Direkt zum Inhalt

Pfadnavigation

  1. Startseite
  2. Mathematik Abitur
  3. 13 Wahrscheinlichkeitstheorie
  4. 13.5 Binomialverteilung
  5. 13.5.7 Normalverteilung
  6. Dreiecksverteilung (simpsonsche Verteilung)

Dreiecksverteilung (simpsonsche Verteilung)

Die Dreiecksverteilung wird in den meisten Lehrbüchern zur Stochastik kaum erwähnt bzw. nur am Rande behandelt. Das mag seinen Grund darin haben, dass diese Verteilung kein eigenständiges, aus der Praxis stammendes Anwendungsgebiet besitzt.
Die erste Abhandlung über diese Form der Verteilung von Zufallsgrößen in der Geschichte der Wahrscheinlichkeitstheorie stammt vom englischen Mathematiker THOMAS SIMPSON (1710 bis 1761), deshalb spricht man mitunter auch von der simpsonschen Verteilung.

Thema nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich

  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Jetzt kostenlos mit Kim üben

THOMAS SIMPSON war von Beruf Weber. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich vor allem als Mathematiklehrer (zuerst an einer Abendschule in Derby und später an der Königlichen Militärakademie in London). Sein Hauptinteresse galt der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Analysis. Bekannt geworden ist er auch durch die simpsonsche Formel zur näherungsweisen Flächenberechnung.

Mit der Dreiecksverteilung diskreter Zufallsgrößen beschäftigte sich SIMPSON, um die in der damaligen Praxis übliche Verwendung des arithmetischen Mittels zum Messfehlerausgleich als gerechtfertigt nachzuweisen. Er zeigte, dass diese Verfahrensweise sinnvoll ist, wenn die Häufigkeiten von n äquidistanten diskreten Messwerten ein Dreieck bilden, wenn also z.B. gilt:

Messwert- 4- 3- 2- 101234
Häufigkeit123454321

Vergleiche dazu auch die folgende Abbildung.

  • Dreiecksverteilung diskreter Zufallsgrößen

Diesen Ansatz für eine diskrete Dreiecksverteilung kann man auf stetige Wahrscheinlichkeitsverteilungen ausdehnen.

  • Definition: Eine stetige Zufallsgröße X heißt dreiecksverteilt über dem Intervall [ a ;   b ] , wenn sie die Wahrscheinlichkeitsdichte f mit
    f ( x ) = { 2 b − a ⋅ ( 1 − 2 b − a ⋅ |   x − a + b 2   | ) f ü r       a ≤ x ≤ b 0                                                                                                                   s o n s t                          
    besitzt, d.h. wenn der Graph von f die Form eines gleichschenkligen Dreiecks hat.
  • Dichtefunktion einer dreiecksverteilten stetigen Zufallsgröße

Für eine dreiecksverteilte stetige Zufallsgröße X gilt:
  P ( X < a ) = 0   P ( a ≤ X ≤ a + b 2 ) = P ( a + b 2 ≤ X ≤ b ) = 1 2   P ( X > b ) = 0

Für die zugehörige Verteilungsfunktion F dieser Zufallsgröße erhält man:
  F ( x ) = P ( X ≤ x ) = ∫ −   ∞ x f ( t ) d t = { 0                                                           f ü r       x < a                                       2 ⋅ ( x − a b − a ) 2               f ü r       a ≤ x ≤ a + b 2     1 − 2 ⋅ ( b − x b − a ) 2 f ü r       a + b 2 ≤ x ≤ b 1                                                             f ü r       x > b                                

  • Verteilungsfunktion einer dreiecksverteilten stetigen Zufallsgröße

Die beiden wichtigsten Kenngrößen von X, der Erwartungswert und die Streuung, nehmen folgende Werte an:
  E X = a + b 2 ;         D 2 X = ( b − a ) 2 24

  • Beispiel: Mit einem LAPLACE-Würfel (kurz L-Würfel) werde zweimal gewürfelt und es wird die Summe der geworfenen Augenzahlen gebildet. Die Augensumme ist eine diskrete Zufallsgröße Y mit den elf ganzzahligen Werten 2 bis 12.
    Welche Wahrscheinlichkeitsverteilung P mit P ( Y = i ) = p i besitzt diese Zufallsgröße?

Die folgende Tabelle gibt die Wahrscheinlichkeitsverteilung wieder.

Augen-
summe i
günstige Ergebnisse für die AugensummeAnzahl p i
2(1; 1)1 1 36
3(1; 2), (2; 1)2 2 36
4(1; 3), (2; 2), (3; 1)3 3 36
5(1; 4), (2; 3), (3; 2), (4; 1)4 4 36
6(1; 5), (2; 4), (3; 3), (4; 2), (5; 1)5 5 36
7(1; 6), (2; 5), (3; 4), (4; 3), (5; 2), (6; 1)6 6 36
8(2; 6), (3; 5), (4; 4), (5; 3), (6; 2)5 5 36
9(3; 6), (4; 5), (5; 4), (6; 3)4 4 36
10(4; 6), (5; 5), (6; 4)3 3 36
11(5; 6), (6; 5)2 2 36
12(6; 6)1 1 36

Die Zufallsgröße Y besitzt als Wahrscheinlichkeitsverteilung eine diskrete Dreieckverteilung. Dieses theoretisch gewonnene Ergebnis kann experimentell und interaktiv bestätigt werden, indem man das zweimalige Würfeln mit einem L-Würfel simuliert und 1000 derartige Simulationen als Histogramm darstellen lässt.

