Musikhören und Musikmachen

Musikwahrnehmung im Kontext der menschlichen Sinne und Empfindungen – Fragen und Antworten der Psychoakustik

FrageAntwort
Wie kann man beim Musikhören aus dem Gewirr von Schallwellen einzelne Instrumente heraushören?Das Gehirn führt eine Frequenzanalyse durch, und die Klangspektren einzelner Instrumente sind im Gehirn als Muster gespeichert, die es auch in komplexen Zusammenhängen wieder erkennt.
Wie merkt das Gehirn, woher der Schall kommt?Die Geräusche treffen mit einem kleinen Zeitunterschied beim rechten und linken Ohr ein.
Warum kann man Melodien unter Hunderten von anderen Melodien wiedererkennen?Melodien sind nicht nur Folgen von Tonhöhen, sondern sind in Harmonik und Betonungsverhältnisse eingebunden. Diese Beziehungen, die sehr komplex sein können, geben vielen Melodien ihre unverwechselbare Eigenart.
Wie kann ein Musiker unsaubere Töne erkennen?Das Ohr kann 1300 Tonhöhen unterscheiden. Weil diese nicht individuell bezeichnet werden können, bildet das Gehirn Kategorien von Tonhöhen (in unserer Kultur 12). Alle anderen Tonhöhen werden als Abweichungen („Verstimmungen“) gegenüber diesen Kategorien wahrgenommen.
Wie kann ein Komponist etwas erschaffen, das es noch nie gab?Ein Komponist erschafft nicht ein Werk „aus dem Nichts“. Er erlernt im Laufe seiner Entwicklung unzählige Kombinationen des musikalischen Materials und setzt diese nach seinen Vorstellungen und oft in unkonventioneller Weise neu zusammen.
Warum geht ein Musikliebhaber in die Oper, ein anderer in ein Rockkonzert?Die meisten Menschen entwickeln im Jugendalter Vorlieben für bestimmte Musikrichtungen (Musikpräferenzen). Diese können sich durch eigenes Musizieren oder in einer Gruppe Gleichaltriger entwickeln und bleiben meist lebenslang bestehen.

Musikmachen: Lernen

Wie können Musiker lange Musikstücke auswendig lernen?

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Wenn man versucht, die Punkte in den Gruppen der oberen Reihe zu zählen, wird man

  • bei a) einige Sekunden benötigen,
  • bei b) etwas schneller zurechtkommen
  • und bei c) das Ergebnis mit einem Blick erfassen.

Ebenso verhält es sich, wenn man versucht, sich das Punktmuster einzuprägen.

Das Auge versucht unwillkürlich, eine nicht spontan erfassbare Menge von Einheiten sinnvoll anzuordnen. Dieses Phänomen der „Merkhilfe“ wird Gruppierung genannt. Bei c) übernimmt das Auge automatisch die vorhandene Gruppierung, und der Betrachter muss sich nur noch zwei gleiche Einheiten einprägen.

In der unteren Reihe sind die Punktmuster als Noten dargestellt. Dies zeigt, dass Gruppierung auch beim Hören von Musik zur Orientierung dienen kann. Geübte Musiker können sich auf diese Weise auch größere musikalische Einheiten merken und lange Musikstücke auswendig lernen.

Beim „Vomblattspiel“ (Spielen eines nie zuvor gesehenen Stückes) spielt die spontane Gruppierung der Noten durch das Auge eine wichtige Rolle.

Musikmachen: Üben

Mit dem Lernen von Fakten (episodisches Lernen) haben intelligente Menschen keine Mühe. Anders verhält es sich mit dem Erlernen von Bewegungsvorgängen, dem Üben (prozedurales Lernen):

Die Bewegungsvorgänge beim Spielen eines Instruments sind so kompliziert (ähnlich wie bei vielen Sportarten), dass das Gehirn jahrelanges Training für die Koordination der Muskelimpulse benötigt. Dabei verändern sich die beteiligten Regionen des Gehirns. Dieses fasst ständig wiederholte Bewegungen zu Sequenzen zusammen, die automatisch ablaufen.

Virtuosen haben bis zu ihrem 20. Lebensjahr etwas 10000 Stunden geübt.

In der Musik werden oft Etüden als Vorlage für das Bewegungstraining benutzt. Etüden sind Musikstücke, bei denen der Spieler einen bestimmten Bewegungsablauf häufig wiederholen muss.

Die Verschiebung von „Doppelgriffen“ im Oktavabstand ist auf der Geige schwierig zu spielen, weil sich der Abstand der Finger auf dem Griffbrett laufend verändern muss. In dieser Etüde wiederholt der Spieler das Verschieben des Doppelgriffs ständig.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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