Charles Robert Darwin

CHARLES ROBERT DARWIN wurde als fünftes Kind einer wohlhabenden Arztfamilie in The Mount bei Shrewsburry geboren. Im gleichen Jahr hatte der Franzose JEAN BAPTISTE DE LAMARCK (1744–1829) seine Vorstellungen von der Artenänderung veröffentlicht. Die meisten Naturwissenschaftler waren jedoch weiterhin Anhänger der von GEORGES DE CUVIER (1769–1832) vertretenen „Katastrophentheorie“ (Sintflut). Danach werden Tiere im Laufe der Erdgeschichte Opfer von Naturkatastrophen, wobei nach jeder Katastrophe eine Neubesiedlung durch Tiere aus anderen Gebieten erfolgt.

Schule und Ausbildung

Nach dem frühen Tod seiner Mutter besuchte CHARLES von 1817 bis 1825 eine Internatsschule und wurde dann von seinem Vater auf die Universität von Edinburgh geschickt. Er sollte Arzt werden, brach das Studium aber nach zwei Jahren ab. Stattdessen, ebenfalls auf Wunsch seines Vaters, studierte er von 1827 bis 1831 Theologie in Cambridge. Hier lernte er den Geistlichen und Botanikprofessor HENSLOW kennen, der sein Interesse an den Naturwissenschaften erkannte und förderte. Nach Abschluss des Studiums las DARWIN den Bericht des Naturforschers ALEXANDER VON HUMBOLDT über dessen Südamerikareise und sammelte im Rahmen einer geologischen Exkursion nach Nordwales (England) Geländeerfahrung.

Die Weltreise mit der Beagle

Noch im gleichen Jahr (1831) nahm DARWIN die Gelegenheit wahr, als unbezahlter Naturforscher an einer Weltreise mit dem Segelschiff Beagle teilzunehmen. Die Reise dauerte vom 27.12.1831 bis zum 02.10.1836 und führte zu Küstenregionen und Inseln der südlichen Erdhalbkugel. Unterwegs las DARWIN das Buch „Grundzüge der Geologie“ von CHARLES LYELL (1797–1885). Darin erläutert LYELL das Aktualismusprinzip, nach dem die in der Gegenwart wirkenden, die Erdoberfläche gestaltenden Kräfte auch in der Vergangenheit in gleicher Weise gewirkt und über Jahrmillionen die gewaltigen Veränderungen der Erdoberfläche bewirkt haben.

Vor allem in Südamerika hatte DARWIN viel Zeit, ins Landesinnere vorzustoßen, um Tier- und Pflanzenarten zu beobachten und genau zu beschreiben. Daneben sammelte er Fossilien, das sind versteinerte Überreste meist ausgestorbener Tiere. Alle seine Beobachtungen notierte er sorgfältig.

So beobachtete er während eines längeren Aufenthaltes auf den Galapagosinseln Finken, die sich sehr ähnlich sahen. Sie bewohnten verschiedene Biotope (Boden, Kakteen, Bäume) und waren aufgrund unterschiedlich ausgebildeter Schnäbel auf bestimmte Nahrungszonen spezialisiert (Insekten, Körner). DARWIN konnte mehr als zehn Arten unterscheiden. Als er später seine Aufzeichnungen auswertete, kam ihm der Gedanke, dass diese Finkenarten miteinander verwandt sein könnten. So könnten einige Finken einer auf dem südamerikanischen Festland beheimateten Stammform die Inseln besiedelt haben. Aus diesen könnten sich dann die verschiedenen Arten entwickelt haben.

Darwins Schaffensphase

Von der Weltreise zurückgekehrt, ließ sich DARWIN in Cambridge nieder. Hier begann er sofort mit der Auswertung der mitgebrachten Materialien und verfasste ein „Erstes Notizbuch über die Umwandlung der Arten“ (1838).

Er heiratete 1839 seine Cousine EMMA WEDGWOOD und zog mit ihr 1842 auf seinen Landsitz in Down (südlich von London). Sie bekamen zehn Kinder, von denen drei im Kindesalter starben. DARWIN war inzwischen wirtschaftlich unabhängig und arbeitete ausschließlich als Privatgelehrter. Alle weiteren Arbeiten entstanden auf dem Landsitz.

Seine Veröffentlichung „Über den Bau und die Verbreitung von Korallenriffen“ von 1842 beinhaltet eine bis heute gültige Erklärung darüber, wie Atolle, das sind ringförmige Korallenriffe, entstehen. Neben seiner geologischen Tätigkeit setzte DARWIN die Untersuchungen zur Evolution fort und entwarf noch im gleichen Jahr eine kurzgefasste Skizze seiner Abstammungstheorie, die er ständig erweiterte.

Mit dem Buch „Reise eines Naturforschers um die Erde“ (1845) wurde DARWIN weltweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Nach zeitaufwendigen Untersuchungsreihen und Literaturstudien schrieb er sein Hauptwerk „Über die Entstehung von Arten durch natürliche Zuchtwahl“ (engl. Originaltitel: „On the origin of species by means of natural selection“). Das in vierzehn Kapitel gegliederte Buch erschien am 24.November 1859 unter Zeitdruck, denn der Engländer ALFRED RUSSEL WALLACE (1823–1913) hatte sich ebenfalls der Evolutionsforschung angenommen und war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie DARWIN. Diese Ergebnisse wollte er ebenfalls veröffentlichen.