  • Simulation durch zweimaliges Würfeln mit einem L-Würfel
  • Histogramm zur Simulation (zweimaliges Würfeln mit einem L-Würfel)

Dieses Ergebnis lässt sich folgendermaßen verallgemeinern:

  • Es seien X 1       u n d       X 2 zwei unabhängige und über dem Intervall [ a ;   b ] gleichverteilte stetige Zufallsgrößen mit der gleichen Dichtefunktion
      f : x ↦ { 1 b − a   f ü r       a ≤ x ≤ b 0                       s o n s t                      
    Dann ist die Zufallsgröße Y = X 1 + X 2 stetig dreiecksverteilt.
Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH): "Dreiecksverteilung (simpsonsche Verteilung)." In: Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH). URL: http://www.lernhelfer.de/index.php/schuelerlexikon/mathematik-abitur/artikel/dreiecksverteilung-simpsonsche-verteilung (Abgerufen: 26. May 2026, 15:57 UTC)

Suche nach passenden Schlagwörtern

  • L-Würfel
  • Berechnung
  • arithmetisches Mittel
  • Mathcad
  • Laplace-Würfel
  • Messwerte
  • dreiecksverteilt
  • Messfehler
  • interaktives Rechenbeispiel
  • simpsonsche Verteilung
  • stetige Zufallsgröße
  • Simpson
  • Zufallsgrößen
  • diskrete Zufallsgröße
  • Dreieckverteilung
Jetzt mit Kim üben

Dreiecksverteilung (simpsonsche Verteilung) nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich
  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Verwandte Artikel

Normalverteilung (Gauß-Verteilung)

Auf der Suche nach „dem durchschnittlichen, dem normalen Menschen“ (l' homme moyen) ließ der auf vielen Gebieten tätige belgische Wissenschaftler LAMBERT ADOLPHE JACQUES QUÉTELET (1796 bis 1874) in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts biometrische Messungen in großem Umfang durchführen. In vielen Fällen wurde dabei seine Vorstellung bestätigt, dass die Häufigkeitsverteilung der gemessenen Werte (etwa zum Brustumfang) einer symmetrischen Glockenkurve entspricht. Das mag wohl auch ein wichtiger Grund dafür gewesen sein, dieser gleichsam als naturgemäß angesehenen Verteilung den Namen Normalverteilung zu geben, wobei diese Bezeichnung auch zu allerlei Fehldeutungen führte – vor allem dann, wenn alles nicht Normalverteilte als anormal eingestuft wurde.

Standardnormalverteilung

Eine Normalverteilung N ( μ ;   σ 2 ) wird vollständig bestimmt durch ihren Erwartungswert μ und ihre Streuung σ 2 . Es liegt deshalb die Frage nahe, ob man eine beliebige Normalverteilung in eine spezielle Normalverteilung transformieren kann – und zwar in eine mit solchen Parametern, die den Termen ihrer Dichte- und Verteilungsfunktion eine möglichst einfache Gestalt geben. Für eine ( 0 ;   1 ) -normalverteilte Zufallsgröße wäre dies der Fall:
Für die Werte μ = 0       u n d       σ = 1 erhält man als Spezialfall die Standardnormalverteilung.

Die gaußsche Summenfunktion

Es sei X eine standardnormalverteilte Zufallsgröße mit der Dichtefunktion
  ϕ ( x ) :     x ↦ 1 2 π e −   1 2 x 2     ( x ∈ ℝ )
und der gaußschen Glockenkurve als Graph ihrer Dichtefunktion.

Die Verteilungsfunktion von X wird mit Φ bezeichnet und gaußsche Summenfunktion (bzw. auch gaußsche Integralfunktion oder GAUSSsches Fehlerintegral) genannt.
Es gilt:
  P ( X ≤ a ) = Φ ( a ) = ∫ −   ∞ a ϕ ( x )   d x

Daniel Bernoulli

* 08. Februar 1700 Groningen
† 17. März 1782 Basel

Auf mathematischem Gebiet beschäftigte sich DANIEL BERNOULLI vor allem mit Problemen der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Darüber hinaus arbeitete er über Reihen und Differenzialgleichungen.
Seine bedeutendsten wissenschaftlichen Leitungen erzielte er auf dem Gebiet der Hydromechanik, indem ihm die mathematische Beschreibung strömender Flüssigkeiten gelang.

Erwartungswert von Zufallsgrößen

Da Zufallsgrößen oftmals sehr komplizierte mathematische Gebilde sind, sucht man nach zahlenmäßigen Kenngrößen, die über die Zufallsgröße Wesentliches aussagen und zugleich aus Beobachtungsdaten zumindest näherungsweise einfach zu bestimmen sind.
Eine derartige Kenngröße ist der Erwartungswert.

  • Es sei X eine endliche Zufallsgröße, die genau die Werte x i       ( m i t       i ∈ { 1 ;   2 ;   ... ;   n } ) annehmen kann, und zwar jeweils mit der Wahrscheinlichkeit P ( X = x i ) . Dann nennt man die folgende Kenngröße den Erwartungswert der Zufallsgröße X:
    E X = x 1 ⋅ P ( X = x 1 ) + x 2 ⋅ P ( X = x 2 ) + ... + x n ⋅ P ( X = x n )

Anmerkung: Für EX schreibt man auch E ( X ) ,       μ ( X ) ,       μ X       o d e r       μ .

Ein Angebot von

Footer

  • Impressum
  • Sicherheit & Datenschutz
  • AGB
© Duden Learnattack GmbH, 2026