Kriechtiere

Zu den Kriechtieren, die auch als Reptilien bezeichnet werden, gehören u. a. Echsen, Schlangen, Schildkröten und Krokodile. Sie kommen vor allem in warmen Gebieten vor, sind aber zum Teil auch bei uns heimisch.

Weltweit gibt es etwa 6 550 Kriechtierarten, davon kommen nur ganze 14 Arten in Deutschland vor (Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN)).

Echsen
Zu der Gruppe der Echsen gehören unsere heimischen Eidechsen und Schleichen. Echsen haben einen lang gestreckten Körper mit Schwanz und meistens vier kurze Gliedmaßen. Sie können ihre Augen durch Lider verschließen. Bei den Schleichen sind die Gliedmaßen zurückgebildet. Echsen zeigen ein eigenes Beutefangverhalten. Die Beutetiere, z. B. Insekten, Würmer, Nacktschnecken, werden zunächst mit den Augen wahrgenommen. Dann beginnen die Echsen zu „züngeln“. Die Zunge gleitet schnell im Maul aus und ein. Dabei werden Geruchsstoffe des Beutetiers aufgenommen und an ein Riechorgan in der Mundhöhle übertragen.

Im Sprung wird die Beute mit dem Gebiss gepackt und als Ganzes vom Maul aufgenommen. Sie wird durch Kieferbewegungen zerquetscht und anschließend verschlungen.

Die Zauneidechse (bis 20 cm)
lebt an sonnigen und trockenen Stellen wie Waldrändern, Böschungen, Heiden; dunkelbraunes, hell geflecktes und gesäumtes Rückenband; Körperseiten des Männchens grün; stark gefährdet.

Die Blindschleiche (bis 45 cm)
ist schlangenähnlich, hat keine Gliedmaßen, lebt an nicht zu trockenen Plätzen, z. B. an Waldrändern, auf Feldern und Wiesen; bräunlich gefärbt; nachts und bei großer Hitze verbirgt sie sich unter Steinen oder in der Erde; gefährdet.

Schlangen
Allen Schlangen gemeinsam ist ihr „starrer“ Blick. Dieser kommt dadurch zustande, dass beide Augenlider zu einer durchsichtigen Haut verwachsen sind. Die Augen können also nicht geschlossen werden.

Schlangen haben einen sehr langen, runden Körper und keine Gliedmaßen. Bei uns kommen u. a. vor: Ringelnatter, Kreuzotter und Schlingnatter. Die meisten Schlangen sind Räuber und jagen lebende Tiere, z. B. Mäuse, Eidechsen, Fische, Frösche und Vögel.

Die Beute wird durch die Augen und durch den Geruch mit der „züngelnden“ Zunge wahrgenommen. Sie wird entweder lebend gefressen (z. B. Ringelnatter) oder vor dem Verschlucken durch Umschlingen erdrosselt (z. B. Schlingnatter). Giftschlangen (z. B. Kreuzottern) vergiften ihre Beute beim Zupacken, lassen sie dann wieder laufen, finden das tote Tier durch „Züngeln“ und verschlingen es.

Die Ringelnatter (bis 1,5 m)
ist eine gute Schwimmerin, lebt in der Nähe von Gewässern wie Seen, Teichen, Gräben; halbmondförmiger, leuchtend gelber Fleck beiderseits hinten am Kopf; Rücken grau mit dunklen Flecken; helle Augen mit großer runder Pupille; gefährdet.

Die Kreuzotter (bis 75 cm)
besiedelt sonnige und feuchte Plätze wie Heidemoore, Wälder, Wiesen; x- oder kreuzförmige Zeichnung am hinteren Kopf; dunkles Zickzackband über dem graubraunen Rücken; rötliche Augen mit senkrechter Pupille; Giftschlange); stark gefährdet.

Schildkröten
Schildkröten haben einen gedrungenen Körper, der von einem schützenden Knochenpanzer (Rücken- und Bauchschild) umgeben ist. Dieser Panzer ist im Rückenschild mit der Wirbelsäule verwachsen. Kopf, Gliedmaßen und Schwanz können durch Öffnungen im Panzer ausgestreckt und wieder zurückgezogen werden. Die Landschildkröten leben auf dem Land. Der Lebensraum der Seeschildkröten ist das Wasser. Die Sumpfschildkröten können im Wasser und auf dem Land leben.

