“ (1857) und
  • „Le Pont des soupirs“ (1861) gehören.

Während dieser Zeit kristallisieren sich auch schon

  • LUDOVIC HALÉVY (1833–1908) und
  • HENRI MEILHAC (1831–1897)

als wichtigste Liberettisten für OFFENBACH heraus.
Zu großer Bekanntheit halfen ihm die Tourneen seines Ensembles während der Sommermonate nach

  • Brüssel,
  • London,
  • Lyon und
  • Wien.

Er selbst verbrachte den Sommer seit 1858 regelmäßig in Bad Ems, wo er sich von seinen rheumatischen Beschwerden zu erholen versuchte, nicht aber ohne weiterhin produktiv zu sein. Regelmäßig entstanden dort Einakter, die später auch in Paris zur Aufführung kamen.

1858 war auch das Jahr, in dem es OFFENBACH gelang eine lang ersehnte Opernreform umzusetzen, die es ihm wiederum ermöglichte mehr Personen auf der Bühne agieren zu lassen. Mit diesem frisch errungenen Potenzial konnte er das darstellen, was in den kommenden Jahren Thema seiner Bühnenwerke werden sollte: die Satire auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse des Zweiten Kaiserreichs. Zu diesen typischen Bühnenwerken zählen

  • Orphée aux enfers (Orpheus in der Unterwelt, 1858),
  • La Belle Hélène (Die schöne Helena, 1864) und
  • La Grande-Duchesse de Gérolstein (1867).

Nach dem deutsch-französichen Krieg 1870/71 lebte OFFENBACH hauptsächlich von der Aufführung seiner alten Werke. Nur noch ein Werk trieb seinen künstlerischen Ehrgeiz: Les Contes d’Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen), eine fantastische Oper, die er in ihrer endgültigen Form nie hören sollte. OFFENBACH starb am 5. Oktober 1880, vier Monate vor der Hoffmann-Premiere, in Paris.

Bühnenbild für JACQUES OFFENBACHs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, Moskau 1915

Bühnenbild für JACQUES OFFENBACHs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, Moskau 1915

Offenbach, Jacques - Bühnenbild für Oper "Hoffmanns Erzählungen"

Werke

JACQUES OFFENBACH schuf etwa 102 Bühnen-Werke. Die bekanntesten sind

  • Orphée aux enfers (Orpheus in der Unterwelt, 1858)
  • Die Rheinnixen (1869)
  • La belle Hélène (Die schöne Helena, 1864);
  • Barbe-Bleue (Blaubart, 1866);
  • La vie parisienne (Pariser Leben, 1866);
  • Les contes d'Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen, 1881) sowie
  • Ballettmusiken

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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