Luftschiff

Luftschiffe sind Fluggeräte, die ab etwa 1890 in größerem Umfange entwickelt wurden und die vor allem zwischen 1910 und 1937 eine wichtige Rolle als Transportmittel für Post, Personen und Güter spielten. Die Entwicklung der Luftschiffe ist eng mit dem Namen von FERDINAND GRAF VON ZEPPELIN (1837-1917) verbunden, weshalb sie auch als Zeppeline bezeichnet werden.
Nach 1937 spielten sie keine Rolle mehr. Nur vereinzelt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg kleinere Luftschiffe für Werbezwecke genutzt.
In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann in Deutschland die Entwicklung neuer Zeppeline für Tourismus und als Transportmittel. Es handelt sich dabei um den Zeppelin NT und um den Cargolifter.

Historischer Überblick

Versuche, Fluggeräte in Form von Ballons zu bauen, reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Mit dem ersten Heißluftballon der Gebrüder MONTGOLFIER wurde 1783 ein wichtiger Meilenstein gesetzt. In der nachfolgenden Zeit gab es zahlreiche weitere Versuche, auch Ballons zu konstruieren, die ohne Nutzung von Heißluft schweben. Erforderlich war dabei die Füllung des Ballons mit einem Gas, das wesentlich leichter als Luft war, um den erforderlichen Auftrieb zu erreichen. Das einzige damals bekannte Gas, das diese Anforderungen erfüllte, war Wasserstoff, ein leicht brennbares und damit hochgefährliches Gas.

Entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Luftschiffen hatte der württembergische General der Kavallerie FERDINAND GRAF VON ZEPPELIN (1837-1917). ZEPPELIN war 1890 wegen einer missliebigen Denkschrift in den Ruhestand versetzt worden und beschäftigte sich seitdem intensiv mit Ballons und Luftschiffen.

1895 ließ er sich ein Luftschiff patentieren, in dem das Prinzip der künftigen Starrluftschiffe deutlich wird: Auf einem Gerippe aus Trägern befindet sich eine zigarrenförmige Hülle. Innerhalb dieser äußeren Hülle sind mit einem Trägergas gefüllte Zellen angebracht. Der Antrieb erfolgt mit Motoren, die sich an Gondeln seitlich außerhalb der Hülle befinden. Auch die Passagiere und die Fracht sind in Gondeln untergebracht.
Nach intensiven Arbeiten startete das in Friedrichshafen gebaute erste Luftschiff des Grafen ZEPPELIN, die LZ 1, am 2. Juli 1900 von Pontons aus zu einem Flug über den Bodensee. Es zeigten sich aber erhebliche Mängel bei den Motoren und bei der Steuerung eines so großen Luftfahrzeuges.

In der Folgezeit wurden zahlreiche Verbesserungen vorgenommen und durch die Erprobung weiterer Luftschiffe wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dabei ging es nicht nur um die zivile, sondern auch um die militärische Nutzung von Luftschiffen. So wurden z.B. während des Ersten Weltkrieges auf den Werften in Friedrichshafen, Potsdam und Staaken bei Berlin 87 Luftschiffe für militärische Zwecke gebaut. Sie wurden zur Luftbeobachtung und als Bombenträger genutzt. So wurden beispielsweise Bombenangriffe gegen England geflogen. Mit Kriegsende wurde der Bau weiterer Luftschiffe von den Alliierten untersagt, die existierenden Zeppeline mussten den Alliierten übergeben werden. Dabei überquerte die LZ 126 im Jahre 1924 den Atlantik und ging in amerikanischen Besitz über.

Erst 1927/28 entstand in Friedrichshafen ein neues großes Luftschiff, die LZ 127, das auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft wurde. Dieser Zeppelin wurde das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten.
1936 wurde mit der LZ 129 ein wesentlich größeres Luftschiff, die "Hindenburg", in Betrieb genommen. Es hatte eine Länge von 245 m, eine Antriebsleistung von 3.600 PS und erreichte eine Geschwindigkeit von 125 km/h. Die Gasfüllung bestand aus 180.000 Kubikmetern Wasserstoff. Neben Schlafkabinen verfügte es auch über Speise- und Aufenthaltsräume für die Passagiere. Die Besatzung bestand als 54 Mann, das Luftschiff konnte auf Langstreckenflügen72 Passagiere und Fracht befördern. Vorgesehen war es für den Transatlantikverkehr zwischen Frankfurt am Main und New York.

Ausschnitt aus dem Fahrplan eines Zeppelins von 1937.

Ausschnitt aus dem Fahrplan eines Zeppelins von 1937.