Die Griechische Landschildkröte (bis 25 cm)
bewohnt u. a. Waldränder, Graslandschaften; Rückenpanzer hoch gewölbt, bräunlich mit dunklen Streifen; Beine „klumpfußartig“ verwachsen, besitzen dicke Schuppen; Nahrung ist überwiegend pflanzlich.

Die Europäische Sumpfschildkröte (bis 30 cm)
ist ein scheues Tier; bewohnt dicht bewachsene Gewässer im Tiefland; Rückenpanzer flach gewölbt, dunkel mit gelben Flecken, Bauchseite weißlich und dunkel gefleckt.
Finger und Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden; ernährt sich vor allem von Lurchen, Schnecken und Kleinfischen; ist vom Aussterben bedroht.

Krokodile
Krokodile besitzen einen lang gestreckten Körper mit vier kurzen Gliedmaßen. Bei den Krokodilen ist der Schwanz als Ruderschwanz seitlich abgeplattet.
Ihr Lebensraum sind die Flüsse und Seen der Tropen und Subtropen. Sie gehören zu den größten Kriechtieren, die es gegenwärtig gibt.

Echte Krokodile, Alligatoren und Kaimane gehören zur Gruppe der Krokodile. Sie alle sind Fleischfresser. Sie ernähren sich von verschiedenen Wirbeltieren, z. B. Wasservögeln, Antilopen und Rindern. Beim Lauern auf Beute liegen sie reglos am Ufer bzw. im Wasser, nur die Augen, Nasenlöcher und Ohren schauen aus dem Schlamm bzw. dem Wasser heraus. Kommt ein Beutetier in die Nähe, wird es mit den Zähnen gepackt und rückwärts tauchend unter Wasser gezogen. Dabei werden große Bissen aus dem Tier herausgerissen und verschlungen.

Das Nilkrokodil (bis 6 m)
lebt in Flüssen, Seen und Sümpfen Afrikas; regionale Unterschiede in Größe, Panzerung und Hautknochenausbildung; Färbung helloliv bis braun (Jungtiere) bzw. dunkelgrau bis braungrün oder schwarz (ausgewachsene Tiere); vor allem im Süßwasser, in Küstennähe auch im Salzwasser; Eier werden in Gruben abgelegt und mit Sand bedeckt, nach dem Schlüpfen werden die Jungtiere von der Mutter im Maul ins Wasser getragen; in Gesamtpopulation ungefährdet.

Nilkrokodil

Skelett und Fortbewegung

Kriechtiere sind Wirbeltiere. Ihr Körper ist in Kopf, Rumpf und Schwanz gegliedert.

Das Skelett einer Eidechse verdeutlicht, dass der Körper flach auf dem Boden liegt und die Gliedmaßen seitlich vom Körper abstehen. Die Eidechse bewegt sich durch schlängelndes Kriechen vorwärts. Das Skelett der Eidechse besteht aus dem Schädel, dem Rumpfskelett und dem Gliedmaßenskelett. Die Schlangen besitzen keine Gliedmaßen. Das Skelett lässt erkennen, dass der gesamte Körper auf dem Boden aufliegt. Die schlängelnden Vorwärtsbewegungen beginnen hinter dem Kopf und laufen wie eine Welle über den ganzen Körper. Die Wirbelsäule wird gekrümmt. Die schildförmigen Bauchschuppen werden gegen die Unebenheiten des Bodens gedrückt. Dadurch wird ein Zurückgleiten des Körpers verhindert. Die Blindschleiche hat keine Gliedmaßen und sieht deshalb wie eine Schlange aus. Sie gehört aber zu den Eidechsen, denn sie besitzt an ihrem Skelett noch Reste von Schulter- und Beckengürtel. Sie kann außerdem wie die Eidechsen ihren Schwanz bei Gefahr abwerfen.

Skelett der Zauneidechse

Körperbedeckung (Kriechtierhaut)

Der Körper der Echsen und Schlangen ist mit Hornschuppen bedeckt. Krokodile und Schildkröten besitzen eine Haut aus Hornplatten.
Diese Hornschicht wird von der Oberhaut gebildet. Sie wird fest und hart. Die Hornschicht schützt den Tierkörper vor Verletzungen und auch vor Wasserabgabe durch die Haut. Die Tiere können nicht austrocknen. Selbst der Körper von manchen Kriechtieren, die im sonnendurchglühten Wüstensand leben (z. B. Wüstengecko), kann so nicht austrocknen. Kriechtiere sind Trockenlufttiere.

