Ignaz Philipp Semmelweis

Studium und erste Arbeitsjahre

IGNAZ PHILIPP SEMMELWEIS wurde am 1. Juli 1818 in Ofen (bei Buda; heute: Budapest) geboren. Er studierte Medizin in Pest und in Wien und promovierte dort im Jahre 1844.

1846 wurde er zum Assistenten der Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ernannt.

Von 1846 bis 1849 war er Assistenzarzt an der ersten Wiener Klinik für Geburtshilfe. Diese Klinik bestand aus zwei Abteilungen: Eine war den Ärzten und Medizinstudenten zugeordnet, für die zweite waren die Hebammen verantwortlich. SEMMELWEIS beobachtete, dass die meisten Todesfälle nach einer Geburt (das sogenannte Kindbettfieber, es wird begleitet von hohem Fieber und eitrigen Wunden) in der Abteilung auftraten, für die Ärzte zuständig waren. Das führte ihn zu der Annahme, dass die Ursache in der ärztlichen Untersuchung liegen musste.

Den Ursachen für das Müttersterben auf der Spur

Die Ärzte untersuchten die Frauen während und nach der Geburt. Bei der Geburt treten immer kleine Geburtswunden auf. Wenn nun in diese kleinen Wunden (Risse u. ä.) Krankheitskeime eindringen, kommt es zu einer Infektion. Man nannte diese Berührungsinfektion auch „Frauentod aus Männerhand“. In manchen Kliniken starben daran über 90 Prozent der Wöchnerinnen!

Verstärkt wurde SEMMELWEIS' Verdacht durch den Tod eines befreundeten Gerichtsmediziners, JAKOB K. KOLLETSCHKA. Dieser starb an einer Blutvergiftung (Sepsis), die er sich durch eine Wunde beim Sezieren zugezogen hatte. Die Symptome des Krankheitsbildes seines Freundes waren ähnlich denen, die SEMMELWEIS beim Kindbettfieber der Mütter beobachtete.

Die gemeinsame Ursache war, wie er im Mai 1847 schrieb, „die Leichenteilchen, die in das Blutgefäßsystem gelangten“. Verwunderlich war das zu der damaligen Zeit nicht, denn die Ärzte und Studenten kamen direkt vom Seziersaal zur Untersuchung. So infizierten sie ihre Patientinnen.

SEMMELWEIS führte als Konsequenz ein, dass sich Ärzte und Studenten vor einer Behandlung der Frauen gründlich die Hände und Arme reinigen und desinfizieren mussten. Als Desinfektionsmittel benutzte man eine Lösung aus Chlorkalk. Durch diese einfache hygienische Maßnahme konnte SEMMELWEIS in seiner Abteilung die hohe Sterblichkeit der Frauen um die Hälfte herabsenken. Er wurde der Retter der Mütter genannt.

Rückkehr nach Pest

Trotz dieser Erfolge wurde er in Kollegenkreisen nicht anerkannt. 1849 verließ SEMMELWEIS gekränkt Wien und kehrte in seine ungarische Heimat zurück, 1855 erhielt er an der Pester Universität eine Professur für Geburtshilfe. In dieser Einrichtung verfasste er eine umfassende Darstellung seiner Untersuchungen und Ergebnisse und verbreitete diese in „offenen Briefen“. 1861 erschien daraus „Die Atiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers“. Aber nur wenige Kollegen setzten sich für ihn ein und verbreiteten seine Ideen.

Erst zwei Jahre nach SEMMELWEIS' Tod konnte ein junger schottischer Chirurg, JOSEPH LISTER (1827 – 1912), die Medizinerkollegen von SEMMELWEIS' Erkenntnissen überzeugen: Er führte im Jahre 1867 das Besprühen mit desinfizierendem Karbol in die Chirurgie ein und erreichte dadurch einen steilen Abfall der Sterblichkeitsrate (Mortalität) im Operationssaal. Daraufhin erhielt SEMMELWEIS posthume Anerkennung. Erst über diesen jungen Arzt und Bakteriologen fand das Händewaschen vor einer geburtshilflichen Untersuchung Eingang in die alltägliche Arztpraxis.

Bis dahin starben noch viele Mütter an Kindbettfieber, nur aufgrund ärztlicher Ignoranz. Heute tritt das Kindbettfieber nur noch sehr selten auf.

SEMMELWEIS wurde durch seine Ideen zum Vorkämpfer für die Antisepsis (Vernichtung von Krankheitskeimen, vor allem in Wunden) und dadurch zum Retter vieler Mütter. Er selbst endete allerdings tragisch: Er erkrankte an einer endogenen Psychose und starb 47-jährig in der Landesirrenanstalt Döbling an einer Wundinfektion.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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