Dieses Hauptwerk erweiterte und korrigierte DARWIN bis an sein Lebensende. Die wesentlichen Aussagen seiner Theorie, die sich – anders als bei vielen seiner Vorgänger – auf die Betrachtung von Populationen, d. h. Organismengruppen, bezogen, lenkten den Blick auf die Evolutionsursachen.

Seinen Abstammungsgedanken hat er im Vorwort seines Hauptwerkes wie folgt formuliert:
… so kann ich doch keinen Zweifel mehr daran hegen, dass die Ansicht, die die meisten Naturforscher bis vor kurzem vertraten und die ich selbst früher vertrat, nämlich, dass jede Art unabhängig für sich geschaffen wurde, irrig ist. Ich bin vollkommen überzeugt, dass die Arten nicht umwandelbar sind, sondern dass die ein und derselben Gattung angehörenden in gerader Linie von anderen, gewöhnlich schon erloschenen Arten abstammen …“.

Er ging von Beobachtungen aus, die er auch als Taubenzüchter gewonnen hatte. Jeder wusste zur damaligen Zeit, dass unter den Nachkommen von Zuchttieren immer auch solche mit besonders starker oder schwacher Herausbildung von Merkmalen vorkamen, selten sogar mit Neubildungen.

Die Weiterzucht solcher Individuen (künstliche Zuchtwahl) führt im Lauf der Zeit zu Individuen, die von der Ausgangsform, u. a. der Wildform, erheblich abweichen. Dies gilt für Pflanzen ebenso wie für Tiere.

DARWIN erkannte nun, dass in der Natur vergleichbare Vorgänge ablaufen müssten, wobei es zu klären galt, wer hier die Rolle des Züchters übernahm und welches die Kriterien der Auswahl seien. Bei der Analyse möglicher Faktoren, die ein Überleben begünstigen, sind die Lebewesen die besseren, die tüchtigeren Nachkommen, die sich in der Auseinandersetzung mit der Umwelt behaupten können.

Die von DARWIN gewählten Formulierungen, die auch zu Missverständnissen in der Auslegung führten, lauteten, dass im „struggle for life“ („Kampf ums Dasein“) sich ein „survival of the fittest“ abzeichnet, ein Überleben der Bestgeeigneten.

Selbstverständlich ist eine solche „natürliche Zuchtwahl“ oder Selektion nur dann möglich, wenn auch Merkmalsunterschiede zwischen den Individuen einer Art bestehen. Diese Unterschiede nannte DARWIN Variationen. Sie existieren und werden durch die natürliche Zuchtwahl innerhalb der Nachkommenschaft „sortiert“. Die Frage ist nun, wodurch immer wieder neue Variationen entstehen.

Darwin kannte zwei Arten von Veränderungen:

  • die milieubedingten Variationen, wie z. B. den Schiefwuchs von Sträuchern oder Bäumen infolge ständigen Windes,
  • die spontanen Variationen, z. B. das Auftreten roter Blüten bei sonst weiß blühenden Pflanzen. 

Spätere Werke

DARWINS Forscherdrang war auch in der Folgezeit ungebremst. Seine wichtigsten Werke aus dieser Phase sind:

  • Das Variieren der Tiere und Pflanzen im Zustand der Domestikation“ (1868)
  • Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ (1871)
  • Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei Menschen und Tieren“ (1872)
  • Erinnerungen an die Entwicklung meines Geistes und Charakters“ (1876 – 1880)

DARWIN starb am 19.04.1882 und wurde in der Westminster Abtei dicht neben ISAAC NEWTON in London beigesetzt. Seine Leistung ist vor allem eine Integrations- und Transferleistung, das heißt, er hatte es verstanden, fachübergreifend Zusammenhänge zu erkennen und deren Bezug zur Evolution aufzuzeigen.

Zuchtformen der Taube

Zuchtformen der Taube

Darwins Theorie

Darwins Theorie kann wie folgt zusammengefasst werden: Die Lebewesen erzeugen eine Überproduktion von Nachkommen, die nicht völlig gleich sind, sondern Merkmalsunterschiede (Variationen) besitzen. Durch die „natürliche Zuchtwahl“ oder Selektion überleben und vermehren sich vorzugsweise die Lebewesen, die sich aufgrund ihrer Merkmale am besten in der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umwelt behaupten können. Somit wird das Überleben der bestangepassten Nachkommen gesichert. Dies führt dazu, dass sich die Arten, denen die Lebewesen angehören, über lange Zeiträume verändern. Auf diese Weise haben sich alle Arten aus einfacheren Formen entwickelt.

DARWINS Theorie über die Evolution der Giraffen

DARWINS Theorie über die Evolution der Giraffen

Charles Robert Darwin
Evolutionstheorie
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