Wenn die Kriechtiere größer werden, kann die feste Hornhaut nicht mitwachsen. Sie zerreißt. Die alte Hornhaut wird mehrmals im Jahr in kleinen bis größeren Fetzen, z. B. bei der Eidechse, oder im Ganzen, z. B. bei den Schlangen, abgestreift. Die neue Haut wurde unter der alten bereits von der Oberhaut gebildet. Diesen Vorgang des Abstreifens der alten Hornhaut nennt man Häutung.

Aufbau der Kriechtierhaut

Atmung der Kriechtiere

Atmungsorgane der Kriechtiere sind Lungen, sie sind Lungenatmer. Ihre trockene Haut ist jedoch zur Hautatmung nicht geeignet. Daher muss ihre Lunge leistungsfähiger sein als die der Lurche. Dies wird erreicht, indem ihre Lungenoberfläche stärker gefaltet ist. Dadurch können Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid über eine größere Fläche ausgetauscht werden. Kriechtiere besitzen eine einfache, mehrfach gekammerte Lunge mit wenigen Faltungen. Die Körpertemperatur wechselt entsprechend der Außentemperatur. Kriechtiere sind wechselwarme Tiere.

Einfache, mehrfach gekammerte Lunge der Kriechtiere

Ernährung der Kriechtiere

Ebenso mannigfaltig wie die Gestalt und Lebensweise der Kriechtiere ist auch ihre Nahrung. Vorwiegend ernähren sie sich von anderen Tieren. Während sich die Eidechsen von Kleintieren wie Insekten, Spinnen und Würmern ernähren, machen die Schlangen, z. B. die Ringelnatter, Jagd auf größere Tiere. Sie hält sich in Wassernähe auf und erbeutet Frösche und kleine Fische.

Im Gegensatz zur Ringelnatter, die ihre Beute lebend hinunterwürgt, betäubt bzw. tötet die Kreuzotter zunächst ihre Beutetiere, z. B. Mäuse, Eidechsen, Frösche, durch einen Biss mit ihren Giftzähnen, um sie dann zu verschlingen.

Schlangen können ihre Beute im Ganzen verschlingen. Sie können ihr Maul vergrößern. Die beiden Hälften ihres Unterkiefers sind durch ein elastisches Band miteinander verbunden. Dadurch können sie auseinanderweichen. Der Unterkiefer ist nicht direkt, sondern durch die sogenannten Quadratbeine (Os quadratum = Wirbeltierknochen im Kopfbereich) am Schädel befestigt. Diese können sie nach unten klappen und so das Maul weit öffnen. Das Gift von Schlangen wird zur Herstellung von Medikamenten verwendet. Auf Schlangenfarmen werden Schlangen gehalten. Dort wird ihnen regelmäßig das Gift abgenommen.

Die Sumpf- und Meeresschildkröten ernähren sich vorwiegend von tierischer Nahrung wie Fischen, Schnecken, Fröschen, Krebsen, die Landschildkröten von pflanzlicher Kost. Die Krokodile sind Fleischfresser. Sie schnappen sich Fische, Wasservögel und größere Wirbeltiere, die in ihre Nähe kommen.

Fortpflanzung und Entwicklung der Kriechtiere

Die Fortpflanzung und Entwicklung der Kriechtiere erfolgt auf dem Land. In der Fortpflanzungszeit paaren sich Männchen und Weibchen. Das Männchen gibt die Samenzellen in den Körper des Weibchens. Sie gelangen zu den Eiern. Eine Samenzelle verschmilzt im Körper des Weibchens mit der Eizelle. Diese Form der Befruchtung wird innere Befruchtung genannt. Nach der Befruchtung bildet sich bei Eidechsen und Schlangen um die Eier eine pergamentartige Hülle. Bei den Krokodilen und Schildkröten erhalten die Eier eine Kalkschale.

