Karl Landsteiner der Entdecker der Blutgruppen

Kindheit und Ausbildung

KARL LANDSTEINER wurde am 14. Juni 1868 in Baden bei Wien geboren.
Sein Vater war der bekannte Wirtschaftsjournalist und Zeitungsherausgeber LEOPOLD LANDSTEINER. Er starb, als Karl 6 Jahre alt war. Seine Mutter, Fanny Hess, zog ihren Sohn alleine auf.
Karl besuchte im IX. Bezirk von Wien das Staatsgymnasium, wo er im Jahre 1885 das Abitur ablegte.

Nach seiner Schulausbildung entschloss er sich zu einem Medizinstudium in Wien, welches er im Jahre 1891 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss. Um mehr chemisches Wissen zu erlangen, studierte LANDSTEINER in Würzburg, München und Zürich Chemie. Er war von 1891 bis 1894 in den Labors von verschiedenen bedeutenden Chemikern, darunter in Würzburg bei EMIL FISCHER (1852–1919), einem deutschen Chemiker, der 1902 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Purine, Bestandteile der Nukleinsäure, erhielt.
Nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahr 1894 arbeitete er eine Zeit lang an der I. Chirurgischen Universitätsklinik. Dort machte er eine Ausbildung im Fach Chirurgie, u. a. auch bei dem bekannten Chirurgen THEODOR BILLROTH (1829–1894). Bis 1897 war er dann Assistent von MAX VON GRUBER (1853–1927) am Hygieneinstitut der Universität, anschließend vervollständigte er seine Ausbildung als Prosektor am Pathologisch-Anatomischen Institut unter der Leitung von ANTON WEICHSELBAUM (1845–1920). In dieser Zeit wurde wohl auch sein Interesse für Serologie und Immunologie geweckt.
Seine Habilitation erfolgte im Jahre 1903 an der Wiener Universität.

Wissenschaftliche Arbeiten

1902 gelang es LANDSTEINER, beim menschlichen Blut drei Unterarten zu unterscheiden. Diese Blutgruppen wurden später als A, B und 0 bezeichnet. Außerdem entdeckte er dabei, dass sich das menschliche Blut in der Fähigkeit, mit anderen Blutkörperchen zu verklumpen, unterschied. Er führte viele Versuche durch (mit seinem Blut und dem seiner Mitarbeiter) und beobachtete dabei, dass das Serum einer Person A mit den Blutkörperchen einer Person B, nicht aber mit denen einer Person C verklumpt. In einem anderen Fall verklumpte das Serum aber mit den Blutkörperchen beider Personen.
Im gleichen Jahr (1902) entwickelte er gemeinsam mit dem Gerichtsmediziner MAX RICHTER (1867–1932) eine Methode zur Bestimmung der Blutgruppen aus Blutflecken.

Erst im Jahr 1908 fanden seine Mitarbeiter, die in seinem Auftrag weiterforschten, noch die seltenere Blutgruppe AB . 1909 wurden die Blutgruppen dann in das Blutgruppensystem AB0 klassifiziert.

LANDSTEINERs Entdeckung revolutionierte die Medizin. Jetzt konnten mit wesentlich geringeren Komplikationen Bluttransfusionen durchgeführt werden.

Wenige Jahre später, 1910, stellte er bei weiteren Untersuchungen fest, dass die Blutgruppen nach den mendelschen Regeln vererbt wurden. Diese hatte man zuvor nur an Pflanzen erforscht.

Im Jahre 1911 erhielt er eine Stelle als außerordentlicher Professor an der Universitätsabteilung für Pathologische Anatomie in Wien.
Schwerpunkt seiner Forschung war dort die Tuberkulose. Gemeinsam mit anderen Professoren entdeckte er die Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung). Er forschte weiterhin nach den Ursachen bestimmter Krankheiten, z. B. Kinderlähmung. Dabei fand er heraus, dass Kinderlähmung eine Infektionskrankheit ist und durch Injektion auf Affen übertragen werden kann.

Wechsel nach Paris und New York

1919 führte LANDSTEINER seine Forschungen am Pasteur Institut in Paris weiter. Er war übrigens der Erste, der seine Versuche an Affen durchführte. Seine Arbeit in Paris bildete die Grundlage für das gesamte Wissen über die Gründe der Immunität gegenüber der Kinderlähmung.

1922 wechselte er an das Rockefeller Institut für Medizinische Forschung in New York. Dort setzte er seine Forschung über das Blut fort. Er hatte nämlich festgestellt, dass neben den Blutgruppen eine weitere Unverträglichkeit bestimmter Bluteigenschaften auftrat. Er studierte u. a. das Blutungsverhalten bei Neugeborenen und Patienten, bei denen Komplikationen nach mehreren Transfusionen auftraten. 1940 fand er mit seinem Schüler ALEXANDER WIENER den Rhesusfaktor . Dieser Faktor ist u. a. für die heute vermeidbare Erythroblastose (Erythroblasten – unreife Vorstufe der roten Blutkörperchen), der Blutarmut oder schweren Gelbsucht bei Neugeborenen verantwortlich. Den Namen erhielt dieser Faktor übrigens, weil die Forschungen dazu mit Rhesusaffen durchgeführt worden sind.
Für seine Entdeckungen der Blutgruppen und seine herausragende weitere Forschungsarbeit erhielt LANDSTEINER 1930 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Weitere Forschungen

In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich intensiver mit der Onkologie (Lehre von den Geschwülsten). Seine Frau war nämlich an Schilddrüsenkrebs erkrankt und er wollte ihr helfen.
Aber kurz nach seinem 75. Geburtstag erlitt er in seinem Labor einem Schlaganfall. Zwei Tage später, am 26. Juni 1943, starb er an den Folgen des Schlaganfalls. Seine krebskranke Frau überlebte ihn dann noch um etwa sechs Monate.
Ihm zu Ehren befand sich auf den alten 1000-Schilling-Scheinen in Österreich sein Porträt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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