Am 6. Mai 1937 flog dieses Luftschiff nach einer Atlantiküberquerung planmäßig Lakehurst bei New York an. Beim Landemanöver geriet es in Brand und verbrannte innerhalb einer Minute vollständig. Es waren 35 Tote zu beklagen. Die Landung wurde live im Radio übertragen. In der Reportage hieß es:

"Es ist ein großartiger Anblick, dieses schwebende Hotel auf mich zukommen zu sehen. Ich erkenne die Passagiere oben an den Fenstern, wie sie erwartungsvoll nach unten schauen. Einige von ihnen winken. Jetzt sehe ich auch den Kapitän in der Führergondel. Er dirigiert das Landemanöver ... Meine Zuhörer, es ist etwas Schreckliches passiert. Das herrliche Schiff brennt. Ein furchtbarer Anblick. Wir müssen vor den Flammen fliehen."

Zwei Untersuchungsausschüsse kamen zu dem Ergebnis, dass eine Verkettung von unglücklichen Umständen zu der Katastrophe geführt hat. Die genaue Ursache konnte nie vollständig geklärt werden.
Das Unglück von Lakehurst war auch das vorläufige Ende der Luftschifffahrt. Von 1900 bis 1938 wurden in Deutschland insgesamt 119 Zeppeline gebaut. Die letzten Luftschiffe wurden bis April 1940 abgewrackt.

LZ 127 "Graf Zeppelin" - das erfolgreichste Luftschiff

1927/28 wurde dieses Luftschiff in Friedrichshafen gebaut. Es hatte eine Länge von 236,6 m, sein größter Durchmesser betrug 30,5 m und die Gaszellen umfassten 105 000 Kubikmeter Wasserstoff. Das Gerüst bestand im Wesentlichen aus Aluminium, die Gesamtmasse betrug nur 58 Tonnen. Das Luftschiff hatte 5 Maschinengondeln mit je einem Motor von 530 PS, erreichte also eine Antriebsleistung von 2 650 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 128 km/h. Die Reisegeschwindigkeit lag zwischen 100 km/h und 110 km/h. Die Außenbespannung bestand aus 5-mal imprägniertem Baumwollstoff, der mit einem Flammschutzmittel getränkt war. Dem letzten Anstrich wurde pulverisiertes Aluminium beigemengt, sodass das Luftschiff eine silbergraue Farbe erhielt. Das diente auch der Verminderung der Erwärmung durch Sonneneinstrahlung.
Dieses Luftschiff absolvierte im Laufe der Jahre 590 Fahrten mit einer Gesamtstrecke von etwa 1,7 Millionen Kilometern. Es überquerte mehrfach den Atlantik, umrundete 1929 die Erde und unternahm 1931 eine Polarfahrt.

Moderne Zeppeline

In den letzten Jahrzehnten wurden lediglich einige kleinere Zeppeline gebaut, die im Wesentlichen Werbezwecken dienten. Seit Mitte der neunziger Jahre wird intensiv an der Entwicklung neuer Zeppeline unter Nutzung modernster Technik gebaut. Für die Gasfüllung verwendet man statt des brennbaren Wasserstoffs das nicht brennbare Helium. 1 Kubikmeter Helium bewirkt eine Tragkraft von etwa 10 N. Das entspricht einer Masse von etwa 1 kg.

In Deutschland gibt es zwei aktuelle Entwicklungen. In Friedrichshafen wird der Zeppelin NT gebaut, ein Luftschiff, das vorrangig für den Touristenverkehr vorgesehen ist. Die Bezeichnung NT ist abgeleitet von Neue Technologie. Der Erstflug fand am 18. September 1997 statt. Die Tragkraft des Zeppelins beträgt 1,9 t. Er hat eine Länge von 75 m und einen maximalen Durchmesser von 19,5 m. Die Gondel hat Plätze für Pilot und Copilot sowie für 12 Passagiere. Der Antrieb erfolgt durch drei Propellertriebwerke mit je 200 PS (147 kW), wobei die Propeller schwenkbar sind und damit einen senkrechten Start ermöglichen. Das maximale Startgewicht beträgt 8 040 kg. Die maximale Geschwindigkeit des Luftschiffes beträgt 125 km/h, seine Reichweite 900 km und die maximale Flughöhe 2 600 m.

In Brand südlich von Berlin wurde seit den neunziger Jahren an der Entwicklung des Cargolifters gearbeitet. Der Cargolifter ist ein Luftschiff zum Transport großer Lasten. Konzipiert war das Luftschiff für eine Tragkraft von bis zu 160 Tonnen, musste damit auch wesentlich größere Abmessungen als der Zeppelin NT haben. Es sollte eine Länge von 260 m und einen maximalen Durchmesser von 65 m besitzen. Das Hüllenvolumen umfasste 550.000 Kubikmeter. Bei einem Leergewicht von 260 Tonnen sollte die maximale Nutzlast 160 Tonnen betragen. Als Reisegeschwindigkeit war 90 km/h vorgesehen, die Reichweite sollte bis zu 10.000 km betragen. Die absenkbare Ladeplattform hatte die Maße 50 m x 8 m x 8 m. Die betreffende Firma ist inzwischen pleite, die Entwicklungsarbeiten sind eingestellt worden.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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