Die Weibchen, z. B. bei den Eidechsen, Schildkröten, Krokodilen, legen die befruchteten Eier auf dem Land ab, oftmals in ausgescharrten Erdlöchern, oder wie die Ringelnatter in Dung- und Laubhaufen. Die Eier werden zugedeckt und sich selbst überlassen. Sie werden von der Sonnenwärme ausgebrütet, bis nach einigen Wochen die Jungen ausschlüpfen. Die jungen Tiere sind dann zwar noch sehr klein, sehen aber schon wie die erwachsenen Tiere aus. Sie machen demnach nicht wie die Lurche eine Metamorphose durch. Die Jungen sind sofort selbstständig.

Einige Kriechtiere bringen lebende Junge zur Welt, sie sind lebend gebärend. Dazu gehört z. B. die Kreuzotter. Bei ihr erfolgt die Entwicklung im Ei schon im weiblichen Körper. Beim Ablegen der Eier oder kurze Zeit später reißt die dünne Eihülle und das voll entwickelte Jungtier schlüpft heraus.

Die Kriechtiere des Erdmittelalters werden Saurier (im allgemeinen Sprachgebrauch oft Dinosaurier, die jedoch nur eine Teilgruppe der Saurier darstellen) genannt. Unter den Landsauriern gab es Pflanzen- und Fleischfresser. Außer den Landsauriern gab es jedoch auch Fischsaurier, die im Wasser lebten. Sie hatten flossenähnlich ausgebildete Gliedmaßen.

Giftschlangenschädel

Reptilien in Deutschland

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN))
Lurche und Kriechtiere zählen zu den besonders stark gefährdeten Tiergruppen in Deutschland. Von 14 heimischen Kriechtierarten stehen 11 auf der Roten Liste. Ungefährdet sind lediglich die Waldeidechse und die Blindschleiche, über die Kroatische Gebirgseidechse weiß man nicht genug, um sie einstufen zu können.

Viele der Reptilienarten sind an spezielle Strukturen und Lebensräume gebunden, die in der heutigen Landschaft selten geworden sind. Sie kommen vorwiegend an trockenwarmen Standorten vor, wie z. B. herausgehobene Sonnenplätze an Gehölzrändern oder aber rohbodenreiches Ödland. Einige Kriechtiere dagegen benötigen intakte Feuchtbiotope. Um sich erfolgreich fortpflanzen zu können, benötigen die Kriechtiere naturnahe Kleingewässer oder aber größere strukturreiche Gewässerkomplexe. Ein weiterer entscheidener Gefährdungsgrund sind fehlende geeignete Überwinterungsmöglichkeiten, wie Höhlen, Tierbauten, Hohlräume, Teiche und Bäche. Bei ihren regelmäßigen Wanderungen zwischen Überwinterungsquartier, Fortpflanzungsort und Sommerquartier sind manche Schlangen und die Sumpfschildkröte durch den Straßenverkehr gefährdet. Die Ursachen, die in erster Linie für den Rückgang der heimischen Reptilienarten verantwortlich sind, reichen von Lebensraumzerstörung und Gewässerverschmutzung über direkte Verfolgung, Vernichtung durch Straßenverkehr bis hin zu Giftstoffen und vielfältigen Klimafaktoren. Der Gefährdungsstatus wird folgendermaßen kategorisiert und beschrieben:

0: ausgestorben oder verschollen
1: vom Aussterben bedroht
2: stark gefährdet
3: gefährdet
D: Daten ungenügend

Zentrale Rückgangsursache ist – wie in den meisten Fällen gefährdeter Arten – die fortschreitende Biotopzerstörung bzw. eine Verschlechterung der Biotopqualität. Die Gefährdungsfaktoren wirken sich vor allem auf die Arten mit kleinen Beständen und kleinen isolierten Wohngebieten (Habitaten) aus, wie z. B. bei der Aspisviper, die nur im Süden Deutschlands vorkommt. Aber auch Arten mit einem großen Verbreitungsgrad sind durch den schnellen Landschaftswandel massiv betroffen. Hier kann die Zauneidechse als Beispiel angeführt werden.

Die heimischen Kriechtiere stehen unter Naturschutz. Verstärkte Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig, um vor allem die vom Aussterben bedrohten Arten zu retten und die Lebensräume aller Kriechtiere zu erhalten bzw. die Qualität zu wahren.

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